| |
Die Demografie (auch Demographie geschrieben, griechisch??????????, von ?????, démos ? Volk und ?????, graphé ? Schrift, Beschreibung) bzw. Bevölkerungswissenschaft ist eine wissenschaftlicheDisziplin, die sich mit dem Leben, Werden und Vergehen menschlicher Bevölkerungenbefasst, sowohl mit ihrer Zahl als auch mit ihrer Verteilung im Raum und den Faktoren, insbesondere auch sozialen, die für Veränderungen verantwortlich sind. Die Erforschung der Regelmäßigkeiten und Gesetzmäßigkeiten in Zustand und Entwicklung der Bevölkerung wird mit Hilfe der Statistikerfasst und gemessen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Untersuchungsobjekte
- 2 Methodik
- 3 Demografische Entwicklung
- 3.1 Deutschland
- 3.2 Weltweit
- 3.3 Modell des demografischen Übergangs
- 4 Kritik an der Demografie
- 5 Literatur
- 5.1 Populärwissenschaftliche Literatur
- 6 Siehe auch
- 7 Weblinks
- 7.1 Kritik an den demografischen Prognosen und ihren Folgen
|
Untersuchungsobjekte
Die Demografie untersucht:
- die Bevölkerung selbst (z. B. Wohnbevölkerung, Tag-/Nachtbevölkerung),
- die Bevölkerungsstruktur (z. B. Alter, Geschlecht, Nationalität, Haushaltsstruktur),
- die Bevölkerungsbewegung (horizontale Mobilität, Natürlicher Bevölkerungssaldo, Migrationssaldo) sowie
- als Historische Demografie die Bevölkerungsgeschichte.
Methodik
Ihre Daten bezieht die Bevölkerungswissenschaft aus der laufend fortgeschriebenen Statistik, aus Stichprobenund aus Volkszählungen.
Zur Untersuchung demografischer Prozesse (also der Bevölkerungsbewegung) werden neben verschiedenen, statistischen Kennziffern wie Geburtenrate, Fruchtbarkeitsrate, Sterberate, Migrationsrate, Lebenserwartung, etc. auch graphische Darstellungen wie die Alterspyramideverwendet.
Für die vorstatistische Zeit (also vor 1850) werden derartige Daten durch die Auswertung von Kirchen- und Ortsfamilienbüchernund anderen Quellen berechnet.
Demografische Entwicklung
Deutschland
Siehe auch: Demografie Deutschlands.
In Zusammenhang mit der politischen Debatte um die Aufrechterhaltung der Sozialversicherungenist in Deutschlandhäufig von der demografischen Entwicklung oder dem demografischen Wandel die Rede. Damit ist die prognostizierte Veränderung der Gesellschaft gemeint, die von drei entscheidenden Merkmalen geprägt ist:
- Zunehmende Lebenserwartungder Menschen: "Wir leben vier Jahre länger als unsere Eltern, unsere Kinder vier Jahre länger als wir", sagt Axel Börsch-Supan, Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und demographischer Wandel. Dies sei ein einmaliger Alterungsprozess, der in Kombination mit der in Deutschland vorherrschenden niedrigen Geburtenrate eine enorme Herausforderung für unser Sozialsystem, unsere gesamte Infrastruktur und vor allem für unsere Wirtschaft darstelle.
- Niedrige Geburtenrate: Mit im Schnitt 1,37 Geburtenpro Frau (2004) ist Deutschland in der Disziplin?niedrigste Geburtenrate? ? fast gleichauf mit Italienund Spanien. Allerdings ist diese Rate in den letzten Jahren relativ stabil und steigt (wenn auch langsam) wieder an, da die neuen Bundesländer nach dem Geburtenknick in den 90er Jahren wieder zu den alten Bundesländern aufschließen. Jedoch Südostasien und Osteuropa hat teilweise noch niedrigere Geburtenraten als Deutschland. Siehe Honkong, Singapur, Südkorea, Japan, Slowenien oder auch Polen.
