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Winterschlaf

Als Winterschlaf bezeichnet man einen schlafähnlichen Zustand, in den bestimmte endothermeoder homoiothermeTiere ? manche Säugetiereund wenige Vögel? unter Herabsetzung ihrer Körpertemperaturwährend der kalten Jahreszeit verfallen.

Bild:Igel.JPG
Europäischer Igel

Einzelne Säugetiere (wie die Fledermäuse) halten einen unterbrochenen Winterschlaf, andere (wie der Siebenschläfer, die Haselmaus, der Igel, der Hamster, das Murmeltieroder das Ziesel) einen lang andauernden Winterschlaf mit höchstens kurzen Unterbrechungen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Das Verhalten der Winterschläfer in der kalten Jahreszeit
  • 2 Die Dauer des Winterschlafs
  • 3 Sozialer Winterschlaf
  • 4 Mögliche Auslöser für den Winterschlaf
  • 5 Das Aufwachen im Frühjahr
  • 6 Negative Auswirkungen des Winterschlafs auf Gedächtnisleistungen
  • 7 Winterschlaf haltende Vögel
  • 8 Abgrenzung
    • 8.1 Winterruhe
    • 8.2 Winterliche Ruhezustände bei Hirschen
    • 8.3 Die Kältestarre der wechselwarmen Tiere
    • 8.4 Der Sommer- oder Trockenschlaf
  • 9 Siehe auch
  • 10 Literatur
  • 11 Weblinks

Das Verhalten der Winterschläfer in der kalten Jahreszeit

Die Winterschläfer suchen im HerbstOrte auf, in denen sie vor der strengen Kälte geschützt sind: hohle Baumstämme, Erdhöhlen und dergleichen und polstern sie mit Heu, Stroh, Blättern, Haaren, Wolleund anderen Materialien aus. In dem so ausstaffierten Unterschlupf verbringen sie meist zu mehreren Tieren mit zusammengezogenem, abgekugeltem Körper und geschlossenen Augenlidernden Winterin einem energetischen Sparzustand, dem so genannten Torpor. Ihre normale Körpertemperatursinkt dabei meist auf Werte zwischen 9 und 1 Grad Celsius ab. Alle Körperfunktionen sind in diesem Zustand stark vermindert. Die Atmungist schwach, der Herzschlagverlangsamt, und die Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizengering. Murmeltiere senken zum Beispiel während des Winterschlafs ihre Körpertemperatur von 39 auf bis zu 7 Grad Celsius ab. Ihr Herz schlägt statt 100 mal nur noch 2 bis 3 mal pro Minute. Die Atempausen können bis zu einer Stunde betragen. Absonderungsprodukte des Darmkanalsund der Lebersammeln sich bei Winterschläfern im unteren Teil des Darms an und werden gleich nach dem Erwachen entleert. Nahrungwird während der Zeit des Schlafes nicht aufgenommen, höchstens zwischendurch in den gelegentlichen Wachphasen. Die Tiere zehren stattdessen von ihren Fett-Reserven. Ein spezielles braunes Fettgewebe, das im Schulter- und Nackenbereich liegt, dient zusätzlich dem Energierückgewinn, besonders auch dann, wenn die Tiere bei erhöhten Außentemperaturen wieder aus ihrem Winterschlaf aufwachen, was etliche Stunden dauert. In der Spätphase des Aufwachens wird der Körper vor allem durch Muskelzittern wieder auf Normaltemperatur gebracht. Je wärmer es wird, desto schneller atmen die Tiere.

Die Dauer des Winterschlafs

Die Dauer des Winterschlafs ist bei den einzelnen Winterschläfern unterschiedlich. Igel3 bis 4 Monate. Siebenschläferverbringen stattliche 6 bis 7 Monate im Winterschlaf (daher auch ihr deutscher Name). Man darf jedoch nicht der falschen Vorstellung unterliegen, dass es sich beim Winterschlaf um einen mehrmonatigen Dauerschlaf ohne Pause handelt. Vielmehr verläuft der Schlaf meist in Abschnitten, wobei sich längere Phasen der Ruhe mit stark reduziertem Stoffwechsel mit kurzen Wachphasen abwechseln. Zu oft dürfen die Tiere während des Winters allerdings nicht aufwachen, weil jede zwischenzeitliche Aufwachphase an den Energiereserven zehrt, so dass die Fettdepots zu früh aufgebraucht würden und für den eigentlichen Aufwachvorgang im Frühjahr nicht mehr zur Verfügung stünden.

