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Als psychische Störungen werden erhebliche Abweichungen vom Erlebenoder Verhaltenpsychisch (seelisch)gesunderMenschen bezeichnet. Das Denken, das Fühlenund das Verhalten können beeinträchtigt sein.
Als weiteres Kriterium für eine Diagnose psychischer Störungen wird heute neben der Abweichung von der Normhäufig auch psychisches Leid auf Seiten der Betroffenen gefordert.
Die Vertreter der Antipsychiatriestellen das vorherrschende Verständnis von psychischen Krankheiten in Frage und verneinen teilweise sogar deren Existenz.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Begriffsabgrenzung
- 2 Klassifikation
- 2.1 Notation der F(00-99) Klasse: Psychische und Verhaltensstörungen
- 3 Verbreitung
- 4 Behandlung
- 5 Siehe auch
- 6 Literatur
- 7 Weblinks
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Begriffsabgrenzung
Zu den psychischen Störungen zählen alle körperlich nicht begründbaren psychischen Erkrankungen; jedoch auch solche, die als Folge von körperlichen Erkrankungen (z. B. Hirnhautentzündungenoder Hirnverletzungen) vorliegen und eine Bedeutung mit Eigenwert erlangt haben (organische psychotische Störung). Desweiteren ist eine psychische Störung im Gegensatz zur geistigen Behinderungnicht mit einer Intelligenzminderung verbunden.
Heute wird dieser Begriff jenem der ?psychischen Krankheit? vorgezogen, um eine Stigmatisierung der Betroffenen zu erschweren: Störung ist neutraler und entzieht sich einer ? in diesen Fällen regelhaft negativen ? Bewertung mehr, als dies mit dem Begriff Krankheit möglich ist. Durch Kostenträger (Krankenkassen, Rentenversicherungen), die in ihrem Leistungskatalog den Krankheitsbegriff als elementare Voraussetzung eines Leistungsanspruches haben, wird die Bezeichnung ?Krankheit? durch die Hintertüre allerdings wieder eingeführt, indem von Störung von Krankheitswert gesprochen wird. Gerade bei psychischen Störungen als Beeinträchtigungen vorübergehender Art mag diese Unterscheidung sinnvoll sein, um übermäßige und ungerechtfertigte Leistungsforderungen abzuwehren. Letztlich dient die Verwendung des Begriffs ?Störung? somit dem Zweck, den Paradigmenwechselin der Beurteilung psychischer Probleme aus ärztlicher/therapeutischer Sicht auch im Sprachgebrauch zu dokumentieren.
Klassifikation
Die Klassifikationpsychischer Störungen ist länderspezifisch unterschiedlich und oft auch von der psychologischen oder medizinischen Schuleabhängig. Es gibt zwei gängige Diagnose- und Klassifikationsschemata. Zum einen das weit verbreitete ICD-10. Zum anderen das besonders in der psychologischen Forschung gebräuchliche DSM IV. Diese Störungen sind zusammengefasst in der Liste psychischer Störungen. Traditionell ist eine Einteilung in neurotischeund psychotischeStörungen üblich.
Jeder ICD-Klassewird ein bis zu fünfstelliger Schlüssel zugeordnet. Die ersten drei Stellen ergeben eine grobe Bezeichnung der Diagnose ("Dreisteller"). Psychische und Verhaltensstörungenwerden nach ICD10 in der F(00-99)-Klasse zusammengefasst. (Das ICDSystem ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen. Die aktuelle Ausgabe der ICD wird als ICD-10 bezeichnet.)
Notation der F(00-99) Klasse: Psychische und Verhaltensstörungen
| F00-F09: | Organisch bedingte (einschl. symptomatische psychische) Störungen
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| F10-F19: | Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
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| F20-F29: | Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
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| F30-F39: | Affektive Störungen
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| F40-F48: | Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
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| F50-F59: | Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
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| F60-F69: | Persönlichkeits-und Verhaltensstörungen
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| F70-F79: | Intelligenzminderung
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| F80-F89: | Entwicklungsstörungen
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| F90-F98: | Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
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| F99: | Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
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Verbreitung
Psychische Störungen sind weit verbreitet. Nach einer Studie der WHOleidet weltweit jeder vierte Arztbesucher an einer solchen Störung. Deutsche Studien sprechen von ca. 8 Millionen Deutschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen. Die meisten Störungen würden jedoch nach einiger Zeit abklingen.