Bereits seit 1972 verzeichnet Deutschland einen Sterbeüberschuss, der sich durch den Geburtenrückgangbegründet. So bleiben heutzutage etwa 1/3 aller Männer und Frauen ihr Leben lang ohne Nachwuchs (vgl. Kinderlosigkeit). Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen prognostiziert einen langfristigen Anstieg der deutschen Geburtenziffer auf 1,85 im Jahre 2050. Dies ist jedoch umstritten.
- Außenwanderung: Für die zukünftige Bevölkerungszahl und die Altersstruktur ist der Wanderungssaldo, d.h. die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen, von Bedeutung. Der Wanderungssaldo war in den letzten 50 Jahren überwiegend positiv und betrug im Jahresdurchschnitt knapp 200.000 Personen. Davon waren drei Viertel Ausländerinnen und Ausländer. Das Statistische Bundesamt ging (2003) davon aus, dass die Zahl der Zuwanderungen langfristig sinken wird, zumal Zuwanderung aus Osteuropa im großen Maßstab nicht mehr stattfinden wird.
Die ersten beiden Merkmale stützen die Befürchtung einer Überalterungder Gesellschaft. In der Vergangenheit hat das positive Wanderungssaldo jedoch für eine Zunahme der Bevölkerung gesorgt.
Über die Genauigkeit von Bevölkerungsprognosen gehen die Meinungen auseinander. In der zehnten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung prognostizierte das Statistische Bundesamt 2003, dass bis zum Jahre 2050 noch zwischen 67 und 81 Millionen Menschen leben werden. Diese Berechnungen basieren jedoch auf der Annahme einer gleich bleibend niedrigen Geburtenziffer von damals noch 1,4.
Aktuell leben 82,5 Millionen Menschen in Deutschland. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 231 Einwohnern je km²(Stand April 2005).
Andererseits: Hätten sich die geburtenstarken Jahrgänge der sechziger Jahre konstantfortgesetzt, so wären in Deutschland zusätzlich etwa 20 Millionen mehr Kinder geboren worden.
Weltweit
Im weltweiten Kontextstellt sich u.a. das Problem der Bevölkerungsexplosion, was in letzter Konsequenz in Überbevölkerungmünden kann.
Durch natürliches Bevölkerungswachstum (also relativ hohe Geburtenratenbei noch niedrigen Sterberaten) in zahlreichen mittleren und kleineren Ländern (u.a. in Afrika) und durch mittleres absolutes Bevölkerungswachstum in Ländern mit breiter Bevölkerungsbasis (u.a. in Asien) wächst die Weltbevölkerungnoch an.
Modell des demografischen Übergangs
Siehe Hauptartikel: Demografischer Übergang
Bild:Demo trans 2 de.png 5-phasiges Modell des demografischen Übergangs
Um die Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung von Staaten bzw. Gesellschaften zu beschreiben, wurde das Modell des demographischen Übergangs (theory of demographic transition) entwickelt. Dieses Modellteilt die Bevölkerungsentwicklung während des Übergangs in fünf Phasen ein:
- Prätransformative Phase ? hier sind sowohl Sterbe- als auch Geburtenratesehr hoch, wobei die Geburtenhäufigkeit im Trend etwas höher als die Sterbehäufigkeit ist. Das Bevölkerungswachstum ist daher eher gering
- Frühe Transformationsphase ? die Sterberate sinkt, während die Geburtenrate unverändert hoch bleibt und erst gegen Ende dieser Phase leicht rückläufig ist. Daher steigt die Wachstumsrate der Bevölkerung. In Europa war diese Phase der Beginn der Industrialisierung
