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Bruxismus

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Viele Namen, eine Krankheit
  • 2 Um Haaresbreite
  • 3 Der Stand der Forschung 2005
  • 4 In der Literatur
  • 5 Behandlung
  • 6 Bruxismus bei Kindern
  • 7 Weblinks

Viele Namen, eine Krankheit

Der Bruxismus (abgeleitet von griechisch???????, männlich - das [Zähne-]Knirschen mit lateinischerEndung) bezeichnet das unbewusste, meist nächtliche, aber auch tagsüber ausgeführte Zähneknirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne, durch das die Zähne verschleißen, der Zahnhalteapparatüberlastet und zusätzlich das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur, aber auch andere Muskelgruppen, die zur Stabilisierung des Kopfes angespannt werden, geschädigt werden können. Auf diese Weise kann es bis zu schweren Schmerz</p>syndromen und Ohrpfeifen (Tinnitus) kommen. Weitere häufige Erscheinungen sind Schwindel, Sehstörungen und Übelkeit. Diese Schmerzsyndrome werden in der deutschen Literatur als Craniomandibuläre Dysfunktion(CMD) oder Cranio-Vertebrale Dysfunktion (CVD) und in der englischsprachigen Literatur als TMJ(temporo- mandibular- Joint- Disease) geführt. Ein weiteres Synonym ist Costen-Syndrom.

Um Haaresbreite

Das System ist hochempfindlich. Abweichungen der Bisslage um 0,01 mm werden wahrgenommen, Abweichungen um 0,1 mm können den Kauapparat soweit stören, dass es zum Bruxismus kommt. (Kobayashi et al. 1988, Doppelblindversuch im Schlaflabor). Experimentelle Zahnerhöhungen um 0,1 mm bewirkten in dieser Versuchsreihe verkürzte Tiefschlafphasen, erhöhte Adrenalinausschüttungen, verlängerte Apnoezeiten während des Schlafes und nach 14 Tagen war die Kaumuskulatur soweit traumatisiert, daß es zu einem erhöhten Muskeltonus kam.

Der Stand der Forschung 2005

Wissenschaftlich ist der Bruxismus vergleichsweise wenig beachtet. Es gibt in der zahnmedizinischenLiteratur noch viel zu wenig Studien, um gesicherte Erkenntnisse zu verkünden. Es ist z.B. bis heute nicht klar, inwieweit eine genetischeVeranlagungeine Rolle spielt oder ob der Bruxismus grundsätzlich immer eine behandlungsbedürftige Krankheit darstellt. Die höhere Anfälligkeit der Frauen, ca. 85% der Patienten sind weiblich, wird mit weniger widerstandsfähigem Bindegewebe erklärt. Eine wichtige Untersuchung, unter Anderem zu diesem Thema, ist die seit 1999 laufende "Study of Health in Pomerania" (SHIP genannt), in der auch die Fernwirkungen des craniomandibulären Systems auf den Halte- und Bewegungsapparat des Körpers untersucht werden. Klar ist hingegen, dass den zahnärztlichen Therapieversuchen der 1970er Jahremit umfangreicher "gnathologischer Rehabilitation" kein Erfolg beschieden war. Inzwischen weiß man, dass die Konstruktion der Aufbiss- Schiene eine hochkomplexe Aktion ist. Sofern es nicht gelingt, mit dieser Schiene die Gleitfunktion des Diskus interartikularis (Zwischengelenkscheibe) wieder herzustellen, versagt die Behandlung. (U. Lotzmann, Marburg, 2001) Je nach Art der Okklusionsstörung können ganz unterschiedliche Aufbisskorrekturen bzw. Aufbissbehelfe erforderlich sein.

In der Literatur

Die ersten Veröffentlichungen zu diesem Thema gehen auf das Jahr 1934 zurück, die eigentlich fundamentale Arbeit hierzu veröffentlichte Harold Gelb 1991 als "clinical management of head, neck and TMJ- Pain and dysfunction". Das Problem ist also heute (2005) seit gut 70 Jahren bekannt.

Behandlung

Zur Behandlung hilft oft schon eine Anleitung zur Selbstbeobachtung und eine Aufklärung des Patientenüber die Zusammenhänge sowie Anleitungen zur Selbstmassage der verspannten Muskeln, um die Beschwerden etwas zu lindern. Allerdings fehlt während des Schlafes jegliche Kontrolle über die Reflexaktivität des Kauorgans. Der Kaudruck, der bei uns Menschen normalerweise im Maximum 0,4 bis 0,45 kN beträgt, kann sich um den Faktor 10 steigern. Das bedeutet im Klartext, dass das Gelenk mit einer halben Tonne belastet wird. Dass hierdurch schwere Schäden entstehen können, liegt auf der Hand. Der Volksmund sagt, jemand habe sich an einem Problem die Zähne ausgebissen, und das trifft die Situation genau. Was während des Tages nicht verdaut wird, wird während der Nacht zerkaut. Hilfreich kann auch die Zusammenarbeit des Zahnarztesmit einem entsprechend fortgebildeten Physiotherapeutensein. In diesem Zusammenhang empfehlenswert ist es hier, zu versuchen, einen Physiotherapeuten mit einer Ausbildung in Osteopathiehinzu zu ziehen. Diese Leute können wesentlich zur Reduktion des Tonus der Kaumuskulatur beitragen.

Zahnärzte können eine Aufbiss-Schiene anfertigen, um den Verschleiß zu stoppen und eventuelle Störkontakte der Zähne auszugleichen, was ebenfalls zur Entlastung führt. Die Anfertigung dieser Schienen stellt allerdings ausgesprochen hohe Ansprüche an die Qualifikation des jeweiligen Zahnarztes. Die routinemässige Ausbildung an der Uniklinik streift diesen Aspekt nur. Die DGZMK(Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund und Kieferheilkunde) empfiehlt, jeden definitiven Eingriff an den Zähnen beim Vorliegen einer Aufbissproblematik bis zur Sanierung dieser Problematik zu verschieben. Ein wichtiger Aspekt für das Zähneknirschen sind die Stressverarbeitungund weitere psychologischeFaktoren, also der Umgang mit z.B. Angst, Aggression, Frustration, individueller Überforderung. Deshalb ist häufig die Hilfe eines Psychotherapeutenbei der Behandlung von Bruxismus-Patienten erforderlich.

Nachts fühlt sich der Partner, ähnlich wie bei einem Schnarcher, häufig durch das laute Zähneknirschen gestört.

Bruxismus bei Kindern

Bei Kindern ist Zähneknirschen jedoch völlig normal. Kinder müssen vor, während und nach dem Zahnwechsel die Okklusion, also die Feinabstimmung des Zusammenbisses zwischen oberer und unterer Zahnreihe, zurechtbeißen und einschleifen, was zwar mit oft heftigen Knirschgeräuschen einhergeht, aber keinen Grund zur Beunruhigung darstellt. Es gibt in der amerikanischen Literatur Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen "idiopathischen" Skoliosenbeim Jugendlichen und funktionsgestörtem Kauorgan sehen.

siehe auch: Kaugeräusch siehe auch: Craniomandibuläre Dysfunktion

Weblinks

  • Eine ausführliche Site aus den USA, hier heißt es TMJ anstelle von CMD
  • Hier bearbeitet ein Oralchirurg das Thema, gut zu lesen.
  • Die ZMK- Klinik der Hamburger, Heimat von Jakstad und Ahlers
  • eine fachübergreifende Organisation, die sich um die CMD kümmert
  • Häufig gestellte Fragen zu Bruxismus



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Bruxismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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