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Ulcus cruris

Bild:Ulcus cruris 01.jpg
Ulcus cruris am Unterschenkel einer 65-jährigen Patientin

Der medizinische Begriff Ulcus cruris - lat.: Ulcus ("Geschwür") und crus ("Schenkel, "Unterschenkel") - bezeichnet ein Geschwüram Unterschenkel - das heißt eine offene, meist nässende Wunde, welche über lange Zeit nicht abheilt. Umgangssprachlich wird es auch als "offenes Bein" bezeichnet. Betroffen sind meist ältere Menschen, denen verschiedene Grunderkrankungen zu schaffen machen.

Ein Ulcus cruris, das trotz optimaler Therapie innerhalb von drei Monaten keine Heilungstendenz zeigt bzw. nicht innerhalb von 12 Monaten abgeheilt ist, gilt als therapieresistent.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ursachen
  • 2 Diagnose
  • 3 Behandlung
    • 3.1 Beseitigung der Ursachen
    • 3.2 Operation zur Beseitigung der Grundursache
    • 3.3 Konservative Behandlung
    • 3.4 Nachbehandlung und Vorbeugung
  • 4 Siehe auch
  • 5 Weblinks

Ursachen

Grundsätzliche Ursache bei allen Formen ist eine mangelnde Durchblutung des betroffenen Gewebes(Mikrozirkulation), was einerseits die Entstehung eines Ulcus cruris erst ermöglicht, andererseits auch der Grund für dessen schlechte Heilungstendenzist. Diese Störung der Mikrozirkulation kann wiederum auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden:

Als grundlegende Erkrankungen liegen dabei meist ein postthrombotisches Syndromoder ein Krampfadernleidenvor (bei ca.85% der Ulcera). Ein Diabetes mellitus, eine arterielle Hypertonieund Übergewicht sind bei den meist betroffenen älteren Menschen häufig als Begleiterkrankung zu finden, aber wohl nur selten die Hauptursache. Rauchenund Bewegungsmangel (nicht zuletzt über die fehlende Muskelpumpe) sind ebenfalls wichtige Risikofaktoren.

Das Ulcus cruris venosum als schwerster Form der chronisch venösen Insuffizienz(CVI) stellt je nach Studie mit 57-80% aller chronischen Ulzerationen die häufigste Ursache nicht spontan abheilender Wunden dar. Arteriell bedingte Ulzerationen sind in 4-30%, gemischt arterio-venöse Ulzerationen in ca. 10%-15% und alle übrige Formen in ca. 6-10% anzutreffen. Hauptursache ist dabei die venöse Stauung im Gewebe, nicht so sehr eine arterielle Durchblutungsstörung. Deswegen wird das Ulkus cruris venosum auch als Stadium 3 der chronischen Venenstauung bezeichnet.

Unter den übrigen Formen der Durchblutungsstörung kann auch ein chronisches Kompartment-Syndromals Ursache der Zirkulationsstörung verborgen sein, das möglichst rasch erkannt werden sollte, um eine weitere Gewebezerstörung zu verhindern.

Von einem Ulcus cruris sind Frauen häufiger betroffen als Männer - v.a. da Frauen ein höheres Lebensalter erreichen und häufiger an Krampfadern bzw. Venenproblemen leiden als Männer. Vor dem 40. Lebensjahr kommt das Ulcus cruris selten vor. Ab dem 80. Lebensjahr steigt die Häufigkeitauf - wieder je nach Studie - 0,87 bis 3,38 % stark an. Da diese Erkrankung einen hohen Leidensdrucksowie - alleine schon was das Verbandsmaterial anbelangt - enorme Kosten verursacht und in den nächsten 40 Jahren der Bevölkerungsanteilder über 80-Jährigen massiv ansteigen wird, ist ein besonderes Augenmerk auf die Vorbeugungdieser Erkrankung schon in jungen Jahren zu richten.

Dazu kommen Nebenfaktoren, die den Verlauf ebenfalls beeinflussen, aber in den meisten Fällen nicht ursächlich sind, wie Wundinfektionen, Allergien auf Salben oder erniedrigte Blutspiegel an Albumin, Eisen, Folsäure, Selen, Vitamin Cund Zink, die in einigen Studien beschrieben wurden.

Diagnose

Wie bei der CVI ist zunächst die Anamneseentscheidend. Inspektion und Ausmessen des Ulcus, wenn möglich auch eine fotografische Dokumentation erleichtern die spätere Beurteilung der therapeutischen Maßnahmen (und manchmal auch der Complianceder Patienten) und sind im Einzelfall von forensischerBedeutung. Allerdings wird nicht ein Unterschenkel alleine, sondern der ganze Mensch von Kopf bis Fuß untersucht, da aufgrund der meist vorhandenen Mehrfacherkrankungendes alten Menschen meist mehrere Faktoren die Chronizität des Geschehens bestimmen.