- Mittlere Transformationsphase ? die Geburtenrate sinkt ebenfalls schnell, allerdings hält die Sterberate einen Vorsprung. Die vorherige und diese Phase sind die Abschnitte schnellen Bevölkerungswachstums. Im Durchschnitt aller Länder gesehen, nähert sich die Weltbevölkerung heute dem Ende dieser Phase
- Späte Transformationsphase ? die Sterberate ist sehr gering und stabilisiert sich. Die Geburtenrate nähert sich dem niedrigen Niveau der Sterblichkeit an. Das Wachstum der Bevölkerung nimmt weiter ab
- Posttransformative Phase ? Sterbe- und Geburtenrate stabilisieren sich auf geringem Niveau. Das Bevölkerungswachstum ist gering oder sogar negativ. Im Vergleich zur prätransformativen Phase ist die Lebenserwartung höher und langfristig nimmt der Anteil der älteren Menschen an der Gesellschaft überproportional zu
Kritik an der Demografie
Kritik an der Demografie wurde insbesondere in Bezug auf die Voraussetzung der Berechenbarkeit der Bevölkerung sowie auf ihre politische Funktion geübt:
- Der britische Demograph David Eversley, dessen Spezialgebiet Bevölkerungsprognosen sind, hält die Vorstellung von einer exakten Berechenbarkeit für einen ?irrigen Glauben?. ?So komplex diese Modelle auch sein mögen, die ihnen zugrunde liegenden Thesen sind doch von zweifelhafter Gültigkeit. Entweder handelt es sich um rein mechanische Extrapolationenvergangener Trends oder um Berechnungen, die auf Vermutungen der Verfasser beruhen.? Bevölkerungsprognosen, so Eversley, hätten normalerweise immer auch einen politischen Zweck verfolgt: ?Die Geschichte der Bevölkerungsprognosen ist daher nie frei von Ideologie, und es muß immer gefragt werden, warum wurde die Prognose aufgestellt, was bezweckte der Autor wirklich.? (Heim/Schaz, S. 12)
Hätte man vor 50 Jahren die heutige Bevölkerungszahl Deutschlands prognostizieren wollen, so wäre es nicht möglich gewesen, entscheidende Einflussfaktoren wie beispielsweise die Vermarktung der Antibabypilleim Vorhinein zu berücksichtigen. Dennoch wird häufig, z. B. im Zusammenhang mit der sogenannten Rentenreform, mit sehr langfristigen und daher wissenschaftlich fragwürdigen Prognosen argumentiert.
Dem Mainstream der Demographen wird auch eine unkritische Haltung zur Geschichte ihrer eigenen Disziplin vorgeworfen:
- Die Bevölkerungswissenschaftler, die vor der ?Überbevölkerung? warnen, argumentieren jedoch bewusst geschichtslos und das aus gutem Grund: Andernfalls müßten sie nicht nur ihre epochalen Irrtümer und Fehlleistungen reflektieren und von all den Voraussagen reden, die sich, obwohl ?wissenschaftlich? exakt berechnet, nicht bewahrheitet haben, sondern auch über den Beitrag ihrer Disziplin zu den realen Katastrophen des Jahrhunderts: die wissenschaftliche Vorbereitung und Billigung beispielloser Verbrechen. Bis heute haben es die Demographen weitgehend vermieden, eine fachinterne Kritik zu leisten. Während es in anderen Disziplinen eine Heterogenitätder Ansätze gibt, Richtungs- und Meinungsstreits offen ausgetragen werden, dominiert in der Bevölkerungswissenschaft dagegen ein Korpsgeist, der sich nicht zuletzt aus der besonderen Regierungsnähe, aus dem intimen und nie kritisch hinterfragten Verhältnis zur jeweiligen Macht erklärt. (Heim/Schaz, S. 12/13)
Zu den demografisch, nämlich mit Hinweis auf die angeblich drohende ?Überbevölkerung? begründeten Zwangsmaßnahmen gehören auch die Zwangssterilisationen, wie sie in Bolivien, Indienund anderen Ländern der dritten Welt angewendet wurden.
