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Kastration

Unter einer Kastration - von lat.: castrao, castratus = (schwächen, berauben, entnehmen, entkräften) - wird üblicherweise die operative Entfernung der Geschlechtsdrüsenverstanden.

Als Kastration wird auch die Zerstörung der Hoden, z.B. durch ionisierende Strahlung (benötigt wird eine Gesamtdosis von ca. 10-12 Gray), oder die Unterdrückung der Hormonproduktiondurch Pharmaka("chemische Kastration") bezeichnet.

Bei Frauen ist die Verwendung des Begriffes "Kastration" nur im umgangssprachlichen Sinn üblich. In der Medizin ist darunter eine Entfernung der hormonproduzierenden Eierstöckezu verstehen (Ovarektomie).

Wird der Peniseines Mannes gewaltsam oder durch einen Unfall entfernt, ist dieser Mann entmannt worden. In der griechischen Mythologieerfährt Uranosdieses Schicksal, als er von Kronosentmachtet wird.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Folgen
  • 2 Medizinische Anwendung beim Prostatakrebs
  • 3 Historisches
  • 4 Beschreibung der Prozedur
  • 5 Recht
  • 6 Kastration in heutiger Zeit
  • 7 Tiere
  • 8 Grade der Kastration
  • 9 Siehe auch
  • 10 Weblinks

Folgen

Eine Kastration ist in jedem Fall ein schwerwiegender Eingriffmit weitreichenden Folgen für einen Menschen, egal ob Mannoder Frau.

Am schwerwiegendsten ist der Eingriff, wenn er bei einem Knabenvor der Pubertätvorgenommen wurde. Die Folgen sind beispielsweise:

  • geringes Wachstumdes Kehlkopfsund daher das Ausbleiben des Stimmbruchsund deshalb eine hohe Kastratenstimme
  • fehlender Gestaltswechsel vom Jüngling zum Mann
  • Hochwuchs und Störungen der Verknöcherung, daher längere Extremitäten, "eunuchoider" Körperbau (siehe: Eunuch)
  • Ausbleiben der männlichen Körperbehaarung
  • Antriebsarmut
  • Völliges Ausbleiben des Sexualtriebes; Libidound Potenzfehlen
  • Verzögerungen der psycho-sexuellenEntwicklung, eventuell auch psycho-sozialeSchwierigkeiten und Diskriminierung
  • Zeugungsunfähigkeit
  • möglich ist Fettleibigkeitmit Fettansatz an den Hüftenund Gesäß

Bei Kastration im Erwachsenenalterbleiben diese Wirkungen aus, aber es kann kommen zu

  • Antriebsarmut,
  • einer Veränderung der Behaarung,
  • Abnahme der Libidooder sogar Impotenz
  • sowie tiefgreifenden Persönlichkeitsveränderungen, einer gesteigerten vegetativen Labilität und Depressionenkommen
  • Zeugungsunfähigkeit
  • Osteoporose
  • möglich ist Fettleibigkeitmit Stoffwechselstörungen, Entgleisungen des Fettstoffwechsels, des Zuckerstoffwechselsund folgender Zuckerkrankheitsowie Bluthochdruck

Die Kastration von Frauendurch operativeoder radiologischeAusschaltung der Eierstöckebeziehungsweise ihrer Funktion wirkt sich somatisch, psychischund sexuellgenauso stark aus - allerdings mit anderer Ausprägung.

Bei beiden Geschlechtern führt die Kastration zur Sterilität.

Medizinische Anwendung beim Prostatakrebs

Die operative oder chemische Kastration kann in der Behandlung des Prostatakarzinomsangewendet werden. Da Prostatakarzinome in vielen Fällen testosteronabhängigsind, kommt es nach der Entfernung der Hoden (Orchiektomie) oder der sogenannten "chemischen Kastration" mit LHRH-Analogameist zu einem deutlichen Rückgang bzw. Stillstand der Krankheit, so dass der Patient meist über Jahre vor der Krankheit wieder Ruhe hat. Als "unerwünschte Effekte" können die oben genannten Folgen auftreten, die nur teilweise medizinisch behandelt werden können.

