|
Unter dem Nebenhoden (Epididymis) versteht man ein dem Hodenaufliegendes Genitalorgan, das hauptsächlich aus dem auf engstem Raum stark gewundenen, insgesamt 4 bis 6 m langen Nebenhodengang (Ductus epididymidis) besteht.
Jeder Nebenhoden steht mit dem zugehörigen Hoden über die Ductuli efferentes in Verbindung, dient der Reifung und Lagerung der vom Hoden produzierten Samenzellenund geht in den Samenleiterüber. Nebenhodengang und Samenleiter sind Abkömmlinge des Urnierengangs.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Anatomie
- 2 Funktion
- 3 Erkrankungen
- 4 Siehe auch
|
Anatomie
Anatomisch wird der Nebenhoden in einen Kopf (Caput epididymidis), Körper (Corpus epididymidis) und Schwanz oder Schweif (Cauda epididymidis) unterteilt. Er liegt dem Hoden hinten oben in Längsrichtung auf, wobei der Nebenhodenkopf dem oberen Pol des Hodens aufliegt. Mit dem Hoden selbst ist der Nebenhoden über ein Gekröse, die Mesepididymis, eng verbunden.
Der bis zu 6 m lange Gang ist auf 6 cm zusammengeknäuelt. Die Gänge sind von zweireihigem hochprismatischem Zylinderepithelausgekleidet, das dicht mit Stereozilienbesetzt ist. Im mikrokopischen Schnitt finden sich im Lumen des Gangs meist Ansammlungen unreifer Spermien. Um das Epithel herum findet sich kontraktiles Gewebe, in Caput und Corpus Myofibroblasten(kontraktile Bindegewebszellen), in der Cauda glatte Muskelzellen.
Nebenhoden wie Hoden sind aufgrund des Descensus testisvon einer doppelten Peritonealhüllebedeckt, der Tunica vaginalis testis. Ein Fortsatz der Peritonealhülle steigt neben den Hoden herab und verliert den Anschluss an die Bauchhöhle. Beide Blätter der Hülle, das äußere Periorchium und das innere Epiorchium, sind miteinander verbunden, schließen die spaltförmige Cavitas peritonealis scroti ein, eine Exklave der Bauchhöhle, und sind um Hoden und Nebenhoden herumgeschlagen.
Embryologisch entsteht der Nebenhodengang aus dem Urnierengang(Wolff-Gang), der sich direkt unterhalb der Einmündung der aus den Urnierenkanälchen abstammenden Ductuli efferentes stark verlängert. Im weiteren Verlauf bildet der Wolff-Gang den Samenleiter(Ductus deferens).
In der Umgebung des Nebenhodenkopfes lassen sich oft drei Relikte der Embryonalentwicklung finden:
Als Fortsetzung des Caputs zieht ein bläschenförmiges, gestieltes Anhängsel über den Hodenpol, die Appendix epididymidis, das obere Endstück des Urnierengangs.
Neben dem Nebenhodenkopf liegt im Bindegewebe des Samenstrangs der Paradidymidis oder Beihoden, kurze, verschlossene Kanälchen, Reste der Urnierenkanälchen.
Auf dem oberen Hodenpol, nahe dem Nebenhodenkopf, findet sich desweiteren meist ein der Appendix epididymidis ähnlicher, aber ungestielter Anhang, die Appendix testis (Morgagni-Hydatide), die das obere Ende des Müller-Gangsdarstellt, aus dem sich bei der Frau die inneren Genitalorganeentwickeln.
Funktion
Die Samenzellen erlangen erst über ihren intensiven Kontakt mit der Wand des Nebenhodens, dem Nebenhodenepithel, und den von diesem gebildeten Substanzen mittels vielfältiger Prozesse ihre Motilität, jedoch noch nicht ihre Befruchtungsfähigkeit - die sie erst mit der Kapazitationim weiblichen Genitaltraktals der Endphase der Spermatozoenreifungerreichen. Diese Prozesse sind Gegenstand intensiver Forschungen, da man sich damit nicht nur Aufschlüsse über die Ursachen männlicher Fertilitätsstörungen, sondern auch - gewissermaßen am anderen Ende des Spektrums - Erkenntnisse über mögliche neue Verhütungsmittelerhofft.
Die Zellen des Nebenhodenepithel resorbieren Flüssigkeit und sezernieren unter anderem Glykoproteine, die an der Oberfläche der Spermien adsorbiert werden. Caput und Corpus dienen der Reifung, die Cauda der SPeicherung. Die Spermatozooen werden in einer Zeitspanne von ca. 12 Tagen durch Kontraktion der Myofibroblasten durch Caput und Corpus in die Cauda befördert. Die glatte Muskulatur der Cauda ist innerviert und kontrahiert sich genau wie der Ductus deferenswährend der Emission zur Beförderung der Spermien in die Harnröhre.
Erkrankungen
Die Erkrankung des Nebenhodens ist die Entzündungdesselben, die sog. Epididymitis. Diese führt zu einer schmerzhaften, oft massiven Vergrößerung des Nebenhodens. Daneben werden die seltenen Zystadenomedes Nebenhodens bei der Von Hippel-Lindau-Erkrankungbeschrieben.
Siehe auch
Sexualität- Zeugung- Portal:Zusammenleben, Partnerschaft und Sexualität
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Nebenhoden aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|