Bild:Zahn ana.gif Der Aufbau eines Zahnes
Bild:Putzen01.gif Zahnbürste und Zahnpasta
Die zahnmedizinische Prophylaxe (griechisch: die Vorbeugung), auch vorbeugende Zahnheilkundeoder zahnmedizinische Präventionbeschäftigt sich mit vorbeugenden Maßnahmen, die die Entstehung von Krankheitenan Zähnenund am Zahnhalteapparatverhindern sollen.
Die kollektive Prophylaxe bezieht sich auf große Bevölkerungskreise. Betrifft sie aufgewählte große Bevölkerungsgruppen, z.B. Schulkinder, spricht man von semikollektiver Prophylaxe im Gegensatz zur Individualprophylaxe, die Einzelpersonen meint.
Basisprophylaktische Maßnahmen stehen einer Vielzahl von Personen zur Verfügung, intensivprophylaktische Maßnahmen richten sich an Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Präventionsebenen
- 1.1 Primäre Prävention
- 1.2 Sekundäre Prävention
- 1.3 Tertiäre Prävention
- 2 Karies- und Parodontalprophylaxe
- 2.1 Mundhygienemaßnahmen
- 2.1.1 Zahnpflege (mechanische Plaqueentfernung)
- 2.1.1.1 Zahnbürsten
- 2.1.1.2 Zahnpasta
- 2.1.1.3 Zahnputztabletten
- 2.1.1.4 Zahnputztechnik
- 2.1.1.5 Zahnseide
- 2.1.1.6 Zahnhölzchen
- 2.1.1.7 Interdentalbürstchen
- 2.1.2 Chemische Plaquekontrolle
- 2.1.2.1 Chlorhexidindiglukonat
- 2.1.2.2 Aminfluorid mit Zinnfluorid
- 2.1.2.3 Enzyme
- 2.1.2.4 Sanguinarin
- 2.1.2.5 Zahnsteininhibitoren
- 2.1.2.6 Tenside
- 2.1.2.7 Weitere Substanzen
- 2.1.3 Plaquerevelatoren
- 2.1.4 Prothesenhygiene
- 2.1.5 Zungenhygiene
- 2.2 Kontroll-Untersuchungen durch den Zahnarzt
- 3 Kariesprophylaxe
- 3.1 Kariesprophylaxe mit Fluoriden
- 3.1.1 Fluoridapplikation
- 3.1.2 Empfehlungen der DGZMK zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden
- 3.2 Ernährungsberatung und -lenkung
- 3.3 Versiegelung tiefer Fissuren
- 4 Literatur
- 5 Weblinks
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Präventionsebenen
Primäre Prävention
Durch primäre Präventionsmaßnahmen wird das Auftreten neuer Krankheiten vermindert. Die Vermeidung zuckerhaltigerLebensmittelund die Trinkwasserfluoridierungentsprechen dieser Präventionsebene.
Sekundäre Prävention
Die möglichst frühe Diagnoseauftretender Krankheiten sowie deren Behandlungzur Heilungund/oder Einschränkung der Krankheitsausbreitung entspricht der sekundären Präventionsebene. Besuche zur Routine-Kontrolle in der Zahnarztpraxisin halbjährlichen Intervallengehören zur Prävention.
Tertiäre Prävention
Tertiäre Präventionsmaßnahmen bestehen in der Vermeidung von Komplikationen, die bei der Behandlung bereits entstandener Krankheiten auftreten können.
Karies- und Parodontalprophylaxe
Bild:Zahnstein011.png Zahnstein
Bild:Zahnfleischbluten.png Zahnfleischbluten
Bild:Zahnfleischentzuendung.png Zahnfleischentzündung
Siehe Unterartikel: Zahnkariesund Parodontitis
Karieserkrankungender Zähneund Erkrankungen des Zahnhalteapparateshaben ihre gemeinsame Ursache in der Plaqueund deren Stoffwechselprodukten. Die primäre Karies- und Parodontalprophylaxe richtet sich auf die Schaffung einer möglichst plaque- und zahnsteinfreienMundhöhle. Dieses Ziel kann nur durch geeignete Mundhygienemaßnahmen erreicht werden.
