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Als Zeckenstich (umgangssprachlich Zeckenbiss) bezeichnet man den Vorgang, der es Zeckenerlaubt, ihre Blutmahlzeit an einem Wirbeltier - und damit auch beim Menschen - einzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Physiologische Grundlagen
- 2 Übertragene Krankheiten
- 2.1 Lederzecken (Argasidae)
- 2.2 Schildzecken (Ixodidae)
- 2.3 Erregerkreislauf
- 2.4 Allergische Reaktionen
- 2.5 Borreliose
- 2.6 Frühsommer-Meningoenzephalitis
- 2.7 Q-Fieber
- 2.8 Babesien
- 2.9 Weitere Krankheiten
- 3 Vorbeugung
- 4 Entfernung
- 5 Literatur
- 6 Weblinks
- 7 Dokumentationen
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Physiologische Grundlagen
Bei einem Zeckenstich wird die Haut mit den Kieferklauenangeritzt und anschließend der ?Stachel? (das Hypostom) in der Wundeverankert. Vor Beginn der Nahrungsaufnahme gibt die Zecke ein Sekret(Speichel) ab, das bei ihnen mehrere wichtige Komponenten enthält.
- Einen Gerinnungshemmer, der eine Verstopfung des Saugrüssels (Proboscis) verhindert und den Blutfluss hin zur Einstichstelle steigert.
- Eine Art Klebstoff, der die Mundwerkzeuge fest in der Haut verankert.
- Ein Betäubungsmittel, das die Einstichstelle unempfindlich macht. Diese Komponente ist sehr wichtig, da Zecken im Vergleich zu Stechmückeneinen wesentlich größeren und gröberen Stechrüssel besitzen und außerdem sehr viel länger, bis zu einer Woche, an ihrem Nahrungsopfer Blut saugen, das davon nichts mitbekommen soll.
- Einen entzündungshemmenden Wirkstoff. Dieser soll eine Stimulation der körpereigenen Immunabwehran der Einstichstelle vermeiden.
Anschließend wird dann das Blut durch die Zecke aufgeleckt. Bei diesem Saugvorgang können Krankheitserreger, die zuvor bei einem anderen Wirtaufgenommen wurden und sich im Zeckenkörper erhalten oder sogar vermehrt haben, auf den Wirt übertragen werden.
Übertragene Krankheiten
Bild:Erythema-motilans.jpg Erythema migransals Spätfolge eines Zeckenbisses mit Borrelioseinfektion am Unterschenkel eines männlichen Erwachsenen
Die verschiedenen Zeckenfamilien bzw- gattungen können folgende Erreger bzw. Toxine (und Krankheiten) auf den Menschen übertragen:
Lederzecken (Argasidae)
- die Gattung Ornithodorus: überträgt Borellia dutoni; führt zum Zeckenrückfallfieber
- die Gattung Argas: (?); lokale Hautreaktionen und seltener toxische Allgemeinsymptome wie Pulsbeschleunigung, Atemnotund Erbrechen
Schildzecken (Ixodidae)
Wichtigste Überträger in Mitteleuropa sind die Arten der Gattung Ixodes mit der häufigsten einheimischen Art, dem Gemeinen Holzbock(Ixodes ricinus), in den östlichen USA Ixodes scapularis, in RuslandIxodes persulcatus.
Weitere Gattungen sind Rhipicephalus, Dermacentor, Haemaphysalis, Amblyomma und aus der Familie der Lederzecken die Gattungen Argas und Ornithodorus.
Diese können - meist nur bei länger anhaltender Blutmahlzeit - eine oder mehrere der folgenden Krankheitserreger (und Krankheiten) übertragen:
- Babesia microti: Babesiose
- Francisella tularensis: Tularämie
- Rickettsien: Rickettsiosenwie das
- Rocky-Mountain-Fleckfieberdurch Rickettsia ricketsii
- Boutonneuse-Fieberoder Mittelmeer-Zeckenfleckfieber, Kenia-Fieber; durch Rickettsia conorii)
- Fleckfieberdurch Rickettsia prowazekii
- Q-Fieber: Coxsiella burnettii
- Borrelien: Borreliosenwie die Lyme-Borreliose; durch den Erreger Borrelia burgdorferi
- verschiedene Viren wie das
- FSME-Virus: Frühsommer-Meningoenzephalitis
- RSSE-Virus
- Louping-ill-Virus
- Powassan-Virus
- Kyasanur-forest-Virus: Kyasanur-Forest-Krankheit
- CCHF-Virus: Hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber; der Erreger wure auf der Krimund im Kongonachgewiesen.
