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Was der KunstbegriffE-Health bzw. E-Gesundheit genau bezeichnet, darüber herrscht bisher keine Einigkeit. Eine gemeinsame Definition fehlt (cf. Eysenbach, 2001). Je nachdem, um welchen Autor es sich handelt und welche Zielgruppeanvisiert wird, vermischt sich E-Health mit den etablierten Begriffen wie Telemedizin (und weiteren Tele-X-Begriffen) oder ebenfalls neuen Ausdrücken wie Online Health, Cybermedizin und (Internet-)Consumer Health Informatics (cf. Ferguson, 2002; cf. Ferguson, 1995).
Mitunter sind mit E-Health Anwendungen der Telemedizin gemeint, wenn sie sich auf die Internet-Infrastrukturoder -Technik stützen (zum Beispiel IT-gestützte Expertenkonsile oder das Fern-Monitoringder Vitalwerte von Patientenim eigenen Haus). Auch Ansätze einer direkten Patient-Computer-Interaktion zur Ergänzung des Arztgesprächs erhalten heute mit dem Internet neuen Schwung und werden in der Folge häufig zu E-Health gezählt. Doch diese sind bereits seit den 70er Jahrenin den USA bekannt, ohne dass der Begriff E-Health dafür gebraucht wurde (Slack et al., 1968; cf. Ferguson, 2002; cf. Slack, 1997; cf. Slack et al. 1976; Schuman et al., 1975; cf. Lucas et al. 1975; mehr dazu auf Seite 91). So beschreiben schon Schuman et al. 1975 und Lucas et al. 1976 Projekte für eine computergestützte Erhebung der Anamnese, in denen die Patienten selbst die Rechner bedienen.
Häufig werden mit E-Health auch die Vernetzungsbestrebungen im Gesundheitssystem umrissen (zum Beispiel elektronische Patientenakten) oder generelle IT-getriebene Infrastrukturinitiativen (zum Beispiel elektronische Beschaffungvia Internet) bezeichnet (cf. PWC, 1999). Darüber hinaus wird unter dem Begriff E-Health das Bestreben verschiedenster Akteure (von Versicherungenüber Gesundheitsportale bis hin zu virtuellen Selbsthilfegruppen) geführt, Gesundheitsinformationen und Dienstleistungenüber das Internet Laien-Konsumentenzugänglich zu machen. Gleiches gilt für den global zu beobachtenden Trend, dass sich Patienten im Internet zu medizinischen Themen kundig machen und in der Folge stärkeren Einfluss auf ihre Gesundheitsversorgung nehmen.
Entsprechend umfassend angelegt ist daher einer der gelungensten Definitionsversuche für den Begriff E-Health. Eysenbach (2001) sieht darin nicht nur "eine technische Entwicklung, sondern auch eine [...] (besondere) Denkweise, Einstellung und Verpflichtung zu vernetztem und globalem Denken, um die Gesundheitsversorgung [...] durch den Gebrauch von Informations- und Kommunikationstechnologiezu verbessern". Insgesamt zeichnet sich ab, dass der neue Begriff eingeführt wurde, um deutlich zu kennzeichnen, dass aus der Konvergenzvon Internet und Medizinetwas Neues entstehen würde, verbunden sowohl mit Chancen als auch Risiken für alle Akteure im Gesundheitswesen. "E-Health wird vorangetrieben von Non-Professionals, namentlich den Patienten (oder, im E-Health-Jargon, den Konsumenten), die mit ihren Interessen neue Services im Gesundheitswesen entstehen lassen ? zumeist um ihre Emanzipationsbestrebungdurch den Zugangzu Informationen und Wissen zu stärken" (Della Mea, 2001; cf. Allen, 1999).
