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Eigenreflex

Ein Eigenreflex ist ein Reflex, der einen Effekt im selben Organhervorruft, in dem ein Reiz ausgelöst wird. Er ist meist monosynaptisch (das heißt es gibt nur eine Synapse(quasi Umschaltstelle) zwischen Afferenzund Efferenz), hat eine kurze Latenzzeitund ist nicht ermüdbar.

Schädigungen des 1. motorischen Neuronskönnen Eigenreflexe stark steigern, so dass sie in Muskeln auftreten, in denen sie normalerweise nicht beobachtet werden können. Beispiele dafür sind der Zehenbeugereflex und der Adduktorenreflex. Schädigungen im Reflexbogen, zum Beispiel durch eine Neuritisoder durch mechanische Schäden, führen dagegen zum Ausfall des Reflexes.

In der folgenden Aufstellung weist der Begriff Betroffene Nervenbahnen auf die Nerven hin, die den Reiz aufnehmen und den Effekt auslösen. Dabei werden die Hirnnerven, wie üblich, in römischen Zahlen dargestellt, die Abkürzungen C (Hals), Th (Brust) L (Lende) und S (Kreuz) weisen auf die entsprechenden Rückenmarksnerven.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Achillessehnenreflex
  • 2 Adduktorenreflex
  • 3 Bizepssehnenreflex
  • 4 Fingerbeugereflex
  • 5 Masseterreflex
  • 6 Orbicularis-oris-Reflex
  • 7 Patellarsehnenreflex
  • 8 Pronatorenreflex
  • 9 Radiusperiost-Reflex
  • 10 Skapulohumeralreflex
  • 11 Tibialis-posterior-Reflex
  • 12 Trizepssehnenreflex
  • 13 Zehenbeugereflex
  • 14 Siehe auch

Achillessehnenreflex

  • auch: Triceps-surae-Reflex, ASR
  • Auslösung: Dehnung des M. triceps surae; diagnostisch durch leichten Schlag auf die angespannte Achillessehne.
  • Effekt: Kontraktion des M. gastrocnemius, Plantarflexion des Fußes.
  • Betroffene Nervenbahnen: S1, S2 und Nervus tibialis
  • Kommentar: Ausfall durch Wurzelkompression bei Bandscheibenvorfall, Poliomyelitisoder Tabes dorsalis.

Adduktorenreflex

  • auch: -
  • Auslösung: Schlag auf den Condylus medialis femoris (die mittlere Fläche des Kniegelenks).
  • Effekt: Adduktionder Beine
  • Betroffene Nervenbahnen: L3, L4, Nervus obturatorius
  • Kommentar: Bei sehr starker Ausprägung des Reflexes reagieren beide Beine auf eine einseitige Auslösung.

Bizepssehnenreflex

  • auch: BSR
  • Auslösung: Schlag auf die Sehne des M. biceps brachiibei leicht angewinkeltem Unterarm.
  • Effekt: Der Arm wird im Ellenbogengelenk gebeugt.
  • Betroffene Nervenbahnen: C5, C6 und Nervus musculocutaneus

Fingerbeugereflex

  • auch: Trömner-Zeichen, Knips-Reflex, Kino-Reflex, Mayerscher Grundgelenkreflex, Hoffmann-Reflex
  • Auslösung: Dehnung der Fingerbeugermuskeln; sicherste Auslösung (nach Wartenberg): Auf die locker gebeugten Finger des Patienten wird quer der Zeigefinger des Untersuchers gelegt und mit dem Reflexhammerauf den Zeigefinger geschlagen.
  • Effekt: Die Finger werden gebeugt
  • Betroffene Nervenbahnen: C7, C8, Nervus medianusund Nervus ulnaris
  • Kommentar: Entgegen älteren Darstellungen handelt es sich nicht um ein sicheres spastisches Zeichen, sondern um einen schwellennahen Eigenreflex.

