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Sichtungskategorie

Die Einteilung von Patienten in Sichtungskategorien ist das Ergebnis der Sichtungbei einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten.

Die Kategorisierung der Patienten ermöglicht die Planung und den gezielten Einsatz der notfallmedizinischenRessourcen, die zur Bewältigung des Einsatzes notwendig sind. Entsprechend der Anzahl von Verletzten in den verschiedenen Kategorien werden entsprechende Rettungsmittel und Ärzte angefordert, Betreuungskräfte aktiviert und die Entscheidung gefällt, ob ein Behandlungspatz aufgebaut werden muß.

Die Einteilung der Verletzten/Erkrankten in Sichtungskategorien kann dazu dienen die Ressourcen, die zur Behandlung benötigt werden zu ermitteln. So braucht man z.B für jeden Schwerverletzten /Erkrankten einen Arzt und ein entsprechendes Transportmittel. Andere Scoring-Systemefür die medizinische Klassifikationen von Verletzten/Erkrankten geben z.B. Auskunft über die Schwere der Verletzung (Trauma-Score) oder die Art der Versorgung (NACA-Score) und die Prognose des Einzelnen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Dokumentation/Kennzeichnung
  • 2 Transportpriorität
  • 3 Einteilung
  • 4 Geschichte
    • 4.1 Pirogow'sches Sichtungsprinzip (ca. 1860)
    • 4.2 NATO-Standard (um 1950)
    • 4.3 Klassifikation nach Lent (1972)
    • 4.4 Empfehlung der BAND (1996)
  • 5 Literatur

Dokumentation/Kennzeichnung

Die Sichtungskategorie wird in der Regel auf einer Verletztenanhängekartedokumentiert. Üblich ist die Dokumentation in Form der Angabe "T" (für Triage) und einer Ziffer 1-4, in römischen Ziffern I-IV und/oder als Farbkennung.

Die Kategorien und deren Kennzeichnung sind weltweit nahezu einheitlich, für einige EuropäischeStaaten (Belgien, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Österreich, Schweiz, Ungarn) gilt der detaillierte Entschluss einer Konseskonferenz des Jahres 2002 (Einberufen von der deutschen Schutzkommission beim Bundesminister des Innern):

Kategorie Patientenzustand Konsequenz Farbe
T1, I akute, vitale Bedrohung Sofortbehandlung rot
T2, II schwer verletzt/erkrankt aufgeschobene Behandlungsdringlichkeit, Überwachung gelb
T3, III leicht verletzt/erkrankt spätere (ggf. ambulante) Behandlung grün
T4, IV ohne Überlebenschance, sterbend betreuende (abwartende) Behandlung, Sterbebegleitung blau oder grau

Tote werden nicht von diesem System erfasst, gebräuchlich ist jedoch die Kennzeichnung mit schwarzer Farbe. Unverletzte werden ebenfalls nicht von diesem System erfasst, sie werden vom Betreuungsdienstnur namentlich registriert.

Bei der Farbcodierung sollte für Helfer mit Farbenfehlsichtigkeit oder Farbenschwächen und wegen der erschwerten Erkennbarkeit von Farben bei ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen die Sichtungskategorie zusätzlich im Klartext (I-IV) aufgedruckt werden.

Bezüglich (radioaktiv) kontaminierter Patienten wird von der Konsensuskonferenz vorgeschlagen, diese zusätzlich mit einem gelben Dreieck zu markieren.

Transportpriorität

Früher ging die Sichtungskategorie mit einer Einteilung in die Transportreihenfolge einher. Patienten der Kategorie T1 wurden demnach bevorzugt transportiert, T2 verzögert, T3 zum Schluss. Das ist einem modernen Rettungswesen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Möglichkeiten nicht mehr angemessen, deshalb teilt man heute jeder Kategorie eigene Transportprioritäten a und b zu:

Kennung Bedeutung
a hohe Transportpriorität
b niedrigere Transportpriorität
keine Transport zum Schluss

Die tatsächliche Reihenfolge des Transports wird dann je nach für die einzelne Sichtungskategorie verfügbaren geeigneten Rettungsmitteln gewählt.

Einteilung

Die Sichtung erfolgt unabhängig von der Anzahl der Patienten, der Schwere ihrer Verletzungen und dem zur Verfügung stehendem medizinischen Personal. Sie dient wie oben beschrieben der weitern Planung der notfallmedizinischen Behandlung. Wenn zunächst wenig Ressourcen vorhanden sind, werden ausschließlich Patienten der Kategorie I behandelt. Patienten, die sehr viel Zeit und Hilfe in Anspruch nehmen, würden in dieser Phase in die Kategorie IV eingeordnet werden und zu einem späteren Zeitpunkt zu dem ausreichend Einsatzkräfte zur Verfügung stehen ggf. individualmedizinisch behandelt werden.

Die Einteilung in Sichtungskategorien ist ein dynamischer Prozess, der mehrmals wiederholt und den momentanen Umständen der Verletzung/Erkrankung des Patienten angepasst werden soll. Diesen Vorgang nennt man Sichtung oder Triage (frz.).

