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Die gesunde Hautist dicht besiedelt mit Bakterienund Pilzen. Diese Mikroorganismensind natürlicher Bestandteil der Hautoberfläche und werden als Hautflora zusammengefasst. Sie stören nicht, machen nicht krank und gelegentlich sind sie sogar nützlich, indem sie Stoffwechselprodukte erzeugen, die sich günstig auf die Eigenschaften der Haut auswirken. Solche friedlichen Mikroorganismen werden als Kommensalenbezeichnet. Ihnen stehen die krankmachenden, parasitären Keime gegenüber.
So unschädlich die Kommensalen für uns auch sein mögen, auf mikroskopischer Ebene sind sie dennoch aggressiv darum bemüht, ihr Revier zu verteidigen. Wenn ein Krankheitserreger in den Körper eindringen will, muss er sich also zunächst einmal mit diesen "Türstehern" herumschlagen, nur wer sich gegen die Standortflora behaupten konnte kann tiefer eindringen.
Feuchtigkeit, pH-Wert und Sauerstoffversorgung sind je nach Hautbereich sehr unterschiedlich, dementsprechend ist auch die Verteilung der einzelnen "normalen" Bakterien nicht streng gleichmäßig.
Je nach Hautregion, Alter, Geschlecht, genetischer Veranlagung und Umgebungsbedingungen können sowohl das Keimspektrum, als auch die Keimzahlen der normalen Hautflora sehr unterschiedlich sein. Das Verhältnis von anaerobenzu aerobenSpezies ist mit 10:1 vergleichsweise ausgeglichen. Die Keimdichten liegen, je nach Region, zwischen 102 und 106 pro cm². Ungefähre Keimzahlenunterschiedlicher Hautregionen (Keimzahl pro cm²): Fingerkuppen 20 ? 100, Rücken 3 x 102, Füße 102 ? 103, Vorderarm 102 ? 5 x 103, Hand 103, Stirn 2 x 105, Kopfhaut 106, Achselhöhle 2 x 106. Insgesamt leben rund 1010 Bakterien auf unserer Hautoberfläche.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einflussfaktoren auf die Keimbesiedelung der Haut
- 1.1 Hornschicht
- 1.2 pH-Wert
- 1.3 Trockenheit
- 1.4 Lipide, Fettsäuren
- 2 Hautregionen mit besonderen Milieueigenschaften
- 2.1 Seborrhoische Zonen
- 2.2 Feuchte Hautbereiche
- 2.3 Trockene Hautbereiche
- 3 Residente Flora
- 3.1 Staphylokokken
- 3.2 Corynebakterien
- 3.3 Propionibakterium
- 3.4 Brevibakterium, Dermabakter
- 3.5 Malassezia furfur
- 3.6 Mikrokokken
- 3.7 Enterokokken
- 3.8 Andere gramnegative Keime: Acinetobacter
- 3.9 weitere Keime
- 4 Transiente Keimbesiedelung
- 4.1 Staphylokokken: S. aureus
- 4.2 Enterobacteriaceen
- 4.3 Weitere Keime: Aerobe grampositive Sporenbildner
- 5 Besiedelung der Haarfollikel
- 5.1 Haarfollikel als Keimreservoir
- 6 Bestimmung der Keimzahl auf der Haut (Detergenswaschmethode)
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Einflussfaktoren auf die Keimbesiedelung der Haut
Hornschicht
Abgesehen von denjenigen Mikroorganismen, die sich auf den Abbau des Keratinsspezialisiert haben (Dermatophyten, Trichophyten), ist das Nährstoffangebot der Hautoberfläche eingeschränkt und somit bei weitem nicht für alle Bakterien ideal. Einer Invasion steht zudem das stetige Wachstum der Epidermis entgegen denn die am stärksten besiedelten Zellschichten (Stratum disjunctum des Stratum corneum) werden kontinuierlich abgestoßen.
pH-Wert
IntertriginöseHautbereiche und die Achselhöhlen haben höhere pH-Werte, die im alkalischenBereich liegen. Der durchschnittliche pH-Werte der Haut liegt zwischen 5,4 und 5,9 (Säureschutzmantel). Ein pH-Anstieg an der Stirn führt zu einer deutlichen Zunahme der Propionibakterien(Faktor 100 ? 1000).
Trockenheit
Trotz der Schweißdrüsenund transdermaler Flüssigkeitsabsonderung (Perspiratio insensibilis) bietet die Epidermisein sehr trockenes Milieu, das einen schlechten Nährboden darstellt. Dem entsprechen die deutlich höheren Keimdichten in feuchten Hautbereichen (Intertrigines), wie Achselhöhlen, Finger- und Zehenzwischenräume, Leistenbeuge, Analfalte.
Lipide, Fettsäuren
Freie Fettsäuren, die teilweise erst durch bakteriellen Metabolismus gebildet werden (lipophile Keime, siehe unten), wirken auf viele Bakterienarten bakterizid.
