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Eine Hebamme (althochdeutschHev(i)anna: ?Großmutter, die das Neugeborene vom Boden aufhebt?), auch Kindsfrau (regional), ist eine staatlich geprüfte und anerkannte Geburtshelferin. Seit 1987 dürfen in Deutschland auch Männer den Beruf einer Hebamme ausführen; deren offizielle Berufsbezeichnung lautet dann ?Entbindungspfleger?.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Aufgabengebiete
- 2 Ausbildung
- 3 Geschichte
- 4 Literatur
- 5 Weblinks
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Aufgabengebiete
Die Aufgabe der Hebamme besteht darin, die schwangere Frau während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbettund Stillzeitzu betreuen und zu beraten.
Zu ihrem Tätigkeitsfeld gehören Aufklärung und Beratung in Fragen der Familienplanung,Schwangerschaftsvorsorge, Geburtsvorbereitung, Geburtshilfe (Entbindung, zum Teil Hilfeleistung/Betreuung insbesondere bei späten Schwangerschaftsabbrüchen), Betreuung im Wochenbett (Überwachung der Rückbildungsvorgänge, Hilfe beim Stillen), Rückbildungsgymnastikund Beratung zur sachgemäßen Pflege und Ernährung des Neugeborenen.
Sie kann sowohl frei praktizieren, als auch in Klinikenangestellt sein.
Außerdem kann sie, wenn sie freiberuflich tätig ist, als Beleghebamme tätig sein. Dabei arbeitet sie, vergleichbar mit Belegärzten, auf eigene Rechnung in einer Klinik.
Ein wachsender Arbeitsbereich ist die Schwangerenvorsorgez. T. in Kooperation mit GynäkologInnen in einer Praxisgemeinschaft.
Es besteht lt. §4 Hebammengesetz(HebG) die Hinzuziehungspflicht einer Hebamme, d.h. ein Arzt darf im Normalfall keine Geburt ohne Hebamme durchführen. Eine Hebamme darf dagegen eine normale Geburt völlig selbstständig ohne Arzt durchführen.
Ausbildung
Es gibt in Deutschland mehrere, an Kliniken angeschlossene Hebammenschulen.
Die Ausbildung dauert drei Jahre (Als Krankenschwester ist es möglich, die Ausbildung auf 2 Jahre zu verkürzen) und besteht aus Theorie (Schule: Geburtshilfe, Anatomie/Physiologie, Pädiatrie, etc.) und Praxis (in der Klinik im Kreißsaal, auf der Wochenstation/Kinderzimmer, in der Kinderklinik, im Operationssaal, etc.)
Die Ausbildung endet mit dem staatlichen Examen. Dieses Examen besteht aus einer mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfung (Examensgeburt). Voraussetzung für die Ausbildung ist ein Hauptschulabschluß und mindestens 2jährige Berufsausbildung, oder Mittlere Reife. Dies sind die gesetzlichen Mindestvoraussetzungen, in der Praxis haben jedoch sehr viele Hebammenschülerinnen Abitur.
Geschichte
Das erste Hebammenlehrbuch wurde um 117von einem gewissen Saoranosin Ephesosverfasst. Dieses Lehrbuch wurde um 220vom griechischem Arzt Moschionerneut herausgegeben. Seit 1310wird die Hebamme von der Kirche zur Taufeverpflichtet. 1452wurde in Regensburgdie erste Hebammenverordnung erlassen. 1491folgte UlmerHebammenordnung, die eine Zulassung erst nach Prüfung ihrer Ausbildung und praktischen Kenntnisse durch Ärzte verlangt: "Die Hebammen sollen Armen und Reichen treu und fleißig beistehen; auch nach der Niederkunft sollen sie Mutter und Kind alle Sorgfalt widmen." Das bedeutendste Hebammenbuch des 17. Jahrhundertswird 1690von Justine Siegmundveröffentlicht und in mehreren Auflagen gedruckt. Der englische Arzt P. Chamberlan († 1631) erfand um 1600 die Geburtszange. Die Erfindung war ein Familiengeheimnis und wurde mit der Zeit vergessen. 1721erfand der belgische Chirug J. Palfyn (1650-1730) aus Gentdie Geburtszange erneut.
1818wird in Sachsendurch die erste Hebammenordnung das Hebammenwesen geregelt. Am 22. September 1890fand der erste deutsche Hebammentag mit über 900 Frauen in Berlin statt. Hierbei ging es hauptsächlich um das Einkommen. Denn seitdem ab 1850 in Preußen für die Ärzte die Geburtshilfe ein Pflichtfach wurde, verdienten die Hebammen nur einen Hungerlohn. Auch forderte die Versammlung eine gründliche Desinfektion in Kreissälen und Geburtszimmern. Kontaktinfektionen mit Bakteriendurch die ungewaschenen Hände der Ärzte, die das gefährliche Kindbettfieberhervorrufen, wurden zwar schon 1846durch Ignaz Semmelweisnachgewiesen, seine Erkenntnisse aber jahrzehntelang nicht anerkannt.
Das Reichshebammengesetz von 1938verfügt die staatliche Anerkennung der Hebammen und gibt - bedingt durch die nationalsozialistische Ideologie - der Hausentbindung den Vorzug.
Daher kann man zwar davon ausgehen, dass die Nationalsozialistische Herrschaft die Hausgeburtpopularisierte, hierfür sprachen zum damaligen Zeitpunkt allerdings andere Argumente als heute. Heutezutage wird der moderne Ausbildungsberuf Hebamme in Deutschland an 58 staatlich anerkannten Hebammenschulen gelehrt.
Literatur
- umfangreiche Literaturliste
- Sibylla Flügge: Hebammen und heilkundige Frauen: Recht und Rechtswirklichkeit im 15./16. Jahrhundert (2000, ISBN 3-86109-123-2)
- Ensel, Angelica: Hebammen im Konfliktfeld der pränatalen Diagnostik - zwischen Abgrenzung und Mitleiden (2002, ISBN 3934021107)
- Lammert, Christine: Psychosoziale Beratung in der Pränataldiagnostik. Ein Praxishandbuch (2002, ISBN 3801716457)
- Jones, Shirley R.: Ethik und Hebammenpraxis (2003, ISBN 3456839316)
- Eva M. König: Pränatale Diagnostik. Eine Arbeitshilfe für Hebammen und alle, die Schwangere beraten (Hebammengemeinschaftshilfe, Karlsruhe e.V., 2000)
- Angelika Ensel, Silke Mittelstädt: Pränataldiagnostik und Hebammenarbeit. Ethische Fragen und Konfliktfelder in der Betreuung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen (1999)
- Maier, Barbara: Ethik in Gynäkologie und Geburtshilfe. Entscheidungen anhand klinischer Fallbeispiele (2000)
- Gehrke da Silva, Angela: Als Hebamme in Brasilien (ISBN 3-8251-7418-2)
Weblinks
- Bund Deutscher Hebammen e.V.
- Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V.
- Hebammen- und Kurssuche für Hamburg
- Bundesweite Hebammensuche
- WDR: Für Desinfektion und Standesehre - der erste deutsche Hebammentag im Jahre 1890
- Die Kunst der Hebammen
- Hebamme4U.net - sehr informative, private Seite einer langjährigen Hebamme rund um Schwangerschaft, Geburt und Babys
- Freiberufliche Hebammeca:Infermeria obstètrico-ginecològica
da:Jordemoder
en:Midwifery
fi:Kätilö
fr:Sage-femme
nl:Verloskunde
no:Jordmor
sv:Barnmorska
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