Geschichte

Pirogow'sches Sichtungsprinzip (ca. 1860)

Der russischeMilitärchirurg Nikolai Iwanowitsch Pirogow(1810-1881) entwickelte aus seinen Erfahrungen im KaukasischenKrieg und im Krimkriegabgestufte Behandlungsverfahren und das Prinzip der "Krankenzerstreuung" (verteilte Behandlung von Verletzten/Erkrankten) zur Ordnung auf den überfüllten Verbandplätzenmit Einteilungen der Verwundeten in fünf Stufen:

Einstufung Bedeutung Konsequenz
1 Hoffnungslose vor Ort/bei der Truppe belassen
2 lebensgefährlich Verletzte, die sofortiger Behandlung bedürfen sofort behandeln
3 Verwundete, die auch unaufschiebbarer, nur konservativ-operativer Hilfe bedürfen nach der Gruppe 2 behandeln
4 Verwundete, bei denen die unmittelbare chirurgische Hilfe nur wegen eines schädlichen oder unbequemen Transportes notwendig ist nach der Gruppe 3 behandeln
5 alle Verwundeten, bei denen ein einfacher Deckverband oder eine Extraktion der oberflächlich liegenden Kugel erfolgt vor Ort/bei der Truppe belassen

Dieses Schema gilt als eine der ersten Klassifikationen, die auch die äußeren Umstände (medizinische Möglichkeiten, Transport) mit berücksichtigt, war jedoch deutlich auf die Kriegschirurgie gemünzt. Besondere Bedeutung gewinnt dieses Schema, da es sich auch international durchsetzte, 1866wurde es von der preußischen Armeeübernommen, später auch von den anderen Sanitätsdiensten verbündeter Armeen. Es wurde noch im 1.und teilweise auch im 2. Weltkriegbenutzt.

NATO-Standard (um 1950)

International ist heute die Einteilung der North Atlantic Treaty Organisation (NATO) bekannt, die für das militärische Sanitätswesen und die Erfordernisse der Kriegsmedizin in den Bündnisländern folgende Einstufung vorgibt:

Einstufung Bedeutung
T1 Sofortbehandlung (immediate treatment)
T2 Verzögerte Behandlung (delayed treatment)
T3 Minimale Behandlung (minimal treatment)
T4 abwartende Behandlung (expectant treatment)

Hierbei fällt auf, dass der Zustand des Patienten nicht enthalten ist, sondern nur die Dringlichkeit der Behandlung. Damit wird deutlich gemacht, dass das Schema allein einer schnellen Einteilung vor Ort dient. Der sichtende Helfer/Arzt muss die Dringlichkeit unter Berücksichtigung des Patientenzustands und der Hilfsmöglichkeiten selbst entscheiden, das Schema hilft ihm dabei nicht.

Die Farbgebungen T1=rot, T2=gelb, T3=grün, T4=blau wurde erstmals im Rahmen dieses NATO-Schemas zugeordnet und wird bis heute verwendet.

Klassifikation nach Lent (1972)

Einstufung Bedeutung
schwerverletzt dekompensierte Störung der Vitalfunktionen
mittelschwer verletzt kompensierte Störung der Vitalfunktionen
leichtverletzt keine Störung der Vitalfunktionen

Die Einstufung orientiert sich dabei streng nach der Beeinträchtigung der Vitalfunktionen. Dieses Schema ist für den täglichen Rettungsdienst-Einsatz gedacht und zeigte sich für den Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten als nicht tauglich, da es die Umstände unberücksichtigt lässt und eine Behandlungsreihenfolge nur mittelbar impliziert. Im individualmedizinischen Notfallist es jedoch bis heute gebräuchlich.

Empfehlung der BAND (1996)

Im September 1996wurde von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaft Notärzte Deutschlands (BAND) speziell für das rettungsdienstliche Großschadensereignisin Deutschlanddie folgende Einstufung vorgeschlagen:

Kategorie Patientenzustand Dringlichkeit der Behandlung
1 vitale Bedrohung dringliche Sofortbehandlung
2 Schwerverletzte - zunächst nicht vital bedroht Überwachung
3 Leichtverletzte Sammelüberwachung
4 Tote Registrierung, Übergabe an die Polizei

Dadurch wurde eine Behandlungsreihenfolge festgelegt. "Sterbende ohne Chance" gab es dagegen in diesem Schema nicht, damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass es sich hierbei um eine ethisch äußerst fragwürdige Einteilung handelt, die im modernen Rettungswesen auch bei einer höheren Anzahl Verletzter nicht vorgenommen werden sollte. Diese Einstellung ist jedoch nicht mit dem NATO-Standard kompatibel und wurde mit der o.g. Konsensuskonferenz im Jahr 2002wieder aufgegeben.

Eine Transportreihenfolge ist in diesem Schema nicht enthalten.

Literatur

  • U.B.Crespin, G.Neff (Hrsg): "Handbuch der Sichtung", 2000, Stumpf&Kossendey-Verlag, Edewecht, ISBN 3-932750-20-9
  • R.Kirchhoff (Hrsg.): "Triage im Katastrophenfall", 1984, primed-Fachbuch-Verlag, Erlangen, ISBN 3-88429-115-7
  • Peter Sefrin, Johann Wilhelm Weidringer, Wolfgang Weiss: "Sichtungskategorien und deren Dokumentation" in: Deutsches Ärzteblatt 100, Heft 31-32 (04.08.2003), S. A2058-2058, online verfügbar unter http://www.bundesaerztekammer.de/30/Notfallmedizin/20030804.html
Von "http://de.wikipedia.org/Sichtungskategorie"



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