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Metastase

Als Metastase (griechisch?????????, von ????~, meta~ - weg~ und ?????, stáse - die Stelle, Haltung, der Ort, also etwa die Übersiedelung an einen anderen Ort) wird eine hypothetisch definierte Absiedlung eines bösartigen Tumorsoder eines Infektionsherdes bezeichnet. Die heutige praktizierte Onkologiebasiert auf dieser Theorie.

Die lateinischeBezeichnung ist Filia, die Tochter, MehrzahlFiliae, und bedeutet das Tochtergeschwulst.

Metastasen im engeren Sinne bezeichnen Absiedlungen eines Tumors in entfernte Gewebe. Der Begriff wird aber auch für die septischeStreuung von Erregern benutzt, z.B. bei der Streuung einer Endokarditisin zahlreiche Organe.

Bild:MBq Metastase.jpg
Metastase eines Nierenkarzinoms im Knie, Kernspintomographie

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ursachen
  • 2 Einteilung von Metastasen
  • 3 Lokalisation von Metastasen
  • 4 Dignität von Metastasen
  • 5 Siehe auch
  • 6 Weblinks

Ursachen

Das Verständnis der Ursachen einer Metastasierung basiert derzeit auf in sich schlüssigen Hypothesen. Eindeutige wissenschaftliche Beweise fehlen noch. So konnte bis jetzt z.B. bei einer hämatogenenFernmetastase kein Informationsträger im Blut isoliert werden, der eine Wanderung vom Haupttumor beweisen würde. Es ist auch keine Studie bekannt, die Metastasen von Haupttumoren differenzieren kann. Dennoch ist diese nachvollziehbare Hypothese weitläufig anerkannt. Sie besagt, dass im Rahmen der Entartung, mitotischeZellteilungen vorausgesetzt, Verbindungen zum umliegenden Gewebe gekappt werden könnten. Bei dieser Kappung scheinen Zellverbände abzuschilfern und zu wandern. Weiterhin vermutet man einen Defekt der Adhäsionsmoleküleauf der Oberfläche maligner Zellen, die für den Zellverbund unerlässlich sind. Der eigentliche Prozess der erneuten Festsetzung in fremdem Gewebe ist allerdings noch unsicherer erfasst und daher ein Schwerpunkt der Krebsforschung.

Einteilung von Metastasen

Man unterscheidet gemäß der TNM-Klassifikationlokale, regionäre und Fernmetastasen. Lokale Metastasen entstehen in unmittelbarer Nähe des Primärtumorsdurch Verschleppung von bösartigen Tumorzellenin das umgebende Gewebe, auch über Organgrenzenhinweg. Diese Verschleppung kann auch über Stichkanäle oder Schnitte in Tumorgewebe begünstigt werden, man spricht dann von Impfmetastasen.

Regionäre Metastasen entstehen in der Regel, wenn Tumorzellverbände in die Lymphgefäße abschilfern und sich in den organ- und lagespezifischen Lymphknoten festsetzen. Die Erfassung von regionären Lymphknotenmetastasen erfolgt in der TNM-Klassifikation durch die N-Kategorie. Bei regionären Lymphknotenmetastasen spricht man auch von lymphogenenMetastasen.

Fernmetastasen entstehen analog dazu, wenn Tumorzellverbände in Venenabschilfern und in entfernten Organen absiedeln, oder durch Abtropfung oder Abklatschung von Tumorzellen in Körperhöhlen. Klassisches Beispiel für eine Abtropfmetastase ist der Krukenberg-Tumoreines Siegelzellkarzinomsdes Magens mit zumeist beidseitigen Fernmetastasen an den Ovarien. Fernmetastasen über den Blutweg werden hämatogeneMetastasen genannt. Die Erfassung von Fernmetastasen erfolgt in der TNM-Klassifikationen durch die M-Kategorie.

Je nach Lokalisation und histologischem Typ metastasieren maligne Tumoren in unterschiedlichem Maße lymphogen und hämatogen. Auch die Lokalisation von Fernmetastasen ist in großem Maße abhängig von Histologie und Lokalisation des Primärtumors.

Lokalisation von Metastasen

Bild:Niere Metastase-2.jpg
Niere eines Hundes mit multiplen Metastasen
Bei Krebserkrankungen werden neben dem Primärtumor in der Regel die Lymphknoten der Abflussbahn und ?suspekte? Lymphknoten aus der vorhergehenden Diagnostik (körperliche Untersuchung, Computertomografie, Magnetresonanztomografie) mit entnommen und histopathologisch auf regionäre Metastasen untersucht. Bei unklarer Lymphabflussbahn, z.B. bei Hauttumoren, wird über das Einspritzen radioaktiv markierter Farbe der Sentinel-Knoten (?Wächterknoten?) mittels Geigerzähler und Farbmarkierung operativ aufgesucht. Lymphknotenmetastasen verschlechtern die Prognose und führen bei kurativemAnsatz zu einer aggressiveren Therapie.

