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Hirntod

Der Hirntod wird in Grenzsituationen als Kriterium(Hirntodkriterium) benutzt, um den Todeines Menschen medizinisch zu bestimmen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Definition
  • 2 Kriterien
  • 3 Hirntoddiagnostik: Messbarkeit des Ausfalls aller Hirnfunktionen
  • 4 EEG-Aktivitäten trotz klinischer Hirntod-Zeichen und nachgewiesenen Durch­blutungsstillstandes
  • 5 Motivation
  • 6 Kontroverse
  • 7 Weblinks

Definition

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammerdefinierteam 29. Juni1991den Hirntod als einen

"Zustand des irreversiblen Erloschenseins der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirnsund des Hirnstammsbei einer durch kontrollierte Beatmungnoch aufrechterhaltenen Herz-Kreislauffunktion. Der Hirntod ist der Toddes Menschen."

Kriterien

Bevor man von einem Nachweis des Hirntodes sprechen kann, müssen folgende Voraussetzungen überprüfbar erfüllt sein:

  1. Vorliegen einer akuten primären oder sekundären Hirnschädigung,
  2. Ausschluss einer anderen Ursache oder Mitursache für den (eventuell nur zeitweisen) Ausfall der Hirnfunktionen (z.B. Vergiftung o.a.).

Klinische und apparative Kriterien sind zu unterscheiden. Die klinischen Kriterien müssen zum Beweis des Hirntodes zwingend nachgewiesen sein. Dies sind:

  1. der Verlust des Bewusstseins (Koma),
  2. eine zerebraleAreflexie(z.B. weite lichtstarre Pupillen, fehlende Schmerzreaktion, fehlender Lidschlussreflex, Puppenkopfphänomen, fehlender Schluck-und Hustenreiz), wobei Reflexe auf Rückenmarksebeneoft noch erhalten sind,
  3. der Verlust der Spontanatmung.

Durch eine erneute Untersuchung der klinischen Kriterien nach festgelegter, adäquater Wartezeit oder durch den zusätzlichen Nachweis eines nur apparativ feststellbaren Kriteriums wird gewährleistet, dass es sich um einen unumkehrbaren Ausfall aller Hirnfunktionen (also um Hirntod) handelt. Zu diesen apparativen Kriterien gehören:

  1. eine Null-Linieim EEG(hirnelektrische Stille),
  2. ein mittels Angiografieoder Doppler-Duplex-Sonografieoder szintigrafischenMethoden feststellbarer Kreislaufstopp in den hirnversorgenden Schlagadern(Vertebralarterienund Karotiden)
  3. und weitere.

Diese klinischen Kriterien zum Nachweis des unumkehrbaren Ausfalls der Hirnfunktion müssen in der Bundesrepublik Deutschland zu verschiedenen Zeitpunkten von verschiedenen Ärzten, die nicht in Transplantationsszentrenarbeiten dürfen, bestätigt werden, um einen Menschen als hirntot einstufen zu können. Der Nachweis eines nur apparativ erfassbaren Kriteriums (z.B. des zerebralen Kreislaufstillstandes durch Angiographie) ist somit nur in wenigen Situationen (primär infratentorielleHirnschädigung) zwingend erforderlich, ein apparativ nachweisbares Kriterium kann jedoch als Beweis der Irreversibilität des Hirnschadens die Wartezeit ersetzen. Die apnoischeHirnstammareflexieist sonst innerhalb 24 Stunden (Ausnahme: sekundäre Hirnschädigung, Hirnschädigungen bei Kindern, hier gelten aufgrund spezifischer Gegebenheiten längere Wartezeiten) mindestens zwei Mal nachzuweisen, inklusive eines Apnoetestsmit einem pCO2von über 60 mmHg.

