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Akkommodation (Physiologie)

Akkommodation (vom lateinischen accommondare = anpassen) ist die Fähigkeit zur Änderung der optischen Brechkraft der körpereigenen Augenlinse des Auges. Der Zweck dieser Funktion ist, den Lichtweg im Auge so zu ändern, dass Gegenstände unterschiedlicher Entfernung in der Netzhautebene scharf abgebildet werden.

Durch eine Kontraktion des Ziliarmuskels(vom lateinischen Musculus ciliaris) im Strahlenkörperstellen sich optisch-geometrische Veränderungen im Auge ein, die die Gesamtbrechkraftdes Auges um bis zu 15 Dioptrienverändern. Nicht immer kann die Akkommodation bewusst gesteuert werden.

Als Pseudoakkommodation wird die Fähigkeit bezeichnet, sowohl Gegenstände in der Ferne als auch in der Nähe ohne aktive Brechkraftänderung des Auges hinreichend scharf erkennen zu können.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Mechanismus
  • 2 Akkommodationsbreite
  • 3 Deutliche Sehweite
  • 4 Akkommodationsstörungen
    • 4.1 Presbyopie
    • 4.2 Akkommodationslähmung
    • 4.3 Akkommodationskrampf
    • 4.4 Konvergenzexzess
    • 4.5 Behandlung

Mechanismus

Zwei Theorien versuchen die aktive Brechkraftveränderung durch Akkomodation zu erklären:

  • Die etablierte Theorie von Helmholtzgeht von einer Linsenverformung während der Akkommodation aus. Die elastische Augenlinsewird bei Fernblick durch den Zug der Zonulafasernan der Linsenkapsel in eine Ellipsenform statisch ausgespannt. Bei Akkommodation entspannen sich die Zonulafasern durch eine konzentrische Verengung des Strahlenkörpers. Die Linse verzieht sich dann durch die elastischen Kräfte der Linsenkapsel in ihre kugelförmigere Ruheform (mechanischer Memory-Effekt), was mit einer Zunahme der Brechkraft einhergeht.
  • Die neuere Schachar-Theorie geht von einer Vorverlagerung der Augenlinse bei der Akkommodation aus, welche ebenfalls einer Zunahme der Brechkraft des Auges herbeiführt. Diese Theorie wird durch dynamische Ultraschallbiomikroskopie gestützt.

Parallel zu der Anspannung des Ziliarkörpers führen beide Augen eine Konvergenzreaktion aus (beide Augen bewegen sich synchron jeweils zur Nase hin). Diese Konvergenzreaktion ist Voraussetzung für die Fusion der Seheindrücke beider Augen zu einem dreidimensionalen Seheindruck in der Nähe.

Akkommodationsbreite

Bild:Akkomodbreiterp.png
Akkommodationsbreite und minimale Sehweite in Abhängigkeit vom Alter.

Die maximal mögliche Brechkraftänderung wird als Akkommodationsbreite bezeichnet. Bei Kleinkindern beträgt sie ca. 14 Dpt. Bezogen auf die Gesamtbrechkraft des Auges von ca. 58 Dpt entspricht dies einer Variation von ca. 25%. Im hohen Alter fällt die Akkommodationsbreite auf Werte unter 2 Dpt bzw 4% ab. Dadurch vergrößert sich der Abstand, in dem Gegenstände noch scharf gesehen werden von ca. 10 cm auf 70 cm.

Ursächlich für die Abnahme ist eine im zunehmenden Alter herabgesetzte Elastizität der Linsenkapsel (Helmholtz-Theorie) bzw. eine Linsenverdickung durch lebenslanges Wachstum der Linsenschale (Schachartheorie).

