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Hygiene

Die Hygiene ist die Lehre von der Verhütungder Krankheitenund der Erhaltung und Festigung der Gesundheitbzw. in der Alltagssprache auch ein konkreter Zustand, ähnlich gemeint wie Sauberkeit.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Etymologie
  • 2 Geschichte
  • 3 Ökonomisch-soziologische Zusammenhänge
  • 4 Hygienemaßnahmen
  • 5 Andere Formen der Hygiene
  • 6 Siehe auch
  • 7 Literatur
  • 8 Weblinks

Etymologie

Das Wort Hygiene kommt aus dem Griechischen(??????? [?????], hygieiné [téchne]) und bedeutet "der Gesundheit zuträgliche Kunst". Es leitet sich von der griechischenGöttin der Gesundheit, Hygéia, ab. Im engeren Sinn werden unter Hygiene die Maßnahmen zur Vorbeugungvon Infektionskrankheitenbezeichnet, insbesondere die Reinigungund Desinfektion.

Geschichte

Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhundertswurde Sauberkeit und Desinfektionin der Medizinnicht als notwendig angesehen. So wurden die Operationsschürzender Chirurgenpraktisch nie gewaschen und waren deshalb schwarz, damit die eingetrockneten Blutfleckennicht so auffielen. Medizinische Instrumente wurden vor dem Gebrauch nicht gereinigt. So wurden in einem PariserKrankenhausdie Wunden von verschiedenen Patientennacheinander mit dem selben Schwammgereinigt.

Ignaz Semmelweisgelang in den 1840erJahren erstmals der Nachweis, dass Desinfektion die Übertragung von Krankheiteneindämmen kann. Als Assistenzarzt in der Klinikfür Geburtshilfein Wienuntersuchte er, warum in der einen Abteilung, in der Medizinstudentenarbeiteten, die Sterblichkeitsratedurch Kindbettfieberwesentlich höher war als in der zweiten Abteilung, in der Hebammenschülerinnenausgebildet wurden. Er fand die Erklärung, als einer seiner Kollegen während einer Leichensektionvon einem Studenten mit dem Skalpellverletzt wurde und wenige Tage später an Blutvergiftungverstarb, einer Krankheitmit ähnlichem Krankheitsverlauf wie dem des Kindbettfiebers. Semmelweis stellte fest, dass die an Leichensektionen Beteiligten bei der anschließenden Geburtshilfe die Mütter zu infizieren in der Lage waren. Da Hebammenschülerinnen keine Sektionendurchführen, kam diese Art der Infektionin der zweiten Krankenhausabteilung nicht vor. Das erklärte die dort niedrigere Sterblichkeit. Semmelweis wies seine Studenten daher an, sich vor der Untersuchung der Mütter die Hände mit Chlorkalkzu desinfizieren. Diese wirksame Maßnahme senkte die Sterblichkeitsratevon 12,3% auf 1,3%. Das Vorgehen stieß aber bei Ärztenwie Studenten auf Widerstand. Sie wollten nicht wahrhaben, dass sie selbst die Infektionen übertrugen, anstatt sie zu heilen.

Sir Joseph Lister, ein schottischerChirurg, verwendete erfolgreich Karbolzur Desinfektion von Wundenvor der Operation. Er war zunächst der Meinung, dass Infektionen durch Erregerin der Luft verursacht würden. Eine Zeit lang wurde deshalb während der Operationein feiner Karbolnebel über dem Patienten versprüht, was wieder aufgegeben wurde, als man erkannte, dass Infektionen hauptsächlich von Händen und Gegenständen ausgingen, die in Kontakt mit den Wunden kamen.

Max von Pettenkoferhatte ab 1865den ersten Lehrstuhlfür Hygiene in Deutschlandinne und gilt als Vater der Hygiene.

Weitere bekannte Forscher auf dem Gebiet der Hygiene:

  • Louis Pasteur
  • Robert Koch

Ökonomisch-soziologische Zusammenhänge

Thomas McKeown hat 1979den Rückgang der Infektionskrankheitender letzten 200 Jahre auf Hygiene, bessere Ernährung, Immunitätund andere unspezifische Maßnahmen zurückgeführt. Abseits der Industriestaatenhat sich das Muster der Erkrankungen nicht wesentlich verändert, trotz teilweiser Einführung von medikamentösenBehandlungsmethoden. So kann angenommen werden, dass ohne finanzielle und materielle Unterstützung der "Dritten Welt" und ohne bessere Lebensbedingungenfür den Großteil der Menschheitder Gefahrvon SeuchenVorschub geleistet wird.

In den letzten Jahrzehnten zeichnet sich in den Industriestaaten allerdings ein Trend zu übermäßiger Hygiene ab. So werden heute sogar Müllbeutelangeboten, die mit antibakteriellen Mitteln behandelt sind. Dabei weisen wissenschaftliche Studien auf einen Zusammenhang zwischen penibler Hygiene und dem Auftreten von Allergienhin. Durch den verringerten Kontakt mit Keimenbesonders während der frühen Kindheittendiere das Immunsystemdazu, Reaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe, wie zum Beispiel Pollenoder Hausstaubzu zeigen.

