|
Als akute Bronchitis wird eine neu entstandene Entzündungder größeren verzweigten Atemwege - der Bronchien- mit Husten, Schleimproduktion und Fieber sowie weiteren Allgemeinsymptomen bezeichnet. Wenn - wie das häufig der Fall ist - auch die Luftröhremit betroffen ist, spricht man von einer akuten Tracheobronchitis.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Zusammenfassung
- 2 Epidemiologie
- 3 Ätiologie
- 4 Symptome und Befunde
- 5 Diagnose
- 6 Differentialdiagnose
- 7 Therapie
- 7.1 Antibiotika
- 7.2 Hustenmittel
- 7.3 Bronchodilatoren
- 8 Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei akuter Bronchitis
- 8.1 Kühle, feuchte und frische Luft
- 8.2 Nahrungsmittel, die nicht kratzen
- 8.3 Entlastung des Immunsystems
- 8.4 Kaltwasseranwendungen (Kneippsche Güsse)
- 8.5 Anpassung der Temperaturregulation
- 8.6 allzulange Bettruhe ist zu vermeiden
- 9 Prognose
- 10 Prophylaxe
- 11 Siehe auch
- 12 Weblinks
|
Zusammenfassung
Die Diagnose einer akuten Bronchitis ist eine der meistgestellten Diagnosen in Allgemeinpraxen, obwohl bezüglich Definition und Pathophysiologieoft Unklarheiten bestehen. Sie ist in bis zu 95% die Folge einer viralenInfektion- die allerdings den Boden für eine bakterielle Superinfektionbereiten kann. Dennoch wird sie meist primär antibiotisch behandelt, obwohl es wenig gesicherte Hinweise für die Wirksamkeit von Antibiotika bei dieser Indikationgibt.
Epidemiologie
Ein Grund für die häufige Diagnose ist die unreflektierte Zusammenfassung verschiedener Krankheitsbilder unter diesem Begriff. Da klare krankheitsspezifsche Symptome ebenso wie richtungsweisende Laborparameter fehlen, wird oft jeder Husten bei Infekten der oberen Luftwege, allergischen Syndromenoder sogar eine Sinusitisals Bronchitis bezeichnet.
Die tatsächliche akute Bronchitis ist meist viralbedingt. Das Erregerspektrum ist jenem bei banalen Erkältungen sehr ähnlich. Für den kleinen Teil der bakteriellverursachten Bronchitiden sind meist Mykoplasmen(Mycoplasma pneumoniae) und Chlamydien(Chlamydia pneumoniae) verantwortlich.
In einer Studie konnte belegt werden, dass Patienten mit akuter Bronchitis eine auf das 6,5-fach erhöhte Prävalenzvon Asthma bronchialein ihrer Vorgeschichte aufwiesen und ein 9-fach erhöhtes Risiko hatten, in der Folge die Diagnose eines Asthma bronchiale gestellt zu bekommen. Das ist ein Hinweis auf eine beiden Krankheitsbildern zugrundeliegende bronchiale Hyperreagibilität.
Eventuell spielt eine unbehandelte Chlamydieninfektionder Luftwege eine wichtige Rolle für den Wandel einer akuten Bronchitis in ein Asthma bronchiale.
Ätiologie
Die Datenlage, in wieviel Prozent der Fälle eine Virus-, Bakterien- oder Pilzinfektion der Bronchien vorliegt oder auch nicht infektiöse Ursachen anzuschuldigen sind, ist , wenn man die Häufigkeit und die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Krankheit betrachtet, ziemlich bescheiden.
Die DRGCodierung der Krankheiten im deutschen Gesundheitswesen unterscheidet mehrere verschiedene erregerbezogene Formen der akuten Bronchitis. Auch wird die Diagnose mit Keimnachweis besser vergütet. Es wäre also zu erwarten, daß sich zunehmend bessere Aussagen über die einzelnen Erreger der akuten Bronchitis machen lassen. Leider werden die Daten hierzu noch kaum veröffentlicht und kritisch gesichtet.
In der Codierung werden explizit folgende Erreger unterschieden:
- J20.0 Akute Bronchitis durch Mycoplasma pneumoniae
- J20.1 Akute Bronchitis durch Haemophilus influenzae
- J20.2 Akute Bronchitis durch Streptokokken
- J20.3 Akute Bronchitis durch Coxsackieviren
- J20.4 Akute Bronchitis durch Parainfluenzaviren
- J20.5 Akute Bronchitis durch Respiratory-Syncytial-Viren [RS-Viren]
- J20.6 Akute Bronchitis durch Rhinoviren
- J20.7 Akute Bronchitis durch ECHO-Viren
- Akute Bronchitis durch Influenza- und Parainfluenzaviren
Symptome und Befunde
Husten und obstruktive Symptome wie der oft vorhandene Stridorwerden durch die Entzündung der Bronchialschleimhaut mit dadurch bedingter Schwellung und Schleimproduktion verursacht.
