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Blutdruck

Der Blutdruck (BD oder BP, gebräuchlich ist auch die SynekdocheRR für Riva-Rocci) ist der Druckeiner Pulswelleim Blut, der an die Innenwände der Blutgefäßeanstößt. Physikalisch gesehen unterliegt der Blutdruck dem Gesetz von Hagen-Poiseuilleund entspricht dem Produkt aus Herzminutenvolumenund Gefäßwiderstand. Als Einheit des Blutdruckes wird traditionell immer noch die veraltete Einheit Torrbzw. mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) verwendet, obwohl die richtige SI-EinheitPascalist.

Er wird mit einem Blutdruckmessgerätgemessen.

Spricht man vom Blutdruck im engeren Sinn, dann meint man meistens den in oder an den großen Schlagadern (z. B. Brachialarterie des Oberarms) gemessenen arteriellenBlutdruck. Die Angabe des Blutdrucks erfolgt klassisch als Verhältnis zwischen systolischemBlutdruck (maximaler Wert in der Herzauswurfphase) zu diastolischem(minimaler Wert in der Herzfüllungsphase) der auf Herzhöhe (meistens am Oberarm) gemessen wird. Man sagt dann umgangssprachlich beispielsweise ?105 zu 70?. In Ruhe beträgt der normale systolische Blutdruck 13,3?17,4 kPa (100?130 mmHg) und der diastolische Wert 8,0?11,3 kPa (60?85 mmHg). Darüber hinaus finden der mittlere Blutdruck und die Pulsamplitude (Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruckwert) Anwendung.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Physiologie des Blutdrucks
  • 2 Pathologie
  • 3 Messung des Blutdrucks
  • 4 Blutdruckregulation
    • 4.1 Die kurzfristige Blutdruckregulation
    • 4.2 Die mittelfristige Blutdruckregulation
    • 4.3 Die langfristige Blutdruckregulation
  • 5 Weblinks

Physiologie des Blutdrucks

Der systolische Blutdruck wird durch die Auswurfkraft des Herzens erzeugt. Der diastolische Blutdruck entspricht dem Dauerdruck im arteriellen Gefäßsystem. Die Elastizitätder großen Arterien und ihre Windkesselfunktionbegrenzen beim Auswurf den systolischen Wert und sorgen durch ihre Pufferfunktion für einen, wenn auch geringeren, Blutfluss in der Diastole.

Bei körperlicher Anstrengung nehmen Herzminutenvolumen und Durchblutungder Peripherie zu. Der Gefäßwiderstand sinkt. Der systolische Blutdruck steigt stärker an als der diastolische Wert.

Pathologie

Ein erhöhter Blutdruck wird Hypertonie, ein erniedrigter Blutdruck Hypotoniegenannt. Ein erhöhter Blutdruck in den Pulmonalarterien wird als Pulmonale Hypertoniebezeichnet.

Messung des Blutdrucks

Bild:Sphygmomanometer.jpg
Mechanisches Sphygmomanometer mit Aneroidmanometer und Stethoskop.
Bild:Blutdruck.jpg
Blutdruckmessgerät für das Handgelenk.

Die Blutdruckmessungkann invasiv (?blutig?), das heißt über einen direkt in die üblicherweise Femoral- oder Radialarterie eingebrachten Kathetersmittels eines Druckfühlers (dann häufig mit ?IBP? oder ?IBD? abgekürzt), oder nichtinvasiv (?unblutig?) mit Hilfe einer Druckmanschette am Oberarm oder am Handgelenk bestimmt werden (dann häufig mit ?NIBP? oder NIBD abgekürzt). Die unblutige Messung kann indirekt palpatorisch mit einer Manschette am Oberarm und über die Ertastung des Pulses an der Radialarterie erfolgen (dann im Volksmund in Gedenken an Scipione Riva-Roccimanchmal auch noch ?RR? abgekürzt). Bei der palpatorischen Messung wird nur der systolische Blutdruck erfasst, indem vor der Stauung der Blutdruckmanschette der Puls getastet wird, der Stau aufgebaut wird und schließlich langsam die Stauung gelöst wird. Ist der Puls wieder tastbar, hat man den systolischen Druck. Insbesondere im Rettungsdienst bietet sich diese Methode in einigen Situationen (vor allem bei einer lauten Umgebung oder während der Fahrt im Kranken- oder Rettungswagen) an.

