Startseite | Impressum
Lumrix Logo
 
 



Zurück
[ICD 10 Suche]
[Mehr über den ICD]

 

 

Hypertonie

Hypertonie (auch: Hypertonus, Hypertension) ist der medizinische Fachausdruck für Bluthochdruck. Das Gegenteil, also ein Blutdruck unterhalb der Norm, wird als Hypotonie bezeichnet.

Es gibt Erkrankungen mit erhöhtem Druck in allen wichtigen Gefäßgebieten des Körpers:

  • Arterielle Hypertonie: Hochdruck im Körperkreislauf, d.h. in den Schlagadern (Arterien) des Körpers.
  • Pulmonal-arterielle Hypertonie (pulmonale Hypertonie): Hoher Blutdruck im Lungenkreislauf, d.h. in den Arterien vom Herz zu den Lungenflügeln.
  • Venöse Stauung: Erhöhter Druck in den Venen.
  • Portale Hypertonie: Erhöhter Druck in der Pfortader.

Im täglichen Sprachgebrauch ist mit Hypertonie in der Regel die arterielle Hypertonie gemeint.

Der arterielle Blutdruckwird im allgemeinen mit BD oder BP abgekürzt. Wenn der arterielle Blutdruck manchmal noch manuell mittels Arm-Manschettemit Quecksilbersäule und Tasten des Pulses nach der Methode von Riva-Roccigemessen wird, hat sich für diesen speziellen Fall zur Unterscheidung für den so ermittelten Blutdruck noch ?RR? als Abkürzung gehalten. Die Höhe des Blutdrucks wird häufig noch immer in "Millimeter Quecksilbersäule" mm Hg, der alten Einheit für den Druckangegeben, obwohl die richtige SI-EinheitPascalist, und die veraltete Einheit Torraußerhalb der Medizin abgeschafft worden ist.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Epidemiologie
    • 1.1 Folgen der arteriellen Hypertonie
  • 2 Ursachen
    • 2.1 Biochemie
    • 2.2 Traditionelle chinesische Medizin
  • 3 Grenzwerte
  • 4 Behandlung
  • 5 Siehe auch
  • 6 Weblinks

Epidemiologie

In Europaist die Prävalenzder arteriellen Hypertonie seit den 80er Jahren konstant hoch. Mit 66 Jahren haben 66 % der Mitteleuropäer einen Bluthochdruck. In Österreichschätzt zwar beinahe jeder diese Erkrankung als ernste Bedrohung ein, jedoch nur ca 50 % wissen über ihren Blutdruck auch Bescheid - im Gegensatz zu den USA, wo 70 % der Befragten ihre Blutdruckwerte kennen. In Österreich sind gut 1 Million Hypertoniker bekannt - und somit kann von einer weiteren Million ausgegangen werden, die als Hypertoniker unerkannt leben. Allerdings sind auch von den bekannten Hochdruckpatienten in Österreich nur ca 30 % in Behandlung. Von diesen sind wiederum nur 10 % so eingestellt, dass von einem befriedigendem Ergebnis gesprochen werden kann, wogegen die behandelnden Ärzte der Meinung sind, 55 % der Patienten gut eingestellt zu haben.

Folgen der arteriellen Hypertonie

Nach Angaben der Deutschen Hochdruckligawerden 45 % der Todesfälle bei Männern, 50 % der Todesfälle bei Frauen durch Herz-Kreislauferkrankungen verursacht, welche mit arterieller Hypertonie in Zusammenhang stehen, wie Koronare Herzkrankheit(KHK), Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Nierenversagen, Schlaganfall, und Arterielle Verschlußkrankheit. Die Inzidenzder KHK-Todesfälle hängt annähernd linear vom Blutdruck ab; sie steigt von 10/10.000 Personenjahre (normaler Blutdruck) bis auf 60/10.000 Personenjahre (systolischer Druck > 180 mmHg). Da leichte und mittlere Blutdruckerhöhung in unserer Bevölkerung viel häufiger ist als solche extremen Werte, wird das Volksgesundheitsrisiko vorwiegend vom Umgang mit mild erhöhten Werten (> 140 mmHg) beeinflußt.