- Omsk-hämorrhagisches Fieber-Virus: Omsk-hämorrhagisches Fieber
- Colorado-tick-Virus
Und ca. 50 weitere Krankheiten weltweit wie das Texas-Fieber- ein die wichtigsten Erkrankungen werden unten in Kurzform vorgestellt.
Im Speichel kommen daher auch Krankheitserreger (Viren, Bakterien, einzellige oder mehrzellige Parasiten) vor, die die Zecke bei einer vorangegangenen Nahrungsaufnahme bei einem infizierten Opfer zusammen mit dem Blut aufgenommen hat. Wenn diese Krankeitserreger in der Zecke nicht nur überleben, sondern sich auch noch in ihr vermehren und oder wandeln, dann ist die Zecke ein Wirtbzw. Zwischenwirt für diese Krankheitserreger und infiziert in schon beschriebener Weise ihr nächstes Nahrungsopfer. Zecken, darunter die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Schildzecke(Ixodes ricinus), sind als Vektoren, d.h. Überträger von Viren und Bakterien festgestellt. Sie können also durch ihren Stich die verschiedensten Infektionskrankheitenauf den Menschen und alle möglichen Wirbeltierarten übertragen. Auch eine rein mechanische Übertragung von anhaftenden Viren auf dem Stechorgan ist möglich.
Erregerkreislauf
Die Erreger, die sich bei einer infizierten Zecke in ihrem Darmtraktbefinden, werden nicht unbedingt sofort, sondern mitunter erst während des Saugaktes nach einigen Stunden (bei der Borreliosezum Beispiel in der Regel in einem Zeitfenster von 8 bis 24 Stunden nach dem Einstich) auf den Menschenübertragen. Deshalb ist auch eine möglichst rasche und vorsichtige Entfernung einer Zecke dringend angeraten.
Allergische Reaktionen
Bevor die Zecke ihre Nahrung aufnimmt, spritzt sie durch ihren Stechrüssel(Proboscis) ein Drüsensekret (allgemein: Speichel) in ihr Opfer hinein. Für das Immunsystemdes Nahrungsopfers ist dieser Speichel trotz des in ihm enthaltenen Entzündungshemmers ein Fremdkörper. Reaktionen auf den von Zecken abgesonderten Gerinnungshemmerkönnen in seltenen Fällen beim Menschen auch zu Lähmungenund zum Todeführen, insbesonders wenn der Zeckenstich an Hinterkopf und in Nähe der Wirbelsäuleerfolgte (Zeckenparalyse).
Borreliose
Die Borrelioseist in der nördlichen Hemisphäredie häufigste von Zecken übertragene, oft mit schweren neurophatischenSymptomeneinhergehende Erkrankung, die durch das BakteriumBorrelia burgdorferiaus der Gruppe der Spirochaetenausgelöst wird.
Eine Borrelieninfektion durch Zecken ist in ganz Deutschland, im Schweizer Mittelland sowie im mittleren und Osten Österreichs und sogar in Städten möglich. Wie eine Studie am Max-von-Pettenkofer-Institutfür Hygieneund Mikrobiologiein München zeigte, stellt "der direkte Kontakt mit Büschen in Gärten ein bisher unterschätztes Risiko" dar, durch Zeckenstiche an Lyme-Borreliose zu erkranken. Die Zahl der Neuinfektionen pro Jahr wird für Deutschlandauf 50.000 bis 100.000 geschätzt. Gegen die Borreliose existiert keine Impfmöglichkeit, sie kann aber bei frühzeitiger Erkennung gut mit Antibiotikabehandelt werden. In Deutschland ist die Borreliose in den neuen Bundesländern und Berlin eine meldepflichtige Erkrankung.
Frühsommer-Meningoenzephalitis
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis(FSME) wird ebenfalls in Europa von Zecken übertragen. Sie wird durch Viren verursacht und führt zur Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute. Diese Viren werden sofort nach dem Stich übertragen, denn sie lagern in den Speichelzellen der Zecke. Gegen die FSME ist eine Schutzimpfungmöglich. Im deutschen Sprachraumbesteht die Gefahr einer FSME-Infektion nur in bestimmten Gebieten, die sich jedoch von Jahr zu Jahr entlang der Flüsse ausdehnen.