Mundhygienemaßnahmen
Bei der Mundhygiene unterscheidet man zwischen Zahnpflege und Prothesenhygiene. Ziel der Mundhygiene ist die regelmäßige und gründliche Entfernung von Speiseresten und Plaque, um Karies, parodontalen Erkrankungen und Mundgeruch vorzubeugen. Durch Mundspülungen, Sprays und Mundduschenallein können Zähne und Prothesenoberflächen nicht ausreichend gesäubert werden, allenfalls größere Speisereste lassen sich dadurch herausspülen.
Auch der langfristige Erfolg bereits bestehender zahnmedizinischer Restaurationen (meist Füllungen) hängt von einer guten Mundhygiene ab.
Die Mundhygienemaßnahmen, die jeder zu Hause durchführen kann, ergänzend sollte in regelmäßigen Zeitabständen von 6 Monaten eine professionelle Zahnreinigung durch den Zahnarzt oder dessen Hilfspersonal durchgeführt werden.
Zahnpflege (mechanische Plaqueentfernung)
Am wichtigsten ist sicherlich das regelmäßige Zähneputzen. Normalerweise sollte es ausreichen, sich zwei mal am Tag die Zähne zu putzen. Das Putzen vor dem Schlafen ist das wichtigste. Andernfalls sind die Zähne viele Stunden einer Belastung ausgesetzt. (Zur Entstehung von Karies siehe Zahnkaries). Nach dem Genuss säurehaltigerNahrungsmittel wie Obstsollte man den Mund zunächst nur mit Wasserausspülen und erst nach 20 Minuten mit dem Zähneputzen beginnen.
Zahnbürsten
Siehe Unterartikel: Zahnbürste
Eine elektrische Zahnbürste ist grundsätzlich eine Alternative zur herkömmlichen Zahnbürste (nicht elektrisch betrieben). Eine herkömmliche Zahnbürste ist bei korrekter Anwendung zwar genauso geeignet zur Zahnpflege, doch oft wird sie falsch verwendet. Der Umgang mir einer elektrischen Zahnbürste ist dagegen etwas einfacher. Wichtig ist der regelmäßige Wechsel der Bürstenköpfe. Der Bürstenkopf sollte nach etwa 6-8 Wochen gewechselt werden, spätestens allerdings wenn die Borsten anfangen sich auseinander zu biegen. Es kann sinnvoll sein, einige Bürstenköpfe bzw. Zahnbürsten auf Vorrat zu haben.
Bild:E buerste.png elektrische Zahnbürste
Verwendung der elektrischen Zahnbürste:
Den Bürstenkopf setzt man auf dem Zahnfleisch an und bewegt ihn vom Zahnfleisch ausgehend über den Zahn. Für jeden Zahn setzt man also neu am Zahnfleisch an, und putzt so von Zahn zu Zahn. Damit ist gewährleistet, dass das Zahnfleisch massiert wird und auch der Zahnzwischenraum weitestgehend gereinigt wird. Mit einer elektrischen Zahnbürste sollte nicht schrubbend vorgegangen werden. Es ist wichtig, an den leicht vergessenen letzten Zahn zu denken. Hier wird besonders die Rückseite gerne vergessen.
Verwendung der herkömmlichen Zahnbürste:
Bürsten mit mittelharten, abgerundeten Kunststoffborsten sind besonders empfehlenswert. Die ideale Länge des Bürstenkopfes beträgt 30-35 mm, die Borsten sind mit 20-40 Borsten in Bündeln zusammengefasst. Bürstenkopf und -griff sollen so geformt sein, dass alle Zähne leicht erreicht und gereinigt werden können. Spezielle Kinderzahnbürsten sind im Handel erhältlich.
Zahnpasta
Siehe Unterartikel: Zahnpasta
Zahnpasta unterstützt die reinigende Wirkung der Zahnbürste durch ihren Gehalt an Poliermitteln und anderen Zusatzstoffen; sie sollen einen hohen Reinigungsgrad, aber eine geringe abrasiveWirkung haben, um den Zahnschmelznicht zu schädigen.