Historisches

Die Kastration an Männern wurde in der gesamten Geschichteund vielen Kulturendurchgeführt: an Feinden zur Demütigung und um ihnen leichter ihre Frauen nehmen zu können, an Sklaven- besonders solchen, die einen Harembewachen sollten (siehe: Eunuch) - sowie an Knaben, um ihre hohe Stimmezu erhalten; eine Praktik, die noch bis vor 150 Jahren regelmäßig in Italienangewandt wurde. Ein berühmtes Beispiel ist Carlo Broschi, genannt Farinelli, der italienische Kastratensänger. Erwachsene Kriegsgefangeneoder Sklaven wurden überdies kastriert, um sie nicht nur zu erniedrigen, sondern auch fügsamer zu machen, da durch die starke Reduzierung des Testosteronsdie Aggressionsbereitschaftschwindet. Laut verschiedenen Quellen soll die assyrischeKönigin Semiramiseine der ersten Herrscherinnen gewesen sein, die die Kastration von gefangenen Feinden befahl.

Die Priesterder antikenGöttinKybele(Galli, auch Galloi) waren Eunuchen. Der Kulthatte sich aus Kleinasienüber das gesamte Römische Reichverbreitet. Jedes Jahr zur Zeit des Frühlingsfestesfanden rauschhafteFestestatt, bei denen sich Anhänger des Kultes selbst verstümmelten. Sie schnitten sich mit einem Zeremonienschwertoder auch einem scharfkantigen Gegenstand die Genitalienab und warfen diese in die Menge der Zuschauer. Der Betreffende musste den Eunuchen-Neuling mit Frauenkleidernversorgen. Viele Eunuchen-Priesterlitten infolge der stümperhaft durchgeführten Kastration unter Infektionendes Harntraktesund unter dauerhafter Blasenschwäche.

Quelle: www.gayfliegenpilz.de

Im Kaiserreich Chinawurden noch bis zur Gründung der Republik1912Knabenvon ihren Eltern als Eunuchenan den Kaiserhofverkauft und von extra dafür ausgebildeten Leuten kastriert. Die Prozedur war lebensgefährlich und konnte den Todbedeuten. (Siehe auch: Palasteunuch).

Jedoch gibt es von jeher auch Kulturen, welche die Kastration strikt ablehnen, als Beispiel sei das Judentumgenannt; orthodoxe Juden kastrieren auch keine Tiere.

Der frühchristliche TheologeOrigeneshatte sich selbst entmannt, um ideal eheloszu leben (Matthäus 19, 11 f.), scheint das aber später als Irrweg angesehen zu haben. Die Kirchemissbilligte eine solche Verstümmelung, aber erst PapstSixtus V.sprach ein klares Verbot aus (7. Juni1587), (siehe auch: Eunuchen für das Himmelreich).

Der irreversible Eingriff der chirurgischenKastration wurde oft bei wiederholt rückfälligen und anders nicht beeinflussbaren Sexualdeliquentenvorgenommen. Die (reversible) hormonelleKastration durch Antiandrogenewird in einzelnen Bundesstaaten der USAweiterhin bei Sexualstraftätern (mit deren Einwilligung) vorgenommen. Jedoch ist diese Therapiewesentlich weniger wirksam, als vielfach in der Öffentlichkeitangenommen wird: es hat eine ganze Reihe von Fällen gegeben, wo chemischoder körperlichKastriertedennoch weiterhin Sexualstraftatenbegingen.