Eine Veränderung dieser Milieubedingungen zieht auch Verschiebungen in den Keimdichten der einzelnen Arten und Spezies nach sich. So nimmt beispielsweise der Anteil lipophiler Arten im Zustand der Seborrhoeaezu und die allgemeine Keimzahl steigt bei vermehrter Schweißbildung (Befeuchtung ansonsten trockener Haut) an.
Hautregionen mit besonderen Milieueigenschaften
Seborrhoische Zonen
Talgreiche Hautregionen sind besonders dicht mit lipophilen Keimen besiedelt, hierzu gehören: Corynebakterien, Propionibakterienund Malassezia furfur. Der lipolytische Stoffwechsel der Propionibakterien (u. a. durch Lecithinasen) führt zur Bildung freier Fettsäuren, die wiederum Einfluss nehmen auf die übrige Besiedelung der Haut. Neben diesen lipophilen Keimen (überwiegend Propionibakterien) sind auch reichlich koagulasenegative Staphylokokkenund apathogene Mykobakterienvorhanden.
Zu den seborrhoischen Zonen gehören: Stirn, Nasolabialfalte, Nase, Nacken und Schultern.
Feuchte Hautbereiche
Erhöhte Feuchtigkeit führt zu einer Zunahme der Keimdichte. In den intertriginösen Bereichen (Finger- und Zehenzwischenräume, Leistenbeuge, Achselhöhle, Pofalte) sind die Keimzahlen deutlich größer, als z. B. an den recht trockenen Unterschenkeln. Die Achselhöhlen sind sehr unterschiedlich besiedelt, entweder überwiegen koagulasenegative Staphylokokken neben wenigen Corynebakterien oder das Gegenteil ist der Fall. In den Schweißdrüsengängen siedeln sich Peptostreptokokkenan, die nicht selten zur Ursache eines Schweißdrüsenabszesseswerden.
Zehenzwischenräume: Pigmentbildende Bacteroides-Spezies (B. melaninogenicus, B. asaccharolyticus) und Clostridium perfringens sind regelmäßig nachweisbar.
Intertriginöse Bereiche sind relativ häufig mit (Hefe-)Pilzen besiedelt.
Trockene Hautbereiche
Z. B. Beugeseite der Unterarme: Insgesamt geringe Keimzahl. Koagulasenegative Staphylokokken überwiegen (102 ? 103 KBE/cm²). Nur wenige Corynebakterien und Propionibakterien.
Residente Flora
Staphylokokken
S. epidermidis, S. saprophyticus, S. hominis, S. xylosus, S. warneri, S. haemolyticus, S. saccharolyticus, S. conii, S. auricularis. Staphylokokken besiedeln bevorzugt feuchte und talgarme Hautregionen, wie intertriginöse Bereiche, Hände und Füße.
Corynebakterien
C. minutissimum, C. jeikeium, C. xerosis, C. pseudotuberculosis, C. goutcheri, C. pseudodiphteriticum, C. bovis.
Propionibakterium
P. acnes, P. granulosum, P. avidum.
Brevibakterium, Dermabakter
Verursachen u. a. den individuellen Körpergeruch.
Malassezia furfur
(Früher Pityrosporum ovale, P. orbiculare) ein dimorpher Sprosspilz. Vorkommen vor allem an Gesicht, Brust und Rücken (10&2 KBE/cm²).
Mikrokokken
M. luteus, M. flavus. Besonders bei Kindern nachweisbar.
Enterokokken
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Andere gramnegative Keime: Acinetobacter
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weitere Keime
Apathogene Mykobakterien, Sarcinia spp.
Transiente Keimbesiedelung
Staphylokokken: S. aureus
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Enterobacteriaceen
E. coli, Klebsiella, Pseudomonasund Enterobacteriaceen kommen an feuchten und warmen Hautregionen (intertriginöse Bereiche) häufiger vor.
Weitere Keime: Aerobe grampositive Sporenbildner
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Besiedelung der Haarfollikel
Besonders hohe Keimzahlen überwiegend lipophiler Bakterienarten. Nahe der Oberfläche Staphylokokken und Malassezia, darunter aerobe Corynebakterien und in der Tiefe anaerobe, lipophile Bakterien (Propionibakterium).
Haarfollikel als Keimreservoir
Ein großer Teil der Hautflora befindet sich im Bereich der Haarfollikel, 20 % der gesamten Hautflora ist in tiefen Abschnitten der Haarfollikel angesiedelt. Diese Keime sind auch durch eine Hautdesinfektionnicht zu eliminieren, sie bilden das Reservoir, aus dem sich die Hautflora nach der Desinfektioninnerhalb von 24 ? 72 Stunden erneut bildet.
Bestimmung der Keimzahl auf der Haut (Detergenswaschmethode)
Ein Hautbereich definierter Größe wird mit einem bestimmten Volumen Detergens-Lösung überschichtet. Die Keime der Hautoberfläche werden durch starkes Reiben im Detergens gelöst und nach einer Verdünnung angezüchtet.
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