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Als Tierversuche werden Experimente mit oder an Tieren bezeichnet. Sie dienen der Grundlagenforschungals Erkenntnisgewinn und werden in der Medizin zur Entwicklung und Erprobung neuer Therapiemöglichkeiten durchgeführt.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Anwendungen
- 2 Versuchstiere
- 3 Kontroverse um Tierversuche
- 4 Gesetzeslage in Deutschland
- 5 Beispiele für Versuchsaufbauten
- 6 Versuchslabore
- 7 Siehe auch
- 8 Literatur
- 9 Weblinks
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Anwendungen
Neben neuen Medikamenten werden an Tieren auch Krankheitserreger, manche Lebensmittel sowie Gase, Säuren, Schmiermittel, Hautcremes, Suchtmittel, Chemikalien, Wasch- und Putzmittel sowie andere Substanzen, deren Kontakt mit Menschen nicht ausgeschlossen werden kann, getestet. Vor allem werden diese Produkte auf Erbgutschädigung (Mutagenität), Krebserzeugung (Kanzerogenität), Schädigung der Frucht im Mutterleib (Teratogenität) und Giftigkeit (Toxizität) hin untersucht. 2003 wurden allein in Deutschland laut Bundesministerium für Verbraucherschutz über 2 Millionen Tiere in Versuchslabors für diese Zwecke eingesetzt. Auch bereits vor Jahrzehnten auf den Markt gebrachte Produkte, deren Risiken und schädigende Wirkungen von der Europäischen Union als nicht erforscht angesehen werden, sollen im Rahmen der Erstellung der neuen EU-Chemikalienverordnung in den kommenden Jahren an Tieren getestet werden.
Die Grundlagenforschung an Tieren und Mensch ist für das Verstehen der Ursachen von Krankheiten von zentraler Bedeutung. Auch die angewandtere medizinische Forschung, bei der es gezielter um die Entwicklung von Therapien geht, hätte ohne Tierversuche kaum Fortschritte zu verzeichnen.
Versuchstiere
Versuchstiere in Deutschland sind insbesondere die Modellorganismen, die alle großen Tiergruppen von den Fadenwürmernund Insektenüber Amphibienund Vögelbis zu den Säugetierenabdecken. Das verbreitetste Tiermodell ist die Maus. Primaten(insbesondere Rhesusaffen, Javaneraffenund Totenkopfaffen) werden ebefalls als Versuchstiere verwendet, weil kein anderer Organismus dem Menschen stärker ähnelt. Sie werden zum Beispiel in den Bereichen Kognitionsforschung und Prionenforschung beansprucht. In der HIV-Forschung werden keine Primaten mehr verwendet, weil inzwischen mit Mäusen (und ähnlichen Tieren) ein brauchbares Tiermodell zur Verfügung steht.
Für Tierversuche werden speziell gezüchtete Tiere verwendet, da man für aussagekräftige Resultate genaue Daten über diese Tiere braucht, z.B. durchschnittliche Lebensdauer, aber auch Daten darüber, welche Krankheiten (Krebs, Diabetes etc.) wie häufig normalerweise in der Population auftreten. Darüber hinaus gibt es auch Populationen, die z.B. garantiert an Leberkrebs erkranken. In der freien Wildbahn eingefangene Tiere werden aus diesen Gründen niemals verwendet. Gerüchte über "Tierfänger", die im Auftrag von Pharmaunternehmen Haustiere einfangen (insbesondere streunende Katzen) gehören in den Bereich der "Urban Legends".
Kontroverse um Tierversuche
Die Konsequenzen aus dem möglichen Rückzug von Tierversuchen müssen überdacht werden. Ein Beispiel: Deutschland führt seit einiger Zeit keine Versuche an Schimpansen mehr durch. In den U.S.A. jedoch werden Schimpansen zur Gewinnung von Hepatitis-Medikamenten verwendet. Obwohl Deutschland keine Versuche an Schimpansen mehr durchführt, werden Hepatitis-Medikamente aus den U.S.A. importiert.
