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Trotula di Ruggerio († 1097) war eine italienischeÄrztinder Schule von Salerno. Sie lebte vermutlich im 11. Jahrhundertin Salerno. Nach Salvatore Renzi war sie die Frau von Johannes Platearius, der ebenfalls Arzt war. Ihre beiden Söhne, Matthias und Johannes der Jüngere, wurden als medizinischeAutoren bekannt. Nach Gilmore & Greenfield (siehe Lit.) hieß die als Trotula bekannte Ärztin in Wahrheit Trota (Trotula wäre der Name ihres Werkes) und ihre Zugehörigkeit zur Familie Ruggiero sei eben so wenig belegt wie ihre Ehe mit Platearius.
Trotula war als praktische Ärztin Mitglied der Fakultätvon Salerno. Sie schrieb mehrere Abhandlungen über die medizinische Praxis und arbeitete gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen an der medizinischen EnzyklopädiePractica Brevis. Im Haupttext der Schule von Salerno, De Aegritudinum Curatione aus dem 12. Jahrhundert, sind Texte der sieben Großmeister der Schule enthalten, darunter auch Trotulas Lehren.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Hauptwerk: Passionibus Mulierum Curandorum
- 2 Der Passionibus Mulierum nach Trotulas Tod
- 3 Die Frage nach der Existenz Trotulas und der Authentizität ihrer Texte
- 4 Literatur
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Hauptwerk: Passionibus Mulierum Curandorum
Das wichtigste Werk Trotulas war Passionibus Mulierum Curandorum (auch als Trotula Major bekannt), eine Abhandlung über Gynäkologieund Frauenkrankheiten. Ornatu Mulierum (Trotula Minor), eine Schrift über Hautkrankheitenund Kosmetikawurde nachträglich in den Trotula Major eingefügt.
Trotula betont, wie wichtig Sauberkeit, ausgewogene Ernährung und körperliche Betätigung für Frauen sind und warnt gleichzeitig vor Stress und Unruhe. Wie später Hildegard von Bingenarbeitet sie mit einfachen, auch für Mitglieder der einfachen Volkes erschwinglichen Mitteln und Rezepten.
In der Einleitung schreibt Trotula über die Hemmungen der Frauen, mit einem männlichen Arzt über Beschwerden ihrer Fortpflanzungs- und Sexualorgane zu sprechen. Ihre Schriften zeugen von erstaunlich fortschrittlichen gynäkologischen Kenntnissen. So wusste sie beispielsweise über den Zusammenhang von Amenorrhöeund weiblicher Unfruchtbarkeit. Bei unregelmäßiger Menstruationvermutet sie Mangelernährung, eine Krankheitoder psychischen Stress(Kummer, Ärger, Aufregung oder Angst) als Ursache. Ihre Erklärung für starke Blutungen hingegen richten sich nach den Theorien von Galenusund Hippokratesüber die Galle.
Trotula schrieb auch über Geburtenkontrolleund Unfruchtbarkeit. Sie kannte die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage während des weiblichen Zyklus und empfahl ihren Patientinnen Enthaltsamkeit bzw. sexuelle Aktivitäten an bestimmten Tagen, je nachdem ob sie einen Kinderwunsch hatten oder nicht. Im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Ärzten sah sie Unfruchtbarkeit nicht als rein weibliches Problem sondern betonte, dass oft der Ehemann diesbezüglich Schwierigkeiten hätte.
Im Kapitel über die Geburtshilfegibt sie - aus heutiger Sicht - ebenfalls sehr fortschrittliche Anweisungen. So empfiehlt sie zur Vermeidung eines Dammrissesdas Abstützen des Dammswährend den Wehen. Erfolgt trotzdem ein Darmriss soll dieser "mit einem Seidenfaden in drei bis vier Stichen" zusammengenäht werden. Auch gibt sie den Hebammedetaillierte Hinweise zur Prävention schwieriger Geburten und Schäden während der Geburt.
Auch über die Säuglingspflegeäußert sich Trotula. Sie empfiehlt, bei Neugeborenen Gesicht und Ohren mit Massagenzu stimulieren. Sie zählt Kriterien auf, die bei der Wahl der richtigen Ammezu beachten seien. Schmerzstillende Lotionen und andere Tipps und Tricks beim Zahnenwerden ebenso beschrieben wie allgemeinmedizinischeHinweise bei Läusen, Würmern, Zahnschmerzen, Beschwerden der Augen, Krebs, Gehörlosigkeitund Übergewicht.
Der Passionibus Mulierum nach Trotulas Tod
Bis ins 16. Jahrhundertgalt Trotulas Passionibus Mulierum an den medizinischen Fakultäten Europas als Standardwerk. Daneben gingen ihre Schriften auch in die Volksheilkundeüber und es begannen, Legenden über ihre Person zu kursieren.
