|
Im so genannten Diagnostischen Block wird die Kontrolle der VitalfunktionenBewusstsein, Atmung und Kreislauf zusammengefasst. Man bezeichnet dies auch als Elementardiagnostik. Diese orientierende Untersuchung dient dazu, den Zustand eines aufgefundenen Notfallpatienten einschätzen und die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können.
Der Diagnostische Block ist somit Bestandteil der lebensrettenden Sofortmaßnahmen.
Er ist ein Algorithmus, der bei jeder unklaren Notfallsituation angewandt werden kann.
Der Diagnostische Block setzt sich (in dieser Reihenfolge) aus drei Kontrollen zusammen:
- Kontrolle des Bewusstseins
- Kontrolle der Atmung
- Kontrolle des Kreislaufes
Nach den Anfangsbuchstaben der einzelnen Schritte spricht man als Merksatz auch von dem BAK-Schema.
Es empfiehlt sich, dieses Schema in einem Erste-Hilfe-Kurs zu lernen und zu üben.
Dieser Artikel basiert auf den ERC/ILCOR-Richtlinien von 2000.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Durchführung
- 1.1 1. Kontrolle des Bewusstseins
- 1.2 2. Freimachen der Atemwege und Atemkontrolle
- 1.3 3. Suche nach weiteren Lebenszeichen / Pulskontrolle
- 2 Ergänzungen für Fachpersonal
- 2.1 Idealer Zeitpunkt des Notrufs
- 2.2 Pulskontrolle
- 3 Aussicht
- 4 Links
|
Durchführung
Wie bei allen Erste-Hilfe-Maßnahmen ist zuerst auf die Eigensicherung zu achten (siehe Eigenschutzund Rettungskette)! Insbesondere die Benutzung von Einmalhandschuhenist zu empfehlen.
1. Kontrolle des Bewusstseins
Zunächst lautes Ansprechen und Anfassen des Patienten, dabei an der Schulter schütteln, zusätzlich einen Schmerzreiz setzen (z.B. Kneifen in die Nasenwurzel).
Maßnahmen nach der Bewusstseinsprüfung:
- Reagiert der Patient nicht, liegt eine Bewusstlosigkeit vor. Dies ist eine lebensbedrohliche Situation und es muss sofort ein Notrufabgesetzt oder veranlasst werden. Als nächster Schritt folgt die Atemkontrolle.
- Ist der Patient ansprechbar, werden weitere notwendige Erste-Hilfe-Maßnahmen (Verletzungen versorgen, Wärmen, Betreuen usw.) durchgeführt. Je nach Verletzung oder Erkrankung ist auch hier ein Notruf erforderlich.
Bild:AuffindenPerson.png Schema: Auffinden einer Person
2. Freimachen der Atemwege und Atemkontrolle
Bei der Bewusstlosigkeit erschlafft die Muskulaturdes Verunfallten. Es besteht die Gefahr, dass der Bewusstlose an seiner eigenen Zungeerstickt, wenn diese die Atemwegeverlegt. Außerdem kann auch Erbrochenes oder ein Fremdkörper die Atemwege verstopfen. Zuerst müssen also die Atemwege frei gemacht werden:
- Man sucht in Mundhöhle und Rachen nach Fremdkörpern oder Erbrochenem und entfernt diese vorsichtig (Einmalhandschuhe benutzen). Unter Umständen muss dazu der Kopf vorsichtig zur Seite gedreht werden. Eventuell vorhandene Gebissprothesen werden entfernt.
- Dann überstreckt man den Kopf des Patienten. Dazu fasst der Helfer den Bewusstlosen an Kinnund Stirn, hebt das Kinn an und beugt den Kopf vorsichtig nach hinten. So wird die Zunge gestrafft und die Atemwege werden frei.
Zur Atemkontrolle legt der Helfer seinen Kopf über Mundund Nasedes Bewusstlosen mit Blickrichtung in Richtung Brustkorb. Der Helfer versucht ein Atemgeräusch zu hören, das Heben und Senken des Brustkorbs zu sehen oder den Luftzug der Atmung mit der Wange oder Auge zu fühlen.
