Startseite | Impressum
Lumrix Logo
 
 



Zurück
[ICD 10 Suche]
[Mehr über den ICD]

 

 

Labormedizin

Die Laboratoriumsmedizin ("Labormedizin") ist ein diagnostischesFachgebiet der Medizinan der Schnittstelle zu naturwissenschaftlichenFächern wie z.B. der Chemieoder Molekularbiologie. Durch neue apparative und methodische Entwicklungen wie z.B. Biochips, Telepathologieoder rote Gentechnologiezählt sie zu den innovativsten Bereichen der sog. Hightech-Medizin. Im Rahmen der 2004 eingeführten Fallpauschalenkommt ihr im deutschen DRG-System auch eine hohe ökonomischeBedeutung zu.

In Deutschland gibt es eine spezielle ärztliche Weiterbildungzum Facharztfür Laboratoriumsmedizin, während das Fach in Großbritannien z.B. der Pathologeals "Pathologist", in Frankreich der Biologeals "Biologist" vertritt. Im Rahmen der Harmonisierung der europäischen Weiterbildungsordnungen wird an einer Vereinheitlichung gearbeitet, die aber wegen langer nationaler Traditionen mit entsprechenden Berufsordnungen nicht einfach sein dürfte.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Tätigkeitsfelder
  • 2 Der Facharzt für Laboratoriumsmedizin
  • 3 Statistiken
  • 4 Normalbereiche
  • 5 Referenzbereiche und Entscheidungsgrenzen
  • 6 Anhaltswerte
    • 6.1 Klinische Chemie
    • 6.2 Gerinnung
    • 6.3 Kleines Blutbild
    • 6.4 Differentialblutbild
    • 6.5 Entzündungsfaktoren
    • 6.6 Medikamente
    • 6.7 Hormone und Diabetes
    • 6.8 Leberserologie
    • 6.9 Blutgasanalyse
    • 6.10 Proteine
    • 6.11 Elektrophorese
  • 7 Richtwerte im Urin
  • 8 Quellen & Literatur

Tätigkeitsfelder

Laborärztesind fächerübergreifend für nahezu alle medizinische Disziplinen, v.a. aber für die Allgemeinmedizinund Innere Medizintätig. Sie erstellen Laborbefunde für die Diagnostik und Stadieneinteilung von Krankheiten, Verlaufs- Therapiekontrollesowie die Prävention. Neben der eigentlichen Analytik organisieren sie Probenvorbereitung inkl. Transport ins Labor (Präanalytik) sowie die Rückübermittlung der Laborbefunde zum anfordernden Arzt inkl. Datenfernübertragung und Beratung (Postanalytik).

Schwerpunkte der laborärztlichen Tätigkeit sind u.a. Klinische Chemieund Immunchemie, Hämatologie(Erkrankungen des Blutes) und Hämostaseologie (Störungen der Blutgerinnung), Mikrobiologieund Infektionsserologie, Transfusionsmedizinund Humangenetik. Für einige dieser Disziplinen gibt es eigene Facharzt- oder Zusatzbezeichnungen sowie naturwissenschaftliche Zertifikate (z.B. Klinischer Chemiker).

Der Facharzt für Laboratoriumsmedizin

Um nach einem absolvierten Medizinstudiumin Deutschland als Facharztfür Laboratoriumsmedizin tätig zu werden, bedarf es einer fünfjährigen Weiterbildungszeit:

  • 1 Jahr in Innerer Medizinund Allgemeinmedizin(Akutkrankenhaus) oder Pädiatrie
  • 4 Jahre Laboratoriumsmedizin, hiervon
    • 1/2 Jahr in einem mikrobiologischen,
    • 1/2 Jahr in einem infektionsserologischenund
    • 1/2 Jahr in einem immunhämatologischenLabor.
Auf die Labormedizin anrechenbar sind
    • 1 Jahr in Mikrobiologie, Virologieund Infektionsepidemiologie
    • 1/2 Jahr in Transfusionsmedizin

Drei Jahre dürfen bei einem niedergelassenen Arzt abgeleistet werden.

Im Normalfall kommt ein Patient mit dem Laborarzt kaum persönlich in Kontakt, es sei denn für Blutentnahmenund Gewinnung anderer Untersuchungsmaterialien wie z.B. Knochenmark, Gehirn-und Gelenkflüssigkeiten, Spermaund Stuhl. Allerdings bieten Laborärzte oft Schulungen und Beratungen an, z.B. im Rahmen der Blutzuckerselbsttestung, Humangenetik, Tropen-oder Präventivmedizin.

Statistiken

Bild:Laborärzte.jpg
  • Am 1. Januar2001waren 1.223 Fachärzte für Laboratoriumsmedizin registriert, von denen 466 niedergelassen waren. 324 übten keine ärztliche Tätigkeit aus.
  • Die Laboratoriumsmedizin unterliegt nicht der Zulassungssperre im Rahmen der kassenärztlichen Bedarfsplanung.