Heutzutage wird häufig indirekt akustisch über die Korotkow-Geräusche(benannt nach Nikolai Sergejewitsch Korotkow) oder indirekt pulsoszillometrisch gemessen. Im Vergleich zu Blutdruckmessgeräten für den Oberarm gelten Messgeräte für das Handgelenk unter Medizinern als ungenau.

Die Messung des Blutdrucks ist in oder an verschiedenen Blutgefäßen möglich:

  • arterieller Blutdruck = Druck in den Arterien
  • pulmonalarterieller Blutdruck = Druck in der Lungenschlagader = PA Druck
  • pulmonalkapillärer Blutdruck = Druck im Lungenkapillargebiet = PC Druck
  • Pfortaderblutdruck
  • Venendruck
  • kapillärerBlutdruck
  • zentraler Venendruck(ZVD)

Blutdruckregulation

Der Blutdruck muss sich in geregelten Bahnen bewegen, denn sowohl ein zu hoher als auch ein zu niedriger Blutdruck schädigen den Organismus. Gleichzeitig muss der Blutdruck aber auch wechselnden Belastungen (z. B. einem anstrengenden Dauerlauf oder Ruhe, Schlaf) angepasst werden.

Grundvoraussetzung jeder Blutdrucksteuerung ist, dass der Körper den Blutdruck in den Gefäßen selbst messen kann. In Aorta, Halsschlagadern sowie anderen großen Arterien in Brustkorb und Hals messen druckempfindliche Sinneszellen, die Barorezeptoren, die Dehnung der Arterienwand. Dehnt ein höherer Druck die Wand, so senden die Barorezeptoren verstärkt Impulse an die Medulla oblongataim Telencephalonaus, bei zu niedrigen Werten nimmt die Zahl der Impulse hingegen ab.

Die kurzfristige Blutdruckregulation

Die Mechanismen der kurzfristigen Blutdruckregulation greifen innerhalb von Sekunden. Wichtigster Mechanismus dabei ist der Barorezeptorenreflex. Blutdruckabfall führt reflektorisch über die entsprechenden Kreislaufzentren in der Medulla Oblongata zur Reizung des Sympathikus. Dadurch wird das vom Herzen ausgeworfene Blutvolumen gesteigert, zusätzlich kommt es eventuell zur Gefäßverengung in Haut, Nieren und Magen-Darm-Trakt. Dehnt ein erhöhter Blutdruck die Gefäßwand, so wird umgekehrt die Sympathikusaktivität gehemmt. In Atrium dexter und sinister befinden sich Dehnungsrezeptoren, die auf vergleichbare Weise reagieren.

Die mittelfristige Blutdruckregulation

Hier ist insbesondere das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systemzu nennen. Sinkt die Nierendurchblutung ab (z. B. durch einen generalisierten Blutdruckabfall oder einer Nierenarterienverengung), führt dies zu erhöhter Renin-Freisetzung in der Niere und damit letztlich zu einer Konzentrationserhöhung des stark gefäßverengenden Angiotensin II.

Die langfristige Blutdruckregulation

Diese läuft über die Regulation des Blutvolumens (je höher das Blutvolumen, desto höher auch der Blutdruck), und damit über die Niere:

  • Bei steigendem arteriellen Mitteldruck nimmt die Flüssigkeitsausscheidung durch Nieren zu (Druckdiurese), bei sinkendem arteriellen Mitteldruck vermindert sie sich.
  • Eine Volumenzunahme in den Gefäßen führt zu einer verminderten Adiuretinsekretion im Hypothalamus, und damit zu einer Steigerung der Flüssigkeitsausscheidung (und umgekehrt).
  • Bei einem Blutdruckabfall wird, wie oben erwähnt, auch das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) aktiviert. Dadurch wird mehr Aldosteron gebildet, wodurch die Natrium- und Flüssigkeitsreabsorption in der Niere steigt und die Flüssigkeitsausscheidung sinkt.
  • Durch Erhöhung des Blutvolumens werden in den Herzvorhöfen hormonähnliche Botenstoffe (z. B. atriales natiuretisches Peptid, ANP) freigesetzt, die an der Niere die Flüssigkeitsausscheidung steigern.

Weblinks

  • Deutsches Medizin-Netz ? Der Blutdruck
  • netdoktor.at ? Erhöhter Blutdruck
  • netdoktor.at ? Erniedrigter Blutdruck
  • medhost Bluthochdruckportal? Symptome und Diagnose
  • Bionity.COM ? Detection of a new blood pressure-increasing hormone(englisch)



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Blutdruck aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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