Die Atemkontrolle soll ca. 10 Sekunden dauern. Damit kann das Vorhandensein oder Fehlen einer Atemtätigkeit relativ sicher festgestellt werden.
Je nach Ergebnis der Atemkontrolle schließen sich verschiedene Maßnahmen an:
- Atmung vorhanden: Der Patient wird in die Stabile Seitenlagegebracht, die Kontrolle der Vitalfunktionen wird engmaschig bis zum Eintreffen von Notarztund Rettungsdienstfortgesetzt.
- Atmung nicht feststellbar: Suche nach weiteren Lebenszeichen (Anmerkung: Die im Schema eingezeichneten 2 Zwischenbeatmungen werden nicht mehr durchgeführt).
3. Suche nach weiteren Lebenszeichen / Pulskontrolle
Der Helfer sucht nach nach allgemeinen Zeichen einer Kreislauffunktion, wie beispielsweise Schlucken, Husten und Bewegungen des Patienten.
Eine weitere Möglichkeit der Suche nach Lebenszeichen wäre die Kontrolle des Pulses.
Die Pulskontrolle wird in der Laienausbildung jedoch nicht mehr empfohlen, da verschiedene Studien gezeigt haben, dass die Pulskontrolle durch Laien mit einer hohen Fehlerquote bei der Durchführung einherging. In Rettungs-und Sanitätsdienstwird weiterhin eine Pulskontrolle durchgeführt (s.u.).
Maßnahmen nach der Kreislaufüberprüfung:
- Sind keine Lebenszeichen vorhanden, ist mit der Herz-Lungen-Wiederbelebungzu beginnen und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortzusetzen. Ein eventuell vorhandener automatisierter externer Defibrillator (AED)kann benutzt werden.
- bei vorhandenen Lebenszeichen ist der Patient wiederum in die Stabile Seitenlagegebracht, die Kontrolle der Vitalfunktionen wird bis zum Eintreffen von Notarztund Rettungsdienstengmaschig wiederholt.
Ergänzungen für Fachpersonal
Für medizinisches Personal (Rettungsdienst, Praxis- und Klinikpersonal) werden in den ILCOR-Richtlinien von 2000 differenziertere Maßnahmen empfohlen:
Idealer Zeitpunkt des Notrufs
Es wird zwischen den Konzepten phone first (Absetzen des Notrufs vor jeder Maßnahme) und phone fast (Ergreifen von lebensrettenden Sofortmaßnahmen, dann erst Notruf) unterschieden.
- phone first soll durchgeführt werden bei:
- allen Patienten > 8 Jahre
- Verdacht auf eine Erkrankung des Herzens (primär kardiale Ursache)
- phone fast hingegen bei
- allen Patienten < 8 Jahre
- Verdacht auf eine Störung der Atmung (primär respiratorische Ursache)
Pulskontrolle
Neben der Kontrolle der allgemeinen Lebenszeichen soll ergänzend eine Pulskontrolle durchgeführt werden. Diese wird an der Arteria Carotisoder an anderen zentralen Arterien durchgeführt soll etwa 10 Sekunden dauern.
Aussicht
Im November 2005 wurden die aktualisierten Richtlinien vom ERCveröffentlicht. Nach der Prüfung durch die Bundesärztekammerwerden diese wahrscheinlich bundesweit umgesetzt (nationaler Konsens) und einige Neuerungen mit sich bringen.
Links
[1]Der Diagnostische Block im online-Lernprogramm des Arbeitskreis Notfallmedizin und Rettungswesen (ANR) der LMU München
Bild:Erste hilfe.png
Erste Hilfe Themen
Rettungskette: Eigenschutz| Notruf| Sofortmaßnahmen| Erste Hilfe| Rettungsdienst| Notfallmedizin
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Diagnostischer Block aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|