Eine interessante Studie wurde am Landeskinderkrankenhaus Salzburgdurchgeführt (Doz. Dr. Josef Riedler). Dort konnte wissenschaftlich festgestellt werden, dass Kinderauf Bauernhöfenviel weniger Allergien aufwiesen. Diese Studie wurde in Madridauf einem Kongressvorgestellt und in der medizinischen Fachzeitschrift"The Lancet" (Bd. 258, S 1129) publiziert.

Hygienemaßnahmen

Die einfachste Hygienemaßnahme ist das Waschen der Hände mit Seifeund die Mundhygiene. Weitere hygienische Maßnahmen

  • Steriles Arbeiten
    • Schutzhandschuhe
    • Mundschutz
  • Desinfektion
    • Das ausgiebige Waschen der Händemit hautfreundlicherSeife, danach die Hände an einem sauberen Handtuchabtrocknen
    • Das Einreiben der Hände mit speziellen Desinfektionsmitteln, mindestens eine halbe Minute lang (Händedesinfektion)
  • Isolierung
    • Quarantäne
  • Reinigung
    • Reinigungvon medizinischen Instrumenten mit Desinfektionsmitteln
    • Spülen von Geschirrund Besteckin der Küchemit Spülmittel
    • Waschen der Kleidungmit heißem Wasserund Waschpulver, gegebenenfalls auch mit "Fleckenteufel"
    • Reinigung des Fußbodens mit speziellen Reinigungsmitteln, zum Beispiel Fliesenreiniger oder Parkettreiniger

Körperhygiene: Zum Beispiel: tägliches Waschen des Körpers: Analhygiene, d.h Waschen des Afters, Säuberung von Ausscheidungen, nach dem Stuhlgang.

Andere Formen der Hygiene

Bei der Schlafhygiene lernt der Patient, richtig zu schlafen und einen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten.

Strahlenhygiene ist ein Begriff des Strahlenschutzesund zielt auf die möglichst weitgehende Vermeidung der Expositionvon Mensch und Umweltdurch ionisierende Strahlung.

Psychohygiene bedeutet das liebevolleUmsorgen, das verständnisvolle Gesprächmit emotionaler Wärme und das Vermitteln von Nestwärmebei der Betreuung von Kranken, Behinderten, Kindern, Alten oder Benachteiligten. Dazu zählt auch der Besuch von Angehörigen sowie das Rooming inund das Bonding. Besonders in Krankenhäusern, Kinderheimenund Pflegeheimenwird dadurch den Deprivations-Erscheinungen und dem psychischen Hospitalismusvorgebeugt.

Volkshygiene subsummiert gesundheitspolitische Maßnahmengrößeren Maßstabs wie Reihenimpfungen, generelle Impfungenvon Kindern oder generelle Jodierungvon Speisensowie die Chlorierungdes Trinkwassersin heißen Ländern.

Negativ besetzt ist der Begriff Rassenhygiene aus der Eugenik, der metaphorischnahelegt, eine (menschliche) "Rasse" oder ein "Volkskörper" könne durch wie auch immer geartete "hygienische" Maßnahmen "rein" gehalten (oder "bereinigt") werden.

Unter politischer Hygiene (eng verwandter Begriff: Political Correctness) versteht man gemeinhin z.B. Rücktrittevon Politikern, denen in einer kritischenÖffentlichkeitFehlverhalten nachgewiesen wurde.

Gedankenhygiene oder Denkhygiene ist ein Begriff bei verschiedenen Motivationstechnikenund Methoden des positiven Denkens, der das (angeblich trainierbare) Ausblenden negativer und Hervorheben positiver Denkinhaltebezeichnet, wird gelegentlich aber auch negativ besetzt im Sinne von Gehirnwäschebenutzt.

Siehe auch

Bild:Wikiquote-logo.png
   
Wikiquote: {{{2|Hygiene}}} ? Zitate
  • Haushaltshygiene
  • Lebensmittelhygiene

Literatur

  • McKeown, T.: The role of medicine: Dream, mirage or nemesis? 1979 Blackwell, Oxford
  • Christian Conrad: Krankenhaushygiene damals und heute - was hat sich geändert? Hygiene und Medizin 29(6), S. 204 ff. (2004), ISSN 0172-3790
  • M. Klude, U. Seebacher, M. Jaros: Potenzielle Gefährdung von Mensch und Umwelt durch Desinfektionsmittel in der Krankenhaushygiene: Eine vergleichende Bewertung. Krankenhaus Hygiene und Infektionsverhütung 24(1), S. 9 - 15 (2002), ISSN 0720-3373
  • A. Nassauer: Die neue Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention - Tradition und Fortschritt. Hygiene und Medizin (29(4), S. 113 - 115 (2004), ISSN 0172-3790

Weblinks

  • Institut für Hygiene und Umweltmedizin Berlin
  • Hygiene Institut SearchCare Berlin
  • Universitätsklinikum Essen - KrankenhaushygieneTextsammlung zum Thema Hygiene
  • Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene
  • Deutsches Hygienemuseum in Dresden
  • http://healthlink.mcw.edu/article/1031002421.htmlHygiene Hypothesis: Are We Too "Clean" for Our Own Good?] englischsprachige Seite (HealthLink)bg:???????

da:Hygiejne en:Hygiene fr:Hygiène he:??????? ja:?? nl:Hygiëne pt:Higiene ru:??????? sk:Hygiena




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