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Fluoridierung

Als Fluoridierung bezeichnet man die Zugabe von Fluorideninsbesondere in Speisesalz, Trinkwasser, Tabletten und Zahnpasten, um den Zahnschmelzzur Prophylaxevon Zahnkarieszu härten. Als täglicher Bedarf wird in den meisten Ländern eine Menge von 1 MilligrammFluor pro Person und Tag angesehen, die damit garantiert werden soll.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Kariesvorbeugung durch Fluoride
  • 2 Aufnahme von Fluorid
  • 3 Fluorose
  • 4 Literatur
  • 5 Weblinks

Kariesvorbeugung durch Fluoride

Bild:Fluor plaq.png
a) Die Kristallite fluoridgeschützter Zahnhartsubstanz werden bei kariösen Angriffen nicht aufgelöst
b) Herrscht ein Fluoriddefizit, wird bei kariösen Angriffen die Oberfläche der Kristallite teilweise oder vollständig aufgelöst

Eine Maßnahme für gesunde Zähnebilden neben der Zahnpflege und einer (zahn)gesunden Ernährung Fluoridanwendungen, denn die natürliche Fluoridkonzentration der Zähne reicht nicht aus, eine Kariesmit Sicherheit zu verhindern. Der kristalline Schmelzanteil (Hydroxylapatit) wird durch Säureeinwirkung aus dem Zahnschmelz ausgewaschen, andererseits durch den Speichelin gewissen Mengen wieder zugeführt; durch Fluoridanwendung kann man dieses Gleichgewicht in Richtung einer höheren Fluoridkonzentration des Zahnschmelzes (Fluorid-Apatit) verschieben. Fluorid-Apatit ist weniger säurelöslich als Hydroxylapatit.

Zahnschmelzbesteht chemisch gesehen aus positiv geladenen Calcium-Teilchen und negativ geladenen Phosphat-Teilchen, die zusammen das Hydroxylapatit bilden. Im natürlichen Zahnschmelz enthält das Hydroxylapatit ?Verunreinigungen? (Magnesium, Carbonate) aus dem Stoffwechsel der schmelzbildenden Zellen (Ameloblasten). Diese Verunreinigungen schwächen das Kristallgitter und werden bei Säureangriffen bevorzugt gelöst.

Fluoride erhöhen die Widerstandskraft der Zähne gegen die Angriffe durch die sauren Stoffwechselprodukte der Bakterien im Zahnbelagoder Säuren aus der Nahrung (Fruchtsäfte, Softdrinks). Fluorid verstärkt das Kristallgitter durch seine hohe Ladungsdichte (kleines Ion mit starker Ladung) und verhindert so seine Auflösung (Schutz vor Demineralisation). Freies Calcium im Speichel oder in der Flüssigkeitsphase des Zahnbelags wird in Anwesenheit von Fluoriden wieder in Defekte des Kristallgitters eingebaut (Remineralisation). Bei geringer Häufigkeit oder Stärke der Säureangriffe wird bevorzugt magnesium- und carbonathaltiges Apatit gelöst und bei der Remineralisation in Anwesenheit von Fluorid als fluoridiertes Apatitwieder in den Schmelz eingebaut. Dadurch wird im Verlauf des Lebens die äußere Schmelzschicht verstärkt (Schmelzreifung), vorausgesetzt die Kariesist nicht zu aggressiv (das heißt die Entmineralisierungsphasen sind nicht zu lang und zu häufig). Fluoride wirken bereits in kleinen Mengen. Dann muss allerdings eine regelmäßige Anwendung stattfinden. Regelmäßiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta ist dazu im Allgemeinen ausreichend. Bei Patienten mit hohem Kariesrisiko kann zusätzlich eine Fluoridapplikation durch den Zahnarzt notwendig werden.

Ursprünglich wurde angenommen, bei Kindern könne durch Trinkwasserfluoridierung beziehungsweise durch Gabe von Fluoridtabletten bereits vor Durchbruch der Zähne in der Schmelzbildungsphase Fluoridapatit in den Zahnschmelz eingelagert und der gesamte Schmelz "durchgehärtet" werden, was jedoch wissenschaftlicher Überprüfung nicht standhielt. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass die regelmäßige lokale Aufbringung niedrig dosierter Fluoride (Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta) den besseren Schutzeffekt bietet. Außerdem können die Fluoride erst durch die gleichzeitige Entfernung der bakteriellen Beläge an ihren Wirkungsort gelangen.

Aufnahme von Fluorid

Prinzipiell gibt es mehrere Möglichkeiten Fluoride aufzunehmen:

  1. Lokale Anwendung: das fluoridhaltige Mittel wird hauptsächlich in der Mundhöhleangewandt und bleibt eine Zeitlang im Speichelnachweisbar (Zahnpasten, Mundspülungen, Gele und Lacke).
  2. Systemische Anwendung: Fluorid wird mit der Nahrungaufgenommen oder als Tabletteverabreicht. Das Fluorid wird im Verdauungstraktvom Blutaufgenommen. Dort kann es in neugebildetes Zahnhartgewebe und Knochengewebeeingebaut werden und über den Blutkreislaufim Speichel ausgeschieden werden. Beispiele: fluoridhaltiges Trinkwasser, Mineralwasser, Tabletten, Speisesalz, fluoridhaltige Nahrungsmittel (Fisch, Schalentiere, Tee). Die Verweildauer im Mund ist sehr gering und die Konzentration an Fluorid meist sehr klein (außer bei Fluoridtabletten).
  3. Gemischt Anwendung: Lutschen von Fluoridtabletten, Verschlucken von fluoridhaltiger Zahnpastawirkt zum Ersten lokal im Mund und danach systemisch.

Nach neuesten Forschungen wirken fluoridhaltige Verbindungen allerdings nur oberflächlich, und durch das Essen aufgenommenes Fluorid oder fluoridhaltige Verbindungen können nicht auf den Zahnschmelz einwirken. Deshalb muss man sich entweder regelmäßig einer Fluorid-Behandlung beim Zahnarzt unterziehen oder zum Zähneputzen eine fluoridhaltige Zahnpasta verwenden, um einen langfristigen Effekt zu erzielen.

Fluorose

Bei gleichzeitiger Fluoridaufnahme aus mehreren Quellen (beispielsweise Verschlucken von Zahnpasta plus Fluoridtabletten oder stark fluoridhaltigem Mineralwasser) kann Zahnschmelzfluorose entstehen, bei höherer Dosierung auch Knochenfluorose. Letztere sieht man hauptsächlich in tropischen Ländern, wo ungereinigtes Wasser aus vulkanischen Quellen getrunken wird (Kenia). Unter bestimmten Voraussetzungen (zum Beispiel Verzehr von vielen Fluoridtabletten durch Kinder) ist auch eine akute Fluoridvergiftung möglich.

Siehe auch: Fluorose

Literatur

  • Max O. Bruker, Rudolf Ziegelbecker: Vorsicht Fluor. Das Kariesproblem. Verlag emu, 5. Auflage 2000, ISBN 3-89189-013-3

Weblinks

  • Geschichte des Fluors und der Fluoridierung
  • Kritik zur Fluoridierung
  • DGZMK Kariesvorbeugung bei Milchzähnen
  • Schädliche Wirkungsweise von Fluor in der Kariesbehandlung
  • Ilka Lehnen-Beyel: Warum Fluorid in die Zahnpasta und nicht ins Salz gehört
Bild:Wiktionary-ico-de.png
   
Wiktionary: {{{2|Fluor}}} ? Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
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en:Water fluoridation
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