Der Trotula Major wurde oft kopiert und viele Kopisten nahmen sich jeweils die Freiheit heraus, eigene Änderungen und Ideen in die Texte einzufügen. Andere gaben ihr Werk unter einem anderen Titel und dem eigenen Namen heraus. Einzelne Kapitel wurden in andere Werke übertragen. Im 13. Jahrhundertkürzte eine andere Ärztin aus Salerno das Manuskript und nahm wesentliche Änderungen am Inhalt vor. Bei einigen Kopien wurde ihr Name zu "Trottola", "Tortola" oder gar des männlichen "Trottus" verstümmelt. Bereits im 12. Jahrhunderterschienen Kopien des Passionibus Mulierum unter dem Namen ihres Mannes, Johannes Platearius.
1544erschien in Straßburgdie erste gedruckte Ausgabe des Passionibus Mulierum, die auch einige naturwissenschaftliche Abhandlungen von Hildegard von Bingen enthielt. 1554veröffentlichte Victorius Faventiuseine weitere Ausgabe, in der er jedoch eigene Erfindungen beigefügt hatte. 1566veröffentlichte Kaspar Wolffin Basel eine weitere Ausgabe des Trotula Major, das er jedoch dem römischen Hausarzt Julias, der Tochter von Kaiser Augustus, Eros Juliaezuschrieb. Eros Juliae hatte ebenfalls einen Text über Frauenheilkunde und Hautpflege geschrieben, was Wolff vermutlich mit den vorliegenden Schriften Trotulas verwechselte. Einige andere Verleger übernahmen diese Version des Passionibus Mulierum, andere wiederum schrieben ihn dem römischen Arzt Erotianzu, der selbst Kommentare zur hippokratischen Gynäkologie veröffentlicht hatte. Obwohl die Zuordnung des Passionibus Mulierum zu diesen beiden Autoren unmöglich stimmen konnte (viele der von Trotula zitierten Autoren lebten lange nach Erotian oder Eros Juliae), wurde dieser Fehler von Medizinhistorikern des 19. Jahrhundertsals "Beleg" ihrer These benutzt, dass Trotula unmöglich gelebt haben könne und ihre Schriften in Wirklichkeit von einem Mann stammten.
Die Frage nach der Existenz Trotulas und der Authentizität ihrer Texte
Obwohl es um die Person Trotulas zwischen dem 11. und dem 19. Jahrhundert einige Verwirrungen und Legenden gab, wurde ihre Autorenschaft des Passionibus Mulierum im Großen und Ganzen nicht wissenschaftlich bestritten.
Erst Karl Sudhoff, ein Medizinhistoriker des frühen 20. Jahrhunderts, stellte die Theorie auf, dass die Frauen, die an der Schule von Salernostudiert und unterrichtet hatten, in Wirklichkeit keine Ärztinnen gewesen seien, sondern lediglich Hebammen und Krankenschwestern. Dieser Logik zufolge konnten sie auch keine gynäkologischen Abhandlungen verfasst haben. Da Passionibus Mulierum Anweisungen zu chirurgischen Eingriffen enthalte und zudem das Hauptgebiet der Hebammen, die normale Geburtshilfe nur am Rande streife, könne der Text laut Sudhoff unmöglich von einer Frau stammen.
Ein weiterer Historiker, Charles Singer, vertrat die interessante These, Passionibus Mulierum sei in Wahrheit keine gynäkologische Schrift, sondern Pornographie. Der Autor, ein Arzt namens Trottus, hätte ihr einen Frauennamen gegeben, um ihren erotischen Charakter zu betonen.
Hauptargument von Sudhoff, Singer und andere Historikern, weshalb Passionibus Mulierum nicht von einer Frau stammen konnte war die offene Art und Weise, in der in dem Text über die Sexualität und Geschlechtskrankheiten gesprochen wird. Insbesondere Kapitel 15, "Methode, die Vulva zu verengen, so dass eine verführte Frau für eine Jungfrau gehalten werden kann", scheint die Historiker außerordentlich schockiert zu haben.
Obwohl die Existenz und Autorenschaft der Trotula von Salerno nicht zweiffellos bewiesen werden kann, spricht doch einiges dafür. So waren in Italien des Mittelalters weibliche Gelehrte wenn auch relativ selten, so doch voll akzeptierte Mitglieder der akademischen Gemeinschaft. Wenn Trotula gelebt hat, dann wäre sie in Salerno als Kapazität im Gebiet der Frauenheilkunde und als Dozentin anerkannt worden. Italienische Medizinhistoriker haben die Authentizität Trotulas bzw. die Existenz von weiblichen Studenten und Dozenten an der medizinischen Fakultät von Salerno im 11. und 12. Jahrhundert nie bezweifelt.
Literatur
- David D. Gilmore und Monica Greenfield: The Trotula: A Medieval Compendium of Women's Medicine. Pennsylvania University Press, 2001. ISBN 0-812-235-894
- Margaret Alic: Hypatias Töchter. Unionsverlag, 2000. ISBN 3-293-001-165
en:Trotula of Salerno
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