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Erbrechen

Erbrechen ist die schwallartige Entleerung des Magen- oder Speiseröhreninhaltesentgegen der natürlichen Richtung durch die Speiseröhre und den Mund. Es ist meist mit einem brennenden Gefühl in der Speiseröhre verbunden, das durch den säurehaltigenMagensaftverursacht wird.

Die medizinischenFachbegriffe für das Erbrechen sind Emesis (griechisch) und Vomitus (lateinisch). Vom Englischenins Deutsche übernommen und auch verwendet wird gelegentlich der Begriff ?regurgitieren?.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ursachen
    • 1.1 Medikamente und äußere Reize
    • 1.2 Erkrankungen des Gehirns
    • 1.3 Erkrankungen der Verdauungsorgane
    • 1.4 Psychische Störungen
    • 1.5 Erbrechen während der Schwangerschaft
  • 2 Erbrechen bei Tieren
  • 3 Folgen und Komplikationen
  • 4 Erkrankungen
    • 4.1 Magen- und Darmerkrankungen
    • 4.2 Gehirnkrankheiten
    • 4.3 Stoffwechselentgleisungen
    • 4.4 Äußere Ursachen
  • 5 Behandlung
    • 5.1 Hausmittel
  • 6 Therapeutisches Erbrechen
  • 7 Angst vor dem Erbrechen
  • 8 Kulturelle Aspekte
  • 9 Weblinks
  • 10 Verwandte Themen

Ursachen

Das Erbrechen wird durch einen komplizierten Nervenmechanismusvom Brechzentrum(u. a. Area postrema) in der Medulla oblongatades Hirnstammesgesteuert. Beim Brechreflexsind der zehnte Hirnnerv(der Nervus vagus) und der Nervus glossopharyngeus, Nerven der Atemwege, Nerven für die Bauchmuskelnund das Zwerchfellaktiviert.

Medikamente und äußere Reize

Erbrechen kann durch die Verabreichung von Emetikaoder indirekt über die Rachenhinterwand- oder Magenschleimhaut, die Geruchs- oder Geschmacksorgane oder über das Gleichgewichtsorganausgelöst werden, aber auch als psychovegetative Reaktion auf optische oder akustische Reize.

Erkrankungen des Gehirns

Auch eine direkte Reizung des Brechzentrums z. B. durch erhöhten Hirndruck, chemische Stoffe oder diffuse andere Hirnerkrankungen kann Erbrechen auslösen.

Erkrankungen der Verdauungsorgane

Die Ursachen des Erbrechens sind vielfältig und reichen von vorübergehenden Magen-Darm-Infektenzu nicht minder schwerwiegenden Erkrankungen wie zum Beispiel Speiseröhrenerkrankungen oder Magen- und Darmerkrankungen. Auch durch Medikamente(sogenanntes medikamenteninduziertes Erbrechen, vor allem durch Zytostatika) und bei Vergiftungenz. B. durch Pilze oder bei übermäßiger Alkoholzufuhrkann es zu Erbrechen kommen.

Vor allem bei kleinen Kindernkönnen auch HustenanfälleErbrechen auslösen. Nach der Gabe von Chemotherapien bzw. nach Strahlentherapie bei Krebs treten Übelkeit und Erbrechen entweder sofort oder verzögert nach einigen Tagen auf. In der heutigen Medizin wird dies jedoch weitestgehend durch die vorsorgliche Gabe von Gegenmitteln (hier Antiemetika) verhindert. Eine andere Ursache für Übelkeit und Erbrechen können Stoffwechselentgleisungen sein: Urämie, Leberversagen, Blutzuckerveränderungen.

Psychische Störungen

Willentlich herbeigeführtes Erbrechen kann ein Symptomeiner Essstörungwie der Anorexia nervosaoder Bulimia nervosasein, aber auch bei anderen psychischen Störungenwie dissoziativen Störungenund hypochondrischen Störungenauftreten.

Erbrechen während der Schwangerschaft

Schwangerschaftserbrechenund Hyperemesis gravidarum

Erbrechen bei Tieren

Bei einigen Tierartenwird das Erbrechen verwendet, um Nahrungan andere Artgenossen weiterzugeben (Trophallaxis) oder auch um mit der Zeit aufgenommene (unverdauliche) Haarballenzu entsorgen, so zum Beispiel bei Katzen.

Folgen und Komplikationen

Beim Erbrechen geht Flüssigkeitund Magensäureverloren, so dass es zu einem Mangel an Flüssigkeit und Elektrolytenim Körper kommen kann. Auch kann es durch das Erbrechen zu einer Reizungder Speiseröhre und zu einem Einriss in der unteren Speiseröhre kommen (Mallory-Weiss-Syndrom, Boerhaave-Syndrom). Bei häufigem Erbrechen können auch die Zähnein Mitleidenschaft gezogenwerden. Beim Erbrechen ist die Aufnahme von Wirkstoffen über den Magen und Darm nicht gewährleistet, so daß ein anderer Weg der Wirkstoffzufuhr gewählt werden sollte ( intravenös, subcutanetc).

