|
Ein Blasenkatheter ist ein Kunststoffschlauch der entweder über die Harnröhre(transurethral) oder die Bauchdecken (suprapubisch oder Bauchdeckenkatheter) in die Harnblase eingebracht wird. Er dient der Harnableitungoder Harngewinnung. Die Länge wird in Zentimeterund die Dicke in Charrière(1Ch = 1/3mm) angegeben.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geschichte
- 1.1 Katheterarten
- 1.1.1 Transurethrale Blasenkatheter
- 1.1.2 Transurethrale Dauerkatheter
- 1.1.3 Transurethrale Einmalkatheter
- 1.1.4 Suprapubische Blasenkatheter
- 1.1.5 Kathetermaterialien
- 1.1.6 Bauarten
- 1.2 Kathetergrößen
- 2 Technik der Katheteranwendung
- 3 Siehe auch
- 4 Weblinks
|
Geschichte
Schon im Altertum waren Möglichkeiten bekannt, Störungen der Blasenentleerung durch Katheter zu beheben. Die ältesten Blasenkatheter waren aus Metall(Bronze) gefertigt, sie stammen aus Funden in Pompeji. Zur Aufdehnung der Harnröhre verwendete Oribasios aus Pergamon (325-403 n. Chr.) Pergament, das er um einen Gänsekiel wickelte. Dieses Stäbchen führte er in die Harnröhreein und ließ es drei Tage liegen. Durch die Feuchtigkeit der Harnröhre quoll das Pergament auf und erweiterte dadurch die Harnröhre. Später wurden Bronzekatheter gelegt.
Paulus von Ägina beschrieb um 340 n. Chr. eine Methode der Blasenspülung. Hierzu wurde eine mit Flüssigkeit gefüllte Rinderblase an einen Bronzekatheter befestigt. Durch Druck auf die Rinderblase konnte man die Blase des Patienten ausspülen. Der arabische Arzt Albukassin verwendete um das Jahr 1000 n. Chr. eine Stempelspritze.
Erst im 19. Jahrhundert wurden verschiedenartig geformte Katheter aus vulkanisiertem Kautschuk von Amussat (1796-1852), Maisoneuve (1809-1894), Nelaton (1807-1873) und Mercier (1811-1882) gefertigt. Couvelaire (1903) entwickelte nach damaliger Sicht einen Spezialkatheter, der neben dem Tiemann-Katheter heute noch oft Anwendung findet. Einen Katheter, der durch seine Konstruktion sich selbst in der Blase hält, hat Leopold Casper (1859 1959) entwickelt. Im Jahr 1927 entwickelte der amerikanische Urologe F. Foley(1891-1966) den heute allgemein als Dauerkatheter eingesetzten Ballonkatheter, international als Foley-Katheter bezeichnet.
Katheterarten
Eine Unterscheidung kann nach Bauart, Material oder Verwendungszweck getroffen werden. Am gebräuchlichsten ist die Unterscheidung nach Einsatzzweck in transurethrale Dauer- und Einmalkatheter sowie suprapubische Katheter. Im Folgenden werden die einzelnen Arten genauer unterschieden.
Transurethrale Blasenkatheter
Bild:Blasenkatheter.PNG schematische Darstellung von transurethralen Kathetern
Transurethrale Blasenkatheter werden über die Harnröhrein die Blase eingebracht. Man unterscheidet in transurethrale Einmal- und Dauerkatheter (auch Verweilkatheter genannt). Dauerkatheter sind durch einen an der Spitze angebrachten Ballon selbsthaltend.
Transurethrale Dauerkatheter
Heute sind alle transurethralen Dauerkatheter als Ballonkatheter ausgeführt. Neben den unterschiedlichen Formen ihrer Spitze und der Anzahl der Öffnungen unterscheidet man hier zusätzlich in 2-Wege und 3-Wege Katheter.
Der 2-Wege Katheter hat einen Kanal zur Harnableitung und einen Kanal zum Füllen des Ballons. Dieser Katheter wird vor allem zur dauerhaften Harnableitung eingesetzt.
Der 3-Wege Katheter hat neben den oben genannten Kanälen noch einen dritten Kanal, der zur Einbringung von Spüllösungen benutzt wird. Dieser Katheter kommt in der Urologie vor allem nach transurethralen Operationenund bei starken Blutungen in der Blase zum Einsatz. Sinn hierbei ist es, über die Spülung eine Gerinnung des Blutes in der Harnblase zu verhindern. Diese Katheter können mit verstärkter Wand ausgeführt sein, damit eine aktive Blasenspülung (z.B. Abziehen von Blutgerinnseln mit einer Blasenspritze) nicht zu einem Kollabieren des Lumensführt.