Q-Fieber
Der für das Q-Fieberverantwortliche Erreger, das Bakterium Coxiella burnetii, das insbesondere bei Rindern, Schweinen, Pferden, Schafen, Ziegen, aber bei auch Wild- und anderen Haustieren - wie z.B. Rehen, Füchsen, Katzen und Hunden diese Erkrankung auslöst, wird vor allem im Süden Deutschlands nicht in erster Linie aber auch von der Frühjahrswaldzecke(Dermacentor marginatus) aus der Gattung der Schafzeckengelegentlich auf den Menschen übertragen. Die Infektion erfolgt, wenn die Zecke zunächst ein infiziertes Tier sticht und anschließend einen Menschen. Es genügt aber auch schon, den Kotstaub der Zecke einzuatmen.
Das Q-Fieberist eine nach dem Infektionsschutzgesetzmeldepflichtige Erkrankung.
Babesien
Die Auzecke(Dermacentor reticulatus) aus der Gattung der Buntzeckenist besonders in letzter Zeit auch in Deutschland bei den Haltern von Hunden und Katzen als Überträger der Blutparasiten Babesien(Babesia canis canis) gefürchtet. Diese Einzeller befallen die Haustiere und zerstören wie die Malariadie roten Blutkörperchen. Daher wird bei der Babesiose(Piroplasmose) als häufigstes Symptom eine Blutarmut festgestellt. Weitere Symptome können bei den befallenen Tieren hohes Fieber, roter oder grünlicher Urin oder Gelbsucht sein. Einige Babesienarten werden von der Auzecke auch auf den Menschen übertragen. Diese Erreger sind jedoch für den Menschen nicht sehr gefährlich. Nur in seltenen Fällen lösen sie grippeähnliche Symptome aus, wenn das Immunsystem vorher schon geschwächt war.
Die vor kurzem (04. 2005) erstmalig auch im deutschen Bundesland Brandenburg festgestellte Erregerart Babesia canis canisbefällt nach einer Übertragung durch die Auzecke nur Hunde oder hundeartige Tiere wie z.B. den Fuchs. Dieser Krankheitserreger ist also streng wirtsspezifischund kann daher nicht auf den Menschen übertragen werden.
Weitere Krankheiten
Eine weitere auf der Nordhemisphäre weit verbreitete und von Zecken übertragene Krankheit ist die Tularämie. Auch das Boutonneuse-Fieber, das Omsker hämorrhagische Fieber, das Krim-Kongo-Fieber, die Kyasanur-Forest-Krankheitsowie verschiedene hämorrhagische Fieber, Ehrlichiosenund Rickettsiosen(z.b. das Mittelmeerfleckfieberund das hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent, am Mittelmeer und in Afrika vorkommende Zeckenbiss-Fieber) werden von Zecken übertragen. In den Tropensind Zecken Überträger für Fleck-, Rückfall-, Texas-Fieberund auch Babesien, eine parasitische Protozoenart. Weltweit übertragen Zecken noch mehr als 50 weitere Krankheiten.
Möglicherweise gibt es darüber hinaus bisher noch unbekannte Erreger, da häufig bei Personen, die nach einem Zeckenstich Fieber hatten, keine der bekannten Pathogenezu ermitteln waren.
Vorbeugung
Um Zecken abzuhalten, sollte man im Freien lange und möglichst glatte, helle und fest verschlossene Kleidung und geschlossenes Schuhwerk tragen. Socken sollten am besten über die Hosenbeine gestülpt werden, um ein Eindringen der Zecken durch die Hosenbeine zu vermeiden. Zecken halten sich besonders gerne unter der Achsel, in der Leiste, Kniekehle, am Haaransatz (bei Kindern vor allem) oder im Schambereichauf. Sie suchen bevorzugt warme, gut durchblutete Körperstellen auf, unsere Hautfalten und Haare bieten ihnen dabei Stütze und Schutz. Auch sollte man sich nie direkt ins Gras setzen. Im kurz gemähten Gras werden die Zecken sehr schnell von Vögelnentdeckt und vertilgt. Zudem gibt es verschiedene Insektenschutzmittel, die neben Insekten auch die achtbeinigen Zecken abhalten können, allerdings ist die Wirkung der Mittel nur von kurzer Dauer. Nach jedem Aufenthalt im Grünen sollte man deshalb die Kleidungund Unterwäschegut ausschütteln und nach Zecken durchsuchen, anschließend duschen und den Körper nach Zecken gut absuchen - am besten gegenseitig. Denn je schneller man die Zecke entfernt, desto geringer ist die Gefahr einer Infektion. Für die Übertragung von Borrelien muss die Zecke mehrere Stunden gesaugt haben. Ein schnelles Entfernen der Zecken ist deshalb der beste Schutz gegen eine Borreliose. Bei der FSME geht die Infektion wesentlich schneller, aber auch hier gilt: Ein rasches Entfernen mindert das Risiko zu erkranken.
