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Die Lobotomie (auch Leukotomie genannt) ist eine ? mittlerweile so gut wie nicht mehr durchgeführte ? neurochirurgischeOperation, bei der die Nervenbahnenzwischen Thalamusund Stirnhirndurchtrennt werden. Sie wurde ursprünglich zur Schmerzausschaltungin extrem schweren Fällen angewendet, dann bei agitierten psychischen Erkrankungen wie Psychosenund Depressionen. Als Folge der Lobotomie tritt eine Persönlichkeitsänderung mit Störung des Antriebsund der Emotionalitätauf.
Nach zunehmender Kritik wurde die Lobotomie weitgehend durch die Behandlung mit Psychopharmakaund stereotaktischeOperationen ersetzt, z.B. die Thalamotomieund die Zingulotomie.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geschichte
- 2 Technik
- 3 Heutige Bedeutung
- 4 Weblinks
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Geschichte
Diese Hirnoperationstechnik wurde von Fiamberti in Italienund Antônio Egas Monizin Portugalgleichzeitig in Angriff genommen. Moniz wurde dafür 1949 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Ab Anfang der 40er Jahre entwickelten die amerikanischen Psychiater Walter Freeman(1895?1972) und James Winston Watts(1904?1994) die Methode zu einer beliebten Standardtechnik der Psychiatrie, die unter dem Namen Lobotomie bis ca. 1955 in den meisten Industriestaaten eingesetzt wurde.
Eine historische Untersuchung aus den 80er Jahren berichtet über Lobotomien in der UdSSR, den USA, Großbritannien, Frankreich, BRD, Spanien, den Niederlanden, Indien, Australien, Japan, Kanada, Argentinienund der CSSR. In Schwedensind bis 1963 laut einem Bericht des staatlichen schwedischen Fernsehsenders SVT vom April 1998 etwa 4.500 Menschen lobotomiert worden, viele davon gegen ihren Willen (Der Kurier, Wien, vom 7. April 1998). Mindestens 500 von ihnen waren nach heutiger Lesart keine ?psychiatrisch Erkrankten?, sondern u.a. hyperaktive oder zurückgebliebene Kinder. In Finnland waren es bis 1996 etwa 1.500 Menschen, die lobotomiert wurden.
In den 50er Jahren wurde die Operation unter anderem durchgeführt, um angebliche Perversionendes menschlichen Geistes zu kurieren, so an Homosexuellenund Kommunisten.
1967erschien ein Leserbrief im Journal of the American Medical Association, dem offiziellen Organ der amerikanischen Ärztevereinigung (AMA). Die Harvard-Autoren V. Mark, F. Ervin und W. Sweet sahen eine Ursache der Rassenunruhen von Detroit in einer ?fokalen Hirnstörung?, die man nur operativ entfernen müsse, um weitere Unruhen zu verhindern. 1970 erschien Marks und Ervins Buch Violence and Brain (Gewalt und das Gehirn), in dem die beiden die Psychochirurgie als endgültige Lösung für das Problem der Gewalt vorschlagen, beispielsweise bei unbelehrbaren Gefängnisinsassen. Der Psychiater L.G. West nannte diesen Ansatz 1969 in einem Artikel den ?biosozialen Humanismus?. Der kalifornische Psychiater H. Brown empfahl 1979 die Psychochirurgiezur Rehabilitation jugendlicher Straftäter. In der Londoner Times und der Washington Post wurden Browns Vorschläge diskutiert ? mit dem einleuchtenden Hinweis, dass diese Art der Resozialisierungmit nur 6.000 $ weitaus kostengünstiger sei als eine lebenslange Verwahrung, die um 100.000 $ an Kosten verursache.
Wegen der erheblichen Nebenwirkungen und mit dem Aufkommen der Psychopharmaka geriet die Methode bereits Anfang der 50er Jahre wieder in Verruf. Bürgerrechtsbewegungen begannen um 1960, gegen die Lobotomie vorzugehen. 1962 erschien Ken KeseysRoman One Flew Over the Cuckoo's Nest (dt. Einer flog über das Kuckucksnest, später mit Jack Nicholsonverfilmt), der die Auswirkungen der Operation auf psychiatrische Patienten drastisch zeigte und mit dem Pulitzer-Preisausgezeichnet wurde. Freeman schrieb ohne Beschönigung: Die Psychochirurgie erlangt ihre Erfolge dadurch, dass sie die Phantasie zerschmettert, Gefühle abstumpft, abstraktes Denken vernichtet und ein roboterähnliches, kontrollierbares Individuum schafft. (zitiert nach: P.R. Breggin: Elektroschock ist keine Therapie, 1980, Urban & Schwarzenberg, Seite 175.). Freeman operierte bis zu seiner Pensionierung 1962 weiter, insgesamt ca. 3.600 Patienten. Weltweit werden die durchgeführten Operationen auf etwa eine Million geschätzt (E.S. Valenstein: The psychosurgery debate, 1980, Freeman & Co., San Francisco).
Technik
Bei der Lobotomie wird Nervengewebeirreversibelzerstört, wozu immer feinere Methoden entwickelt wurden. Zunächst handelte es sich um eine offene Operation. Freeman erfand 1945eine einfachere und schnellere Methode, die ?ice-pick lobotomy?. Bei dieser wurde ein Gerät, das einem Eispickelähnelte, mit Hilfe eines Hammers durch den Knochen einer Augenhöhle in den Schädel getrieben. Neben der einfacheren Durchführbarkeit hatte diese Methode für Freeman den Vorteil, nicht mehr auf die Zusammenarbeit mit einem Neurochirurgen angewiesen zu sein. Im Fachbuch "Klinische Psychologie" wird sie so beschrieben: Bei der gängigen Methode bohrt man beidseitig ein Loch in den Schädelknochen, führt dann ein stumpfes Instrument (Eisenstab) durch dieses ins Hirn ein und vollführt damit eine bogenförmige Drehbewegung, wodurch eine nicht unerhebliche Menge an Hirnsubstanz (Teile der weißen Hirnmasse) zerstört wird. Ein anderes Verfahren besteht darin, dass man durch die dünne Struktur, die Auge und Hirn voneinander trennt, ein chirurgisches Gerät durch die Augenhöhle ins Gehirn einführt und ebenfalls bogenförmig bewegt.
Heutige Bedeutung
In Deutschlandwurden seit den 1970er Jahren keine Lobotomien in der oben geschilderten Weise mehr durchgeführt.
Unter dem Begriff ?Leukotomie? werden heute mikrochirurgische Techniken subsumiert, bei denen gezielt epileptogeneZentren ausgeschaltet werden (Nr. 5-013-7 des aktuell in der B.Rep.Deut gültigen Operationenschlüssels -OPS-).
Psychiatriekritiker bezeichnen die Elektrokrampftherapie, therapeutisches Insulin-Koma (Insulinschocktherapie) und Neuroleptikapolemisch als "nichtinvasive Lobotomien", da ihrer Ansicht nach bei diesen Techniken Nervengewebe mit gleicher oder ähnlicher Zielsetzung zerstört wird [1].
Weblinks
- Abenteuer mit einem Eispickel ? Eine kurze Geschichte der Lobotomie (englisch)
- [2]Radiofeature mit umfangreichem Text in dem ein Betroffener seine Geschichte erzählten:Psychosurgery
es:Lobotomía
fi:Lobotomia
fr:Lobotomie
it:Lobotomia
ja:????
lt:Lobotomija
nl:Lobotomie
pl:Lobotomia
pt:Lobotomia
sv:Lobotomi
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Lobotomie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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