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Unter dem Ausdruck Cerebralparese (= Hirnlähmung) versteht man Bewegungsstörungen, deren Ursache in einer funktionellen Störung einiger Hirnzellenliegt. Die dadurch hervorgerufende Behinderungist charakterisiert durch Störungen des Nerven- und Muskelsystemsim Bereich der willkürlichen Bewegungskoordination. Am häufigsten sind spastische Mischformen und eine Erhöhung der Muskelspannung (Muskelhypertonie).
Aufgrund des jungen Alters der Kinder bei der Manifestationwird auch von infantiler Cerebralparese (= frühkindliche Hirnlähmung) gesprochen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Allgemeines
- 2 Häufigkeit
- 3 Symptome
- 4 Auswirkungen
- 5 Ursachen
- 6 Behandlung
- 7 Schulischer Aspekt
- 8 Literatur
- 9 Weblinks
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Allgemeines
Das menschliche Gehirnist unter anderem eine Schaltzentrale, die Befehle an den Bewegungsapparatsendet. Dieser wiederum meldet ausgeführte Aktionen an das Gehirn zurück. So entsteht der Kreislauf der menschlichen Motorik. Bei einem Kind mit cerebralen Bewegungsstörungen, deren Ursachenmeistens auf die Schwangerschaft, die Geburtoder auf Krankheitenzurückzuführen sind, funktionieren einige Hirnzellennicht mehr richtig. Es entstehen Löcher in diesem Bewegungskreislauf.
Eine cerebrale Bewegungsstörung wird zum einen meist durch eine hohe Muskelspannung (Muskelhypertonie) oder ständiges Wechseln von starken und schwachen Muskelverspannungen (Muskelhypotonie) sichtbar. Zum anderen ist die Zusammenarbeit verschiedener Muskelngestört. Ein Mensch mit Cerebralparese seine Muskeln nicht wie üblich kontrollieren.
Eine Cerebralparese lässt sich bei schwer betroffenen Kindernschon bald nach der Geburt erkennen, bei anderen erst nach drei bis vier Monaten. Allgemein spricht man aber erst nach Ende des ersten Lebensjahres von einer Cerebralparese. Es gibt keine bestimmte Behandlungsmethode bei Cerebralparesen, jedes Kind reagiert anders.
Häufigkeit
Statistischgesehen kann bei etwa einem von 500 lebend geborenen Kindern einer Cerebralparese diagnostiziert werden. Sehr kleine Frühgeborenesind etwa 100 bis 300 Mal häufiger betroffen als reif geborene Kinder.
Symptome
Es kommt zu einer Verhinderung der üblichen Entwicklungdes zentralen Nervensystems, zu einer Entwicklungshemmung, einem Weiterbestehen primitiver Reflexeund die Entwicklung physiologischer Reflexbahnenbleibt aus.
Die motorische Entwicklungverläuft verlangsamt. Der Muskeltonus, die Muskelstärke, die Muskelkoordination und die Bewegungsabläufesind betroffen. Es lassen sich verschiedene Formen von Bewegungs- und Haltungbesonderheitenunterscheiden, oftmals handelt es sich um Mischformen:
- Hemiplegie (32% der betroffenen Menschen): Es sind die Extremitäteneiner Körperhälfte(Armeund Beine) betroffen. Es besteht eine typische Steigerung des Muskeltonusund ein Weiterbestehen des Pyramidenbahnreflexesüber das dritte Lebensjahrhinaus.
- Diplegie (40% der betroffenen Menschen): Hierbei sind die Beine stärker betroffen als die Arme. Die Intelligenzist wie üblich entwickelt.
- Tetraplegie (2% der betroffenen Menschen): Es besteht eine generalisierte Lähmungaller Extremitätensowie eine verzögerte motorischeund kognitive Entwicklung(kognitive Behinderung). Eine Gehfähigkeit wird nur von 10% der Menschen erreicht. Insgesamt hat diese Form eine sehr ungünstige Prognose.
- Paraplegie: Spastische Lähmungbeider Beine.
- Bilaterale Hemiplegie: Spastische Paresealler vier Extremitätenmit Bevorzugung der Arme.
- Monoplegie: Spastische Lähmungeiner Extremität.
- Triplegie: Spastische Parese von drei Extremitäten.
Infolge der spastischenLähmungkommt es zur Gelenkversteifung, wobei die Beugemuskelnund die Adduktorenvon der Spastik betroffen sind:
- Die Hüftesteht angewinkelt gebeugt und nach innen gedreht.
- Ellenbogen, Handgelenk, Fingerund Kniegelenkneigen zur Beugeversteifung.
- Der Unterarm ist stark gebeugt und der Daumenist nach innen gedreht.
- Das Sprunggelenkund der Fußstehen in Spitzfußstellung.
- Die Wirbelsäulezeigt eine hochgradige Verkrümmung (Skoliose).
Bei 15% der Menschen kommt es zu ataktischen Syndromen, d. h., zu Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen, Tremor(Muskelzittern), Störung der feinen Muskelbewegungen und muskuläre Hypotonie.
Bei 10% der Menschen kommt es zu dyskinetischen Syndromen, d. h. wurmartige, unkontrollierte und unwillkürliche Bewegungsabläufe (Athetose), Tremor, mangelnde Kontrolle der Mimik, häufiges Grimassieren und Überdehnung der Gelenkkapseln.