Beschreibung der Prozedur

Die Kastration eines Knaben wurde im Kaiserreich Chinaohne Betäubungvorgenommen und wie folgt ausgeführt:

Der Kastrateur, ebenfalls ein Eunuch, ließ den Jungen sich auf einen Stuhl mit schräger Rückenlehne setzen. Der Junge wurde an dem Stuhl festgehalten (oder festgebunden). Die Oberschenkelsowie der Unterleibwurden mit Strickenabgeschnürt, um den Blutverlustmöglichst gering zu halten. Dann wusch er zuerst dreimal mit gepfeffertemWasserdie Genitaliendes Jungen. Mit einem einzigen Schnitt seiner rasiermesserscharfenKlinge schnitt der Kastrateur dem Jungen die Hodenund den Penisab. Dann nahm er eine Nadelund schob sie in die Harnröhre, damit sie nicht vernarbte. Nun vernähte er die Wundeund verschloss sie mit Packpapier. Danach musste der Junge drei Stunden lang umherlaufen und bekam drei Tage lang kein Wasser. Nach Ablauf dieser Zeit der entsetzlichen Qualen ersetzte der Kastrateur die Nadel durch ein Schilfrohroder ein silbernes Röhrchen. Jetzt kam der Zeitpunkt, der über Lebenund Todentschied: Konnte der Junge urinieren, war er über'n Berg. Konnte er es nicht, war der Urintraktentzündet und das bedeutete den Tod.

Quelle: www.blubie.de (Mein wunderbares China, Stichwort: Eunuchen)

Heutzutage wird eine Kastration selbstverständlich von Ärztenund unter klinischenBedingungen, Hygienesowie unter Betäubungvorgenommen. Außerdem ist die zwangsweise Kastration sowie diejenige von Minderjährigen in den meisten Staaten verboten.

Recht

Eine ohne Einwilligungvorgenommene Kastration ist strafbar als schwere Körperverletzung. Die Einwilligung kann bei Körperverletzungjedoch gegen die guten Sitten verstoßen und daher für die Rechtswidrigkeitder Tatbedeutungslos sein. Die Kastration Minderjährigerist verboten (§ 1631 c BGB).

Die Kastration kann dazu führen, dass ein Sexualstraftäter, gegen den Unterbringung in Sicherungsverwahrungangeordnet ist, nicht mehr als gefährlich anzusehen ist. Gemäß § 67 d Abs. 2 StGBkann dann eine Aussetzung zur Bewährungin Betracht kommen.

In Österreich ist die Kastration - außer bei medizinischer Indikation - verboten. In sie kann auch nicht eingewilligt werden (§ 90 Abs 3 StGB).

Entfernt ein Arzt seiner Patientin bei einer Operation am Eierstockohne ihre Einwilligung und noch dazu ohne Notwendigkeit die Gebärmutter, steht der Geschädigten ein Schmerzensgeldzu. Angemessen sind dafür 10.000 Euro (Az.: 9 O 12563/02, LG München).

Kastration in heutiger Zeit

In der heutigen Zeit wird die Kastration in den meisten Kulturen grundsätzlich und einhellig abgelehnt. Eine Kastration Minderjähriger zur Bewahrung der Stimme ist sogar - wie oben beschrieben - verboten, obgleich hin und wieder - wenn auch zaghaft - diskutiert wird, ob nicht differenzierter mit dem Thema umgegangen werden soll.

Die radikale und grundsätzliche Ablehnung der Kastration scheint zuweilen gleichermaßen hinterfragt zu werden, wie die seinerzeit massenhafte "Verschneidung" von Knaben, die über gar kein Gesangstalent verfügten.

Eine freiwillige Kastration Erwachsener ist durch das "Gesetz über die freiwillige Kastration und andere Behandlungsmethoden" vom 15. August 1969 geregelt.

Auf Antrag kann nach Prüfung durch eine Gutachterstelle ein Mann straffrei kastriert werden, wenn er unter einem abnormen Geschlechtstrieb leidet und entweder straffällig war oder dies zu werden droht.

Einige Männer, die den Wunsch haben, als Eunuch weiterzuleben, lassen die Kastration von semiprofessionellen "Medizinern" durchführen. Der größte Teil dieser Menschen bereut dies anschließend und leidet unter Depressionen. (s.o.). Da wahrscheinlich fast nur unzufriedene "freiwillige Eunuchen" später medizinisch/therapeutisch auffällig werden, entsteht leicht der (falsche) Eindruck, daß es meistens (?) so ist.