Masseterreflex

  • auch: Masseter-Temporalisreflex, Unterkieferreflex
  • Auslösung: Ein Reflexhammer-Schlag von oben gegen die untere Zahnreihe oder das Kinn, der den M. masseterund den M. temporalisdehnt.
  • Effekt: Der Mund wird geschlossen.
  • Betroffene Nervenbahnen: HirnnervV

Orbicularis-oris-Reflex

  • auch: Schnauzenreflex, Lippenzeichen
  • Auslösung: Beklopfen der Mundmuskeln(Musculus orbicularis oris).
  • Effekt: Die Lippen werden rüsselartig vorgestreckt.
  • Betroffene Nervenbahnen: Nervus facialis(HirnnervVII)
  • Kommentar: Ist ein Zeichen für die Übererregbarkeit der Muskulatur, besonders bei Tetanie.

Patellarsehnenreflex

  • auch: Kniesehnenreflex, Quadrizepsreflex, PSR
  • Auslösung: Kurzer Schlag auf die Patellarsehnebei gestrecktem Oberschenkel (zum Beispiel durch Überschlagen der Beine).
  • Effekt: Der M. quadrizepswird angespannt und dadurch der Unterschenkel im Kniegelenk gestreckt.
  • Betroffene Nervenbahnen: L2, L4 und Nervus femoralis

Pronatorenreflex

  • auch: Pronationsreflex
  • Auslösung: Bei angewinkeltem Unterarm wird ein kurzer Schag auf den Radiusköpf (Caput radii) ausgeführt.
  • Effekt: Hand und Unterarm werden proniert.
  • Betroffene Nervenbahnen: C6, C7, C8 und Nervus medianus

Radiusperiost-Reflex

  • auch: Gemeinsamer Ellenbeuger-Reflex
  • Auslösung: Schlag auf die radiale Kante des Radiusköpfchens (Processus styloideus radii) bei leicht gebeugtem Unterarm.
  • Effekt: Beugung des Unterarms im Ellenbogengelenk durch gemeinsame Anspannung des M. brachioradialis, M. biceps brachiiund des M. brachialis.
  • Betroffene Nervenbahnen: C5, C6

Skapulohumeralreflex

  • auch: -
  • Auslösung: Schlag auf den medialen Rand des Schulterblattes.
  • Effekt: Adduktion und Außenrotation der Armes
  • Betroffene Nervenbahnen: C4, C5, C6, Nervus axillaris, Nervus suprascapularis

Tibialis-posterior-Reflex

  • auch: -
  • Auslösung: Schlag unter den Malleolus medialis.
  • Effekt: Der mediale Fußrand wird gehoben (Supination).
  • Betroffene Nervenbahnen: L4, L5 und Nervus tibialis
  • Kommentar: Der Reflex ist schwellennah und kann deshalb nicht immer ausgelöst werden. Bei Bandscheibenschäden im Lumbalbereich L4/L5 ist dieser Reflex ein wichtiger diagnostischer Hinweis.

Trizepssehnenreflex

  • auch: TSR, Taschenmesserreflex
  • Auslösung: Beim angewinkeltem Unterarm und abgewinkeltem Oberarm wird auf die Sehne des M. triceps brachiikurz oberhalb des Olekranonsein Schlag ausgeführt.
  • Effekt: Der Unterarm wird gestreckt.
  • Betroffene Nervenbahnen: C6, C7 und N. radialis

Zehenbeugereflex

  • auch: Rossolimo-Zeichen,
  • Auslösung: Der Untersuchende schlägt mit den Fingern kurz und heftig auf die Zehenbeeren.
  • Effekt: Die Zehen werden gebeugt.
  • Betroffene Nervenbahnen: S1/S2, Nervus tibialis
  • Kommentar: Der Zehenbeugereflex kann normalerweise nicht ausgelöst werden. Tritt er auf ist dies ein diagnostischer Hinweis auf eine Schädigung des 1. motorischen Neurons.

Siehe auch

  • Fremdreflex
  • Reflex
  • Reflexbogen
  • Motoneuron



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Eigenreflex aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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