Der Husten ist zunächst meist trocken, da die Schwellung der Schleimhäute aufgrund der infektbedingten gesteigerten Durchblutung (lat.: Hyperämie) der Produktion von Schleim vorangeht, mit dessen Bildung wird der Husten "produktiv". Der Auswurf - in der medizinischen Fachsprache als Sputumbezeichnet - ist zäh- oder dünnflüssig, bei viraler Entzündung klar bis gräulich, oft aber auch - wie bei einer bakteriellen Entzündung - gelb-grün gefärbt.
Bei der spastischenBronchitis kann die krampfende Muskelkontraktion der Bronchien röchelnde und pfeifende Atemgeräusche verursachen und das Abhusten erschweren.
Die mittels Spirometriebeurteilte Lungenfunktionzeigt bei ca. 60% der Patienten ähnliche Werte wie bei einem milden Asthma bronchiale. Da sich dieses bei wiederkehrenden akuten Bronchitiden, die durch Chlamydien hervorgerufen wurden, möglicherweise entwickeln kann, sollten sich Patienten nach Abklingen der akuten Symptomatik einer Kontrolle unterziehen.
Diagnose
Die körperliche Untersuchung kann wohl die Verlegung der Atemwege bestätigen, wichtiger ist jedoch die Anamnese: oft ist ein nächtlicher Husten das alleinige Symptom einer akuten Bronchitis. Routinemäßig durchgeführte Untersuchungen des Sputumsbringen entweder keine Ergebnisse oder sind nicht kosteneffektiv. In den 25% der Fälle, die an einem länger als vier Wochen anhaltenden Husten leiden, sollte jedoch eine Keuchhustenserologieveranlasst werden. Auch ist die Milz in den meisten Fällen um einiges vergrößert. Dies lässt sich mit einer Ultraschalluntersuchung leicht herausfinden.
Differentialdiagnose
- Banale Erkältung
- Grippe
- Keuchhusten
- Bronchialasthma
- Refluxösophagitis
- berufliche Exposition gegenüber toxischen oder allergogenenSubstanzen
- Lungenentzündung
- Herzinsuffizienz
- Bronchuskarzinom
- Schluckstörungenmit Aspirationen
- Lungenaspergilloseund Aspergillom
Therapie
Antibiotika
Der Patient, der schon einmal ein Antibiotikumbei einer banalen Infektion der Luftwege erhalten hat, wird aufgrund der baldigen Besserung der Beschwerden bei einer nächsten ähnlichen Episode wieder ein Antibiotikum von seinem Arzt verlangen. Der Arzt selbst wird es im Zweifelsfall verordnen, denn die Erwartungshaltung seitens der Patienten ist groß. Für die Wirksamkeit von Antibiotika bei der akuten Bronchitis gibt es jedoch wenig Anhaltspunkte. Sogar bei nachgewiesener Infektion mit Mykoplasmen(z. B. M. pneumoniae) gibt es wenig gesicherte Daten, die den Nutzen einer Antibiotikagabe belegen. Die Gabe des richtigen Antibiotikums zur richtigen Zeit erfordert hier wie bei anderen Erkrankungen ärztliche Kunstfertigkeit.
Hustenmittel
Die Gabe eines den Hustenreiz stillenden Mittelskann kontraproduktiv sein, da das produzierte Sputumabgehustet werden sollte. Bei Klagen über eine gestörte Nachtruhe muss an eine Refluxösophagitisoder eine Herzinsuffizienzgedacht werden, die beide im Liegen deutlich vermehrt Symptome verursachen können. Ansonsten liegen kaum Daten über den sinnvollen Einsatz von den Hustenreiz stillendenoder das Abhusten erleichternden Mittel (Expektorantien) vor.
