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Die orthomolekulare Medizin arbeitet mit Substanzen, die in einer natürlichengesunden Ernährungvorkommen und die der Körperseit jeher kennt und benötigt wie etwa Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelementeund essentielle Aminosäuren.
Der Begriff leitet sich vom griechischen?????, orthós, ?richtig?, ?gut? und vom lateinischstämmigen molekular (das Molekül, ?der Baustein?) ab. Der Therapie liegt die Annahme zugrunde, daß der Körper mit diesen Stoffen besser umgehen kann ("richtige Moleküle") als mit Arzneistoffen, die innerhalb des letzten Jahrhunderts in einem Labordurch eine chemische Syntheseentwickelt oder aus planzlichen oder tierischen Ausgangsstoffen gewonnen wurden - die per Definition aber nicht im menschlichen Körper vorkommen. Die Effekte von Vitaminen und ähnlichen Stoffen werden für überschaubarer und risikolosergehalten als die Wirkungen der als "körperfremd" gewerteten Stoffe der Pharmaindustrie.
Vitamine und ähnliche Stoffe werden dabei manchmal in sehr hohen Doseneingesetzt, oder aber auch gemieden (wie etwa Iodbei Schilddrüsenüberfunktion). Die Verwendung von höheren Vitamindosen als in der Schulmedizinüblich hat der orthomolekularen Therapie Kritik eingetragen.
Die orthomolekulare Medizin wird vorwiegend als komplementäre Therapieoder in der Präventioneingesetzt. Sie wird auch als Maßnahme zur Selbstbehandlungpropagiert (z. B. Vitamin Cbei Erkältung), bevor der Arztbesuch für nötig befunden wird; oder in Fällen, in denen die Schulmedizin versagt hat (wie etwa Allergien, Neurodermitis).
Als Wegbereiter gilt der Chemie-und FriedensnobelpreisträgerLinus Pauling, der den Ausdruck 1968erstmals in einem Aufsatz über orthomolekulare Psychiatriegebrauchte. 1
Inhaltsverzeichnis
- 1 Definition
- 2 Orthomolekulare Ernährung
- 3 Vitalstoffe im System der orthomolekularen Therapie
- 4 Forschungsstand: Vitamine gegen Krebs
- 5 Rechtliches
- 6 Literatur
- 7 Zeitschriften
- 8 Weblinks
- 9 Fußnoten
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Definition
Die exakte Definition lautet: Orthomolekulare Medizin ist nach Pauling die Erhaltung guter Gesundheit und Behandlung von Krankheiten durch die Veränderung der Konzentrationen von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind.
Damit grenzt sich die Orthomolekulare Medizin grundsätzlich von dem pharmazeutischen Ansatz ab, nach dem auch körperfremde Drogenund Chemikalienverwendet werden, um den physischen oder psychischen Zustand des Patienten zu verändern.
Eine Unterform der orthomolekularen Medizin ist die von den kanadischen Ärzten Abram Hofferund Humphrey Osmondbegründete orthomolekulare Psychiatrie.
Nach dem Tod Paulings ist die orthomolekulare Medizin vor allem durch das Wirken des ehemaligen Pauling-Mitarbeiters Matthias Rathin die Nähe von Pseudowissenschaftund Geschäftemacherei geraten. Seriöse Forschung über den Einfluss von Vitaminen und Mineralstoffen auf den menschlichen Stoffwechsel vermeidet jeden Bezug auf die orthomolekulare Medizin. Die oben erwähnte Definition von Pauling ist darum für die verbreitete Sicht auf die orthomolekulare Medizin nicht mehr maßgebend.
Orthomolekulare Ernährung
Ausgangspunkt ist die These, dass es heutzutage kaum möglich sei, sich über ausgewogene Ernährungausreichend mit sogenannten Vitalstoffen zu versorgen, weil die Lebensmittelaufgrund von unnatürlicher Züchtung, Transport, Lagerung, Zubereitung etc. nur noch ein Bruchteil der früher vorhandenen Stoffe enthielten. Dies führe zu chronischem Mangel des überwiegenden Teils der Bevölkerung, insbesondere in Phasen hoher körperlicher und geistiger Anstrengung sowie bei bestimmten Risikogruppenund zu Gesundheitsstörungen. Beispielhaft zu erwähnen sind Wachstumsphasen, Schwangerschaft und Stillzeit, Wechseljahre, Alter, chronische Erkrankungen, Schadstoff- und Umweltbelastung oder Rauchen. Insbesondere während der Behandlung von bösartigen Erkrankungen Krebsmittels Strahlentherapieoder Chemotherapiesteige der Bedarf an Vitalstoffen. Die Orthomolekulare Medizin erhebt den Anspruch, neben der bloßen Vermeidung von Mangelerscheinungen auch präventive und therapeutische Funktionen erfüllen zu können - insbesondere bei sogenannten Zivilisationskrankheiten, wie beispielsweise psychischen Krankheiten oder Herzinfarkten.