Sozialer Winterschlaf

Manche Winterschläfer wie die Murmeltierehalten sogar einen sozialen Winterschlaf. In jedem Bau ruhen bis zu 20 Eltern- und Jungtiere eng nebeneinander, so dass sie sich gegenseitig aufwärmen können, wenn die winterlichen Temperaturen zu stark absinken. Das erhöht die Chancen vor allem der Jungtiere, die über weniger Energiereserven verfügen, auch härtere Winter zu überstehen.

Mögliche Auslöser für den Winterschlaf

Als Auslöser für den lang anhaltenden Ruhezustand wurden traditionell äußere Faktoren wie das Sinken der Außentemperaturenoder der Nahrungsmangel im Herbstangeführt. Doch sollen nach Ansicht von Experten neben den kürzeren Tageslängenals Signalgeber vor allem innere Faktoren wie die Umstellung des Hormonhaushaltsoder die innere Uhr, die einem jahreszeitlich bedingten Rhythmus unterworfen ist, für die Auslösung des Winterschlafs verantwortlich sein. So scheint die innere Uhr die Bildung von Fettdepots und dies wiederum die Schlafbereitschaft zu beeinflussen. Selbst der narkotisierendeEinfluss einer höheren Kohlendioxidkonzentrationin den Schlafhöhlen wurde als auslösender Faktor für den Winterschlaf diskutiert.

Das Aufwachen im Frühjahr

Die genaue Ursache für das Aufwachen im Frühjahr ist immer noch nicht genau bekannt. Steigende Umgebungstemperaturen und die Anreicherung von zu vielen Stoffwechselendprodukten im Körperinneren könnten als Wecksignale dienen. Jedenfalls muss der Winterschläfer während der Aufwachphase nach und nach seine Körpertemperatur erhöhen. HormonelleEinflüsse sorgen dafür, dass das braune Fettgewebe zwecks Energiegewinn zur Wärmeerzeugung abgebaut wird. Sind 15 Grad Celsius erreicht, setzt das Muskelzittern zur weiteren Temperaturerhöhung ein. Der Brust- und Kopfbereich mit den lebenswichtigen Organenwird dabei schneller erwärmt als der übrige Körper.

Negative Auswirkungen des Winterschlafs auf Gedächtnisleistungen

Untersuchungen der Universität Wienan Zieselnhaben gezeigt, dass der mehrmonatige Winterschlaf negative Auswirkungen auf die Gedächtnisleistungen der Winterschläfer hat. Im Vergleich zu Tieren, die keinen Winterschlaf gehalten hatten, waren die Ziesel nach ihrer langen Schlafphase nicht mehr in der Lage, vorher erlernte Aufgaben zu lösen (zum Beispiel einen Weg im Labyrinth zu finden oder den Hebel eines Futterautomaten zu bedienen). Eine Erklärung dafür könnte die niedrige neuronale Aktivität während des Torpors sein. Man hat sogar nachgewiesen, dass Verbindungen zwischen Nervenzellenim Gehirnwährend des Winterschlafs abgebaut werden.

Winterschlaf haltende Vögel

Der Winterschlaf kommt nicht nur bei Säugetierenvor. Auch bei einigen Vögelnkennt man winterschlafähnliche Zustände. So reduzieren die Kolibrisbei Nahrungsmangel oder Kälteeinbrüchen ihren Stoffwechsel und fallen in eine Schlafstarre. In unseren Breiten verfallen bei Hungerperioden junge Mauerseglerwährend des Schlafes in einen poikilothermen(wechselwarmen) Zustand, ohne dass die Körpertemperatur so stark herabgesetzt würde wie bei echten Winterschläfern. Längere Zeiträume des Winterschlafs wie bei Säugetieren gibt es bei Vögeln jedoch nicht.

Abgrenzung

Winterruhe

Die Winterruhe der Braunbärenin ihren Höhlen ist nicht mit dem beschriebenen Winterschlaf zu verwechseln, weil die Körpertemperatur der Bären während ihrer längeren Ruhephase nie so stark abfällt wie bei den echten Winterschläfern. Winterruhephasen ohne eine größere Absenkung der Körpertemperatur gibt es auch bei Dachsen, Eichhörnchenund Waschbären. Die betreffenden Tiere sind allerdings während ihrer Winterruhe häufig wach und wechseln auch öfter die Schlafposition. Braunbären dagegen verbringen bis zu sieben Monate in ihrer Bärenhöhle in einem Dämmerschlaf, wobei sie weder Kotabgeben noch urinieren und auch nicht fressen oder trinken, sondern allein von ihren Fettreserven leben. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass für diesen Dämmerzustand das Winterruhehormon Hibernation Induction Trigger(HIT) verantwortlich ist. Diese Substanz ermöglicht es den Bären, ihre lange Winterruhe zu überstehen, ohne dabei an Muskelkrafteinzubüßen. Ein Mensch würde bei einer ähnlich langen Ruhephase, etwa im Krankenbett, rund 90 Prozent seiner Muskelkraft verlieren.