Tierrechtler und Tierschützer sowie beispielsweise auch die Organisation Ärzte gegen Tierversucheführen an, dass Tierversuche mitunter lediglich eine Tendenz anzeigen, ob das Medikament Nebenwirkungen am Menschen haben wird. Sie sind damit vom Kosten/Nutzen-Verhältnis eher ungünstig und schlecht als Sicherheit geeignet. Ein Beispiel: In den Sechzigern führte das Schlaf- und Beruhigungsmittel Conterganzu schweren Missbildungen bei Kindern, wenn die Mutter das Medikament während der Schwangerschaft einnahm (teratogeneWirkung). In Tierversuchen konnte eine solche Verbindung nicht festgestellt werden, da das Medikament
ausschließlich an Mäusen und Ratten getestet und für sicher erklärt wurde. Bei Kaninchen ruft die Substanz jedoch Missbildungen hervor, die auch beim Menschen auftreten können. Aus diesem Sachverhalt kann man interpretieren, dass ausführlichere Tierversuche die Wahrscheinlichkeit zur Erkennung von diesen Nebenwirkungen erhöht hätten.
Andererseits werden die zahlreichen Fälle, in denen ein Pharmaunternehmen ein vielversprechendes Medikament nicht auf den Markt gebracht hat, weil es in Tierversuchen zu starken, nicht akzeptabeln Nebenwirkungen kam, erst gar nicht bekannt.
Nach heutigem Stand der Forschung gibt es nur wenige Alternativen, da z.B. Zellkulturenkeinen eigenen Stoffwechselbesitzen (Metabolitender Wirkstoffe können eine verheerende Wirkung haben).
Gesetzeslage in Deutschland
Der Eingriff an lebenden Tieren (die so genannte Vivisektion) ist nach dem deutschen Tierschutzgesetz nur erlaubt, wenn sie von fachlich geeigneten Personen oder unter Anleitung solcher Personen durchgeführt werden. Sie müssen auch entweder genehmigt werden oder zumindest (in den Fällen, wo sie vorgeschrieben sind) angemeldet werden.
Beispiele für Versuchsaufbauten
Je nach Zielsetzung und Versuchstieren können sehr unterschiedliche Versuchsaufbauten zum Einsatz kommen.
Lernen im Labyrinth
Für Verhaltensstudien sehr beliebt sind zum Beispiel einfache labyrinthartigeStrukturen. Im einfachsten Fall besteht ein solches "Labyrinth" aus einem bestimmten Startpunkt für das Testtier, von dem es in einen kurzen Gang gelangt und danach eine Rechts-oder-links-Wahl hat, also die Auswahl zwischen zwei Richtungen. Solche im englischen Sprachgebrauch Maze genannten Einfachst-Labyrinthe gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, je nachdem, in welchem Winkel die beiden Wahlmöglichkeiten vom vorherigen Gang abzweigen: zum Beispiel als Y-Maze, als T-Maze oder als Radial Maze. Bei komplexeren Versuchsanordnungen können mehrere solche Wahlmöglichkeiten hintereinander montiert werden, so dass zum Beispiel die Grenzen der Lernleistung von Tieren ausgetestet werden können.
Ein bemerkenswertes Resultat lieferten solche komplexen Labyrinthe bei Ratten: Wenn sie sicher zum Beispiel eine zehnfache Links-Rechts-Wahl meistern konnten und daher rasch zum Ausgang des Labyrinths gelangten, wurden sie in ein spiegelbildliches Labyrinth gesetzt. Bei der ersten Wahl liefen sie erwartungsgemäß falsch, bei der zweiten Wahl zögerlich zunächst falsch - und ab der dritten Wahl korrekt und zielstrebig zum Ausgang. Ein Mensch hat diese Fähigkeiten im Labyrinth nicht, wohl aber bekanntlich bei komplexen visuellen Problemstellungen, zum Beispiel beim Lesen von Spiegelschrift.
Versuchslabore
Die Firma COVANCEin Münsterist eines der größten Tierversuchs-Labore Europas. Tierrechts-Organisationen setzen sich für einen Stopp von Tierversuchen und die Schließung von COVANCE ein.
Siehe auch
- Toxizitätsbestimmung, Studie (Medizin), Tierrecht, Tierschutz, Tierquälerei
Literatur
- Johann S. Ach: Warum man Lassie nicht quälen darf. Tierversuche und moralischer Individualismus, Harald Fischer Verlag, Erlangen 1999, ISBN 3-89131-119-2
Weblinks
Bild:Wiktionary-ico-de.png
| Wiktionary: {{{2|Tierversuch}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
| da:Forsøgsdyr
en:Animal testing
he:??????? ????? ????
nl:Dierproef
sv:Djurförsök
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