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Amalgam

Bild:Amalgam.jpg
Zahnfüllung aus Amalgam

Ein Amalgam (arabischal-malgam = erweichende Salbe, griechischmalagma = das Erweichende, nach anderer Etymologie arabisch 'amal al-gima' = Akt der körperlichen Vereinigung) ist eine nicht (ohne weiteres) umkehrbare Vermischung von zwei Stoffen, meist die Legierungmehrerer Metalle. Üblicherweise versteht man darunter Legierungen des Quecksilbers. Da viele Metalle in Quecksilber löslich sind (eine Ausnahme ist zum Beispiel Eisen), gibt es sehr viele Amalgame. Amalgame mit sehr großem Quecksilberanteil sind oft ? wie das Quecksilber selbst ? flüssig, bei kleineren Quecksilbergehalten sind sie fest.

In der klassischen Alchemiewird die Amalgamierung des Quecksilbers mit anderen Metallen oft mit der körperlichen Vereinigung verglichen. Als alchemistisches Lexemist mlat. amalgama seit dem 13. Jht. belegt.

In der Praxis ist die Verschmelzung von Quecksilber mit anderen Metallen jedoch keineswegs unumkehrbar: Im Mund treten Korrosionund Abrasionauf und die Bestandteile der Verbindung, bei Zahnfüllungen sind darunter auch Schwermetalle wie Kupferund Zinn, gelangen in den Organismus. Quecksilber verdampft sogar zu Quecksilberdampf, dies wird auch vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinproduktein seiner Broschüre [1]bestätigt.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Verwendung als Zahnfüllung
  • 2 Gesundheitliche Bedenken
  • 3 Andere Einsatzgebiete
  • 4 Siehe auch
  • 5 Weblinks

Verwendung als Zahnfüllung

Bild:ZMO0287-001.jpg
Zahn mit Approximalkaries (Karies am Zahnzwischenraum)
Bild:ZMO0287-002.jpg
Alte Füllung entfernt, Karies liegt frei
Bild:ZMO0287-003.jpg
Karies entfernt
Bild:ZMO0287-004.jpg
Amalgamfüllung (leider kein Bild von der Politur)


Eine häufige Anwendung der Amalgame ist die Verwendung als Füllungfür Zähne, zum Beispiel in der Form von Silberamalgam. Silberamalgam enthält etwa 50% Quecksilber, ca. 35% Silber und geringere Anteile an Kupfer und Zinn: es wird nach Vermischen des flüssigen Quecksilbers mit einer Feilungsmischungder festen Metalle plastisch verarbeitet. Die seit ca. 20 Jahren in der Zahnheilkunde üblichen Non-Gamma-2-Phasen-Silberamalgame enthalten etwas mehr Kupfer und weniger Zinn als frühere Mischungen und sind dadurch korrosionsbeständiger.

Kupferamalgam enthält als zweiten Hauptbestandteil Kupfer anstatt Silber und wurde bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenfalls als Material für Zahnfüllungen verwendet. Wegen seiner geringeren chemischen Beständigkeit und der umweltschädlichen Verarbeitung (es wurde vorgemischt geliefert und musste zur Verarbeitung durch Erhitzen erweicht werden) wurde es später durch Silberamalgam ersetzt.

Der Vorteil von Amalgam als Füllungsmaterial liegt in der relativ einfachen, auch unter schwierigen Bedingungen im Mund weitgehend fehlerfrei möglichen Verarbeitung und in seiner Haltbarkeit, die bei vergleichbar korrekter Verarbeitung auch heute noch mit keinem anderen plastischen Material erreicht werden kann. Zudem ist Amalgam erheblich billiger als moderne Füllungskunststoffe, die ihre Vorteile hauptsächlich in der zahnähnlichen Farbe und in der Möglichkeit einer adhäsiven Befestigung an der Zahnsubstanz haben. Eine weitere Alternative sind keramische Stoffe wie Definite.

Gesundheitliche Bedenken

Trotz Verarbeitung von reinem Quecksilber konnte eine Gesundheitsgefährdung nicht direkt nachgewiesen werden. Unbestritten ist immerhin die Tatsache, dass Menschen, die mehrere verschiedene (Schwer-)Metalle im Mund haben (z.B. Gold, Amalgam, Silber), tatsächlich erhöhte Quecksilberwerte aufweisen, da durch die im Mund stattfindende ElektrolyseQuecksilber aus dem Amalgam gelöst wird und im Mundraum herumwandert.

Bei der Aufnahme von Quecksilber kommt es zur vermehrten Ausscheidung von Quecksilber im Urin und zur Einlagerung von Quecksilber im Körper, vor allem im Fettgewebe. Dies ist auch der Grund für die neurotoxische Wirkung des Schwermetalls Quecksilber, denn Nervengewebeist u.a. von Fett umgeben.

Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt bei Schwangeren, Kindern und Nierengeschädigten auf die Verwendung von Amalgam zu verzichten.

In jüngster Zeit werden vor allem Reaktionen bei Allergikern und systemische Schäden durch elektrochemische Effekte vermutet. So wird z. B. im Reagenzglas die Toxizität von Quecksilber etwa um den Faktor 10000 erhöht, wenn es mit Aluminiumvermischt wird. Diese Tatsache führt in vielen Staaten mittlerweile dazu, dass gleichzeitig aluminium- und quecksilberhaltige Impfungen (Beispielsweise enthalten in den Konservierungsstoffen Thiomersaloder Timerfonat) nach und nach vom Markt entfernt werden. Ein Problemszenario wäre konkret der Fall, in dem bei einem Amalgamträger, der mindestens eine Goldfüllung besitzt und gerade wegen einer Weltreise mit multiplen Impfungen behandelt wurde, erhöhte Quecksilberwerte nachgewiesen werden.

Amalgam gilt allerdings als das Füllungsmaterial mit dem niedrigsten Allergiepotential. Eine Allergie auf Amalgam ist sehr selten. Allerdings kann ein im Säuglingsalter (Alter < 1 Jahr) durch quecksilberhaltige Impfungen (siehe oben) sensibilisierter Mensch mit höherer Wahrscheinlichkeit besagte Quecksilberallergie entfalten.

Jegliche Amalgamreste werden vom Zahnarzt in sogenannten Amalgamabscheidern gesammelt und müssen als Schwermetall (Sondermüll) entsorgt oder recycelt werden.

Im Jahre 1997kam es zu einem Konsenspapier des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie diversen zahnärztlichen Gesellschaften und Institutionen. Ähnliche Empfehlungen kamen in den letzten Jahren von der EU. Im Dezember 2004wurde eine Studie des "Life Sciences Research Office" der USA veröffentlicht. In einer auswertenden Studie aller Forschungsarbeiten seit 1996wurde kein Nachweis der Gefährdung durch Amalgamfüllungen gefunden.

Hingegen kam eine aktuelle und umfassende Studie mit dem Titel Amalgam: Eine Risikobewertung unter Berücksichtigung der neuen Literatur bis 2005 vom Institut für Krankenhaushygiene, Universitätsklinik Freiburg zu dem Schluss: "Aufgrund der Berücksichtigung aller verfügbaren Daten kann Amalgam weder medizinisch, arbeitsmedizinisch noch ökologisch als sicheres Zahnfüllungsmaterial bezeichnet werden."

Bild:Amalgam filling.JPG
Amalgam-Füllung im Röntgenbild

Andere Einsatzgebiete

Ein technisch wichtiges und in großem Maßstab hergestelltes Amalgam ist auch das Natriumamalgam, das bei der Chlor-Alkali-Elektrolyseals Zwischenprodukt entsteht. Es wird mit Wasserzu Natronlaugeund Quecksilberzersetzt, das im Kreislauf wieder zur Elektrolyseverwendet wird.

Da die AlkalimetalleAmalgame bilden, zum Beispiel bei der Elektrolyse von Lösungen der Alkalimetallionen mit Quecksilberelektroden, hat man auch versucht, ein Ammonium- beziehungsweise Ammoniakamalgam herzustellen (das Ammoniumion verhält sich oft den Alkalimetallionen ähnlich); Ammoniumamalgam zersetzt sich aber zu Quecksilber, Ammoniakund Wasserstoff.

Bei der Goldgewinnungwird teilweise noch Quecksilber eingesetzt. Dieses bildet mit dem Gold, das in kleinen Flittern mit Gestein vermengt vorliegt, ein zunächst flüssiges Amalgam. Um reines Gold zu erhalten, wird das Amalgam erhitzt. Dabei entstehen sehr giftige Quecksilberdämpfe.

Aluminiumamalgamwird als Reduktionsmittel verwendet.

Thalliumamalgamwird wegen seines niederen Gefrierpunkts von -58 Grad Celsius als Thermometerflüssigkeit für Tieftemperaturthermometer verwendet.

Siehe auch

  • Amalgamation

Weblinks

  • University of Calgary: "How Mercury Causes Brain Neuron Degeneration"
  • Universitätsklinik Freiburg: "Amalgam: Eine Risikobewertung unter Berücksichtigung der neuen Literatur bis 2005"
  • Artikel über Amalgamausleitungda:Amalgam

en:Amalgam eo:Amalgamo fa:????? ja:????? nl:Amalgaam nn:Amalgam pl:Amalgamat pt:Amálgama sl:Amalgam sv:Amalgam uk:????????? zh-min-nan:A-má-káng

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