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Das maligne neuroleptische Syndrom (MNS) ist eine seltene Nebenwirkungder Einnahme von Neuroleptika. Es stellt einen in der Psychiatriegefürchteten Notfall dar, weil es schnell verläuft und rasch lebensbedrohliche Komplikationenverursachen kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Entstehung des MNS
- 1.1 Dopaminmangel-Hypothesen
- 1.2 Szenario eines MNS
- 1.3 Auslösende Arzneistoffe
- 1.4 Risikofaktoren
- 2 Symptome
- 3 Differenzialdiagnose
- 4 Behandlung
- 5 Verlauf und Prognose
- 6 Literatur
- 7 Weblinks
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Entstehung des MNS
Dopaminmangel-Hypothesen
Es existieren verschiedene Hypothesenzur Entstehung des MNS. Als Ursache wird generell ein Dopaminmangeldurch postsynaptischeD2-Blockadevermutet.
Wodurch Muskelsteife und -zerfall (siehe Symptome) bedingt sind, ist bislang ungeklärt.
Szenario eines MNS
Das maligne neuroleptische Syndrom kann im Prinzip jederzeit während einer Neuroleptika-Therapieentstehen. 96% aller MNS-Fälle treten jedoch innerhalb von 4 Wochen nach Beginn der Einnahme auf, wiederum die meisten davon in den ersten 1-3 Tagen. Neben Neuroleptika kommen auch andere ZNS-wirksame Stoffe als Auslöser in Frage.
Selten kann ein MNS auch nach einer Dosiserhöhungoder während einer niedrig dosierten Behandlung auftreten (dies nur bei hochpotentenSubstanzen wie beispielsweise Haloperidol).
Das Risiko eines MNS ist bei den atypischen Neuroleptikaoffenbar geringer als bei den älteren Substanzen. Es ist dennoch nicht Null (während etwa um 1970-1980noch angenommen wurde, dass z. B. Clozapinkein MNS auslöst).
Auslösende Arzneistoffe
Als Auslöser eines MNS kommen in Betracht:
- Carbamazepin
- Chlorpromazin, Perazin, Pipamperon, Triflupromazin(niederpotente Neuroleptika)
- Chlorprothixen, Flupentixol(Thioxanthene)
- Desipramin, Trimipramin(Trizyklische Antidepressiva)
- Domperidon, Metoclopramid(Prokinetika)
- Fluphenazin, Perphenazin(Phenothiazineallgemein)
- Haloperidol, Benperidol, Melperon(Butyrophenone)
- Lithium
- Pimozid
- Risperidon, Zotepin(atypische Neuroleptika)
- Sertralin, Escitalopram(SSRI)
- Sulpirid, Amisulprid(Benzamide)
- Tiaprid
- Venlafaxin(SNRI)
- und andere mehr.
Risikofaktoren
Die Entstehung des malignen neuroleptischen Syndroms kann durch Risikofaktoren begünstigt werden.
Dazu zählen beispielsweise
- MNS in der Anamnese
- speziell in den ersten beiden Wochen nach einem MNS besteht extremes Risiko des Wiederauftretens
- rasche Dosiserhöhungeines Neuroleptikums
- Einnahme hochpotenter (stark antipsychotisch wirkender) Neuroleptika
- hohe Dosierung
- bestehende Gehirnschäden
- Neuroleptika-Verabreichung an Kinder oder Jugendliche
- parenteraleNeuroleptika-Verabreichung (i. v., i. m.)
Symptome
Das maligne neuroleptische Syndrom ist typischerweise gekennzeichnet durch
- extrapyramidal-motorische Störungen - darunter
- Akinese, Rigor; extreme Muskelsteife(Rigidität) (ähnlich dem Befund bei maligner Hyperthermie)
- nur gelegentlich: Tremor
- Hyporeflexie
- Opisthotonus, Trismus
- Blickkrämpfe, u. a.
- VegetativeEntgleisung - beispielsweise mit
- Fieber, starkem Schwitzen
- Tachykardie, Tachypnoe, Blutdruckänderungen
- Inkontinenzoder Harnverhalt
- psychische Störungen - z. B.
- Stupor
- Verwirrtheit
- Mutismus
- Bewusstseinsstörungen bis zum Koma
- Katatonie
- auffällige Laborbefunde - etwa
- extreme CK- sowie Transaminasen-Erhöhung
- Myoglobinurie(bei Rhabdomyolyse)
- Leukozytose
- metabolische Azidose
Differenzialdiagnose
Dem MNS ähnliche Bilder können auftreten bei
- Serotonin-Syndrom
- Maligner Hyperthermie(in der Anästhesie)
- Hitzschlag
- hypokinetischer Krise(beim Parkinson-Syndrom)
- Infektionendes ZNS
- Drogengebrauch
- febrile Katatonie(bei schizophrener Psychose)
Behandlung
Wichtigste Maßnahme und kausale Therapie ist das Absetzen des auslösenden Medikaments.
Alle weiteren Maßnahmen sind eher unterstützend und beziehen sich auf die Sicherung der Lebensfunktionen (ggf. Beatmung, Rehydratation) und auf die Vermeidung weiterer Komplikationen (etwa durch Wadenwickel zur Fiebersenkung).
An Medikamentenwerden u. a. eingesetzt:
- Heparinzur Thrombose- und Embolie-Prophylaxe
- Benzodiazepinezur Muskelrelaxation, auch zur Sedation
- Dantrolenzur Beherrschung der Muskelrigidität (siehe maligne Hyperthermie)
- Amantadinoder Bromocriptinzur Behebung der Akineseund der Parkinson-Symptome
Verlauf und Prognose
Das MNS beginnt meistens hochakut und fulminant. Die Eintrübung, sowie besonders Muskelstarre und Fieber können dabei rasch zunehmen und schnell eine lebensgefährliche Dekompensation (Endpunkt: Multiorganversagen) bewirken. Das maligne neuroleptische Syndrom muss darum auf der Intensivstationbehandelt werden.
Die Letalitätdes MNS beträgt unbehandelt (s. d.) bis 20 Prozent. Sie ist in letzter Zeit rückläufig.
Entscheidend für den Verlauf des MNS sind
- das Erkennen der Erkrankung, und
- das sofortige Absetzen des Neuroleptikums.
Die Dauer einer MNS-Erkrankung beträgt insgesamt etwa 5 bis 10 Tage.
Ein malignes neuroleptisches Syndrom kann in der Zeit nach überstandener Erkrankung besonders schnell wieder auftreten. Daher kann jegliche neuroleptische Medikation nur extrem vorsichtig wieder aufgenommen werden, möglichst mit niederpotenten Stoffen oder atypischen Neuroleptikaund in niedrigen Dosen.
Literatur
- H.-J. Assion, H.-P. Volz (Hrsg.); Malignes neuroleptisches Syndrom - Sklettmuskelstarre, Hyperthermie, Stupor. G.Thieme Verlag, Stuttgart, 2004. ISBN 3-13-133171-2
Weblinks
- ÜberblicksartikelNeuroleptic Malignant Syndrome: A Primary Care Perspective (engl., PDF)
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Malignes Neuroleptisches Syndrom aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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