Hirntoddiagnostik: Messbarkeit des Ausfalls aller Hirnfunktionen

In der Informationsbroschüre ?Kein Weg zurück ...? des Arbeitskreis Organspende wird folgende Aussage gemacht:

?Es ist richtig, dass die unübersehbare Vielzahl von Hirnfunktionen nicht durch klini­sche oder apparative Untersuchungen in ihrer Gesamtheit erfasst werden kann. Dies ist aus medizinischer Sicht auch unnötig. Vielmehr soll durch die Hirntoddiagnostik die Vollständigkeit und Endgültigkeit einer Schädigung des Gehirns als funktionierendes Ganzes festgestellt werden. Die Gültigkeit dieses Konzepts ist empirisch begründet, d.h. durch Erfahrung an vielen Tausend von Hirntod-Fällen belegt. Es erhebt nicht den Anspruch, den Tod jeder einzelnen Hirnzelle nachzuweisen.?

Quelle: Arbeitskreis Organspende: Kein Weg zurück... Informationen zum Hirntod, 1. A.100.8/99, S. 29

EEG-Aktivitäten trotz klinischer Hirntod-Zeichen und nachgewiesenen Durch­blutungsstillstandes

Laut Aussagen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) konnten in Aus­nahmefällen EEG-Aktivitäten trotz klinischer Hirntod-Zeichen und nachgewiesenen Durchblutungsstillstandes beobachtet werden.

Die Ursache:

?sog. Anastomosen(Gefäßverbindungen) in den Randgebieten zwischen der (unter­brochenen) Blutversorgung hirneigener Arterien und dem noch intakten Kreislauf der äußeren Halsschlagader (...), welche die Gesichtsweichteile, aber auch die Hirn­häute versorgt. Hierdurch kann es zu einem Überleben umschriebener Nervenzellpopulatio­nen nach Eintreten des Hirntodes kommen.?

Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO): Der Hirntod als der Tod des Menschen, 1. A.30.12/95, S.36

Motivation

Dieses recht komplizierte Verfahren ist hauptsächlich durch die moderne Apparatemedizinauf Intensivstationenbedingt, wo der Eintritt anderer sicherer Todeszeichen durch die maschinellen Unterstützungsmaßnahmen unterbleibt, ohne dass Aussicht auf Gesundungbestünde. Der Hirntod bietet ein Kriterium, auf die weitere Therapiedes Patientenzu verzichten.

Kontroverse

Eher kontrovers ist der Gebrauch der Hirntoddefinition im Zusammenhang mit der Organspende(s. u.). Wenn nicht sichergestellt ist, dass mit dem Hirntod auch alle Empfindungen erloschen sind, besteht bei einer Organentnahmedie Möglichkeit, dass (neben der Körperverletzung) die Würdedes Organspenders verletzt wird (siehe auch Störung der Totenruhe).

In diesem Zusammenhang wird gerne der Fall des Erlanger Babys zitiert, in dem eine in der 15. Woche schwangere Frau nach Hirntod noch 5 Wochen am 'Leben' erhalten wurde, bei normalem Wachstum des Fetus. Was für den Laien etwas unverständlich ist, erklärt sich aber, da ja durch die Gerätemedizin der Körper der Frau und damit auch der Uterusin seiner Grundfunktion erhalten bleibt. Durch eine Infektionkam es dann zum Ende der Schwangerschaft. Insofern stellt sich die Frage nach der Bewertung des Hirntodes. Zu berücksichten ist aber auch die Frage, ob es ethisch gerechtfertigt werden kann, die hirntote Mutter solange an den Maschinen zu lassen, bis der Fetus per Kaiserschnittauf die Welt geholt werden kann.

Auch bei Untersuchungenzum Winterschlaf bei Tieren wird offenbar, dass eine nicht mehr messbarer Hirnaktivität nicht zwangsläufig mit dem eingetretenen Tod gleichgesetzt werden kann.

Weblinks

  • Arbeitskreis Organspende: Hirntod
  • BZgA Organspendekampagne: Wann ist ein Mensch tot?
  • Beitrag "Der umstrittene Hirntod" von Prof. Dr. Manfred Balkenohl
  • Homepage des Diplom-Psychologen Roberto Rotondo, der mit Hintergrundmaterial und Erfahrungsberichten von Betroffenen über Hirntod, Organspende, Transplantation und Organhandel informiert.
  • Hirntod und Organspende - Bedeutung und Aufgaben für die Fachpflege


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