Zum Zähneputzten sollte eine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden. Gerade abends ist es sinnvoll den Mund nach dem Zähneputzen nicht auszuspülen. Denn so können die Wirkstoffe der Zahnpasta länger wirken. Der Schaum wird nur ausgespuckt. Wer das, wegen das Geschmacks, nicht mag, sollte darauf achten den Mund nur leicht auszuspülen.
Bild:Putz technik.png Zahnputztechnik: modifizierte Bass-Technik
Zahnputztabletten
Siehe Unterartikel: Denttabs
Zahnputztabletten erfüllen die gleichen Funktionen wie Zahnpasta. Sie entstehen durch das Entfernen der liquiden Bestandteile von Zahnpasta.
Natriumfluorid sorgt auch in den Tabletten für Kariesschutz. Kariesvorbeugende Fluoride in einigen herkömmlichen Zahnpasten sind jedoch nicht lange wirksam. Ihr Anteil kann bereits nach vier Monaten ab Produktion um bis zu ein Viertel reduziert sein. Das liegt an den chemischen Reaktionen, die Fluoride in einem feuchten Umfeld - hier der Paste - mit den anderen Chemikalien eingehen. Nur durch die trockene Kombination der Inhaltsstoffe bleibt das Fluor praktisch unbegrenzt wirksam, was in Zahnputztabletten der Fall ist. Weiterhin ist in Tabletten immer die gleiche Menge Natriumfluorid enthalten, was bei Zahnpasta bedingt durch die schwer einzuschätzende Dosierung nicht immer der Fall ist.
Bei der Herstellung von Zahncreme werden bis zu 100 Substanzen verwendet, deren mögliche schädliche Wirkung auf den menschlichen Körper nicht erforscht ist. Damit sie lange haltbar bleibt, enthalten die Tuben ein Gemisch von Konservierungsstoffen, Keimhemmern und Konsistenzgebern (PEG).
Zahnputztabletten enthalten nur Stoffe, die für eine gründliche Zahnhygiene notwendig sind plus Aromen für ein angenehm frisches Gefühl und frischen Atem nach dem Zähneputzen. Auf Grund der trockenen Zusammensetzung der Inhaltsstoffe sind Konservierungsstoffe, Keimhemmer und Konsistenzgeber vollkommen unnötig.
Zahnputztechnik
Bewährt hat sich die modifizierte Bass-Technik. In einem Winkel von 45°werden die Borsten der Zahnbürste auf Zähne und Zahnfleisch aufgesetzt. Vibrierende, kurze Bewegungen werden unter leichtem, gleichmäßigem Druck durchgeführt, abschließend wird die gelöste Plaque mit einer Drehbewegung in Richtung Zahnkroneausgewischt. An derselben Stelle ist das Vorgehen mehrmals zu wiederholen. Systematisch werden zunächst alle Zähne im Oberkiefer, dann die im Unterkiefer geputzt.
Kleinkinderkönnen diese komplexe Vorgehensweise noch nicht beherrschen, bei ihnen ist die Schrubbtechnik angezeigt. Hier wird die Zahnbürste in waagerechter Richtung hin und her bewegt.
Ausserdem gibt es die Stillman-Technik, bei der ohne die Rüttelbewegung der Bass-Technik die Zähne mit kreisenden Bewegungen vom Zahnfleisch zur Zahnkrone hin gereinigt werden. Auch hier ist auf den Winkel von 45° zu achten.
Die Zahnzwischenräume bedürfen einer besonderen Pflege, da sie mit der Zahnbürste kaum erreicht werden können:
Bild:Zahnseide co.png Reinigung der Zahnzwischenräume: a) Zahnseide, b) Zahnhölzchen, c) Interdentalbürstchen
Zahnseide
Siehe Unterartikel: Zahnseide
Auch die Zahnzwischenräume müssen gepflegt werden. Dies geschieht einmal täglich gründlich mit Zahnseide, Zahnhölzchen oder Zwischenraumbürsten(Interdentalbürstchen). Am besten eignet sich hier auch der Abend.