Entfernung
Zeckenzange oder Zeckenpinzette.
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Wird der Metallzylinder zückgeschoben, öffnet sich die Zeckenpinzette, um die Zecke möglichst vollständig zu umfassen.
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Durch Vorschieben des Metallzylinders schließt sich die Pinzette. Nach vorsichtigem Drehen (eine Zecke ist keine Schraube) läßt sich die Zecke mit Kopf herausziehen.
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Zecken lassen sich am besten mit einer spitzen Splitterpinzette entfernen. Die im Handel befindlichen Zeckenzangen sind meist ungeeignet, da damit die Zecke schnell gequetscht wird und somit die Krankheiterreger erst in den Wirt eingebracht werden. Mit der spitzen Pinzette wird die Zecke so weit wie möglich am Kopf in Richtung des Saugrüssels gepackt. Einmal zugepackt darf der Griff der Pinzette nicht mehr gelöst werden. Damit lässt sich verhindern, dass der Speichel und der Darminhalt der Zecke mit den darin enthaltenen Krankheitserregern in den Stichkanal gelangen kann. Nun wird die Zecke mit einem leichten Zug ausgehebelt. Ein Drehen der Zecke ist nicht nötig, die Zecke hat kein Gewinde am Saugrüssel (Hypostom).
Steht kein entsprechendes Werkzeug zur Verfügung, kann die Zecke auch mit langen Fingernägeln oder mit Hilfe eines feinen, um die Zecke gelegten Fadens herausgezogen werden. Insbesondere bei der Entfernung mit Fingernägeln ist darauf zu achten, die Zecke nicht zu quetschen. Andere Methoden, wie zum Beispiel das Entfernen der Zecke mit Kleber oder Öl, führen leicht zu einer Infektion, da die Zecke sich in ihrem Todeskampf in den Wirt erbricht.
Nach erfolgreicher Entfernung der Zecke sollte man die betroffene Hautstelle desinfizieren.
Ein abgerissener Zeckenkopf stellt im allgemeinen kein Problem dar, da er nach ein paar Tagen von allein wie ein Holzsplitter vom Körper abgestoßen wird. Es besteht die Möglichkeit die entfernte Zecke mittels PCR-Untersuchung (eine Form der DNA-Untersuchung) in einem Labor auf Erreger untersuchen zu lassen. Dazu genügen schon die Reste einer Zecke.
Zeckenstiche sollten am besten mit Datum und einem Foto dokumentiert werden, um im Falle einer Erkrankung Belege für den Infektionszeitpunkt zu haben. Traut man sich das Entfernen der Zecke nicht selbst zu, sollte ein Arzt zum fachgerechten Entfernen aufgesucht werden. Ein großer Teil der Infektionen mit Borreliose und anderen Erregern wird erst durch das nicht fachgerechte Entfernen der Zecken verursacht!
Zum Abtöten der Zecke kann man sie zwischen den Fingernägeln zerdrücken oder in ein Gefäß mit hochprozentigem Alkohol einlegen. So läßt sie sich konservieren, falls später eine nähere Bestimmung der Art erwünscht ist.
Literatur
- Hans-Peter Wirtz: Zecken als Krankheitsüberträger: Was tun bei einem Stich? Biologie in unserer Zeit 31(4), S. 229 - 238 (2001), ISSN 0045-205X
Weblinks
- RKI - Robert Koch Institut - Durch Zecken übertragene Erkrankungen
- http://www.zecken.de
- http://www.zecken-borreliose.de
- Bundesverband Zecken-Krankheiten
- Homepage des Vereins ParasitusEx
- Borreliose - die verkannte Gefahr
- FSME - Verbreitungsgebiete in Österreich
- Krankheitserreger und ihre Überträger]
- Fachgerechte Entfernung von Zeckenund weitere Informationen
Dokumentationen
- Die Zecke Ixodes ricinus und die Lyme-Krankheit
- Zecken-Atlas
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Zeckenstich aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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