| Parvovirus B 19
|
| Systematik
|
| Reich: | Viren
|
| | ssDNA-Viren
|
| Familie: | Parvoviridae
|
| Gattung: | Erythroviren
|
| Art: | Parvovirus B 19
|
|
Ringelröteln (Synonyme Erythema infektiosum, 5. Krankheit, engl. fifth-disease) ist eine ansteckende Krankheit, die durch Virenhervorgerufen wird. Sie ist nicht zu verwechseln mit Röteln, zählt aber auch zu den sogenannten Kinderkrankheiten, obwohl auch Erwachsene noch daran erkranken können. Häufig verläuft die Infektionohne Krankheitszeichen, nur ein Teil der Patienten zeigt den charakteristischen Hautausschlag. Nur sehr selten treten ernsthafte Komplikationen auf, zumeist sind die Ringelröteln harmlos. Es gibt keine Impfung und keine ursachenbezogene Therapie.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geschichte
- 2 Erreger
- 3 Epidemiologie
- 4 Symptome
- 5 Komplikationen
- 6 Diagnose
- 7 Differentialdiagnose
- 8 Prophylaxe
- 9 Therapie
- 10 Literatur
- 11 Weblinks
|
Geschichte
Den Namen ?fünfte Krankheit? oder ?fifth-disease? im englischen Schrifttum erhielten die Ringelröteln durch die historische Angewohnheit der Ärzte, seit dem 17. Jahrhundert die Kinderkrankheiten mit Hautausschlag (Exanthem) voneinander abzugrenzen und in Unkenntnis der Ursachen einfach durchzunummerieren. Masernund Scharlachwaren die beiden ersten. 1881 wurden die Rötelnallgemein als dritte Kinderkrankheit mit Hautausschlag akzeptiert. Später wurde von verschiedenen Autoren eine Unterform der Röteln als eigene Erkrankung beschrieben und seit 1900 vierte Krankheit genannt. In den letzten 50 Jahren ist es allerdings umstritten, ob es diese wirklich als eigenständige Krankheitseinheit gibt. Seit 1905 ist die fünfte Krankheit als Bezeichnung für eine weitere exanthematöse Kinderkrankheit anerkannt gewesen, für die der Erreger lange Zeit unbekannt blieb. 1974fiel einer Virologin, die in London das Blut von gesunden Blutspendern auf das Vorhandensein von Oberflächenbestandteilen des Hepatitis BVirus untersuchte, bei einer Probe eine ungewöhnliche Reaktion auf. Beim Erforschen der Ursache wurde ein Virus entdeckt, das in der Elektronenmikroskopieden Parvoviren glich und später den Namen Parvovirus B19 erhielt. Die große Familie der Parvoviren(Parvoviridae) schließt viele Viren ein, die vor allem für Tiere krankmachende Bedeutung haben und im Interesse von Tiermedizinern und Virologen standen. Erst 1981konnte mit dem Nachweis einer Parvovirus-19-Infektion bei Patienten mit Sichelzellenanämieund dem vorübergehenden Erliegen der Blutbildung(sogenannter aplastischer Krise) ein Zusammenhang zu einer Erkrankung hergestellt werden. Zwei Jahre später konnten Infektionen durch Parvovirus B19 als Ursache der Ringelröteln identifiziert werden.
Erreger
Erreger der Ringelröteln ist das Parvovirus B 19, das kleinste den Menschen krank machende Virus überhaupt. Seine Erbinformation besteht aus einem einzelnen Strang DNAund es besitzt keine Hülle. Es gehört zu der Familie der Parvoviridae im Genus Erythrovirus. Es gibt vermutlich mehr als einen Serotyp. Das Virus benutzt zur Vermehrung bevorzugt Vorläuferzellen der roten Blutkörperchenim Knochenmark, denn die roten Blutkörperchen selbst haben keinen Zellkern und auch keine Werkzeuge zur Vervielfältigung von Erbmaterial mehr.
Epidemiologie
Einzige Quelle für den Erreger ist der Mensch. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektionbei direktem Kontakt, auch durch verunreinigte Hände und in seltenen Fällen durch infizierte
Blutprodukte. Die Ansteckungsfähigkeit ist in den ersten 4?10 Tagen nach Infektion am größten.
Das heißt, dass Kinder im Stadium mit Hautausschlag praktisch nicht mehr ansteckend sind. Die Infektion hinterlässt vermutlich eine lebenslange Immunität.
Die Durchseuchungsrate, d. h. der Anteil von Menschen, die eine Infektion schon durchgemacht haben, liegt im Vorschulalter bei etwa 5?10 %, im Erwachsenenalter bei 60?70 %. Zahlen über mütterliche Infektionen in der Schwangerschaftliegen nicht vor, sie scheinen aber selten zu sein. Bei einer gesicherten Infektion der Mutter liegt das Erkrankungsrisiko für das ungeborene Kind etwa bei 5?10 % und ist am größten bei Infektionen zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche.
Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der ersten Symptome (Inkubationszeit) beträgt in der Regel 4?14 Tage (maximal 3 Wochen).
