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Eine Herdenzephalitis ist eine an wenigstens einer Stelle (lat. fokus = Herd) auftretende Entzündungdes Gehirns. Diese wird zumeist durch Bakterien, seltener durch Pilzeoder andere Erreger hervorgerufen und daher auch als septische Herdenzephalitis bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Entstehung
- 2 Formen
- 2.1 Hirnabszess
- 2.2 Septisch-embolische Herdenzephalitis
- 2.3 Septisch-metastatische Herdenzephalitis
- 3 Diagnostik
- 4 Therapie
- 4.1 Herdsanierung
- 4.2 Antibiotika
- 4.3 Behandlung der Grunderkrankung
- 5 Komplikationen
- 6 Prognose
- 7 Literatur
- 8 Weblinks
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Entstehung
Für die Entstehung einer Herdenzephalitis müssen Erreger in das Gehirn gelangen. Dafür gibt es verschiedenen Wege:
- direkte Keimeinschleppung durch offenes Schädel-Hirn-Trauma(SHT)
- Durchbrechen von benachbarten Entzündungen (Sinusitis, Mastoiditis)
- Einschwemmung mit dem Blut (septische Herdenzephalitis, s.u.)
- durch Infektion eines Implantates(Liquorableitung)
Das Risiko erhöht sich bei einer Abschwächung der Immunität, wie sie durch angeborene oder erworbene Faktoren (Polytrauma, akute Infektionskrankheit, Tumor, AIDS) bedingt sein kann.
Formen
Hirnabszess
Die körpereigene Abwehr (Immunität) führt zu einer Einschmelzung des hochgradig infizierten Gewebes und zur Abgrenzung gegen das umgebende Gewebe. Dadurch entsteht ein Abszess. Bei diesem Vorgang kommt es zur Volumenzunahme (Raumforderung), die aufgrund der knöchern begrenzten Schädelhöhle rasch zur Drucksteigerung mit schweren Komplikationen führen kann.
Septisch-embolische Herdenzephalitis
Durch Verschleppung von infizierten Thrombenkommt es zu einer Kombination aus ischämischem Schlaganfallund gleichzeitiger Entzündung. Der Verlauf ist oft durch die Infektion des nicht mehr durchbluteten Hirngewebes (dort mangels Durchblutung nur minimale Immunität) sowie Einblutungen in den Infarktin vielen Fällen ungünstig.
Ausgangspunkt ist fast immer eine bakterielle Entzündung der Herzinnenwand (Endokard) und dort besonders der Herzklappen (Endokarditis).
Septisch-metastatische Herdenzephalitis
Bei Vorkommen von Bakterien im fliessenden Blut (Septikämie) kann es zur Erregerstreuung in das Gehirn kommen. Dies ist nur im Rahmen einer schweren entzündlichen Allgemeinerkrankung oder zumeist Sepsismöglich. Die weitere Entwicklung wird überwiegend durch die zugrunde liegende Infektion bestimmt.
Diagnostik
Zunächst ist eine bildgebendeUntersuchung erfoderlich, die zumeist mittels kontrastmittelgestützterComputertomographieerfolgt. Hier sind in den meisten Fällen der entzündliche Herd, das umgebende Ödemsowie eine Anreicherung des Kontrastmittels zu erkennen.
Für die weitere Therapieist schliesslich der Nachweis des Erregers von großer Bedeutung. Dies ist durch mikrobiologischeUntersuchungen von Liquor(s. Liquorpunktionoder Blutkulturenoder möglichst des Herdes (nach neurochirurgischerSanierung oder zumindest Punktion) möglich. Bedeutsam ist neben der Kenntnis des Erregers auch dessen Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten (Antibiogramm).
Danach muss gegebenenfalls der Ursprung der Erreger gesucht werden. Hierfür sind häufig eine Computertomographie des Brust-und Bauchraumes(mit Kontrastmittel) oder der Nasennebenhöhlennotwendig. Ferner hat die Echokardiographieeine hohe Bedeutung.
Therapie
Herdsanierung
Wo immer es möglich ist, sollte der entzündliche Herd durch Operation entfernt werden. Hierfür ist die Neurochirurgiezuständig.
Diese Vorgehen ist jedoch nicht immer möglich, z.B. wenn der Fokus in einer besonders wichtigen Hirnregion liegt (z.B. Sprachzentrumoder Hirnstamm). Dann ist nur eine medikamentöse Behandlung (s.u.) möglich, die dann aber unter Umständen wesentlich länger erfolgen muss.
Antibiotika
Nach Gewinnung von Material für die mikrobiologische Untersuchung (s.o.) ist bereits beim Verdacht auf eine Herdenzephalitis eine Behandlung mit Antibiotikaerforderlich. Die Behandlung erfolgt anfangs mit breitem Wirkspektrum (z.B. Cephalosporinder 3. Generation + staphylokokkenwirksamesPenicillin). Nach Bestimmung des Antibiogramms kann auf eine gezielte Therapie umgestellt werden (zumeist mit weniger breitem Spektrum).
Bei Verdacht auf eine Infektion mit Pilzen muss entsprechend zusätzlich mit einem Antimykotikum(z.B. Amphotericin B) behandelt werden.
Behandlung der Grunderkrankung
Je nach Ausgangspunkt der Infektion darf die Behandlung der Grunderkrankung nicht versäumt werden. Bei einer Endokarditiskann z.B. das Einsetzen einer künstlichen Herzklappenotwendig sein. Andere Eiterherde (z.B. infizierte Wunden, Zahnwurzelabszess, Osteomyelitits usw.) sollten nach Möglichkeit operativ saniert werden.
Die Behandlung einer Sepsisist zumeist nur auf einer Intensivstationmöglich.
Komplikationen
Die häufigste Komplikationist die Raumforderung mit Erhöhung des Hirndrucks. Hierbei können erneut neurochirurgische Interventionenerforderlich werden, insbesondere eine Liquordrainageoder in Einzelfällen eine Kraniektomie.
Weitere Komplikationen sind Entzündungen der Gefässwände (Vaskulitis) sowie Hirninfarktesowohl durch Gefässverschluss als auch durch Einblutung.
Prognose
Die weitere Entwicklung des Patienten hängt zuerst von den Voraussetzungen des Patienten ab:
- Allgemeinzustand (Alter, Vorerkrankungen usw.)
- Grunderkrankung (Endokarditis, SHT)
- Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus, AIDSusw.)
Diese sind jedoch kaum beeinflussbar.
Weiterhin ist die medizinische Versorgung wichtig:
- Verfügbarkeit der Fachrichtungen (Radiologie, Neurologie, Neurochirurgie, Intensivtherapie)
- Verfügbarkeit der Diagnostik (Labor, Computertomographie, Mikrobiologie)
- frühzeitiger Beginn einer konsequenten Behandlung (Antibiotika und Operation)
Diese Faktoren sind beeinflussbar, entscheidend kann schon die Einlieferung in ein geeignetes Krankenhaus sein.
Literatur
- Hilmar Prange, Andreas Bitsch: Neurologische Intensivmedizin. Thieme 2004. ISBN 3131298219
- Manfred Stöhr, Thomas Brandt, Karl M. Einhäupl: Neurologische Syndrome in der Intensivmedizin. Kohlhammer 1998. ISBN 3170145576
Weblinks
- Leitlinie Meningoenzephalitis
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Herdenzephalitis aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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