Nur 160 von über 2000 Krankenhauslaboratorien werden von Laborärzten geleitet (Stand 2005). Die übrigen unterstehen in der Regel einem Facharzt für Innere Medizin, in dessen Auftrag eine Medizinisch-Technische Assistentinoder ein Klinischer Chemikertätig ist. Niedergelassene Laborarztpraxen müssen dagegen immer von einem Facharzt für Laboratoriumsmedizn geleitet werden.

Wie auch in anderen Facharztbereichen nimmt die Zahl der Laborärzte durch die Überalterung der Bevölkerung und den Nachwuchsmangel in der Medizin derzeit ab.

Normalbereiche

Normalbereiche werden typischerweise an einer großen Zahl von offensichtlich Gesunden erhoben. Als so genannte Normalwerte gibt man die Ober- und Untergrenzen des Bereichs an, in dem sich 95% aller Messwerte befinden. Ein Wert außerhalb des Normalbereichs bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die entsprechende Person krank ist, ganz im Gegenteil: Jeder 20. Wert muss definitionsgemäß bei Gesunden außerhalb der angegebenen Grenzen liegen.

Da die Normalbereiche auch stark von der verwendeten Methodik, der untersuchten Population etc. abhängen, sind die in dieser Tabelle aufgeführten Grenzwerte nur als Anhaltswerte zu verstehen. Für die Bewertung von Laborbefunden ist die spezifische Tabelle des jeweiligen Arztes gültig und im Zweifelsfall eine persönliche ärztliche Interpretation erforderlich.

Referenzbereiche und Entscheidungsgrenzen

Umgekehrt weisen alle Normalbereiche mehr oder weniger starke Überlappungen mit den Werten auf, die bei Kranken erhalten werden. Ihre Messwerte hängen z.B. von Art, Stadium, Schwere und Behandlung der jeweiligen Erkrankung ab: So besagt der Spiegel des TumormarkersPSAz.B. durchaus etwas über die Gesamtgröße der Prostata, jedoch so gut wie nichts über die gut- oder bösartigen Ursachen einer eventuellen Vergrößerung. Um eine optimale Trennung zwischen Gesunden und Kranken zu erhalten, benötigt man deshalb für jede medizinische Fragestellung spezielle Referenzbereiche und Entscheidungsgrenzen: Möchte man z.B. bei der Testung einer Blutkonserveeine HIV-Verseuchung unbedingt ausschließen, so wird man die obere Entscheidungsgrenze des Tests extrem niedrig setzen (selbst auf die Gefahr hin, dass viele scheinbar verdächtige Proben dadurch verworfen werden müssen), während man für den selben Test bei einer Reihenuntersuchung einen vergleichsweise höheren Grenzwert ansetzen wird, um Gesunde nicht mit falschem AIDS-Alarm zu konfrontieren.

Anhaltswerte

Klinische Chemie

Wert Allgemein Frau Mann Einheit
Natrium 135 - 155 mmol/l
Kalium 3,6-5,0 mmol/l
Calcium 2,2-2,6 mmol/l
Chlorid 95-110 mmol/l
Magnesium 0,7-1,0 mmol/l
Glucose 70-110 mg/dl
Harnstoff-N 6-20 mg/dl
Kreatinin 0,8-1,2 0,9-1,4 mg/dl
Kreatinin-Clearance 98 - 156 95-160 ml/min
Harnsäure 2,5-5,7 3,5-7,0 mg/dl
Gesamteiweiß 6,6-8,3 g/dl
Triglyceride <200 mg/dl
Cholesterin 140-200 mg/dl
Eisen 60-160 80-180 mikrog/dl
Ferritin 35-217 23-110 35-217 mikrog/l
Myoglobin ca < 70 19 - 56 21 - 98 ng/ ml
Troponin 0,01 - 0,08 ng/ml
Bilirubingesamt < 1,1 mg/dl
Fructosamin 2,0-2,8 mmol/dl
Bilirubindirekt <0,3 mg/dl
Osmolalität 280-300 mosm/kg
HDL >42 >35 mg/dl
LDL <155 mg/dl
Ammoniak 20-65 28-80 mikrog/dl
Lactat <16 mg/dl
Blutalkohol 0 ?
Phosphor 2,5-4,6 mg/dl

Enzyme


Alle Enzym-Aktivitäten (Analysen mit der Einheit U/l) sind temperaturabhängig.

In Deutschland gelten seit dem 01. April 2004 die neuen Referenzwerte bei 37°C.