Symptome
Bild:Slapped cheek.png typische Gesichtsrötung bei Ringelröteln
Bild:Fifth desease.jpg Ausschlag bei Ringelröteln
In der Mehrzahl der Fälle verläuft die Infektion symptomlos (stille Feiung). In anderen Fällen finden sich grippeähnliche Symptome ohne Hautausschlag. Der typische Ausschlag wird nur bei 15?20 % der Infizierten beobachtet. Er beginnt an den Wangen mit großen roten Flecken, die zusammenfließen. Meist ist die Mundpartie ausgespart (Schmetterlingserythem). An den folgenden Tagen treten an Schultern, Oberarmen, Oberschenkeln und Gesäß teilweise leicht erhabene Flecken auf, die dazu neigen zusammenzufließen und in der Mitte abblassen. Dadurch entstehen charakteristische girlandenartige Muster. Die Hauterscheinungen können wechselhaft und flüchtig sein, aber bis zu sieben Wochen andauern. Das Allgemeinbefinden ist dabei nur wenig beeinträchtigt. Bei jungen Erwachsenen wurden auch vaskulitischeHauterscheinungen mit strenger Begrenzung auf Hände und Füße beschrieben.
Komplikationen
Gelegentlich kommt es zu Gelenkbeteiligungenmit Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungenbevorzugt der kleinen Gelenke und besonders bei Mädchen und jungen Frauen. Die Beschwerden dauern zwei Wochen bis mehrere Monate an und hören auch ohne spezifische Behandlung von alleine wieder auf.
Andere Komplikationen erklären sich durch die besondere Vorliebe der Viren für die roten Blutkörperchen bzw. deren Vorläuferzellen. So kann es bei Patienten mit chronischer hämolytischer Anämiezu aplastischen Krisen kommen, bei denen das Knochenmarkvorübergehend gar keine roten Blutzellen mehr bildet. Eine solche durch Parvovirus B 19 ausgelöste aplastische Krise ist oft sogar das erste Anzeichen einer Kugelzellenanämie. Ein Hautausschlag fehlt bei diesen Patienten fast immer.
Bei Patienten mit angeborenen oder erworbenen Defekten des Abwehrsystemsist die Auslöschung des Virus gestört. Dadurch kann es zu chronisch rezidivierenden Anämien kommen. Typischerweise sind bei diesen Patienten keine spezifischen Antikörpergegen Parvovirus B 19 nachweisbar.
Während der Schwangerschaftkann Parvovirus B 19 in etwa 30 Prozent über den Mutterkuchenauf die Leibesfrucht übertragen werden. Durch die Infektion des Fötenentsteht eine hochgradige Anämie, manchmal auch eine Entzündung des Herzmuskels. Diese beiden Komplikationen können zu Abortoder Totgeburt führen. Allerdings gibt es gegenwärtig keine Hinweise auf eine Parvovirus-B-19-assoziierte fehlbildungsverursachende Entwicklungsstörung des Embryo(Embryopathie). Deshalb ist die Parvovirus-B-19-Infektion in der Schwangerschaft auch keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch.
Diagnose
Bei typischem Hautausschlag kann die Diagnose klinisch gestellt werden. In diagnostisch unklaren Fällen kann eine akute Infektion durch Bestimmung virusspezifischer Antikörperim Serumnachgewiesen werden. In besonderen Fällen kann auch die Virus-DNAaus Blut, Knochenmarkoder Fruchtwassernachgewiesen werden. Bei Infektionen des ungeborenen Kindes während der Schwangerschaft sind die spezifischen IgM-Antikörper bei Geburt häufig (noch) nicht im Blut nachweisbar.
Differentialdiagnose
Die Ringelröteln sollten vor allem gegen die anderen mit einem Hautausschlag einhergehenden Infektionskrankheiten abgegrenzt werden: Scharlach, Masern, Windpocken, Röteln, Drei-Tage-Fieber.
Prophylaxe
Eine Impfung existiert nicht, auch über die vorbeugende Wirkung von Immunglobulinengibt es keine Erkenntnisse. Kinder mit chronischen Bluterkrankungen sind über längere Zeit hochansteckend. Sie müssen daher isoliert werden. Ferner muss beachtet werden, dass Parvoviren außerordentlich stabil sind und daher gründliche Händedesinfektionnötig ist, um nosokomialeInfektionen zu vermeiden.
Therapie
Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Eine symptomatische Therapie ist zumeist nicht nötig. Bei
Patienten mit Immundefekt, chronischer Anämie und Virus-Persistenz sollten Immunglobuline
eingesetzt werden. Bei frischer Infektion in der Schwangerschaft sind wöchentliche
Ultraschallkontrollenangezeigt. Zeigen sich hier Zeichen eines Hydrops fetalis, sollte versucht werden, durch intrauterineBluttransfusionendas Leben des Kindes zu erhalten und die Schwangerschaft erfolgreich zu beenden.
Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI) (Hrsg.): Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 4. Aufl. Futuramed, München 2003, ISBN 3-923599-90-0
- E. Weir: Parvovirus B 19 infection: fifth disease and more. In: Canadian Medical Association Journal 2005; 172:743, ISSN 0008-4409
- N.S. Young, K.E. Brown: Parvovirus B 19. In: New England Journal of Medicine 2004; 350:586-97, ISSN 1533-4406
- E.D. Heegaard, K.E. Brown: Human Parvovirus B19. In: Clinical Microbiology Reviews 2002; 15:485-505, ISSN 1098-6618(Volltext online)
Weblinks
- Mehr Bilder auf www.dermis.net
- Das amerikanische Center for Disease Control zu ?fifth-disease?
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ringelröteln aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|