Behandlung
Der Begriff psychische Erkrankung und eine (positive) Diagnose ist oft angstbesetzt. Deshalb ist ein vorsichtiger Umgang mit diesem Begriff notwendig, im Bewusstsein, dass nach wie vor gilt: ?Irren ist menschlich.?
Andererseits ist ohne das Erkennen von psychischen Erkrankungen ? ohne dass damit eine StigmatisierungErkrankter verbunden ist ? auch eine Heilung nur schwer möglich. Bei der Beurteilung psychischer Erkrankungen ist zu beachten, dass sie teilweise eine wichtige Schutz- und Signalfunktion haben, d. h., nicht verschwinden können, ohne dass ?sich etwas ändert?. Außerdem ergeben sich einige psychische Erkrankungen aus einem Wechselspiel zwischen dem Kranken und seiner Umwelt, so dass bei einer Behandlung die Umwelt des Kranken mit einbezogen werden sollte.
Viele psychische Erkrankungen sind heutzutage gut behandelbar. Dabei können sich Psychotherapieund Psychopharmakaergänzen.
Allerdings ist es immer noch oft sehr schwer, eine gute ambulante oder stationäre Therapie zu finden.
Mit der Ätiologieund den spezifischen Krankheitsbildern beschäftigen sich vor allem die Psychiatrie, die Psychoanalyseund die Tiefenpsychologie, aber auch ganzheitlich und systemisch orientierte Ansätze wie etwa die Gestalttheorie. Körperliche Ursachen werden auch in der Neurologieerforscht.
Zwangsbehandlung
Nur in seltenen Fällen ist es möglich, Menschen mit psychischen Störungen gegen ihren Willen oder gegen die eigene Einsicht als "psychisch krank" einzustufen, zu behandeln oder in geschlossenen Anstalten unterzubringen. Voraussetzung dafür ist in der Regel eine bestehende Selbst- oder Fremdgefährdung und eine (krankheitsbedingte) fehlende Einsicht des Patienten in die Behandlungsnotwendigkeit.
Eine zwangsweise Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung erfolgt entweder als so genannte Maßregel der Besserung und Sicherungnach einer Straftat (Maßregelvollzug), als Unterbringung nach dem jeweiligen Unterbringungsgesetz (dies ist je nach Bundesland unterschiedlich gestaltet) oder nach Beschluss eines Vormundschaftsgerichts (in der Regel in Verbindung mit der Errichtung einer Betreuung).
Siehe auch
Liste bekannter Psychologen und Psychotherapeuten- Psychoanalyse- Psychiatrie- Antipsychiatrie- Forensische Psychiatrie- Psychologie- Psychologischer Psychotherapeut- Psychosomatik- Portal:Psychotherapie- Somatisch- Somatoforme Störung- Betreuungsrecht- Patientenverfügung- Zwangsbehandlung
Literatur
- Gregory Batesonet.al. (Hg.): Schizophrenie und Familie. Suhrkamp: Frankfurt am Main. 1984.
- Gaetano Benedetti: Todeslandschaften der Seele. Psychopathologie, Psychodynamik und Psychotherapie der Schizophrenie. Vandenhoeck und Ruprecht: Göttingen. 1991. (Anm.: als Einstieg empfehlenswert)
- Klaus Dörner, Ursula Plog, Christine Teller und Frank Wendt: Irren ist menschlich, Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie-Verlag (ISBN 3884143336).
- Umfassend zum psychoanalytischen Standpunkt: die Werke von Sigmund Freudund Jacques Lacan
- Gerhard Stemberger (Hg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis. Gestalttheorie und psychotherapeutische Krankheitslehre. Krammer: Wien. 2002. (Anm.: Psychopathologie aus Sicht der Gestalttheorie)
- Arno Gruen: Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau.dtv. München. 1986
Weblinks
- Überblick über die wichtigsten psychischen Störungen
- Eine allgemeinverständliche, vereinfachende Aufstellung psychischer Krankheiten
- Psychiatrie verständlich erklärt
- Kommentierte Links zu Diagnosesystemen, Übersichten und einzelnen Störungen
- Webkatalog zur Psychiatrie mit Erfahrungsberichten Betroffener
- Gregory Bateson: Auf dem Wege zu einer Schizophrenie-Theorie
- Angehörige Psychisch Kranker (Bundesverband)
- Psychiatriegespräch ? Basisinformationen zu einzelnen psychischen Störungsbildern und Krankheiten
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Psychische Störung aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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