Der Füllungskanal des Ballons ist mit einem Ventil ausgestattet, um ein Entweichen des Blockmediums zu verhindern. Als Füllmedium für den Ballon kommen steriles destilliertes Wasser, sterile 0,5 % Kochsalzlösungoder eine spezielle 10 % Glycerinlösungzur Anwendung.
Transurethrale Einmalkatheter
Einmalkatheter dienen der Uringewinnung, der einmaligen Harnableitung und dem intermittierenden Selbstkatheterismus. Diese Katheter haben nur ein Lumen. Besondere, mehrlumige Einmalkatheter und finden bei urologischen Spezialuntersuchungen, wie der BlasendruckmessungAnwendung.
Suprapubische Blasenkatheter
Der suprapubische Blasenkatheter dient in erster Linie der dauerhaften Harnableitung. Im Gegensatz zum transurethralen Blasenkatheter wird dieser nicht über eine natürliche Öffnung sondern durch die Bauchdeckeinvasivoberhalb des Schambeinesin die Harnblaseeingebracht.
Suprapubische Blasenkatheter sind entweder 1-Weg Katheter die durch eine Nahtoder 2-Wege Katheter die über einen blockbaren Ballon fixiert werden.
Diese Katheterart kann auch zur urodynamischen Untersuchung eingesetzt werde, da hier der Schließmuskelnicht beeinträchtigt wird.
Kathetermaterialien
Die Kathetermaterialien machten gerade in den letzten Jahren eine sehr interessante Entwicklung durch. In der Frühzeit wurden nur starre Materialien wie Metalloder Glasverwendet, später dann Gummi, der heute durch andere flexible Stoffe wie Latex, PVCund Silikonersetzt wurde. Katheter neuester Generation sind teilweise mit einer hydrophilenBeschichtung versehen, die die Gleitfähigkeit zusätzlich erhöht. Katheter zur Langzeitanwendung können mit hauchdünnen Beschichtungen aus diamantähnlichemKohlenstoff(diamond-like carbon oder DLC) versehen werden, um eine Keimbesiedelung zu minimieren.
Bauarten
Nelaton
Dieser Katheter besitzt eine geschlossene Hohlspitze mit zwei gegenüberliegenden Augen bzw. vier versetzte Augen. Dieser Kathetertyp kann sowohl für weibliche als auch für männliche Patienten verwendet werden.
Thiemann
Der Thiemannkatheter besitzt eine gebogene konisch zulaufende Hohlspitze die am Ende leicht verdickt ist. Der Thiemannkatheter besitzt in der Regel nur ein Auge. Durch seine Form eignet er sich besonders zur Katheterisierung der männlichen Harnblase, da die Spitze den Katheter besser durch die Harnröhre führt. Für weibliche Patienten ist er weniger geeignet.
Mercier
Der Katheter nach Mercier ist in der Form fast wie der Thiemannkatheter aufgebaut, nur dass seine Hohlspitze nicht konisch zuläuft und er zwei versetzte Augen besitzt.
Couvelaire
Der Katheter nach Couvelaire besitzt eine vorne offene Flötenspitze mit zwei seitlichen Augen. Wegen seiner großen Öffnung an der Spitze wird er häufig für Blasenspülungen verwendet.
Dufour
Der Katheter nach Dufouer ist fast so geformt wie ein Thiemannkatheter, nur dass er zwei versetzte Augen und eine vorne offene Flötenspitze besitzt.
Frohmüller
Er besitzt eine geschlossene Hohlspitze mit drei seitlich versetzten Augen. Die Spitze ist wie beim Thiemannkatheter etwas gebogen, verjüngt sich aber nicht im Durchmesser.
Foley
Der Katheter nach Foley ist eigentlich ein Katheter mit Nelatonspitze, nur dass er einen Ballon zur Fixierung des Katheters in der Blase besitzt. Es werden aber auch andere Katheterformen (z.B. Tiemann) als Foleykatheter verwendet.
Pezzer
Der Katheter nach Pezzer verfügt zur Fixierung des Katheters in der Blase am Ende eine pilzförmige Erweiterung. die Hohlspitze ist vorne verschlossen, die pilzförmige Verdickung besitzt auf der Vorderseite zwei Augen. Dieser Katheter wird heute praktisch nicht mehr verwendet, da er nur mithilfe eines Stabes eingeführt werden konnte, der den pilzförmigen Teil spannte.
