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Bei der Lungenentzündung oder Pneumonie handelt es sich um eine akuteoder chronischeEntzündungdes Lungenparenchyms. Sie wird meist durch eine Infektionmit Bakterien, Virenoder Pilzenverursacht, selten auch toxischdurch Inhalationgiftiger Stoffe oder immunologisch.
Nach der Statistik der Weltgesundheitsorganisationist die Lungenentzündung die weltweit häufigste zum Tode führende Infektionskrankheit.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einteilung
- 1.1 Primäre und sekundäre Lungenentzündungen
- 1.2 Typische und atypische Pneumonien
- 1.3 Klinische Einteilung
- 2 Risikogruppen
- 3 Symptome
- 4 Diagnostik
- 4.1 Allgemeine Diagnostik
- 4.2 Weiterführende Diagnostik
- 4.3 Diffentialdiagnosen
- 5 Therapie
- 5.1 Therapie der unkomplizierten, primären interstitiellen Lungenentzündung
- 5.2 Therapie der unkomplizierten primären Lobärpneumonie
- 5.3 Therapie von sekundären und nosokomialen Lungenentzündungen
- 5.4 Spezifische Therapie
- 6 Pflege
- 7 Komplikationen
- 8 Prognose
- 9 Vorbeugung
- 10 Literatur
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Einteilung
Da die Einteilung der Pneumonien nach Erreger (Bakterien, Viren, Mykoplasmen, Pilze, Protozoen, obligat intrazelluläre Bakterien (Rickettsien, Chlamydien), Würmern) aus klinischen Gesichtspunkten nicht sinnvoll ist, haben sich folgende Klassifizierungen durchgesetzt, welche für die weitergehende Diagnostikund Therapievon entscheidender Bedeutung sind:
Primäre und sekundäre Lungenentzündungen
Man unterscheidet primäre und sekundäre Pneumonien. Bei letzteren findet sich ein prädisponierenderFaktor oder ein auslösendes Ereignis für die Lungenentzündung.
Erreger primärer Lungenentzündungen sind meistens Pneumokokken, Staphylokokkenund Virenwie der Grippevirus, Adenovirusund Parainfluenzaviren. Das Erregerspektrum verschiebt sich bei sekundären Pneumonien zu Viren der Herpes-Gruppe, Pilzen, Pneumocystis carinii, Protozoen (Toxoplamose), sowie anaeroben Bakterien.
Prädisponierende Faktoren für sekundäre Pneumonien sind:
- pulmonale Grunderkrankungen wie z. B. COPD, Mukoviszidose, Bronchiektasenoder Lungenemphysem.
- allgemeine Abwehrschwäche, wie z. B. bei HIV-Infektion, Chemotherapie, Immunsuppression, Krebs, Diabetes mellitusoder Alkoholismus.
- Allergien.
- Alter.
Auslösende Ereignisse für sekundäre Pneumonien sind:
- Aspirationvon Magensäure, Speiseresten, Öl, Wasser, Fremdkörpern.
- Bettlägerigkeit (durch die flache, behinderte Atmung).
- Strahlenexposition.
- Lungenembolien.
- Verlegung eines Bronchus, z. B. durch ein Bronchialkarzinom("Krebspneumonie").
Typische und atypische Pneumonien
Durch die Einführung von Antibiotika, Chemotherapeutikaund Immunsuppressiva, aber auch durch die allgemein gestiegene Lebenserwartung hat sich das Spektrum der Pneumonien in den letzten 70 Jahren deutlich verändert. Waren früher vor allem Pneumokokkenfür Lungenentzündungen verantwortlich, so sind es heute eher Viren und obligat intrazelluläre Bakterien.
Analog zu typischer oder klassischer und atypischer Pneumonie wird häufig auch die Lokalisation der Entzündung als Kriterium herangezogen: Lobär- und interstitielle Pneumonien.
- Die typische Lobärpneumonie beginnt akut, ist auf einen oder mehrere Lungenlappenbeschränkt, geht mit Fieber, Schüttelfrost, Husten, eitriger Schleimbildung, reduziertem Allgemeinzustand und typischen Auskultationszeicheneinher. Im Blut finden sich Entzündungszeichen: Erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, Leukozytose, erhöhte akute-Phase-Proteine. Pleuraergüssesind häufig und ausgeprägt. Erreger sind meistens Pneumokokken(Streptococcus pneumoniae), aber auch Staphylokokkensowie Klebsiellen, Pseudomonasoder Proteus. Bei älteren Patienten können die Entzündungszeichen (Fieber, typische Blutwerte) bei Vorliegen einer Lobärpneumonie trotzdem fehlen.