Erkrankungen

Magen- und Darmerkrankungen

  • Speiseröhrenerkrankungen
    • Achalasie
    • Speiseröhrenkrebs
    • Speiseröhrendivertikel
    • Mediastinaltumoren einschl. Bronchialkarzinom
  • Magenerkrankungen
    • akute Gastritis
    • Magengeschwür
    • Magen-Darm-Infekt (sogenannte Magen-Darm-Grippe)
    • Pylorospasmus (bei Kindern)
      • Magenausgangsverschluss
  • Dünndarm- und Dickdarmerkrankungen
    • akuter entzündlicher Brechdurchfall (Gastroenteritis)
    • Darmverschluss
  • Leber-, Galle-, Pankreaserkrankungen
  • akute Bauchfellentzündung

Gehirnkrankheiten

  • Hirnhautentzündung
  • Gehirnentzündung
  • Migräne
  • Glaukom
  • Reisekrankheit
  • Störungen des Gleichgewichtssinnes
  • Menièresche Krankheit
  • Veränderungen des Hirndrucks
  • Gehirnerschütterung

Stoffwechselentgleisungen

  • Zuckerentgleisung
  • Lactatazidose
  • Urämie
  • schwere Schilddrüsenüberfunktion
  • Addisonsche Krankheit(Nebennierenrindeninsuffizienz)

Äußere Ursachen

  • Medikamente
    • Digitalis
    • Zytostatika
    • Opiate/ Opioide
  • Vergiftungen
    • Pilzgifte
    • Alkohol

Behandlung

Die Behandlung des Erbrechens sollte sich nach den Ursachen richten. Bei Gleichgewichtsstörungenwerden erfolgreich Antihistaminika(z. B. Diphenhydraminund Doxylamin) oder Anticholinergika(z. B. Scopolamin) eingesetzt. Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einem Migräne-Anfall werden üblicherweise mit Prokinetika(z. B. Metoclopramidund Domperidon) behandelt, die zusätzlich die Aufnahme von Migränetherapeutika beschleunigen. Bei Erbrechen im Rahmen der Chemotherapiemaligner Tumoremit Zytostatikasind Setrone(5-HT3-Antagonisten, z. B. Ondansetronund Tropisetron) und das KortikoidDexamethasonwirksam. Bei psychischen Essstörungen(Anorexia nervosaund Bulimie) ist eine psychiatrische Abklärung wichtig.

Problematisch bei der Behandlung des Erbrechens ist die mangelhafte Aufnahme von Medikamenten, die in Form von Tabletten oder Tropfen gegeben werden. In leichteren Fällen die genügt die rektale Verabreichung eines Antiemetikumswie Domperidon oder Diphenhydramin als Zäpfchen. In schwereren Fällen kann eine parenteraleMedikamentengabe und zusätzlich ein Flüssigkeits- und Salzausgleich notwendig sein.

Die Art des Erbrochenen kann diagnostisch bedeutsam sein, so z. B. bei:

  • Bluterbrechen(Hämatemesis)
  • Koterbrechen(Miserere oder Kopremesis), bei Darmverschluss (Ileus), prognostisch oft ungünstig
  • Galleerbrechen.

Bei Vergiftungenkann das Erbrochene wichtige Hinweise auf deren Ursache geben.

Hausmittel

Bei leichtem und nicht lange anhaltendem Erbrechen (z. B. durch einen Magen-Darm-Virus, verdorbenes Essenoder ungefährliche Mengen Alkohol) ist es empfehlenswert, ein oder zwei Tage nichts zu essenund nur Wasser, ungezuckertenKräuterteeoder schwachen Schwarzteezu trinken. Als Hausmittelhaben sich schwacher Schwarztee als Getränkund nach ein paar Stunden trockenes, ungetoastetesToastbroteingebürgert. Nach etwa einem Tag kann dann problemlos Brüheeingenommen werden. Als Alternative zum faden Geschmack des Teesbietet sich ab dem zweiten Tag Colaohne Kohlensäure(durch längeres Rühren) an. Der Speiseplan sollte für die nächsten Tage zunächst mageres Essenbieten, bis sich der Magen erholt hat.

Therapeutisches Erbrechen

Bei einer akuten Vergiftungversucht man, durch induziertes Erbrechen die Resorption des Gifteszu verringern bzw. zu verhindern.

Diese Maßnahme darf nicht durchgeführt werden bei (Kontraindikationen):

  • Bewusstseinsstörungdes Patienten
  • Vergiftung mit Säurenoder Laugen(zusätzliche Schädigung durch zweiten Kontakt mit Speiseröhre und Mund)
  • Vergiftungen mit schaumbildenden Stoffen oder organischen Lösungsmitteln (wegen Aspirationsgefahr)
  • Atem-/Kreislaufstörungen

Das Erbrechen kann dabei mit folgenden Stoffen ausgelöst werden:

  • Kochsalzlösung(wegen möglicher Natrium-Vergiftung nicht mehr empfohlen!)
  • Apomorphin- bei Kindern kontraindiziert
  • Ipecacuanha-Sirup- bei Kindern und Erwachsenen anzuwenden, Latenz von 20-30 Minuten. Keine vorherige therapeutische Gabe von Aktivkohle.

Der Stellenwert des therapeutischen Erbrechens bei der akuten Vergiftung hat zugunsten von Maßnahmen wie der Magenspülung und vor allem der der Gabe von Kohlestark abgenommen.

Angst vor dem Erbrechen

Die krankhafte Angstvor dem Erbrechen nennt man Emetophobie.

Kulturelle Aspekte

Das Erbrechen spielt weltweit in vielen magischen bzw. ekstatischen Praktiken ein wichtige Rolle. Unter diesem Aspekt wurde das "Kotzen" von dem Tübinger Ethnologen Thomas Hauschilduntersucht.

Weblinks

  • http://www.m-ww.de/pharmakologie/arzneimittel/magen_darm/antiemetika.html
  • http://reisemedizin.wetteronline.de/Grundausruestung/erbrechen.html

Verwandte Themen

  • Emetikum- Brechmittel
  • Regurgitation- Zurückfließen des Inhaltes von Hohlorganen, wie Speiseröhre oder Adern
  • Refluxösophagitis- entzündliche Erkrankung der Speiseröhre
  • Ruktation
  • Rumination
  • Singultus- Schluckauf
  • Würgen



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Erbrechen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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