Winterliche Ruhezustände bei Hirschen

In jüngster Zeit wurde zur Winterzeit auch ein Ruhezustand mit einem Abfall der Körpertemperatur auf bis zu 15 Grad Celsius bei einheimischen Hirschenfestgestellt. Durch die Herabsetzung ihrer Stoffwechselaktivität in der nächtlichen Ruhephase sind die Tiere in der Lage, die kalte Jahreszeit besser zu überstehen.

Versuche der Veterinärmedizinischen Universität Wien ergaben, dass diese Regulationsmechanismen der Körpertemperatur und des Stoffwechsels vom Nahrungsangebot beeinflusst werden. Eiweißreiche Nahrung, die untypisch ist für die Winterzeit ist, könnte für unnötig hohe Stoffwechselaktivität im Winter verantwortlich sein. Eine nicht artgerechte Winterfütterungkönnte so Hunger im Frühjahr erzeugen, da der Stoffwechsel nicht reduziert wurde, was wiederum zu Verbissschäden im Forstführe.

Die Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien gehen davon aus, dass die Abgrenzung des Winterschlafs von der Winterruhe nicht mehr haltbar ist, sondern eine Vielzahl von Säugetieren über eine Palette von ähnlich verlaufenden Regulationsmechanismen der Herabsetzung des Stoffwechsels und der Körpertemperatur verfügen, die möglicherweise auch von Seehunden und Walen bei längeren Tauchgängen genutzt werden.

Die Kältestarre der wechselwarmen Tiere

Abzuheben ist der Winterschlaf auch von der Kältestarre, wie sie bei vielen poikilothermenTieren ? Schnecken, manchen Insekten, den meisten Reptilien(Schlangen, Schildkröten, Eidechsen) und Amphibien(Kröten, Fröschen) ? in den gemäßigten Klimazonenvorkommt. Teichmolcheverbringen 3 bis 4 Monate, Blindschleichenund Kreuzottern4 bis 5 Monate, Laubfröscheund Zauneidechsen5 bis 6 Monate im Zustand der Winterstarre.

Der Sommer- oder Trockenschlaf

Eine andere Erscheinung ist der Sommerschlaf, den Krokodileund Schlangen(z. B. die Todesotter) der heißen Regionen während der trockenen Jahreszeit, meist unter einer Schlammdecke verborgen, halten. Einen ähnlichen Sommer- oder Trockenschlaf halten in unseren Breiten bei Wärme- und Wassermangel auch die Weinbergschnecken. Weitere sommerschlafende Tiere sind einige Frosch- und Krötenartenwie der Schmuckhornfrosch(Ceratophrys ornata) oder der afrikanische Ochsenfrosch(Pyxicephalus adspersus). Ziel des Sommerschlafs ist es, während der heißen und nahrungsarmen Zeit Energie zu sparen; zu diesem Zweck fahren die Sommerschläfer, genau wie die winterschlafenen Tiere, ihren Stoffwechselherunter. Bei den oben genannten Amphibienreduziert sich zusätzlich die Größe des Darmsum über 40 Prozent. Einhergehend mit der Darmschrumpfung ist ein Rückgang der Nährstoffaufnahmeum ca. 60 Prozent. Sobald es wieder Nahrung gibt, wächst der Darm wieder auf Normalgröße.

Siehe auch

  • Thermoregulation
  • Überwinterung

Literatur

  • Martin Eisentraut: Der Winterschlaf mit seinen ökologischen und physiologischen Begleiterscheinungen, Jena, 1956
  • Ralf Elvert: Kardiorespiratorische und metabolische Reaktionen während des Eintritts in den Winterschlaf beim Siebenschläfer, Glis glis, Marburg, 2001
  • Gerhard Körtner: Winterschlaf und seine Auswirkungen auf den Energiehaushalt beim Alpenmurmeltier (Marmota marmota), Diss., Marburg, 1991
  • Erwin Kulzer: Winterschlaf: mit 7 Tabellen, Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart, 1981
  • Paul Raths: Tiere im Winterschlaf, 2. Aufl., Leipzig, 1977
  • Wenn Mama Bär ihr langes Schläfchen hält, in: Erwachetv. 8.8.2002 (online)

Weblinks

  • Leben auf Sparflamme
  • Die zeitliche Organisation des Winterschlafs beim Europäischen Feldhamster (Cricetus cricetus L.)
  • Winterschlaf(beim Igel)
  • Beim Schlafen braucht man wenig Energie!
  • An der Schwelle des Todes - Der Winterschlaf
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