Die arterielle Hypertonie ist nach dem Zigarettenrauchen der zweitwichtigste und gleichzeitig der häufigste Risikofaktorfür das Auftreten einer Herzkreislauferkrankung. Heutzutage stirbt jeder zweite (51 %) Deutsche und Österreicher an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Allein 16.000 Österreicher versterben jährlich an einem Herzinfarkt. Es wird geschätzt, dass es alleine durch die Umsetzung der neuen Richtlinien in Österreich 1500 Herzinfarkttote pro Jahr weniger gäbe. Würden 100 Hochdruckpatienten 1 Jahr lang medikamentös gut eingestellt, könnte 1 Todesfall verhindert werden.

Der Blutdhochdruck schädigt auch die Gefäße des Auges, so dass eine Netzhautschädigungauftreten kann.

Ursachen

Etwa 10 % der arteriellen Hypertonien sind sekundär, d.h. sie werden durch Hormonstörungen (vgl. Conn-Syndrom, Cushing-Syndrom, Hyperthyreose) oder Nierenarterienstenosenverursacht und können ursächlich behandelt werden. Die weitaus größere Zahl von Patienten muß jedoch als primäre oder essentielle Hypertoniker angesehen und langdauernd oder lebenslang mit blutdrucksenkenden Maßnahmen behandelt werden.

Als häufigste Ursache wird in diesen Fällen die in Industrieländern verbreitete Zivilisationskrankheitangesehen: Übergewicht, Stress, Bewegungsmangel, Alkohol- und Tabakkonsum. Der Zusammenhang von Kochsalz(Natriumchlorid) in der Nahrung und Hypertonie ist statistisch belegt, aber dennoch strittig. Man glaubt, dass Natrium die Erregbarkeit der glatten Gefäßmuskulatursteigert. Dadurch verengen sich die Arterien und der Flußwiderstand erhöht sich. Ferner kann es zu erhöhtem Blutvolumen kommen. Deshalb wirken sich natriumarme Kostund Diuretikadurch Natriumausschwemmung blutdrucksenkend aus.

Biochemie

Bei Patienten mit arterieller Hypertonie ist fast immer eine endothelialeDysfunktion mit verminderter Synthese bzw. Freisetzung von NO (Stickstoffmonoxid) nachweisbar: eine verminderte Aktivität der endothelialen NO-Synthaseund ein erhöhter NO-Metabolismus infolge einer vermehrten Bildung freier Radikalespielen wohl eine entscheidende Rolle. Zudem haben die meist erhöhten Homocysteinwertenegative Auswirkungen auf das für den Körper verfügbare Stickstoffmonoxid. Folgen sind Vasokonstriktionund eine Steigerung der Blutdruckwerte mit Zunahme der arteriosklerotischen Veränderungen der Gefäßwände.

Traditionelle chinesische Medizin

Im alternativmedizinischenKrankheitskonzept der TCM spricht man von Leberfülle oder aufsteigendem Leber-Chi. Häufig sollen die betroffenen Menschen Cholerikersein. Sie leiden unter roten Augen, haben Allergien, sind hitzeempfindlich, und schwitzen stark. Dies sind Zeichen der Überfülle. Die TCM setzt u.a. auf Aderlass, viel Bewegung und Diätkontrolle, um Linderung oder Heilung zu erreichen.

Grenzwerte

Mit Weißkittelhypertonie wird das Phänomen bezeichnet, dass Menschen mit sonst normalem Blutdruck bei Messungen durch medizinisches Personal wiederholt erhöhte Blutdruckwerte aufweisen. Diese sogenannten "Gelegenheitsmessungen" sollten deshalb durch Selbstmessungen des Patienten und möglichst auch durch automatische 24-Stunden-Messungen ergänzt werden. Es ist auch möglich, belastungsabhängige Blutdruckspitzen durch Untersuchung am Fahrradergometerzu erfassen.

Die alte Abschätzung "Ein normaler Blutdruck liegt bei 100 + Lebensalter" ist nach neuen Erkenntnissen definitiv falsch.

