Inhaltsverzeichnis
- 1 Generell
- 2 Verschiedene gebräuchliche Subtypen
- 2.1 Nadelhalter nach Hegar/Olsen
- 2.2 Nadelhalter nach Matthieu
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Generell
Als Nadelhalter werden chirurgischeInstrumentebezeichnet, die beim chirurgischen Nähen die Nadel führen. Um die Traumatisierungdes zu bearbeitenden Gewebes möglichst gering zu halten, ist die atraumatische Nadel sehr fein und klein, daher nur mit einer solchen Pinzette zu fassen. Zugleich benötigt das Durchstoßen der Faszienund anderer widerstandsfähiger Strukturen eine gewisse Kraft, die nur durch das sichere Zusammenarbeiten von Hand, Nadelhalter und Nadel gewährleistet werden kann.
Der Nadelhalter soll jedoch nicht nur die Führung der Nadel vereinfachen, sondern auch den Chirurgen vor Verletzungen bei Berührung der Nadelspitze schützen. Nicht zuletzt schützt er damit auch den Patienten, denn durch einen beschädigten Operationshandschuhwürden Keimein der Wund- oder Körperhöhle verbreitet und die Gesundheit des Patienten gefährden.
Der Nadelhalter hat immer aufgerauhte Backen, in denen die Nadel sicher eingespannt werden kann, zu diesem Zweck gibt es verschiedene Oberflächenstrukturen, zB gewellt, Fischgrät, Waffel oder gar mit einer eingelegten Rinne, ganz dem Durchmesser der Nadel angepasst. Der Nadelhalter ist in der Regel mit einer Sperre versehen. Dadurch wird der Schutz für Patient und Operierende noch größer, denn eine verlorene Nadel ist für die Operateure ein Verletzungsrisiko und für den Patienten lebensbedrohlich.
Das Scharnier ist immer doppelt ausgeführt. Dadurch kann sich der Faden nicht am Nadelhalter verfangen und zugleich gewinnt ein Nadelhalter mit sehr langen Branchen, wie er zum Nähen in der Tiefe nötig ist zusätzliche Stabilität.
Mit dem Nadelhalter kann nicht nur genäht sondern auch geknotetwerden.
Bild:Griff u Sperre Hegernadelhalter.jpg Griff von Nadelhalter in korrekter Handhaltung. Man sieht gut die Sperrklinke
Nadelhalter sind in der Regel aus starrem Edelstahlgefertigt, manche Konzepte wie der Nadelhalter von Matthieu brauchen einen elastischeren Edelstahl. Die Branchen müssen beim Einspannen der Nadel viel Kraft aufnehmen. Diese Stähle haben aber keine sehr große Oberflächenhärte, sodass gute Nadelhalter aufgesetzte Sintermetallbacken haben. Sintermetallhat jedoch den Nachteil, dass es bei starken thermischen Belastungen vom Trägermaterial abplatzt. Zur Kennzeichnung haben Nadelhalter (wie alle chirurgischen Instrumente) mit Sinterflächen eine Goldbeschichtung des Griffes, um bei der Wartung der Instrumente (Reinigung, Sterilisation und Verpackung) besonders vorsichtig gehandhabt zu werden.
Verschiedene gebräuchliche Subtypen
Der Chirurg ist ein Handwerker. Wenn ein Werkzeug ihm nicht gefällt, so ließ er sich früher vom Feinschmied ein verbessertes fertigen. Die heutige Industrie hat diese Zusammenarbeit wiederentdeckt und so arbeiten fast alle großen Operateure mit einem Werkzeugmacher zusammen, der nicht nur ihnen das Werkzeug passend macht, sondern auch für den Weltmarkt die neuen Erkenntnisse zur Verfügung stellt.
Nadelhalter nach Hegar/Olsen
Bild:Nadelhalter nach Heger.jpg Nadelhalter nach Hegar/Olsen. Mit Brillengriff, durchgestecktem Scharnierund Sperre
Der älteste aller heute noch in dieser Konfiguration geräuchliche Nadelhalter ist der Nadelhalter nach Hegar. Er ist in der Art einer Fasszange ausgeführt, immer gerade (weil die Nadel gebogen ist) und hat ein Waffelmuster auf den Backen. Die Branchen sind c.a. 2 Finger lang und das Scharnier ist durchgesteckt ausgeführt. Am Ende befindet sich eine Sperre mit meistens 2, bei sehr langen Nadelhaltern 3 Rasten. Hegar war ein Gynäkologischer Operateur, sein Nadelhaler eignet sich hervorragend für das Operieren in der Tiefe, das bedeutet, bei relativ geringer Öffnung. Den Nadelhalter nach Hegar/Olsen gibt es auch mit kombinierter Schere, nahe dem Gelenk finden sich dabei die Schneidkanten. Diese kombinierten Instrumente lassen sich jedoch sehr schlecht nachschärfen. Von daher sind sie bei Operateuren eher unbeliebt. Es mag ja ökonomisch sein, ein solches Instrument herzustellen, welches nach 3xsterilisieren weggeworfen wird, jedoch einen Assistenten einspart und die OP-Zeit verkürzt; es ist jedoch nervig und verbessert nicht das Ergebnis, wenn der Operateur mit stumpfen Scheren arbeiten muss (denn erfahrungsgemäß werden defekte Instrumente NIEMALS nach der ersten Reklamation ausgetauscht).
Nadelhalter nach Matthieu
Bild:Nadelhalter nach Matthieu.jpg Der Nadelhalter nach Matthieu hat keinen Brillengriff, er spannt sich mit einer Feder in die Hand des Nähenden
Der Nadelhalter nach Matthieu ist viel leichter gebaut als der nach Hegar/Olsen. Aufgrund seines keilförmigen Profils ist er nicht für tiefe Nähte geeignet, bei superfizialen Haut/Faszienverschlüssen kann er aber sein ganzes Potenzial entfalten. Da er keine Brillengriffe (mit Fingerlöchern) hat, schmiegt er sich mit einer Feder in die Hand des Nähenden. Seine Sperre kann nicht seitlich ausgelöst werden, sondern er wird wie ein Kugelschreiber "durchgedrückt". Dabei wird der maximale Druck den der Nadelhalter zur Verfügung stellen kann auf das gefasste Objekt gegeben. Ein feiner monofilamentärer Faden kann dabei unter Umständen zerdrückt und eine Nadel verbogen werden. Aber chirurgisches Besteck sollte immer umsichtig und geistesgegenwärtig eingesetzt werden.
Wegen der leichten Handhabbarkeit eignet sich der Nadelhalter nach Matthieu vortrefflich für die Wundverschlussnaht nach der Operation. Gerade bei fortlaufenden Nähten, wo ein häufiges Umgreifen nötig sein kann, kommt das Fehlen der Griffbrille dem Operateur entgegen. Seine Leichtigkeit wird nach einer längeren Operation als sehr angenehm empfunden.
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