Vitalstoffe im System der orthomolekularen Therapie
- Antioxidative VitamineA, C und E sowie Provitamin A (= Beta-Carotin) sollen u.a. aggressive Sauerstoffverbindungen unschädlich machen. Die B-Vitamine, Folsäure, Pantothensäure und Biotin sollen ebenfalls ergänzt werden, da sie für die Zellfunktion wichtig sind.
- Spurenelemente, insbesondere Selen, Eisen, Zink, Manganund Kupfersind Bestandteil von antioxidativen Enzymen und daher ebenfalls wichtig. Selen-Präparate sind in der alternativen Krebsbehandlung sehr verbreitet. Gelegentlich wird auch Chrom, Magnesium, Molybdän, Siliziumund Iodgegeben.
- Omega-3-Fettsäurensind vorwiegend in Fisch enthalten und sollen dem Dickdarmkrebs vorbeugen. Sie werden in Kapselform angeboten.
Im Gegensatz zu den - an den Minimalforderungen der RDAorientierten - herkömmlichen Nahrungsergänzungsmittelnsind die meisten Vitalstoffe der orthomolekularen Medizin höher dosiert. Die Vertreter der orthomolekularen Therapie verwenden in den letzten Jahren zunehmend außerdem sekundäre Pflanzenstoffe (das sind antioxidativ wirksame Inhaltsstoffe von Gemüse und Obst). Zusammengefasst werden alle diese Präparate und Substanzen oft auch als Mikronährstoffebezeichnet.
Forschungsstand: Vitamine gegen Krebs
Pauling nahm an, dass die Funktion der körpereigenen Schutzsystemegegen entartete Zellen davon abhängt, dass wichtige Substanzgruppen (sogenannte Vitalstoffe) in der richtigen Menge und Konzentration verfügbar sind. Bei Streßund chronischen Erkrankungen sowie bei unausgewogener Ernährung sei dies jedoch nicht immer der Fall; der Verbrauch an Vitalstoffen übersteige den Nachschub und es komme zu Mangelerscheinungen. 1968schlug Linus Paulingvor, zur Vorbeugung und Behandlung von Krebs solche Stoffe einzusetzen.
Bei Krebspatienten sind die Blutspiegel der vorgenannten Substanzen häufig gegenüber denen von Gesunden erniedrigt. Es gibt außerdem zahlreiche Studien, die an Tiermodellen (meist genetisch veränderte Nagetiere mit künstlich hervorgerufenen Tumoren) und Zellkulturen die tumorhemmende Wirkung solcher Substanzen gezeigt haben. Allerdings ist es bisher trotz zahlreicher Versuche nicht gelungen, beim Menschen einen gleichartigen Effekt nachzuweisen. Statistiken zeigten keinen Nutzen der orthomolekularen Medikamente gegen Krebserkrankungen und auch kein selteneres Auftreten von Krebs bei Gesunden, die (wie Linus Pauling) vorbeugend hohe Dosen der Präparate einnehmen. Lediglich bei echten Mangelzuständen, die bei einer gewöhnlichen Mischkost kaum auftreten, ist schulmedizinischdie Gabe von Vitaminen und Spurenelementen akzeptiert. Die schulmedizischen Dosierungen sind meist wesentlich niedriger als die orthomolekularen Regimes.
Rechtliches
In Deutschlandhaben nur wenige Vitamintabletten eine Zulassung als Arzneimittel. Sie werden vielmehr als Nahrungsergänzungsmittelverkauft, d.h. die Werbung darf keine medizinischen Indikationen und Heilungsversprechen enthalten, und hohe (möglicherweise toxische) Dosen sind unzulässig. Sehr viele Patienten kaufen daher Präparate von ausländischen Versandhändlern, die über das Interneterreichbar sind. Umfragen zufolge nehmen mindestens 50 % der Krebskranken ein oder mehrere alternativmedizinische Präparate ein. Die gesetzlichen Krankenkassentragen die Kosten nicht, da kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt.
Literatur
- H. Dietl, G. Ohlenschläger: Handbuch der Orthomolekularen Medizin. Haug-Verlag, Heidelberg 1994, ISBN 3-776-01405-9
- K. Glagau, G. Ohlenschläger: Vitalstoffe, Bausteine der Gesundheit. Haug-Verlag, Heidelberg 1994, ISBN 3-830-40821-8
- B. Watch, C. Leitmann: Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln, Hippokrates Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-777-31301-7
- H. K. Biesalski: Ernährungsmedizin, Thieme Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-131-00292-1
- U. Gröber: Orthomolekulare Medizin: Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2002,ISBN 3-8047-1927-9
- Thomas Spengler: Gesundheit durch Vitalstoffe, Selbstverlag, 2004 ISBN 300012604X
- Hahn, Ströhle, Wolters: Ernährung, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, 2005, ISBN 3804720927
Zeitschriften
- Journal für Orthomolekulare Medizin, Ralf Reglin Verlag Köln
Weblinks
- Deutsche Gesellschaft für Orthomolekulare Medizin e.V.
- Preventnetwork
Fußnoten
1 Linus Pauling Institute
Siehe auch: Mikronährstoff (Medizin)- Nahrungsergänzungsmittel
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