Malecot
Der Katheter nach Malecot eine ähnliche Kopfform wie der Katheter nach Casper. Er verfügt Vorne über zwei Flügel, die nur mit einem Stab gespannt werden konnten. Dieser Katheter findet heute praktisch keine Verwendung mehr.
Casper
Der Katheter nach Casper hat eine Kopfform ähnlich einem vierflügeligen Quirl und wird dadurch in der Blase fixiert. Dieser Katheter findet heute praktisch keine Anwendung mehr, da er nur mithilfe eines Stabes eingeführt werden konnte, der den Vorderteil des Katheters spannte.
Stöhrer
Ein relativ neuer Katheter ist der Stöhrer-Katheter. Die Besonderheit dieses Katheters liegt in seiner flexiblen Spitze, die konisch zuläuft und am Ende eine kleine kugelförmige Verdickung besitzt. Durch diese Spitze lässt sich der Katheter besonders leicht in die Harnröhre einführen, da ein geringerer Druck an der Spitze auf die Harnröhrenschleimhaut ausgeübt wird. Neu an diesem Katheter sind auch die speziell geformten Augen, die eine Verletzung der Schleimhaut auf ein Minimum begrenzen.
Kathetergrößen
Die Katheter werden in unterschiedlichen Größen von Charrière6 - 30 und in Längen von 20 - 40 cm angeboten und sind durch einen Farbcode oder durch den Aufdruck der Größe gekennzeichnet. Seit kurzem stehen auch spezielle Katheter für Frauen zur Verfügung, die nur etwa 10 cm lang und daher nicht viel größer als ein Lippenstift sind.
- Häufig verwendete Längen:
| Katheter für Männer:
| 40 cm
|
| Katheter für Frauen:
| 20 cm
|
| Katheter für Kinder:
| 30 cm
|
- Übliche Kathetergrößen:
| Männer:
| 14 - 18 Charr.
|
| Frauen:
| 12 - 14 Charr.
|
| Kinder:
| 6 - 10 Charr.
|
- Farbcodes
| Charr.
| Farbe
| Charr.
| Farbe
| Charr.
| Farbe
|
| 6 =
| Braun
| 16 =
| Orange
| 26 =
| ?
|
| 8 =
| Blau
| 18 =
| Rot
| 28 =
| Grün
|
| 10 =
| Schwarz
| 20 =
| Gelb
| 30 =
| Grau
|
| 12 =
| Weiß
| 22 =
| Violett
|
|
|
| 14 =
| Grün
| 24 =
| Dunkelblau
|
Technik der Katheteranwendung
Hauptartikel Katheterismus
Grundsätzlich soll ein Katheter nur steril angewendet werden um eine Keimverschleppung in die Harnblase zu vermeiden. Diese Gefahr besteht allerdings grundsätzlich immer bei Harnröhrenkathetern, da in der Harnröhre immer Keime angesiedelt sind, die dann in die Blase geschoben oder mitgenommen werden.
Bei transurethralen Dauerkathetern wird zunächst ein Gleitgelin die Harnröhreeingebracht. Anschließend wird der Blasenkatheter eingeführt. Wenn der Katheter sicher in der Harnblase platziert ist wird der Ballon mit einer Kochsalzlösung, Wasser oder einem Spezialmedium gefüllt. Bei Einmalkathetern geht man analog vor, hier gibt es jedoch auch speziell beschichtete Katheter, bei denen ein Gleitgel nicht separat eingebracht werden muss. Diese sind vor allem für den intermittierenden Selbstkatheterismus gedacht.
Suprapubische Blasenkatheter werden in örtlicher Narkoseeingebracht. Zunächst muss die Harnblase aufgefüllt werden. Anschließend wird oberhalb des Schambeines die örtliche Narkose gesetzt. Dabei wird die Nadel stetig vorgeschoben, bis Urin aspiriert werden kann. Nun wird der Katheter über eine Hohlnadelgestochen. Anschließend erfolgt die Fixierung über eine Naht oder den Ballon mit anschließendem sterilen Verbandder Einstichstelle.
Siehe auch
- Katheterismuszur Anwendung von Blasenkathetern
Weblinks
- Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V.- Große Selbsthilfeseite von Betroffenen für Betroffene
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Blasenkatheter aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|