Inhaltsverzeichnis
- 1 Herkunft des Begriffs
- 2 Literatur
- 3 Verwandte Begriffe (teilweise Synonyme)
- 4 Berührte Themenfelder
- 5 Weiterführende Bücher
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Herkunft des Begriffs
Als Sammelbegriff für das Zusammentreffen von Internet und Medizin tauchte E-Health im Zuge des dotcom-Booms zuerst 1997 in Wirtschaftsmagazinenund Studien von Unternehmensberatungenauf. Erst um das Jahr 2000 war der Begriff E-Health schließlich auch in medizinischen Fachjournalen vertreten (cf. Eysenbach, 2001; cf. Della Mea, 2001; Bauer, 2000; Goldstein, 2000). Allerdings beschäftigten sich Wissenschaftund Wirtschaft mit dem Gegenstand E-Health länger, ohne dafür diesen Begriff zu gebrauchen. Internetgestützte Anwendungen in der Medizin finden beispielsweise spätestens seit 1991 wissenschaftliche Berücksichtigung (Hankins, 1991). Dass aus dem Zusammentreffen von Patienten und Internet für die Medizin und die Arzt-Patient-Beziehungetwas Neues entstehen kann, wird vereinzelt seit etwa 1993/94 und verstärkt seit 1995/96 in Fach- und Publikumspresse beschrieben.
Literatur
- Allen, A.: When the ship.com comes in. Editor's note. Telemed Today, 7, 6 (1999) S. 7.
- Bauer, J. C.: Consumerism redefined ... the e-health imperative. Mich Health Hosp., 36, 4 (2000) S. 42.
- Della Mea, V.: What is e-health (2): The Death of Telemedicine? Editorial. http://www.jmir.org/2001/2/e22/index.htmJournal of Medical Internet Research 3, 2 (2001) S. e22.
- Eysenbach, G.: What is e-health? J Med Internet Res., 3, 2 (2001) .
- Ferguson, T.: Consumer health informatics. Healthc Forum J 38, 1 (1995) S. 28.
- Ferguson, T.: From patients to end users. BMJ, 324 (2002), S. 555
- Goldstein, D.: The e-healthcare cybertsunami. Manag Care Q 8, 3 (2000) S. 9.
- Hankins, J.: The Internet. Adm Radiol., 10, 8 (1991) S. 69.
- Kraft, D.: Telematik im Gesundheitswesen, DuD-Fachbeiträge, Deutscher Universitäts-Verlag 2003, ISBN: 3-8244-2166-6
- Jähn, K. u. Nagel, E. (Hrsg.): e-Health (2004)
- PricewaterhouseCoopers(PWC): Pharma 2005. Marketing to the Individual, 1999.
- Schuman, S. H.; H. B. Curry; M. L. Braunstein; R. Schneeweiss; G. C. Jebaily; H. M. Glazer; J. R. Cahn; W. H. Crigler: A computer-administered interview on life events: improving patient-doctor communication. J Fam Pract 2, 4 (1975) S. 263.
- Slack, W. V.; D. Porter; J. Witschi; M. Sullivan; R. Buxbaum; F. J. Stare: Dietary interviewing by computer. An experimental approach to counseling. J Am Diet Assoc 69, 5 (1976) S. 514.
- Slack, W. V.; L. J. Van Cura: Patient reaction to computer-based medical interviewing. Comput Biomed Res 1, 5 (1968) S. 527.
- Slack, W.: Cybermedicine: How Computing Empowrs Doctors and Patients for Better Health Care. Jossey-Bass, San Francisco 1997.
Entnommen aus: Tautz, F.: E-Health und die Folgen. Campus, Frankfurt/New York, 2002, S. 20ff.
Verwandte Begriffe (teilweise Synonyme)
Online Health, Cybermedizin, Cyberdoctor, Consumer Health Informatics
Berührte Themenfelder
- Telemedizin(Teleoperationen oder Telediagnostik)
- elektronische Patientenakten(Electronic Health Records)
- elektronische Gesundheitskarte(auch: Health Professional Card)
- E-Learningin der medizinischen Aus-, Fort- und Weiterbildung
Weiterführende Bücher
- Jähn, K.; E. Nagel (Hrsg.): e-Health. Springer, Berlin, 2004.
- Tautz, F.: E-Health und die Folgen. Campus, Frankfurt/New York, 2002.en:EHealth
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