Das Diagramm zeigt die Altersabhängigkeit der Akkommodationsbreite Δ(1/f). Unter der Annahme, dass das entspannte Auge eine Brechkraft von 1/f hat, die gleich 1/b ist, mit b = Bildweite, gilt nach der Linsengleichungfür die minimale Gegenstandsweite:

1/g + 1/b = 1/f -> 1/g = 1/f - 1/b -> 1/g = Δ(1/f)

Also:

g = Δf

Die altersabhängige minimale Gegenstandsweite ist in der unteren Grafik gezeigt.

Deutliche Sehweite

Die deutliche Sehweite, auch Bezugs- oder Normsehweite genannt, ist festgelegt auf 250mm. Sie entspricht dem Abstand, auf den ein normalsichtigerMensch ohne Anstrengung akkomodieren (scharfstellen) kann. Die Bezugsgröße ist erforderlich, um beispielsweise den Vergrößerungsfaktor einer Lupezu definieren.

Akkommodationsstörungen

Presbyopie

Fällt die Akkommodationsbreite unter etwa 6 Dioptrien (die Zeitung muss zum Lesen in über 35 cm Abstand gehalten werden) spricht man von einer Presbyopie.

Akkommodationslähmung

Der Musculus ciliaris wird von einem Nerven des parasympathischen Nervensystemsinnerviert (Nervus oculomotorius). Von manchen chemischen Stoffen wird diese Innervation gehemmt, was auch Zykloplegie genannt wird. Eine Augenglasbestimmung unter Zykloplegie sollte nicht als endgültige Brillenkorrektion dienen, da Orthopetal-Reize fehlen. Scharfes Sehen in der Nähe ist daher nach Einwirkung dieser Mydriaticafür eine gewisse Zeitspanne nicht mehr möglich. Auch bei einer Schädigung des Nervus oculomotorius, in dem die parasympathischen Nervenfasern verlaufen stellt sich eine Akkommodationslähmung ein.

Akkommodationskrampf

Für scharfes Sehen ist eine Akkommodation bei weitsichtigenAugen bereits beim Blick in die Ferne erforderlich. Die Akkomodationsbreite reduziert sich daher um diese (reflektorische) Akkomodation zum Ausgleich der Weitsichtigkeit. Bei erheblicher Weitsichtigkeit oder bei einer durch eine zu starke Brille korrigierten Kurzsichtigkeit kann sich nach längerer Zeit ein Akkommodationskrampf einstellen. Dieser Zustand äußert sich in Kopfschmerzen und vorübergehendem Verschwommensehen. In solchen Fällen hilft eine optimal angepasste Brille auch Weitsichtigen mit guter Sehschärfe ohne Brille.

Konvergenzexzess

Als Konvergenzexzess wird ein Einwärtsschielendurch eine überschießende Konvergenzreaktion bei Akkommodation bezeichnet. Typischerweise sind weitsichtige Personen vergleichbar mit dem Akkommodationskrampf betroffen.

Behandlung

Eine einfache Lesebrille, eine Bifokalbrilleoder Gleitsichtbrillenkönnen die Presbyopie erfolgreich ausgleichen.

Es existieren ferner verschiedene Verfahren zum kosmetisch unauffälligen Ausgleich der Presbyopie, die allesamt auf Pseudoakkommodationsverfahren basieren

  • Monovision: ein Auge wird durch eine Kontaktlinse auf die Nähe abgestimmt
  • Multifokale Kontaktlinsen
  • Multifokale Intraokularlinsen

Seit 2000 werden auch Kunstlinsen implantiert,die durch minimale axiale Bewegung im Kapselsack eine Optik-Shift Akkommodation erbringen. Die Ergebnisse haben allerdings eine hohe Streubreite aufgrund zu vieler noch nicht bekannter Einflussfaktoren. Das Sehen wird bei solchen "akkommodativen" Intra Ocularlinsen nicht schlechter, als mit klassischen Kunstlinsen,allerdings ist die Vorhersagbarkeit der zu erzielenden Lesefähigkeit noch nicht ausreichend sicher.


Siehe auch: Emmetropie





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