Bronchodilatoren
Die Studien, die den Nutzen von das Bronchialsystemerweiternden Substanzen (Bronchodilatoren) belegten, waren fast alle klein. Eine mittelgroße Studie konnte keinen Nachweis für deren Wirksamkeit erbringen. Für Säuglinge und Kleinkinder mit spastischerBronchitis steht die Erleichterung der Atmung im Vordergund.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei akuter Bronchitis
Es gibt eine Reihe von nicht medikamentösen Maßnahmen, die ein Patient mit akuter Bronchitis als
angenehm empfindet und die wahrscheinlich hilfreich sind. Bei der guten Spontanheilungsrate ist allerdings ein Wirkungsnachweis nur schwer zu führen. Brauchbare Aussagen erhält man von Patienten, die rezidivierendimmer wieder unter einer akuten Bronchitis zu leiden haben. Nach dem Ausprobieren der verschiedensten Maßnahmen bleiben meist 3 oder 4 Maßnahmen übrig, die diese Patienten als wirksam erachten:
Kühle, feuchte und frische Luft
Da eine Entzündung der Bronchien vorliegt, wird kühle, feuchte und frische Luft als lindernd empfunden. Meist schläft der Patient mit immer wieder auftretender Bronchitis warm eingepackt bei offenem Fenster, es sei denn es herrscht sehr kalte trockene Winterluft unter - 10 Grad Celsius. Trockene, warme Luft wird als unangenehm betrachtet und gemieden. Die Empfindlichkeit gegenüber Luftschadstoffen wie beispielsweise Zigarettenrauch ist erhöht.
Nahrungsmittel, die nicht kratzen
Da bei der akuten Bronchitis meist auch der Rachen mit entzündet ist, werden flüssige Nahrungsmittel wie Wasser und Milch, Apfelbrei und Joghurt als angenehm, hingegen bröselige trockene Nahrungsmittel als unangenehm empfunden.
Entlastung des Immunsystems
Bei Säuglingen und Kleinkindern bis ca. 2 Jahren kann Kuhmilchdas Immunsystembelasten und zu rezidivierenderoft spastischer Bronchitis führen. Entlastung bieten andere Sorten Milch, vor allem Ziegenmilchwird gut angenommen.
Kaltwasseranwendungen (Kneippsche Güsse)
Kurzfristig Kaltwasseranwendungen wie Arm-, Bein- oder Oberkörpergüsse führen zu einer Aktivierung des Sympathikus, damit zu einer Weitstellung der Bronchien und Nasenhöhlen und werden meist als angenehm und krankheitsverkürzend empfunden.
Anpassung der Temperaturregulation
Im Rahmen der akuten Bronchitis herrscht ein ziemliches Durcheinander der Temperaturregulation im Körper. Man kann gleichzeitig an den Füßen frieren und am Kopf schwitzen. Die Schwitzneigung ist generell verstärkt. Bereits bei geringer Anstrengung kommt man vermehrt ins Schwitzen um kurz danach wieder zu frieren, da man mit verschwitzter Kleidung schnell friert. So muß man ständig in Sachen Temperaturregulation nachhelfen: Ist der Körper verschwitzt, sollte man ihn kalt abwaschen und wieder trockene Kleidung anziehen. Friert man, dann sollte man sich warm anziehen und sich bewegen, um die Körpertemperatur wieder anzuheben.
allzulange Bettruhe ist zu vermeiden
Da man bei leichter Körperaktivität die Bronchien erweitert und besser abhustet, ist ein gemütlicher Spaziergang im Wald 2-3 mal täglich von etwa 30 - 60 Minuten Dauer wahrscheinlich besser als eine dauernde Bettruhe. Allerdings ist die Voraussetzung, daß man nicht hohes Fieber hat und der Kreislauf kollaptisch wird.
Prognose
Die akute Bronchitis heilt meist ohne Behandlung nach mehreren Tagen oder manchmal Wochen ohne Komplikationen ab. Die Symptome halten meist für nicht länger als 10 Tage an. In seltenen Fällen kann der Husten mehrere Monate bestehen, wobei dann an einen Keuchhusten, ein Asthma bronchialeoder cardiale, eine Tumorbildungoder eine chronische Pneumoniegedacht werden sollte.
Prophylaxe
- Für Raucher besteht das beste Mittel zur Verhinderung (wiederkehrender) akuter Bronchitiden darin, mit dem Rauchenaufzuhören.
- Die empfohlenen Schutzimpfungen- gegen Grippe und Keuchhusten (auch für Erwachsene) - reduzieren die Gefahr, sowohl an diesen Leiden wie auch aufgrund des geschwächten Allgemeinzustandes an eventuellen Folgeerkrankungen zu erkranken.
Siehe auch
- chronische Bronchitis
- COPD
- Entzündung der Luftröhre
Weblinks
- Akute Bronchitis - Patienteninfo von NetDoktor.at
- AWMF Leitlinien
- Akute Bronchitis (englisch)
- The Merck Manual of Diagnosis and Therapy (englisch)
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Akute Bronchitis aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|