Als Diagnose-Verfahren zur Genese der Erkrankung kommen u. A. die Dopplersonographieder Venen und Arterien, sowie bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheitdie Angiografiezum Einsatz.

Behandlung

Beseitigung der Ursachen

Die Ursachen zu beseitigen, ist leichter gesagt als getan. In erster Linie sind eine Reduktion des Übergewichts, eine optimale Einstellung eines evtl. bestehenden Diabetes mellitusund eine optimale Einstellung des Blutdrucks anzustreben. Dabei muss allerdings ein ausreichend hoher Blutdruck erhalten bleiben, um die arterielle Versorgung des Gewebes gewährleisten zu können.

Operation zur Beseitigung der Grundursache

Bei chronischem Kompartment-Syndrom wird eine Faszien-Chirurgie(Fasziotomieund Fasziektomie) mit anschließender Hauttransplantationdurchgeführt, um die andauernde und fortschreitende Gewebeschädigung durch die zu straffe Muskelhülle zu verhindern.

Bei venöser Insuffizienz kann die Überbrückung der betroffenen Venenabschnitte zur Druckentlastung im venenösen System die andauernde und fortschreitende Schädigung der für die Mikrozirkulation wichtigen kleinsten Gefäße verhindern.

Bei arteriellen Durchblutungsstörungen kann eine Ballon-Dilatationdurchgeführt oder eine Versorgung mittels Gefäßprotheseangestebt werden.

Konservative Behandlung

Nicht-operative Behandlung der Wundeund unterstützende Maßnahmen sind:

  • Shave-Therapie als chirurgische Vorstufe der Wundbehandlung: Abrasur der Wunde und Abdeckung mit Spalthautdes Oberschenkels oder gezüchteter Haut
  • Je nach Ulcus-Ursache unterschiedlich starke Kompressionstherapie mit Kurzzug-Kompressionsbinden oder Kompressionsstrümpfen (insb. bei Schwellung der Unterschenkel). Ein Zurückdrängen der Schwellung im Unterschenkel (die zusätzliche Flüssigkeit im Gewebe behindert den Transport von Gasen und Nährstoffen) bedeutet eine Verbesserung der Zellernährung im feingeweblichen Bereich. Weiterhin wird die Funktion von oft defekten (nicht mehr komplett schließenden) Venenklappen verbessert. VORSICHT bei Arterieller Durchblutungsstörung und Schwellungen durch Herzschwäche.
  • Bewegungstherapie und Lymphdrainagezur Förderung der Durchblutung
  • Verbände mit hydroaktiven Wundauflagen oder Kollagenschwammverbände, die nicht mit der Wunde verkleben und sie feucht halten ohne den Gasaustauschzu verhindern, z.B. mit Allantoin, Harnstoff, Hydrokolloiden
  • zusätzliche Anwendung von Wachstumsfaktoren wie Faktor XIII(Faktor-13, Fibrogammin HS, Plasmatransglutaminase) oder PDGF-beta
  • Gentherapie (experimentell)
  • Einnahme von Pentoxyfillin, Heparin, Infusionen mit Prostaglandin-E1,
  • Antibiotikaeingeschränkt nur bei bestimmten Wundinfektionen (sind im Falle des U. c. venosum meist wirkungslos)
  • Antiseptika beim Verbandwechsel nicht routinemässig, nur phasenweise bei entsprechendem Erregerbild.
  • Druckentlastung und Weichlagerung (schliesst ggf. Kompressionstherapie nicht aus).
  • Die Madentherapiemit lebenden Fliegenmaden der GoldfliegenartLucilia sericata ('Gefräßige Lucy') gilt vor allem seit einer Publikation im Lancetim Jahr 2000neuerlich als vielversprechend.

Nachbehandlung und Vorbeugung

Häufig wird eine Kompressionstherapiemit Stützstrümpfenund Kompressionsverbändenzur Unterstützung der Muskel-Gelenk-Pumpeeingesetzt, um einen hohen Arbeitsdruck und niedrigen Ruhedruck zu gewährleisten, wobei durch die Verwendung von Druckpolstern die Effektivität der Kompressionswirkung erhöht werden kann. Allerdings kann durch diese Therapie ebenfalls die Mikrozirkulation beeinträchtigt werden, was kontraproduktiv ist. Damit muss gleichzeitig zu ausreichender Bewegung geraten werden, sofern ein Kompartment-Syndrom beseitigt oder ausgeschlossen ist, da jede Belastung der Beine beim Gehen sonst ebenfalls kontraproduktiv wäre.

Siehe auch

  • Narbe

Weblinks

  • Ulcus cruris - Patienteninfo von NetDoktor.at
  • Ausführliche Leitlinien zu Diagnose und Behandlung
  • Informative Seite von Johnson & Johnson
  • Prävalenz des Ulcus cruris in der häuslichen Pflege - Eine epidemiologische Untersuchung in Nordrhein-Westfalen.
  • "BIOCHIRURGIE" - Wundheilung mittels Fliegenlarven
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