- Atypische oder interstitielle Pneumonien beginnen häufig weniger akut, gehen mit nur mäßigem Fieber einher und werden meist von Kopf- und Gliederschmerzen begleitet. Bei dieser Art der Pneumonie werden die Erreger (meist Viren; außerdem Chlamydien, Rickettsien, Mykoplasmen, Legionellen, Pneumocystis carinii) durch Alveolarmakrophagen aufgenommen und gelangen somit ins Insterstitium, wodurch sie sich von den alveolären Pneumonien unterscheiden. Das Entzündungsgeschehen findet also im "Gerüst" der Lunge statt! Ein unproduktiver Husten (keine Eiterbildung) sowie typische das Interstitium nachzeichnende Strukturen im Röntgenbild sind sichere klinische Zeichen
- Dazwischen anzusiedeln ist die Bronchopneumonie, die sich als sekundäre Pneumonie aus einer absteigenden Bronchitisentwickelt und durch eine herdförmige Verteilung im Lungengewebe auffällt.
Zwischen den beiden Polen 'typische' und 'atypische' Pneumonie verlaufen die meisten Pneumonien. Von Ihrer Ausprägung ist die Diagnostik und Therapie abhängig.
Klinische Einteilung
Für den weiteren Verlauf, weitergehende Diagnostik und Therapie ist die Einteilung in
- ambulantund
- nosokomiale, d. h. im Krankenhaus erworbene,
Pneumonien äußerst wichtig, da bei ersteren die Prognose besser und die begonnene Therapie in der Regel weniger aggressiv ist.
Risikogruppen
Klassische Risikogruppen für Pneumonien erkranken in der Regel an sekundären Pneumonien. Ein erhöhtes Risko haben Menschen mit folgenden Merkmalen oder Erkrankungen:
- pulmonale Grunderkrankungen wie z. B. COPD, Mukoviszidose, Bronchiektasen, oder Lungenemphysem.
- allgemeine Abwehrschwäche, wie z. B. bei HIV-Infektion, Chemotherapie, Immunsuppression, Krebs, Diabetes mellitusoder Alkoholismus.
- Allergien.
- Hohes Alter.
Außerdem können bestimmte Ereignisse das Risiko einer Pneumonie erhöhen:
- Aspiration von Magensäure, Speiseresten, Öl, Wasser, Fremdkörpern.
- Bettlägrigkeit (durch die flache, behinderte Atmung).
- Strahlenexposition.
- Lungenembolien.
- Verlegung eines Bronchus, z. B. durch ein Bronchialkarzinom.
Symptome
Husten, Atemnot, eitriger Auswurf, Fieber, Schüttelfrost, erhöhte Atemgeschwindigkeit, erhöhter Puls, Pleuraerguss.
Husten, geringere Atemnot, wenig, meist klarer Auswurf, Kopf- und Gliederschmerzen, geringes Fieber.
Diagnostik
Die Diagnostik ist abhängig von der Art der Pneumonie. Bei nosokomialen, schwer verlaufenden und sekundären Pneumonien wird in der Regel ein Erregernachweis zur gezielten Therapieangestrebt. Im Gegensatz dazu werden unkomplizierte, primäre und ambulant erworbene Lungenentzündungen nur nach dem klinischen Bild behandelt, und erst bei Therapieversagen eine aggressivere Diagnostik und Therapie begonnen.
Allgemeine Diagnostik
- Anamnese
- Körperliche Untersuchung mit Inspektion, Auskultationund Perkussionder Lunge
- Temperaturmessung, in der Regel rektal
- Blutentnahme mit besonderem Augenmerk auf erhöhte Entzündungswerte im Blut (Leukozyten, CRP, BSG)
- Thoraxröntgen
Weiterführende Diagnostik
Bei besonderen Fragestellungen und schweren Verläufen können folgende Untersuchungen hinzu kommen:
- Computertomografieoder Magnetresonanztomografieder Lunge.
- Ultraschalldes Pleuraspalts zum Ausschluss eines Pleuraerguss.
- Pulmonalangiografiezum Ausschluss einer primären Lungenembolie.
- Erregernachweis im Blut (Blutkulturen, Sputum, Trachealsekret, Bronchialsekret, Bronchoalveolärer Lavageoder Pleuraerguss, in besonderen Fällen auch im Magensaft.
- In seltenen Fällen: Lungenbiopsie.
- Antikörpersucheund Erreger-DNA im Blut bei Verdacht auf virale Erkrankungen.
- Urin-Untersuchung bei Verdacht auf Legionellen und Pneumokokken (Antigenuntersuchung)
Diffentialdiagnosen
- Bronchialkarzinom
- Lungentuberkulose
- Lungenembolie mit Infarzierung
- Lungenfibrosen
Therapie
Die Therapie der Lungenentzündung ist abhängig von ihrer Einteilung:
Therapie der unkomplizierten, primären interstitiellen Lungenentzündung
Die Behandlung erfolgt fast ausschließlich symptomatisch, da es sich bei den Erregern zumeist um Virenhandelt, gegen die es keine wirksamen Medikamente gibt. Eine Aufnahme im Krankenhaus ist in der Regel nicht notwendig.