Wer sich kastrieren lassen möchte, sollte unbedingt psychologischen Rat einholen, um sicher zu sein, daß dieser Wunsch nicht einer sexuellen Phantasie entstammt. Wenn dies auszuschließen ist, sollte zunächst eine medikamentöse Kastration für mindestens ein halbes Jahr mit Antiandrogenenerfolgen. Tritt der gewünschte Effekt ein, kann eine chirurgische Kastration eine Option zur Verbesserung der Lebensqualität sein.

Tiere

Bild:Kastration-katze.jpg
Kastration einer weiblichen Katze. 1 Gebärmutterhorn 2 Ligamentum ovarii proprium 3 Eierstock 4 Eileiter 5 Mesosalpinx 6 Ligamentum suspensorium ovarii 7 Bauchfett 8 Operationswunde.

Im Bereich der Veterinärmedizinhat die Kastration auch heute noch einen hohen Stellenwert.

Im Bereich landwirtschaftlicherNutztierekommt diese Methode zum Einsatz, um von Sexualhormonen bewirkte geschmackliche und geruchliche Veränderungen des Fleisches zu verhindern (von Geruchs- und Geschmacksveränderungen geht man in Deutschland, anders als in den anderen europäischen Ländern, beim Schwein aus) oder um die Mastleistung zu erhöhen (Schwein, Rind). Männliche Pferde werden kastriert, um ihr ausgeprägtes Sexualverhalten zu verhindern. Das gleiche Ziel verfolgt die Kastration von Katze, Hundund Frettchen. Die Kastration wurde früher von den so genannten reisenden Sauschneidernausgeführt.

Im Bereich der im Haushalt gehaltenen Heimtiere(Kaninchen, Meerschweinchen, Rattenetc.) schließlich dient die Kastration hauptsächlich der Vorbeugung unerwünschten Nachwuchses.

Vielfach tragen verschnittene Tiere eigene Bezeichnung wie Kapaun(Hahn), Poularden(Hennen), Wallach(Hengst), Ochse(Stier), Hammel(Widder), Borg(Eber), Gelze(Sau) usw.

Grade der Kastration

Von der Kirchewurden per Dekretvon Papst Sixtus V.vom 7. Juni1587folgende Gruppen unter dem Oberbegriff "Verschnittene" zusammengefasst:

  • beim Spadonen wurden lediglich die Samenleiterdurchtrennt (Vasektomie). Er ist unfähig zum Samenerguss, kann aber nahezu uneingeschränkt sexuelle Lustempfinden und in selteneren Fällen auch den Beischlafvollziehen.
  • beim Kastraten wurden die Hodenentfernt. Er ist unfähig zum Samenergussund ist impotent.
  • der Eunuch ist vollständig "verschnitten"; ihm wurde zusammen mit den Hodenauch der Penis entfernt.

Alle drei Grade der Kastration führen zur Sterilität.

Anmerkungen:

Die Bezeichnung Eunuchfür den dritten Grad entspricht nicht ganz dem üblichen Wortgebrauch, wo Eunuchbeim Grad des "verschnitts" mit dem Kastratenan sich identisch ist, und der Unterschied darin begründet ist, ob vor oder nach der Pubertätkastriert wurde. Beim dritten Grad kommen Entmannungund Kastration zusammen, was etwa einen entmannten/vollständigen Eunuchen ergibt (en:Neuter?).
In Hinblick auf Vasektomiewaren die Aussagen:- beim ersten Grad über die Fähigkeit zum Beischlafschon immer ganz falsch, und über den Samenergussnie annähernd richtig, und Einschränkungen bei der Lust nur psychologisch begründet.

Siehe auch

Ovariohysterektomie- Kastrationsangst- Entmannung- Antiandrogene- Sterilisation (Empfängnisverhütung)- Vasektomie

Weblinks

  • http://www.m-ww.de/sexualitaet_fortpflanzung/glossar.html
  • http://www.tigress.com/black/glossar.php?idx=6
  • http://www.albrecht-blank.de/Withof/De_castratis/index.html
Bild:Icon-Rechtshinweis-blau2-Asio.png Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Rechtsthemen!



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