Verschiedene Organe haben verschiedene bevorzugte Fernmetastasenlokalisationen. In der Regel wird dabei der Pfortader- vom Cava-Typunterschieden. Zum Pfortadertypzählen die malignen Tumoren der Organe des Verdauungstrakts (untere Speiseröhre, Magen, Bauchspeicheldrüse, Dünn- und Dickdarm, oberer Mastdarm), welche bevorzugt in die Leber metastasieren, weil ihr venöses Blut über die Pfortadererst in die Leber und dann in die Vena cavagelangt. Alternativ können lymphogene und Abklatschmetastasen am Peritoneumvorkommen. Das Maximalbild zahlreicher Peritonealmetastasen wird Peritonealkarzinosegenannt. Streng genommen handelt es sich dabei aber nur um Metastasen eines Karzinoms, die allerdings die weitaus größte Gruppe maligner gastrointestinaler Tumoren ausmachen.

Die meisten anderen Krebsarten gehören zum Cava-Typ. Sie metastasieren am ehesten in Skelett, Gehirn und Lunge, aber auch in die Leber und Milz. Metastasen bei bösartigen Tumoren vom Pfortadertyp können ebenfalls in diesen Organen vorkommen, dabei handelt es sich in der Regel um sekundäre Metastasen, d.h. Metastasen, die von einer Lebermetastase ausgehen und nicht vom Primärtumor.

Verschiedene Tumoren metastasieren auch häufig in die Haut, es handelt sich dabei vor allem um Metastasen des malignen Melanomssowie anderer Hauttumoren und um Tumoren des hämatoonkologischenFormenkreises, also Bluttumoren, vor allem um Lymphome.

Bild:Milz Metastase Powerdoppler.jpg
Darstellung der verstärkten Vaskularisation einer Milzmetastase beim Hund sonografischper amplitudenkodiertem Doppler. Der Tumor ist gekennzeichnet durch die Farbansammlung im Zentrum des Bildes. Sp-Milzgewebe
Zur Lokalisation von Fernmetastasen werden bei gesichertem Primärtumor aus diesem Grund im Sinne eines Stagingsroutinemäßig folgende Untersuchungen veranlasst:
  • Skelettszintigrafiezum Auffinden von osteoklastischenoder osteoblastischenKnochenmetastasen. Osteoklastische Metastasen zerstören Knochengewebe, osteoblastische regen über Zytokine ein lokales Knochenwachstum an (z.B. bei Prostatakarzinomen und Osteosarkomen).
  • Computertomografieoder Magnetresonanztomografieder Bauch-, Thorax- und Schädelhöhle zum Auffinden von Leber-, Peritoneal-, Lungen- und Hirnmetastasen. Bei gastrointestinalen Tumoren wird dabei gleichzeitig der Befall lokoregionärer Lymphknoten im Bauchraum, bei Lungenkrebs der lokoregionären Lymphknoten im Brustraum untersucht.
  • Lebersonografiezur Suche nach Lebermetastasen.

Bei HNO-Tumoren gehört daneben zur Metastasensuche die Panendoskopie. Bei gynäkologischen und urologischen Tumoren ist ein lokoregionäres Tumorwachstum in umliegende Organe besonders häufig, deshalb ist die wichtigste Staginguntersuchung die Computertomografie des kleinen Beckens.

Fernmetastasen verschlechtern die Prognose rapide, da in der Regel bei Vorliegen einer sichtbaren Fernmetastase multiple Mikrometastasen vorhanden sind.

Ein weiterer prognostischer Faktor ist das Vorhandensein von Mikrometastasen.

Fast nie von Metastasen betroffen sind Herz, Milz und Nieren; dies ist umso verwunderlicher, da diese Organe einen hohen Blutdurchfluss haben. Warum diese Organe seltener befallen werden, ist ebenfalls noch nicht sicher abgeklärt. Ebenfalls sehr selten sind Metastasen in anderen Organen wie Bauchspeicheldrüse, Magen, Darm (außer durch lokales Wachstum), Schilddrüse, Thymus und Nebenniere.

Dignität von Metastasen

In der Regel sind Metastasen deutlich schlechter differenziert als der Primärtumor, ihre histologischenEigenschaften sind vom Ursprungsgewebe deutlich entfernt und sie zeigen eine erhöhte Wachstumsprogredienz. Aus diesem Grund werden viele Krebspatienten bei Vorliegen von ausgedehnten Metastasen - je nach Ursprungstumor - nur noch palliativbehandelt.

Siehe auch

Krebs, TNM-Klassifikation, Tumor, Histologie

Weblinks

  • Bildbeispiel einer Metastase in der Brustwirbelsäule
  • Bildbeispiel einer osteoblastischen Metastase in der Lendenwirbelsäule
  • Bildbeispiel einer Metastasenleber
  • Deutsche Hirntumorhilfe e.V.
  • Wie Tumoren Metastasen den Boden bereiten- Beitrag über einen Nature-Artikel (Bd. 438, S. 820vo, 2005) in www.wissenschaft.de





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