Neben diesen drei beschriebenen Syndromen treten häufig auf:
- Epilepsiemit einer Häufigkeit von 30 bis 50%
- Psychische Störungenmit Wesensveränderung, Verhaltensstörungen(die Hälfte der Menschen hat jedoch keine oder nur eine leichte Intelligenzminderung).
- Augensymptome (Schielen).
- Hör- und Sprachstörungen.
- Minderwuchsund Muskelschwundder betroffenen Körperteile
Auswirkungen
In Folge der spastischen Lähmungen kommt es zu einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit der betroffenen Extremitäten und ggf. wird die Nutzung eines Rollstuhlsnotwendig. Dadurch ist die selbstständige Bewältigung des Alltags(z. B. essen und trinken, Toilettengang, an- und ausziehen) erschwert. Durch epileptische Anfälle kann es zu Stürzen kommen. Die Hör- und Sprachstörungen beeinträchtigen die Teilnahme am sozialen Leben. Kognitive Einschränkungen können die Selbstständigkeitund die Bewältigung des Alltagsbeeinträchtigen. Oftmals sind die Menschen ausgegrenztund es kann zu sozialer Isolationkommen.
Ursachen
Nachweisbare Ursachen für die Hirnentwicklungsstörung lassen sich in etwa 50% der Fälle finden. Beispiele sind:
- Sauerstoffmangel
- Infektionskrankheitender Mutter
- Vergiftungendurch Medikamente, Alkoholoder Kohlenmonoxid
- Nabelschnurkomplikationen(z.B. Unterversorgung)
- Fehlbildungender Plazenta(Mutterkuchen)
- Blutgruppenunverträglichkeit
- Hirnblutungen
- Unfälleim Verlauf der Schwangerschaftund im Verlauf der Geburt
- Stoffwechselstörungen
- Erbkrankheiten/ Chromosomenbesonderheiten
- Schädel-Hirn-Trauma
Die Diagnosewird nach Ausschluss anderer fortschreitender Erkrankungen und auf Grund des klinischenBefundes gestellt.
Behandlung
Kinder mit einer Cerebralparese besuchen meistens Therapien, um die Einschränkungen durch die Lähmungen auszugleichen und entstehenden Beeinträchtigungen möglichst vorzubeugen. Gängige Therapieverfahren sind z.B. die Behandlung mit Muskelrelaxantien(Spasmolytika) sowie Krankengymnastik, Physiotherapie, Ergotherapieund Logopädie. Die bekanntesten Therapiekonzepte gründen sich auf Bobath, Voita bzw. Vojtaund Petö.
Schulischer Aspekt
Bei Kindern mit einer Cerebralparese ist die Einschulungin eine Regelschulemeist ein schwerer und bürokratischer Prozess. Viele Lehrersind nicht dazu ausgebildet, Kinder mit einer Körperbehinderungaufzunehmen, selbst wenn ihre kognitivenFähigkeiten mit denen eines Regelkindes vergleichbar sind. Deshalb wird z.B. in der Schweizkeinem Lehrer vorgeschrieben, ein Kind mit einer Cerebralparese aufnehmen zu müssen. In vielen Fällen liegt es an den Eltern, sich dafür einzusetzen, dass das eigene Kind in eine Regelklasse aufgenommen wird.
Wenn ein Kind mit körperlichenSchwierigkeiten in die Regelkasse aufgenommen wird, ist dessen Schulalltag oft von vielerlei Hürden geprägt. Problematisch ist schon die Tatsache, dass von einem Kind mit Behinderung meist das Gleiche erwartet wird wie von Kindern ohne Einschränkungen. Andererseits ist es gerade für Kinder mit einer körperlichen Behinderung sehr wichtig, ihnen nicht in gutgemeinter Hilfsbereitschaft jede Arbeit abzunehmen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gesellschaftlich wichtige Arbeit leisten und selbständig für sich sorgen können. Die Anforderungen an das Lehrpersonal sind daher bei Kindern mit Behinderung enorm; dazu kommen noch potentielle Konflikte zwischen behinderten und nichtbehinderten Schülern.
Literatur
- Adriano Ferrari, Giovanni Cioni: Infantile Cerebralparese - Spontaner Verlauf und Orientierungshilfen für die Rehabilitation
- Holtz, R.: Therapiehilfen und Alltagshilfen für zerebralparetische Kinder
- Bobath, B., Bobath, K.: Die motorische Entwicklung bei Zerebralparesen
- Feldkamp, R., van Aufschnaiter, D., Baumann, J.U.: Krankengymnastische Behandlung der Infantilen Zerebralparese
- Feldkamp, M.: Das zerebralparetische Kind. Konzepte therapeutischer Förderung
- F. Heinen (Hrsg.): Botulinumtoxin bei Kindern mit Cerebralparese
- Therapieverfahren bei infantilen Cerebralparesen (Materialsammlung) Bezugsadresse
- Freeman Miller, Steven J. Bachrach, Stephen J. Bachrach: Cerebral Palsy: A Complete Guide for Caregiving. For family members and health care professionals
Weblinks
- Infantile Cerebralparese - Ein Elterninformationsblatt
- Kinder mit Cerebralparese
- Rege e.V. - Forum Cerebralparese
- Erfahrungsbericht Alessia May, *2003
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Cerebralparese aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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