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Die Neurokutanen Erkrankungen (Synonym: Phakomatosen, Neuroectodermale Erkrankungen) sind charakterisiert durch Manifestationenan den beiden Organen Haut und Nervensystem. Die Klassifikation dieser Erkrankungsgruppe variiert je nach Lehrbuchautor.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Varianten der Klassifikation
- 2 Haupt-Klassifikation
- 3 Untergruppen der neurokutanen Erkrankungen
- 4 Geschichte
- 5 Prinzipien der Klassifikation
- 6 Pathogenetische Mechanismen
- 7 Die Gruppe der Neurofibromatosen
- 8 Quellen
- 9 Wiki-Links
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Varianten der Klassifikation
Das Lehrbuch der Neurologie von Mumenthaler (1979) definiert die Phakomatosen als Fehlbildungen an zentralem Nervensystemund Hautund zählt hierzu die NeurofibromatoseRecklinghausen (NF), die Tuberöse SkleroseBourneville-Pringle (TS), die Encephalo-Faciale AngiomatoseSturge-Weber (EFA) und die Retino-Zerebelläre AngiomatoseHippel-Lindau (RZA).
Das Lehrbuch der Neurologie von Delank (1994) definiert die neurokutanen Erkrankungen aufgrund von histologischen und embryologischen Überlegungen. Dort heißt es, die Phakomatosen seien dysplastisch-blastomatöse Entwicklungsstörungen, die ektodermale Strukturen betreffen und somit als neurokutane Erkrankungen auftreten. Dabei würden die ektodermalen Dysplasienzu Tumorenwerden und hämangiomatösen Fehlbildungen seien mesenchymalen Ursprungs und somit sekundär aus ektodermalen Gewebe gebildet. Delank zählt zu den Phakomatosen ebenfalls NF, TS, EFA und RZA.
In Merrits Textbook of Neurology (1996) werden in dem Kapitel Neurocutaneous Disorders lediglich die NeurofibromatoseRecklinghausen (eine congenitale Tumorerkrankung), die Encephalofaciale-/trigeminale AngiomatoseSturge-Weber-(Krabbe/Dimitri) (eine congenitale Gefäßfehlbildung), die Incontinentia PigmentiBloch-Sulzberger (eine congenitale eruptive Hauterkrankung) und die Tuberöse SkleroseBourneville-Pringle (wiederum eine congenitale Tumorerkrankung) abgehandelt. Der Kapitelautor Arnold P. Gold gibt dabei für die Auswahl der Erkrankungen keine nährere Begründung an.
Das Lehrbuch der Neurogenetik von Rieß und Schöls (1998) diskutieren die Autoren V.F. Mautner und S.M. Pulst in dem Kapitel Phakomatosendie Neurofibromatose Typ 1 und Typ 2, die Tuberöse Sklerose und das von Hippel-Lindau-Syndrommit dem Hinweis, bei den Phakomatosen handele es sich definitionsgemäß um Erkrankungen von Haut und Retinaund die genannten Erkrankungen seien genetisch durch den Funktionsverlust von Tumorsuppressorgenenausgezeichnet.
Das Lehrbuch der Augenheilkunde von Reim ordnet die Phakomatosen unter den erblichen Tumoren der Retina ein und erwähnt neben dem Retinoblastomdie sog. Maulbeertumorender Tuberöse SkleroseBourneville und die Angiomatosis retinae der Retino-Zerebelläre AngiomatoseHippel-Lindau. Die Encephalo-Faciale AngiomatoseSturge Weber wird wegen ihren Hämangiomendes Zilliarkörperserwähnt und die NeurofibromatoseRecklinghausen wegen ihrer Iris-Naevi(Lisch-Knötchen), die pathologisch als melanozytäre Hamartomecharakterisiert sind.
Das Lehrbuch von Fitzgerald Dermatology in General Medicine (1987) macht dagegen eine großzügige Definition, sodass dort unter dem Stichwort Neurokutane Erkrankungen zahlreiche Störungen aufgelistet werden.
Zunächst wird eine Einteilung vorgeschlagen, die möglichst wenig restriktiv ist. Die Ursachen für die Probleme bei der Katalogisierung der Erkrankung wird in diesem Artikel weiter unten diskutiert.
Haupt-Klassifikation
Pragmatischerweise sollten Neurokutane Erkrankungenin vier Gruppen unterteilt werden:
- 1. Kongenitale Erkrankungen und Entwicklungsstörungen
- 2. Krankheiten, die auf Haut und Nervensystem wirken (Phenylketonurie, Homcysteinurie)
- 3. Nervenkrankheiten mit Hauterscheinungen (Herpes Zoster, Syringomyelie)
- 4. Hautkrankheiten mit neurologischen Symptomen (Melanom, Tetanus, Tollwut)
Untergruppen der neurokutanen Erkrankungen
Die erste Untergruppe ist die größte und wird wieder mehrfach untergliedert:
Zu den kongenitalen, gutartigen Tumoren bei neurokutanen Erkrankungen zählen:
- die Neurofibromatose Typ IRecklinghausen:
- die Tuberöse SkleroseBourneville-Pringle.
- die retinale und cerebelläre HämangioblastoseHippel-Lindau.
Zu den kongenitalen Gefäßfehlbildungen bei neurokutanen Erkrankungen zählen:
- die Angiomatose des Gesichtes(craniofacial oder trigeminocranial) Sturge-Weber-Dimitri.
- die retinale und cerebelläre HämangioblastoseHippel-Lindau.