- Breitbandantibiotikumzur Verhinderung einer bakteriellen Superinfektion
- Fiebersenkende Maßnahmen, z. B. Wadenwickeln oder die Gabe von NSARwie Acetylsalicylsäure(ASS) ('Aspirin') oder Metamizol('Novalgin')
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Bettruhe
- Schleimlösende Maßnahmen, wie Inhalationen und schleimlösende Medikamente wie z. B. Acetylcystein(ACC) oder Ambroxol
- Hustenstillende Medikamente bei trockenem, unproduktiven Reizhusten, z. B. mit Codein
Therapie der unkomplizierten primären Lobärpneumonie
Die Behandlung erfolgt analog der Behandlung der interstitiellen Lungenentzündung, allerdings ist die Antibiotikagabe kausal. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Penicillinund Derivaten oder Makroliden, eine Besserung tritt zumeist innerhalb von 2 Tagen ein.
Therapie von sekundären und nosokomialen Lungenentzündungen
Die Therapie sekundärer Lungenentzündungen ist deutlich schwieriger und erfordert in der Regel die Aufnahme in einem Krankenhaus. Im Vordergrund steht der Erregernachweis, um eine kausale und spezifische Therapie mit Antibiotika, Antimykotikaoder Virostatikadurchführen zu können. Gerade bei nosokomialen Lungenentzündungen ist die Behandlung durch Resistenzen gegen Antibiotikaerschwert. Neben allgemeinen Maßnahmen wird bei sekundären Pneumonien immer auch die Grunderkrankung - soweit möglich - therapiert. Nach Möglichkeit wird auf eine maschinelle Beatmungverzichtet, da das Weaningsehr schwer fällt und das Risiko weiterer Lungenschädigungen noch erhöht wird......
Spezifische Therapie
- Lungenentzündung mit Viren der Herpesgruppe (Zytomegalievirus, Varicellavirus, Herpesvirus): Gabe von Virostatika ('Aciclovir', 'Ganciclovir')
- Pneumocystis-Carinii-Pneumonie (PCP), atypische Pneumonie bei Immunsupprimierten und AIDS-Kranken sowie Frühgeborenen: Frühzeitige Cotrimoxazolgabe
- Pilzpneumonien, ebenfalls bei Immunsupprimierten und bei langandauernder Antibiotikagabe: Gabe von Amphotericin B
- Aspirationspneumonien: Absaugen des Aspirats, Entfernen von Fremdkörpern
- Legionellenpneumonie, vor allem bei älteren Menschen. Übertragung durch Duschen und Klimaanlagen: Gabe von Makroliden
Pflege
Die professionelle Pflege muss auf drei Aufgaben konzentriert werden:
- Krankenbeobachtung zur Früherkennung mögl. Komplikationen wie Sauerstoffmangel, Kreislaufschwäche
- Atmungsunterstützung, z. B. durch geeignete Lagerung
- Fieberbekämpfung
Komplikationen
- Lungenabszess
- ARDS
- Pleuraergüsse/ Pleuraempyem
- Sepsis
- Chronifizierung
- SIRS
Prognose
Die Prognose ist in hohem Grade abhängig von der Einteilung. Primäre, ambulant erworbene Pneumonien haben eine sehr gute Prognose, die Letalitätliegt deutlich unter 5%. Sekundäre und nosokomiale Lungenentzündungen haben dagegen eine ausgesprochen schlechte Prognose, die sich bei aufsummierten Risikofaktoren noch mal verschlechtert.
Vorbeugung
- Impfung gegen Pneumokokkenempfohlen für Patienten mit geschwächtem Immunsystem, siehe auch Risikogruppen
- Jährliche Grippeimpfung, empfohlen für Personen über 60 Jahren und mit berufsbedingtem Kontakt zu vielen Menschen (Pflegepersonal, Kindergartenpersonal, Verkäufern)
- Haemophilus-influenza-Impfung
- Optimale Behandlung von Risikoerkrankungen
- Verzicht auf das Rauchen
- Konsequentes Tragen von Atemmasken bei Berufen mit Staubexposition
Literatur
- A. u. D. Pulford, Ravi Roy: " Pneumonie : Lungenentzündung homöopathisch behandeln". Lage und Roy Vlg., Murnau 1997. 192 S. ISBN 3-929108-88-7
- Andrea Grüber: "Lungenentzündung". Kilian, 1997. 18 S. (Reihe: Teletips vom Hausarzt 97,4)
- Konrad Morgenroth: "Abwehrsysteme der Lunge und Lungenentzündung". de Gruyter, Berlin 1991. 120 S. ISBN 3-11-012608-7
- Kasper, Braunwald, Fauci, Hauser, Logo, Jameson: "Harrison's Principles of Internal Medicine", 16th Edition, Part Nine Disorders of the respiratory system, S.1528ff, McGraw-Hill Medical Publishing Division, 2005. 2607p, +App, +Ind. ISBN 0-07-140235-7
Weblinks
- Pneumonie 2005- Eine sehr reichhaltige Informationsquelle zum Thema Pneumonie
- http://www.m-ww.de/krankheiten/atemwegserkrankungen/pneumonie.html
- http://www.rki.de/GESUND/IMPFEN/STIKO/PNEUMO.PDFStiko-Empfehlung zur Pneumokokkenimpfung
- Pneumonie - Flexicon
- http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/lungenentzuendung.htm
- http://www.medizinfo.de/immunsystem/erkaelt/pneumonie.htm
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