Wert Allgemein Frau Mann Einheit
ALT/GPT(25°C) <19 <23 U/l
ALT/GPT(37°C) <50 U/l
AST/GOT(25°C) <15 <19 U/l
AST/GOT(37°C) <52 U/l
Alkalische Phosphatase(25°C) 60-170 70-175 U/l
Alkalische Phosphatase(37°C) <105 <130 U/l
CHE(25°C) 3500-8500 U/l
CHE(37°C) 4900-12000 U/l
CK(37°C) <167 <190 U/l
Gamma-GT(25°C) 4-18 6-28 U/l
Gamma-GT(37°C) <39 <66 U/l
LDH(25°C) 266 - 500 U/l
LDH (37°C) <245 U/l
Lipase(37°C) <60 U/l
Pankreas-Amylase(37°C) <53 U/l

Gerinnung

Wert Einheit
Quick 70-100 %
INR 1,00
PTT 26-36 s
PTZ 14-21 s
Fibrinogen 180-350 mg/dl
AT3 70-120 %
PFA-Verschlusszeit, Collagen/Epinephrin 85-165 s
PFA-Verschlusszeit, Collagen/ADP 71-118 s

Kleines Blutbild

Wert Allgemein Frau Mann Säuglinge Einheit
Leukozyten 4,4-11,9 9,4-34,0 Tsd./mikrol
Erythrozyten 4,1-5,4 4,5-6,0 4,0 - 6,8 Mill./mikrol
Hämoglobin 11,5-16,4 13,5-18,0 14,0  - 20,0 g/dl
Hämatokrit 35-45 36-48 %
MCV 76-88 fl
Hbe 28-32 pg
Thrombozyten 150-300 Tsd./mikrol
Retikulozyten 7-15 ?

Differentialblutbild

Neutrophile Granulozyten, stabkernig 3-5 %
Neutrophile Granulozyten, segmentkernig 50-70 %
Basophile Granulozyten 0-1 %
Eosinophile Granulozyten 2-4 %
Lymphozyten 20-45 %
Monozyten 2-8 %
Anisozytose negativ
Polychromasie negativ
Retikulozyten 7-15 ?

Entzündungsfaktoren

Wert Allgemein männlich weiblich Säuglinge
ASL < 200
RF < 40
CRP < 0,5 < 1,0 mg/dl
Blutsenkung < 15 < 25 mm/h

Medikamente

Digoxin 0,8-2,0 mikrog/l
Digitoxin 10-30 mikrog/l
Theophyllin 8-20 mg/l

Hormone und Diabetes

FT3 1,64 - 3,45 pg/ml
FT4 0,71 - 1,85 ng/dl
TSHbasal 0,3 - 4,0 mI.E./l
TRH-Test 2-25 mI.E./l
Beta HCG < 10 I.U./l
Insulin 1,6 - 10,8 mU/l
Insulin OGTT
Fructosamin 2,0 - 2,8 mmol/dl
HbA1c 4,2 - 6,2 %

Leberserologie

  • Anti-HAV ( IgG / IgM)       negativ
  • Anti Hbs          negativ
  • Anti HBc ( IgG / IgM)        negativ
  • HBs-Antigen     negativ
  • Anti-HCV       negativ

Tumormarker

  • PSA    < 4,0 ng/ml
  • CEA    < 5,0 ng/ml

Blutgasanalyse

pH 7,37-7,45
pCO2 35-45 mmHg
pO2 71-104 mmHg
BE -2 - +3 mmol/l
Bikarbonat 21-26 mmol/l
O2-Sättigung 94-98 %

Proteine

IgE <100 IU/ml
IgG 700-1600 mg/dl
IgA 70-400 mg/dl
IgM 40-230 mg/dl
Transferrin 200 - 360 mg/dl

Elektrophorese

Albumin 55,3-68,9 %
Alpha1-Globulin 1,6 - 5,8 %
Alpha2-Globulin 5,9 - 11,1 %
Beta-Globulin 7,9 - 13,9 %
Gamma-Globulin 11,4 - 18,2 %

Richtwerte im Urin

  • Leukos < 25     Leu/?l
  • Erys < 2 Erys/?l
  • Plattenepithelien  keine
  • Rundepithelien  keine
  • Bakterien  keine
  • Nitrit    0    mg/dl
  • pH-wert   6-7
  • Eiweiß   < 10 mg/dl
  • Glucose  0 mg/dl
  • Aceton   0 mg/dl
  • Bilirubin   0 mg/dl
  • Urobilinogen   0 mg/dl

<P>

  • Stuhl auf Blut      negativ

<P>

Quellen & Literatur

  • Weiterbildungsordnung
  • Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
  • Österreichische Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und KlinischeChemie
  • Via medici-Buchreihe: Berufsplaner Arzt; Markus Vieten, Thieme Verlag, ISBN 3131161051

Von "http://de.wikipedia.org/Laboratoriumsmedizin"



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Labormedizin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

 
  Inhalt steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.