- die Morbus OslerOsler-Rendu-Weber.
- die Ataxia teleangiectasiaLouis Bar.
Zu den kongenitalen eruptive Erkrankungen der Haut mit Beteiligung des Nervensystems zählen:
- die Incontinentia PigmentiBloch-Sulzberger
- die Epidermolysis bullosa
Zu den kongenitalen Pigmentierungsstörungen mit unüblicher Entwicklung des Nervensystem zählen:
- das Waardenburg-Klein-Syndromn
- das Syndrom des riesigen pigmentierten Nävus mit Beteiligung von Meningen und malignem Melanom.
Zu den kongenitalen Ichthyosen, Xerodermien und Hyperkeratosen mit Beteiligung des Nervensystems zählen:
- das Laubenthal-Syndrom (Xerodermie und Ataxie )
- das Stewart-Syndrom (Ichthyose, Retinitis, Muskelatrophie)
- das Sjögren-Larsson-Syndrom (Ichthyose und spastische Paraplegie)
- das Refsum-Syndrom (Hypertrophe Polyneuropathie, Retinitis pigmentosa, cerebellaäre Ataxie)
Zu den entwicklungsbedingten neurokutanen Störungen zählt man üblicherweise
Zu den kongenitalensomatischen Störungen mit chromosomalen Besonderheiten und Veränderungen von Haut und Nervensystem zählen unter anderem:
- Turner-Syndrom
- Down-Syndrom
- Klinefelter-Syndrom
Geschichte
Der Name des Synonyms Phakomatoseleitet sich von dem griechischen Wort phakos (Linsenfleck) ab. Er wurde eingeführt von I. van der Hoeve zur Beschreibung der Retina-Läsionen bei Patienten mit einer Tuberösen Sclerose.
Prinzipien der Klassifikation
Im Anschluss an die Überlegungen von Raymond Adams in Fitzgerald et al. können Prinzip vier verschiedene Gruppen von neurokutanen Erkrankungen unterschieden werden. Die erste Gruppe klassifiziert die Erkrankungen nach histologischen und pathogenetischen Beziehungen. Die zweite geht von einem gemeinsamen Schädigungsmechanismus aus (Mangelzustände oder Stoffwechselstörungen, die gleichzeitig beide Organsysteme schädigen: Pellagra, Cretinismus). Die dritte beschreibt Erkrankungen, bei denen eine primäre Störung des Nervensystems vorliegt und sekundäre Folgen an der Haut zeitigt (trophische Störungen der Haut bei einer PNP) und die vierte beschreibt im Gegenzug Erkrankungen, bei denen eine primäre Störung der Haut vorliegt, die sekündäre Folgeschäden am Nervensystem nach sich zieht (ein virales Exanthem, das eine Enzaphalitisverursacht).
Pathogenetische Mechanismen
Es können sechs verschiedene pathogenetische Mechanismen unterschieden werden:
- Störungen im Verlauf der Embryonalentwicklung, die die Zellen der Neuralrinnebetreffen.
- Störungen der Beziehung zwischen Schwannschen Zellenund endoneurialen Fibroblasten.
- Störungen der Melanozyten
- Entwicklungsstörungen von Gefäßenin Haut und Nervensystem.
- Störungen der Beziehung zwischen Lipozytenund Nervenzellen.
- Metabolische Erkankungen, die Hautzellen und Nervenzellen betreffen.
Die Gruppe der Neurofibromatosen
Es gibt vier verschiedene Unterformen der Neurofibromatose:
- die periphere Neurofibromatose Typ I(Hyperpigmentierung und Neurofibrome).
- die zentrale Neurofibromatose Typ II(beidseitige Akustikusneurinome im Alter von 20 Jahren).
- die segmentale Form der Segmentale Neurofibromatose(klinisch wie die NF Typ I, aber beschränkt auf ein Körpersegment).
- die rein kutane Form der Kutane Neurofibromatosemit Hauttumoren ohne weitere klinische Manifestationen.
Die Neurofibromatose Typ I war die erste erbliche Tumorerkrankung, deren molekularer Mechanismus aufgeklärt wurde. Das Gen konnte erst kloniert werden, nachdem man die Patientenpopulationen mithilfe des diagnostischen Kriteriums der Lisch-Knötchen homogenisiert hatte. Lisch-Knötchen gibt es nur bei der NF Typ I. Diese Tatsachen beeinflussen das klinische Bild und den Verlauf der Erkrankung.
Quellen
- Adams: Neurocutaneous Diseases in: Fitzgerald et al.: Dermatology in General Medicine, 1987.
- Lewis P. Rowland: Merrits Textbook of Neurology. Williams and Wilkins, Baltimore 1995. ISBN 0-683-07400-8.
- Olaf Rieß und Ludger Schöls (Hrsg.) Neurogenetik. Molekulargenetische Diagnostik neurologischer Erkrankungen. Springer Verlag. Berlin 1998. ISBN 3-540-63874-1
- I. van der Hoeve: Eye symptoms of tuberous sclerosis of the brain. 1920. Trans. Ophthalmol. Soc. UK 40:329.
- FW Crowe et. al.: A Clinical, Pathological and Genetic Study of Multiple Neurofibromatoses., Springfield 1956, Charles C. Thomas.
- VM Riccardi: Neurofibromatosis: Phenotype, Natural History and Pathogenesis., Baltimore 1992. Johns Hopkins University Press.
Wiki-Links
Liste der Syndrome
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Neurokutane Erkrankung aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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