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Bei einer Hyposensibilisierung (auch Desensibilisierung genannt) wird die Wirkung von Allergenen herabgesetzt. In der neueren Literatur wird dieser Begriff zunehmend durch den Begriff Spezifische Immuntherapie (SIT) ersetzt. Zu diesem Zweck gibt man einem Patienten, der unter einer Allergieleidet, zunächst in sehr geringer Menge die Allergene, auf die er reagiert. Die Dosis wird mit der Zeit gesteigert, damit sich das Immunsystem daran gewöhnen und Antikörperin immer größeren Mengen herstellen kann. Die SIT wird sowohl in der Humanmedizin als auch in der Veterinärmedizin (u.a. Katze, Hund, Pferd) angewandt.
Die Hyposensibilisierungstherapie wird vor allem durchgeführt bei klinisch relevanten Sensibilisierungengegenüber Gräserpollen (Roggenpollen), Birkenpollen (Haselpollen, Erlenpollen), Beifußpollen, Hausstaubmilben, Insektengiftallergien(v.a. gegenüber Bienengift, Wespengift) sowie evtl. Katzenhaaren. In Einzelfällen kann auch eine Hyposensibilisierung bei einer Allergie gegenüber Schimmelpilzsporen erforderlich werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Anwendung
- 2 Wirkungsmechanismus
- 3 Risiken
- 4 Behandlungsdauer
- 5 Behandlungszeitraum
- 6 Alternativen
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Anwendung
Die fein in einer Lösung verteilten Allergene werden beispielsweise in das Fettgewebeder Haut gespritzt oder über die Schleimhäuteunter der Zunge aufgenommen. Es ist auch möglich, sie zu essen, hierbei muss aber beachtet werden, dass die Allergene nicht durch die Zubereitung zerstört werden. Wenn es sich bei den Allergenen um hitzeempfindliche Eiweiße handelt, wie dies beispielsweise bei Blütenpollen der Fall ist, muss darauf Rücksicht genommen werden.
Bei einer Überemfindlichkeit gegen Blütenpollenkönnte auch eine Desensibilisierung mit Honigversucht werden. Der Honig muss aus der Regionstammen, in der die Probleme auftreten und zu einer Zeit des entsprechenden Pollenflugs von den Bienengesammelt worden sein. Durch einen regelmäßigen Verzehr des Honigs über das ganze Jahr kann durch den geringen Pollengehalt im Honig evtl. eine Besserung der Beschwerden erreicht werden. Kontrollierte Studien über die Wirksamkeit dieser Form der Hyposensibiliserung fehlen allerdings.
Wirkungsmechanismus
Es werden blockierende Antikörperdes IgGSubtyps gebildet, auch die Induktion antiidiotypischer Antikörper tritt ein.
Die Folge ist eine Suppremierung (oder Desensibilisierung) der Produktion von spezifischen IgEAntikörpern, sowie verminderte Degranulationsbereitschaft der Mastzellenund basophilen Granulozyten.
Risiken
Die Hyposensibilisierung birgt prinzipiell ein Behandlungsrisiko, da die Behandlung darin besteht, den Patienten bewusst der allergieauslösenden Substanz auszusetzen. Bei einer versehentlichen Überdosierung besteht daher die Gefahr eines allergischen Schocks. Um dieser Gefahr vorzubeugen, erfolgt die ambulante Hyposensibilisierung in der Weise, dass der Patient nach der Injektion des Allergens für mindestens 30 Minuten unter ärztlicher Aufsicht verbleibt. Im Falle einer Überreaktion können dann entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
Bei der sublingualenHyposensibilisierung hingegen sind bisher keine nennenswerten Risiken aufgetreten. Nebenwirkungen können z.B. brennende Lippe o.ä. sein. Leider ist auch die Erfolgsrate bei weitem nicht so hoch wie bei der subkutanenHyposensibilisierung.
Im Falle einer vorliegenden Histaminosedarf eine Hyposensibilisierung nicht durchgeführt werden, da die Gefahr besteht, daß sich das Krankheitsbild verschlechtert, und die Erfolgsaussichten der Hyposensibilisierung gering sind.
Behandlungsdauer
Da die Dosis des bei der Hyposensibilisierung verabreichten Allergens aus Sicherheitsgründen nur sehr langsam gesteigert werden darf, handelt es sich immer um eine Behandlung, die über einen sehr langen Zeitraum erfolgt. Bei Pollenallergien geht man in der Regel von drei (bis fünf) Behandlungszyklen aus, so dass sich die gesamte Behandlungszeit über ebenso viele Jahre erstreckt. Ist nach dieser Zeit keine Besserung eingetreten, wird die Behandlung normalerweise nicht mehr weitergeführt, da erfahrungsgemäß mit einem verspätet einsetzenden Ansprechen auf die Therapie nicht gerechnet werden kann.
Behandlungszeitraum
Eine Hyposensibilisierung wird begonnen, wenn die natürliche Belastung durch das Allergen möglichst niedrig ist. Im Falle von Pollenallergien bedeutet dies beispielsweise, dass die Behandlungszyklen der Hyposensibilisierung in den Herbst und Winter gelegt werden, da in dieser Zeit kein Pollenflug stattfindet (= präsaisonaler Therapiebeginn). Heutzutage wird auch in der Zeit des Pollenfluges weiter hyposensibilisert (jedoch in dieser Zeit mit verringerter Dosis), da somit die Erfolgsraten deutlich gesteigert werden, ohne dass das Behandlungsrisiko sich erhöht. Bei Allergien ohne saisonale Prägung (z.B. Hausstaubmilbenallergien) ist diese Art der Verminderung des Behandlungsrisikos natürlich nicht möglich (= cosaisonale Therapie).
Alternativen
Falls die Durchführung einer Hyposensibilisierung nicht möglich ist (z.B. wegen individuell vorliegendem, nicht zu tolerierendem erhöhtem Risiko eines allergischen Schocks), verbleiben im Wesentlichen folgende Möglichkeiten:
- Veränderung der Lebensumstände mit dem Ziel, dem Allergen nach Möglichkeit auszuweichen. Eine solche Veränderung kann z.B. in einem Berufswechsel bestehen (häufig im Falle von Bäckern mit Mehlstauballergie zu beobachten) oder im Umzug in eine Region, die eine andere Flora und damit ein anderes Pollenspektrum aufweist.
- Symptomdämpfende Behandlung mit Antihistaminika, die in Zeiten starker Allergenbelastung vom Patienten dauerhaft eingenommen werden müssen.
- Zuführen von Cortisonin Form einer Injektion.
- Vorteile dieser Behandlung: Der Patient hat keinerlei Beschwerden während der stärksten Belastung bei einer Allergie, die nur in bestimmten Zeiträumen auftritt (z.B. Pollenallergie). Keine weiteren Medikamente notwendig, da es eine Depotfunktion besitzt und vom Körper langsam aufgenommen wird. Eine Injektion zu Beginn der Belastung reicht aus. Allerdings gibt es auch Nachteile von Cortison. Durch die Injektion des Medikamentes wird die Reaktion des Körpers auf den Allergieauslösers, das Allergen, fast vollkommen unterbunden, aber auch das restliche Immunsystemwird davon nicht verschont und etwas geschwächt. Wasseransammlungen im Körper oder das sogenannte "Mondgesicht" zählen auch zu dokumentierten Nebenwirkungen.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hyposensibilisierung aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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