Literatur
- Dettmann, Joachim / Holewa, Michael: Perspektive Diakonie 2025. zukunft - macht - wissen. Den demographischen Wandel gestalten. Hrsg.: transfer-project, Berlin 2006, www.epto.de
- Birg, Herwig: Die demographische Zeitenwende: Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa. München: Beck 2001, ISBN 3-406-47552-3
- Chaunu, Pierre: Die verhütete Zukunft. Stuttgart: Seewald 1981, ISBN 3-512-00616-7
- Dinkel, Reiner: Demographie, Band 1: Bevölkerungsdynamik. München: Vahlen 1989, ISBN 3-8006-1310-7
- Susanne Heim, Ulrike Schaz: Berechnung und Beschwörung. Überbevölkerung. Kritik einer Debatte, Berlin 1996
- Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (Hrsg.): Demografische Analyse und Strategieentwicklung im Unternehmen Köln: Wirtschaftsverlag Bachem 2005, ISBN 3-89172-459-4
- Kronberger,Ralf: Der demografische Wandel und das Wirtschaftssystem, 2004, in: Aktuelle Unterlagen, Wirtschafts und Gesellschaft Nr. 46/2004, Wien: Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaft und Schule (zum Herunterladen:[1])
- Juliane Roloff: Demographischer Faktor, Europäische Verlagsanstalt, ISBN 3-434-46191-4
- Longman, Phillip: The empty cradle: how falling birthrates threaten prosperity and what to do about it. New York: Basic Books 2004, ISBN 0-465-05050-6
- Khalatbari, Parviz: Demographie - eine Wissenschaft mit unterentwickelter Theorie, in: Utopie kreativ, Nr. 183 - Januar 2006, S. 23 - 35
Populärwissenschaftliche Literatur
- Schirrmacher, Frank: Das Methusalem-Komplott, München: Blessing 2004, ISBN 3-89667-225-8
- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum; Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung, Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8
Siehe auch
- Sozialwissenschaften
- Bevölkerungsgeografie, Bevölkerungspolitik, Bevölkerungswachstum, Demoskopie, Soziografie
- Ältester Mensch, Generationengerechtigkeit, Woopie
- Mannheim Research Institute for the Economics of Aging (MEA)
Weblinks
Bild:Wiktionary-ico-de.png
| Wiktionary: {{{2|Demografie}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
|
- www.herwig-birg.de - Bevölkerungswissenschaftler an der Universität Bielefeld
- Perspektive Diakonie 2025. Den demographischen Wandel gestalten
- Demografischen Wandel gestalten
- Initiative Arbeit und Innovation im demografischen Wandel
- Aktion Demographischer Wandel der Bertelsmann Stiftung
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
- Max-Planck-Institut für demografische Forschung
- Informationsportal zum Demografischen Wandel
- Demographie und Volkswirtschaft. Die demographische Entwicklung in Deutschland und Europa mit ihren katastrophalen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft
- Deutschland 2020. Die demografische Zukunft der Nation
- Der verloren gegangene Zusammenhang zwischen Rente und eigenen Kindern
- Beruf statt Baby
- Hochbefähigte verzweifelt gesucht
- Bevölkerungsvorausberechnung 2050
Kritik an den demografischen Prognosen und ihren Folgen
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: A-H-O-V-X von Professor Dr. Ruprecht Jaenicke
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Grundkurs Demographie", zehnteiliges Dossier von Prof. Herwig Birg
- Frankfurter Rundschau: Rentenexperte wirft Regierungen Täuschung vor (Prof. Bosbach)
- Frankfurter Rundschau: "Die modernen Kaffeesatzleser", ebenfalls von Gerd Bosbach
- Frankfurter Rundschau: Umfangreiches Dossier zur Rentenpolitik, inkl. Rieser-Rente undAgenda 2010ast:Demografía
be:??????????
ca:Demografia
cs:Demografie
da:Demografi
en:Demography
es:Demografía
et:Demograafia
eu:Demografia
fr:Démographie
he:????????
hr:Demografija
id:Demografi
it:Demografia
ja:?????
nl:Demografie
pl:Demografia
pt:Demografia
ru:??????????
sh:Demografija
sk:Demografia
sr:???????????
su:Démografi
tr:Demografi
uk:??????????
zh:???
Seitenkategorien: Demografie
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Demografie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|