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Von einem Oligohydramnion wird in der Pränatalmedizingesprochen, wenn bei einer Schwangerschaftdie Menge des Fruchtwassers200 bis 500 ml unterschreitet. Anders ausgedrückt werden ein Fruchtwasserindex(AFI) von weniger als 5,1cm oder Fruchtwasserdepots unter 2cm zwischen Fetus, Plazenta(Mutterkuchen) und Uteruswandals Oligohydramnion bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Häufigkeit
- 2 Hinweise
- 3 mögliche Ursachen
- 4 Oligohydramnion-Sequenz
- 5 Behandlung
- 6 Weblinks
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Häufigkeit
Oligohydramnie tritt bei ca. 0,5 bis 4% aller Schwangerschaften auf. Der ICD10-Code O41.0 wird angegeben bei der Betreuung der werdenden Mutterbeim Vorliegen eines Oligohydramnions (ohne Blasensprung).
Hinweise
Als Hinweiszeichen auf Oligohydramnie gelten insbesondere eine mit Blick auf das Gestationsalter (sprich: Schwangerschaftswoche) unüblich kleine Gebärmutterund die Reduzierung der Kindsbewegungen (aufgrund der beengten Raumverhältnisse).
mögliche Ursachen
Die meist offenkundigste Ursache ist der (vorzeitige) Fruchtblasensprung, durch den das Fruchtwasser die Gebärmutter verlässt.
Daneben wird ein Oligohydramnion häufig verursacht durch
- eine verminderte Urinproduktionbzw. -ausscheidung des heranwachsenden Kindes
- eine sehr starke Wachstumsverzögerung des Babys
- eine Plazentainsuffizienz(Leistungsschwäche des Mutterkuchens)
- sonstige Funktionsstörungen der Plazenta (z.B. aufgrund von Bluthochdruckoder Nikotinkonsumder Schwangeren), durch die die Nieren des ungeborenen Kindes weniger gut durchblutet werden und darum weniger Fruchtwasser bilden können
Auch infolge einer Übertragung, also bei deutlichem Überschreiten des eigentlichen Geburtstermins, reduziert sich die Menge des Fruchtwassers.
Ein Oligohydramnion bedingt eine vergleichsweise schlechte Leitung der Ultraschallwellen (je weniger Fruchtwasser, desto schlechter die Schallleitung) und gilt als sonografischer Softmarkerfür:
- allgemein Fehlbildungen des Urogenitaltraktes, insbesondere:
- Nierenagnesie(Fehlen oder sehr starke Unterentwicklung der Nieren)
- Nierenhypoplasie(Unterentwicklung der Nieren)
- zystischeNierenerkrankungen
- obstruktive Harnwegserkrankungen
- Triploidie
- Fetofetales Transfusionssyndrombei Zwillingsschwangerschaften(Oligohydramnion beim Donor/ dem kleineren Zwilling)
Eine länger bestehende und frühe Oligohydramnie kann insbesondere eine Klumpfußbildungund die Entstehung von Lungenhypoplasiedurch den Mangel an Lungenflüssigkeit begünstigen. Die Unterentwicklung der Lunge kann zu erheblichen Lungenfunktionsbeeinträchtigungen nach der Geburtführen. Bei einem Oligohydramnion vor der 24. Schwangerschaftswochebeträgt die Wahrscheinlichkeit einer Lungenhypoplasie 24 bis 40%.
Oligohydramnion-Sequenz
Als Oligohydramnion-Sequenz wird eine Reihe von Auswirkungen beschrieben, die durch diese ungenügende Produktion von Fruchtwasser während der Schwangerschaft eingeleitet werden.
Ursprünglich bei beidseitigem Fehlen der Nieren (bilateraler Nierenagenesie) durch Edith Louise Potter(1901-1993), einer US-amerikanischenPathologin, in einer Serie von 5.000 Autopsienbei 17 männlichen und 3 weiblichen Fetenbzw. Neugeborenenen beschrieben, wurde der Symptomkomplex zunächst als Potter-Syndrom oder renofaziale Dysplasie bezeichnet. Es ist gekennzeichnet durch:
- Fehlbildungen im Urogenitaltrakt, insbesondere Agenesie(Fehlen oder sehr starke Unterentwicklung) beider Nieren
- Klumpfüße
- Hypoplasie(Unterentwicklung) der Lungen
- fakultativ weitere Fehlbilungen und/oder Fehlhaltungen der Extremitätenund der Wirbelsäule
- Fehlbildungen im Gesicht(Potter-Facies):
- besondere Formung der Ohrmuscheln, vergelichweise tief ansetztende und flachen Ohren, fehlender Knorpelsubstanz,
- Epikanthus medialis
- Hypertelorismus(vergleichweise großer Augenabstand)
- Mikrogenie(Unterentwicklung des Unterkiefers, der dadurch verkürzt wirkt)
Alle diese Besonderheiten sind durch die beengenden Raumverhältnisse durch den Fruchtwassermangel in der Gebärmutterund die damit unüblichen Wachstumsbedingungen für das ungeborene Kind bedingt.
Da sich die Ätiologiebei selber pathogenetischer Endstreckenicht auf das Fehlen der Nieren beschränkt, wird heute meist von einer Oligohydramnion-Sequenz gesprochen.
Behandlung
Gleicht sich die Menge des Fruchtwassers nicht von selbst wieder aus und sind durch die Oligohydramie Schädigungen des Kindes zu erwarten, wird die Möglichkeit einer Fruchtwasserauffüllung (Amnioninfusion) in Erwägung gezogen. Bei dieser Maßnahme wird der Fruchtwasserraum durch eine Zucker-Kochsalz-Lösung aufgefüllt, die durch eine Spritze bzw. einen Katheter eingelassen wird.
Ist das Oligohydramnion aufgrund einer Übertragug der Schwangerschaft entstanden, ist das Mittel der Wahl in der Regel die Einleitung der Geburt mit dem Ziel der Entbindungdes Kindes.
Weblinks
- Potter-Syndrom bei whonamedit.com
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Oligohydramnion aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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