Die Datenbestände amerikanischer Lebensversicherungen weisen darauf hin, dass bereits ein systolischerBlutdruck (d.i. der höhere der beiden Werte) über 130 mmHg mit einer erhöhten Sterblichkeitverbunden ist. In einer großen Metaanalysevon 60 epidemiologischen Studien mit mehr als 1 Mio Menschen war der Anteil der eingeschlossenen Menschen mit einem Blutdruck unter 115/75 jedoch zu gering, um verlässliche Aussagen über das Risiko in diesem Bereich anzugeben. Darum wird heute zwar der "ideale" Blutdruck mit 115/75 mmHg oder kleiner angegeben (Messung zu Hause), bzw. mit 120/80 mmHg oder kleiner (bei der Messung in der Arztpraxis); aber die medikamentöse Behandlung kann für Gesunde erst ab 140/90 mmHg empfohlen werden.

Die von der WHOund den deutschen medizinischen Fachgesellschaften vertretenen Normwerte lauten:

Bewertung systolisch mm Hg diastolisch mm Hg
optimaler BD zuhause (Selbstmessung) < 120 < 80
optimaler BD in der Arztpraxis < 120 < 80
normaler BD < 130 < 85
hoch-normaler Blutdruck 130-139 85-89
milde Hypertonie (I) 140-159 90-99
mittlere Hypertonie (II) 160-179 100-109
schwere Hypertonie (III) > 180 > 110
systolische Hypertonie > 140 < 90
Langzeit BD Tagesmittelwert normal < 135 < 85
Langzeit BD Tagesmittelwert manifeste Hypertonie > 135 > 85
Belastungs BD Frauen nach 30-80 W je 1 min < 200 < 100
Belastungs BD Männer nach 50-100 W je 1 min < 200 < 100

Verwertbar sind nur Messwerte, die mit zertifizierten und geeichten Manometern erhoben wurden, z. B. den in Apothekenund Sanitätshäusernvertriebenen automatischen Messgeräten, deren Messprinzip über Oszillationfunktioniert. Allgemein gilt, den Blutdruck stets im Sitzen nach einer fünfminütigen Ruhepause zu messen.

Behandlung

Entsprechend dem im vorherigen Abschnitt Gesagten lauten die neuen internationalen Richtlinien: In der sog. prähypertensiven Phase, in der systolische Blutdruckwerte zwischen 120 und 140 mmHg vorliegen ("hoch-normal"), sollte prinzipiell versucht werden, durch eine Veränderung des Lebensstils (Gewichtsabnahme, Rauchen aufgeben, Einschränkung des Alkoholkonsums, Stressreduktion, ausreichende Bewegung, Einschränkung der Salzaufnahmesowie abwechslungsreiche, fettärmere Ernährung) den Blutdruck zu senken.

Es muss versucht werden, den Patienten so gut wie möglich zu motivieren. Der dabei fallweise auftretenden Befürchtung, für die Gesundheitauf alle Annehmlichkeiten des Lebens verzichten zu müssen, muss behutsam begegnet werden. Leider sind auch heute noch manche in Unkenntnis der Forschungsergebnisse der letzten Jahre der Meinung, dass mit diesen klaren und eindeutig begründeten Richtlinien eigentlich gesunde Menschen zu Patienten "gemacht" würden, so als sei der Arzt nur am kranken Menschen interessiert. Umso wichtiger ist es, auf verantwortungsbewusster Seite diese Bedenken zu kennen und auf die Gefahren der arteriellen Hypertonie hinzuweisen.

Wenn andere Risikofaktoren oder gar bereits Herz-Kreislauf-Krankheiten bestehen, sollte jedoch mit einer medikamentösen Behandlung nicht lange gewartet werden. Die Leitlinie der Deutschen Hochdruckliga (s. u. Weblinks) enthält genaue Vorschläge zur Risikobestimmung beim konkreten Patienten. Beispielsweise sollte bei einem sonst völlig gesunden Nichtraucher erst Werte ab 160 mmHg systolisch mit Medikamenten behandelt werden, bei einem rauchenden Diabetiker bereits solche ab 130 mmHg. Die Behandlungsziele unterscheiden sich genauso, d.h. ein übergewichtiger KHK-Patient sollte unbedingt Werte unter 130/80 mmHg erreichen, ein Gesunder kann bei 140/85 eingestellt werden.

