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Neuropathologie

Bild:Human brain NIH.jpg
Menschliches Gehirn

Die Neuropathologie ist ein Gebiet der Pathologie, welches sich mit den Erkrankungen des Zentralnervensystems, der Hirnhäute(Meningen) und der peripheren Nervenbeschäftigt. Weiterhin fallen auch Muskelerkrankungen in das Gebiet der Neuropathologie, sowie das Erstellen von Hirnbanken. Innerhalb der EUwird die Neuropathologie ausschließlich von der Bundesrepublik Deutschland als eigenständiges Fach anerkannt.

Im Gegensatz zu verwandten Fächern wie der Neurologie, Neurochirurgieund Psychiatrieist die Neuropathologie ein klinisch-theoretisches Fach, doch dient die sie vor allem diesen drei Fächern als Basis für Prophylaxe, Diagnose und Therapie, ist doch die KrankheitsmorphologieVoraussetzung für das nötige Verständnis der Pathogenese. Trotzdem geht es in der Neuropathologie vor allem auch um lebende Patienten, so steht häufig ein Team aus Neurochirurgen und Neuropathologen gemeinsam im OP, auch gemeinsame Problemerörterungen mit den klinischen Kollegensind üblich.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Geschichte der Neuropathologie
  • 2 Der Facharzt für Neuropathologie
  • 3 Statistiken
  • 4 Literatur
  • 5 Weblinks

Geschichte der Neuropathologie

Bild:Pathologiae cerebri et nervosi generis specimen.JPG
Pathologiae cerebri et nervosi generis specimen (1667)

Die ersten, zaghaften Anfänge der Neuropathologie finden sich schon im 17. Jahrhundert, so veröffentlichte der englische Arzt Thomas Willisbereits 1667 die "Pathologiae Cerebri et Nervosi Generis Specimen". Die Geschichte der modernen Neuropathologie ist eng mit den Historien der Psychiatrie und der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufblühenden Neurochirurgie und natürlich mit der des eigenen Mutterfaches und der Anatomieverbunden. Sie findet ihren Anfang in Deutschland im 19. Jahrhundert mit dem sog. "Breslauer Kreis", der seine Wurzeln seinerseits in Wienund Parishat, welchem hauptsächlich Neurologenund Psychiatermit ausgeprägtem Interesse an Morphologie entstammen, die daraufhin zusammen mit Angehörigen des "Leipziger Kreises" eine eigene "Frankfurter Schule" um den PathologenCarl Weigert und den vergleichenden Neuroanatomen Ludwig Edingerbildeten.

Das besondere an der Neuropathologie ist auch die extreme Kleinheit sowohl des Fachs als auch des wissenschaftlichen Objekts, mit dem es sich beschäftigt. Die ausgeprägte Überschaubarkeit der neuropathologisch tätigen Ärzte oder gar der noch kleineren Gruppe vollausgebildeter Neuropathologen bringt es mit sich, dass die Geschichte der Neuropathologie sehr stark von einzelnen Menschen dominiert wird. So sind die Namen der Psychiater Alzheimer, Brodmann, von Gudden, Kraepelin, Nissl, Spielmeyersowie der Neurochirurgen Cushingund Tönnisund des Neurowissenschaftlers Zülchmit der Geschichte des hochspeziellen Fachs verbunden. Auch Sigmund Freudwar Neuropathologe, wurde jedoch nicht als solcher, sondern als Begründer der Psychoanalyseberühmt. So wird das fruchtbare Zusammenspiel von Psychiatrie auf der einen und Neurochirurgie auf der anderen Seite deutlich.

Die Zeit des Nationalsozialismuswar eine dunkle Zeit für die Neuropathologie; namhafte Forscher und wissenschaftlicher Nachwuchs wurden deportiert oder mussten fliehen (wie etwa der junge Hoffnungsträger Hans-Joachim Scherer), was der Entwicklung des wissenschaftlichen Fachs einen herben Schlag beifügte, nationalsozialistischer Wahnsinn warf mit - wenn auch mittelbarer - neuropathologischer Beteiligung am Euthanasie-Programm und anderen Schandflecken der Medizin einen finsteren Schatten auf die Neuropathologie. Auch die "klassischen" Kriegsschäden durch Bomben oder Plünderung trafen die Neuropathologie - wie alles andere auch.

Nach dem Krieg folgten die Jahre des Wiederaufbaus, in denen auch die wissenschaftlichen Institute sich neu formierten und regenerierten. Als eine der ersten Institutionen war die Münchner Forschungsanstalt für Psychiatrie in ihrem alten Gebäude wieder halbwegs arbeitsfähig.

Im Jahre 1948 hatte die neugegründete Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Psychiatrie beschlossen, die Neuroanatomen und Neuropathologen in ihre Neurologie-Sektion aufzunehmen, eine Entscheidung, die der Verschiebung der Akzentuierung der Neuropathologie etwas weg von der vormals sehr nahestehenden Psychiatrie eher hin zur Neurologie Rechnung trug.

Vom 6. bis 8. Oktober 1950 wurde in Frankfurt am Maindie Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie gegründet, welche 1956 unter Integrierung der Neuroanatomie zur Vereinigung Deutscher Neuropathologen und Neuroanatomen und schlussendlich 1975 in Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie umbenannt wurde (Beschluss in Köln). In Westdeutschland gab es in 1952 Bonnden erste Lehrstuhl für Neuropathologie. Rund 24 Jahre später, 1976, entsprach der Deutsche Ärztetagder Schaffung eines Teilgebietes Neuropathologie des Facharzts für Pathologie, ein eigener Facharzt für Neuropathologie wurde 1987 vom Deutschen Ärztetag beschlossen. Dagegen blieb im Osten Deutschlands die Neuropathologie bis zum Zusammenbruch der DDRdagegen eng mit der allgemeinen Pathologie verknüpft. Danach wurde die ostdeutsche Gesellschaft für Neuropathologie in die - nun gesamtdeutsche - Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie aufgenommen.

Der Facharzt für Neuropathologie

Um nach einem absolvierten Medizinstudiumin Deutschland als Facharztfür Neuropathologie tätig zu werden, bedarf es einer sechsjährigen Weiterbildungszeit, von der ein Jahr bei einem niedergelassenen Arzt abgleistet werden kann:

  • 3 Jahre Neuropathologie
  • 2 Jahre allgemeine Pathologie
  • 1 Jahr Anatomie oder Neurochirurgie oder Neurologie oder Diagnostische Radiologiemit Schwerpunkt Neuroradiologie oder Psychiatrie und Psychotherapieoder Neuropädiatrie

Statistiken

  • Am 1. Januar2001waren in der BRD 76 Neuropathologen registriert, von denen zwei niedergelassen waren. 13 übten keine ärztliche Tätigkeit aus.
  • Am 31. Dezember2004waren in der BRD 95 Neuropathologen registriert. 13 übten keine ärztliche Tätigkeit aus.

Literatur

  • Peiffer, Schröder, Paulus: Neuropathologie; Springer, Berlin, ISBN 3540413332
  • Via medici-Buchreihe: Berufsplaner Arzt; Markus Vieten, Thieme Verlag, ISBN 3131161051

Weblinks

  • Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie
  • Weiterbildungsordnung
  • Artikel der Ärztezeitung zur Bestattung dreier NS-Kindergehirnpräparate
  • Examensfragen für Neuropathologie in Form eines Quiz der University of Utahpl:Neuropatologia
Von "http://de.wikipedia.org/Neuropathologie"



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Neuropathologie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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