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Der Aderlass (Blutentnahme, medizinisch auch Phlebotomie) ist ein seit in der Antike bis ins 19. Jahrhundertbekanntes und verbreitet angewandtes Heilverfahren. Beim Aderlass wird dem Patienten eine teilweise nicht unerhebliche Menge Blutesentnommen. Heute wird dem Aderlass nur noch bei wenigen Krankheitsbildern eine positive Wirkung zugeschrieben, so dass er weitgehend aus dem medizinischen Alltag verschwunden ist.
Die verbreitete Entnahme geringer Blutmengen zu Untersuchungszwecken wird nur umgangssprachlich als Aderlass bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geschichte
- 2 Methoden
- 3 Einsatz in der heutigen Medizin
- 4 Weblinks
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Geschichte
Bild:Aderlaßmännlein.jpg Aderlassmännlein aus Konrad von Megenberg?Buch der Natur?
Der Aderlass war seit der Zeit des Hippokratesbekannt und wurde auch von Galenbefürwortet, nachdem dieser entdeckte, dass die Adern mit Blut gefüllt waren und nicht mit Luft, wie vielfach angenommen wurde.
Der Nutzen des Aderlasses wurde aus zwei Vorstellungen begründet:
Zum einen wurde angenommen, das Blut werde vom Körper hergestellt und dann verbraucht. Die Zirkulation durch das Herz war unbekannt.
Wenn das hergestellte Blut nun nicht 'verbraucht' wurde, konnte es in den Gliedern stagnieren und musste entfernt werden.
Zum anderen wurden Krankheiten des Menschen auf ein Ungleichgewicht seiner vier Säfte (Blut, gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim, siehe Viersäftelehre) zurückgeführt. Durch Ableiten überschüssigen Blutes konnte nach dieser Vorstellung das Gleichgewicht wiederhergestellt werden.
Galen glaubte, Blut sei der dominante Saft und müsse besonders kontrolliert werden.
Er stellte ein umfassendes System auf, das die Menge des zu entnehmenden Blutes aus dem Alter des Patienten, seinem Zustand sowie aus Jahreszeit und Wetterbedingungen ableitete.
Auch in der islamischen Medizinwar der Aderlass bekannt, wahrscheinlich durch die griechischen Autoren.
Die historisch wichtigen medizinischen Schriften Kitab al-Qanun von Ibn Sina (Avicenna) und insbesondere Al-Tasrif li-man 'ajaza 'an al-ta'lif empfehlen den Aderlass.
Die ayurvedische Medizin kannte den Aderlass ebenfalls, wie in der Susrata Samhita dargestellt ist.
Obwohl im Mittelalterdie Viersäftelehre als überholt galt, war der Aderlass eine typische Heilpraktik des Baders.
Eine weite Palette von Krankheiten wurden durch den Aderlass behandelt; man kann fast von einer universellen Methode sprechen.
Insbesondere in den USAfavorisierte Benjamin Rushein extensives Aderlassen.
George Washingtonwurden nach einem Reitunfall mehr als 1,5 Liter Blut entnommen; dieser Verlust kann zu seinem Tode beigetragen haben.
Auch nachdem William Harveyim Jahre 1628die Grundlagen des Aderlasses widerlegt hatte und erste Schritte zu einer auf wissenschaftlichen Methoden basierenden Medizin gemacht waren (la méthode numérique), blieb der Aderlass eine verbreitete Behandlungsmethode.
Der Nachweis Pierre Louisum 1800, dass der Aderlass bei einer Lungenentzündungund bei vielen Fiebererkrankungen unwirksam sei, hatte ebenfalls kaum Einfluss auf die allgemeine Anwendung.
Ein Grund für die verbreitete Anwendung des Aderlasses war das unzureichende Verständnis von Krankheitsursachen, trotz bedeutender Fortschritte in der Anatomieund in Operationsmethoden.
Es wurde angenommen, es sei besser irgendetwas als nichts zu tun.
Teilweise wird der Aderlass auch eine positive psychologische Wirkung gehabt haben (Placebo-Effekt).
Methoden
Der Baderdes Mittelaltersverwendete Aderlass-Messer, sogenannte Flieten, oder ab dem 15. Jahrhundertein Gerät, dessen spezielles Messer nach dem Anritzen der Ader zurückschnappt, den Schnepper.
Heutzutage wird Venenblutmit einer größeren Kanüleabgenommen.
Die Menge des abgenommenen Blutes liegt zwischen 50 und 500 ml.
Eine weitere Methode der Blutentziehung ist der Einsatz von Blutegeln. Die spezielle Zusammensetzung des Speichelsdes Blutegels verhindert die Gerinnungdes Blutes. Hier wie beim Schröpfenist die entnommene Blutmenge so gering, dass man nicht von einem ?Aderlass? sprechen kann.
Einsatz in der heutigen Medizin
Der Aderlass spielt heute bei einzelnen Erkrankungen eine wichtige Rolle:
- Bei der Polycythaemia vera, einer Erkrankung, die zu einer krankhaft vermehrter Bildung von Erythrozyten(roten Blutkörperchen) und damit zu einer Erhöhung der Blutviskositätführt.
- Bei der Hämochromatose, einer Erkrankung des Eisenstoffwechsels, werden lebenslange Aderlässe zur Senkung des Eisengehaltes im Körper durchgeführt.
- Bei einer Polyglobuliekann eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes durch Aderlass erforderlich werden, wenn beispielsweise eine Zentralvenenthrombose im Auge droht oder bereits aufgetreten ist.
Weblinks
- gute Links zum Thema Aderlass auf www.medinfo.deda:Åreladning
en:Bloodletting
fr:Saignée
he:???? ??
ja:??
nl:Aderlaten
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