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Siamesischer Zwilling

Bild:Chang-eng-bunker-PD.gif
siamesische Zwillinge Chang und Eng Bunker

Siamesische Zwillinge (auch Doppelfehlbildung) bezeichnen eine Fehlentwicklung, bei der eineiige Zwillingenach der Geburtkörperlich miteinander verbunden bleiben.

Bei eineiigen (monozygoten), monochorial-monoamnioten Zwillingen teilt sich die befruchtete Eizellein zwei eigenständige Embryonalanlagen auf. Bei einer unvollständigen Durchschnürung des Embryoblastenim späten Entwicklungsstadium der Blastozystenach dem 13. Tag nach der Befruchtungbleiben die beiden Fetenmiteinander verbunden.

Die statistische Wahrscheinlichkeit für eine Doppelfehlbildung liegt zwischen 1:60.000 und 1:200.000. Dies entspricht einer Frequenz bei monozygoten Zwillingsschwangerschaftenvon 1:300. Da jedoch durchschnittlich 30 von 100 siamesischen Zwillingen pränatalversterben, kommt nur etwa ein siamesisches Zwillingspaar auf eine Million Lebendgeburten. Wenn bekannt ist, dass es sich um ein Siamesisches Zwillingspaar handelt und sich die Schwangere bzw. das Elternpaar nicht zu einem Schwangerschaftsabbruchentschließt, wird die Geburtin der Regel per Kaiserschnittdurchgeführt, um die gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kinder möglichst gering zu halten.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ausprägungen
  • 2 Trennung
  • 3 Berühmte Fälle
  • 4 Weblinks

Ausprägungen

Bild:Siamzwilling.jpg

Die Verbindung kann sowohl bis zu den inneren Organenreichen oder auch nur äußeres Gewebebetreffen. So kann es vorkommen, dass ein siamesisches Zwillingspaar nur ein Herzoder eine Lungehat.

Verwachsungen können in verschiedenen Körperbereichen auftreten:

  • Brustbereich(in ca. 70 % der Fälle)
  • Hüftenbereich(in ca. 5 % der Fälle)
  • Kopf(in weniger als 2% der Fälle)
  • Bauchbereich
  • Steißbereich

In der Medizin wird nach Art und Ausmaß der Verwachsung unterschieden.

  • Thorakopagus- Verwachsung am Brustbereich (Thorax)
  • Omphalopagus- Verwachsung am Bauchbereich
  • Pygopagus- Verwachsung am Steißbein
  • Kraniopagus(Kephalopagus) - Verwachsung am Kopf
  • Sonderform: Dizephalie(einzelner Körper mit zwei Köpfen)
  • usw.
  • Ein Spezialfall ist die fetale Inklusion oder der Foetus in foeto, wobei intrauterinein Zwilling vom anderen absorbiert wird.

Ist eine Trennung möglich und innerhalb der ersten drei Wochen nach der Entbindung erforderlich, liegt die Sterblichkeit bei durchschnittlich 50%, während zwischen der vierten und 14. Woche die Überlebensschance bei 90 % liegt. Die (vor- und nachgeburtliche) Prognoseist jedoch stets anhängig von Art und Ausmaß der Fusionder Kinder.

Die Teilung muss nicht immer symmetrisch sein. Entwickelt sich zum Beispiel das Zellmaterial eines Zwillings nur unvollständig kann es auch zu asymmetrischen (oder auch parasitären) Doppelfehlbildungen kommen.

Das weiter entwickelte Kind, in diesem Fall auch Autositgenannt, trägt das weniger entwickelte Kind, den "Parasiten", am oder im Körper. Im Extremfall kann das weniger entwickelte Kind nur aus einem tumorähnlichenZellhaufen bestehen. Diese Erscheinung kann zum sogenannten "Steinkind" führen: Im Inneren eines Menschen wird (meist eher zufällig bei Operationen oder Untersuchungen) der nicht ausgebildete und inkorporierte Zwilling gefunden.

Trennung

Je nach Art und Umfang der Verbindung ist eine chirurgische Trennung der beiden Zwillinge möglich. Dabei müssen einige Voraussetzungen gegeben sein:

  • Die beiden Zwillinge müssen jeweils alle lebensnotwendigen Organe besitzen.
  • Die stoffwechsel- und lebensnotwendigen Prozesse dürfen nicht zu kompliziert verflochten sein (z.B. gemeinsame Blutbahnenoder ähnliches)

Bis September 2004überlebten 30 an der Schädeldecke zusammengewachsene Kinder eine Trennung, 17 von ihnen waren jedoch nach dem Eingriff behindert.

Berühmte Fälle

Der Name Siamesische Zwillinge kommt von einem berühmten chinesischen Zwillingspaar Chang und Eng Bunker(1811–1874), deutsch wird als Name meistens Bunkes statt Bunker angegeben. Die beiden Brüder wurden in Siam(heute Thailand) geboren und wurden unter dem Namen Die siamesischen Zwillinge als Jahrmarktsattraktion bekannt und gaben so dieser Fehlbildung den Namen. Die Brüder heirateten die zwei Schwestern Adelaide und Sarah Yates und zeugten mit ihnen insgesamt 22 Kinder. Beide Brüder starben nur wenige Stunden nacheinander. Erst nach ihrem Tod wurde festgestellt, dass ihre gemeinsame Verwachsung keine wichtigen Organe beherbegte, so dass eine Trennung zu Lebzeiten möglich gewesen wäre.

Bekanntheit erreichten auch die beiden 29-jährigen Schwestern Ladan und Laleh Bijani aus dem Iran(* 17. Januar1974), die am Kopf zusammengewachsen waren und ab dem 7. Juli2003durch eine aufwändige Operation eines Ärzteteams in Singapurgetrennt wurden. Kurz nach der Trennung verstarb Ladan Bijani, wenige Stunden später auch ihre Schwester Laleh. Todesursache war laut Aussage der Ärzte Kreislaufversagenaufgrund zu hohen Blutverlustes während der Operation.

Im September 2004begann in Baltimoredie Trennung der ebensfalls am Kopf zusammengewachsenen einjährigen Zwillinge Lea und Tabea Block aus Lemgo. Von vornherein rechneten die Ärzte mit einer 50-prozentigen Überlebenschance der Schwestern. Die Operation wurde zunächst nach wenigen Stunden unterbrochen, nachdem sich bei einem der Mädchen Komplikationen einstellten. Wenige Tage später erfolgte die Trennung. Trotz Wiederbelebungsversuchenstarb Tabea an niedrigem Blutdruck und unregelmäßigem Herzschlag. Ihre Schwester war nach der Operation in kritischem, aber stabilem Zustand. Die Ärzte weckten Hoffnungen, dass sie sich zu einem gesunden Mädchen entwickeln wird. Am 7. Dezember2004kehrte Lea nach Lemgo zurück.

Weblinks

  • Artikel bei Onmeda.de
  • Artikel in Spektrum direkt
  • Das Hauner-Journal über Siamesische Zwillinge
  • Mark Twain über Siamesische Zwillinge, (englisch)en:Conjoined twins

fi:Siamilaiset kaksoset fr:Frères siamois he:?????? ??????? id:Kembar siam nl:Siamese tweeling

Von "http://de.wikipedia.org/Siamesischer_Zwilling"



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