Wenn eine Änderung des Lebensstils keinen Erfolg zeigt, bereits Endorganschäden eingetreten sind oder weitere Gefäß-Risikofaktoren vorliegen (insbesondere Zuckerkrankheit), dann ist eine Behandlung mit Medikamenten notwendig. Dafür kommen insbesondere folgende Substanzgruppen in Betracht:

  • ACE-Hemmer
  • AT1-Antagonisten
  • Betablocker
  • Diuretika("Wassertabletten" Schwemmen hier aber in der niedrig eingesetzen Dosierung kein Wasser aus.)
  • Kalziumantagonisten
  • Alphablocker

Die Auswahl richtet sich nach dem Lebensalter und den Begleiterkrankungen des Betroffenen. Es gibt verschiedene Empfehlungen. Angestrebt werden aber möglichst einfache Schemata, in der Regel sollte nur ein Präparat verordnet werden. Nur bei schwer einstellbarem Bluthochdruck werden Doppel- und Dreifachkombinationen verschiedener Medikamente eingesetzt.

Beispielsweise werden junge Patienten meist mit einem ACE-Hemmer eingestellt; bei ungenügender Wirkung nimmt man ein Diuretikum dazu. Für Diuretika (Thiazid-Diuretikaund Chlortalidon) ist zudem eine lebensverlängernde Wirkung bei Hochdruckpatienten belegt. Diese Kombination aus ACE-Hemmer und Diuretikum wird oft als Fixkombination in einer Tablette angeboten. Ältere Patienten leiden oft unter Herzinsuffizienz, so dass die Gabe von Diuretika sinnvoll ist. Bei intakten Nieren kann auch hier mit einem ACE-Hemmer begonnen werden. Auch bei leichter Niereninsuffizienzist ein ACE-Hemmer sinnvoll, wenn die Dosis angepasst und die Nierenfunktion überwacht wird. Dabei kann ein leichter Anstieg des Kreatininum bis zu 30% toleriert werden. Studien zeigen, dass die Niereninsuffizienz dann nicht so schnell voranschreitet.

Wegen ihrer positiven Wirkungen bei einigen Herzrhythmusstörungensind auch Betablocker häufig gut geeignet. Für Betablocker ist eine lebensverlängernde Wirkung bei Hochdruckpatienten belegt. Sie haben jedoch Nebenwirkungen, z.B. Müdigkeit und Potenzstörungen. Kalziumantagonisten sind nicht mehr Mittel der ersten Wahl, weil sie die Pumpleistung des Herzens verschlechtern können. Sie haben auch unangenehme Nebenwirkungen, wie Beinödemeund anfallsweise Hautrötung.

Bei älteren Patienten ist die Einstellung also sehr individuell zu wählen in Anbetracht der Grunderkrankungen. In der Regel kombiniert man einen ACE-Hemmer wie Ramipril mit einem Betablocker wie Metoprolol. Das schützt die Nieren, verhindert eine unerwünschte Herzwandverdickungund schützt vor Herzrhythmusstörungen.

Die neueren AT1-Antagonisten sind in Ihrer Wirkung zu vergleichen mit dem ACE-Hemmer, aber die Studienlagen sind noch nicht so eindeutig. Ein akzeptierter Umstellungsgrund auf den neueren AT1-Antagonisten ist ein chronischer Reizhusten, welcher unter ACE-Hemmertherapie auftreten kann.

Alphablocker (Doxazosin als Beispiel) oder zentrale Alpha2-Agonisten(z. B.Clonidin und Moxonidin) sollten als Reservemittel dienen, da sie oft nur schlecht vertragen werden.

Siehe auch

  • Blutkreislauf- Blutdruck- Hypotonie
  • Lärm
  • Antihypertonikum
  • Schwangerschaftshypertonie- pulmonale Hypertonie- portale Hypertonie
  • Hypertensive Krise

Weblinks

  • S2-Leitlinie der Deutschen Hochdruckliga, 2003
  • http://www.medinfo.de/index.asp?r=169&thema=BluthochdruckDeutschsprachige Links zum Thema Bluthochdruck
  • Patientenleitlinie BluthochdruckEvidenzbasierte Patientenleitlinie der Universität Witten/Herdecke



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hypertonie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

 
  Inhalt steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.