Es gibt gewachste und ungewachste Zahnseide im Handel. Anfängern sei die gewachste Variante empfohlen, da sie weniger leicht reißt und besser über den approximalen Kontaktpunkt gleitet. Geübtere Anwender können die ungewachste Zahnseide mit noch besserer Reinigungswirkung verwenden. Interdentalbürstchen sind in verschiedenen Durchmessern, Formen und Ausführungen erhältlich. Sie finden insbesondere bei parodontal vorgeschädigten Gebissen Anwendung.
Anwendung:
Sind die Interdentalräume sehr schmal, verwendet man Zahnseide, die sich um je eine der aneinanderstoßenden Flächen legt und durch Aus- und Abbewegungen unterhalb des Punktes, an dem die Zähne seitlich aneinanderstoßen.
Zahnhölzchen
Bei leicht geöffneten Interdentalräumen eignen sich Zahnhölzchen zur Entfernung der Plaque. Die flache Seite des Hölzchens zeigt zum Zahnfleisch. Das Hölzchen wird vorsichtig zwischen den Richtungen nach innen/nach außen hin und her bewegt. Es besteht die Gefahr, das Zahnfleisch zu verletzen.
Zahnhölzchen, wie beispielsweise Miswak, werden bereits seit dem Altertum verwendet.
Interdentalbürstchen
Stehen die Zähne ausreichend weit auseinander oder sind bestimmte Prothesen (z. B. Implantate) vorhanden, verwendet man Interdentalbürstchen zur Interdentalraum-Reinigung.
Chemische Plaquekontrolle
Spüllösungen, Gels, und Zahnpasten enthalten Wirkstoffe, die die Entstehung von Plaque bzw. die Entstehung von Stoffwechselprodukten der Plaque hemmen. Bereits bestehende Plaque versucht man teilweise chemischaufzulösen.
Chlorhexidindiglukonat
Siehe Unterartikel: Chlorhexidin
Chlorhexidin ist gegen
- aerobe,
- anaerobe,
- grampositive und
- gramnegative
Keimewirksam. Konzentrationsabhängigwirkt es bakterizid und bakteriostatisch. In 0,1 bis 0,2 % wässriger Lösungkann es zur Keimreduktionim Mund genutzt werden.
Bei einer Langzeitanwendung wird eine 0,1 % Lösung empfohlen. Relativ neu (Stand: 2002) auf dem Markt sind Lösungen mit einer niedrigeren Konzentration (0,06 %).
Ob die Anwendung von Chlorhexidin angezeigt ist, beraten Sie bitte mit Ihrem Zahnarzt.
Aminfluorid mit Zinnfluorid
Die Kombination von Aminfluoridmit Zinnfluoridist als Lösung oder in Gelform erhältlich (Fluoridgehalt 0,025 % F). Die plaquehemmende und plaquereduzierende Wirkung ist ähnlich der von Chlorhexidindiglukonat.
Enzyme
Die Versuche die Plaquebildung beim Menschenmit Enzymeneinzuschränken waren bisher wenig erfolgreich.
Sanguinarin
Sanguinarinist ein Alkaloidaus der Blutwurz-Sanguinariacanadensis. Es wird Zahnpasten und Spüllösungen zugesetzt. Seine antimikrobielleWirkung erzielt es durch den Eingriff in die Nukleinsäuresyntheseund in die enzymatische Aktivität von Plaquebakterien.
Zahnsteininhibitoren
Zahnsteininhibitorensind ebenfalls Zusatzstoffe in Zahnpasten und Spüllösungen, es handelt sich um Pyrophosphate, Polyphosphonate, Phosphonateund Zinkcitrat. Sie sollen die Ausfällungder Kalziumsalzeaus dem Speichel hemmen. Die Wirksamkeit ist bisher nicht belegt.
Tenside
Tenside können sich aufgrund ihrer chemischen Struktur auf Oberflächen auflagern und besitzen so eine desorbierende Wirkung auf die Plaquebakterien. In ihrem Schaumhalten sie die Plaquebakterien fest und fördern das Ausspülen. Auch sie werden Zahnpasten und Spüllösungen zugesetzt.
Weitere Substanzen
Als alleinige Mittel zur Plaqueentfernung nicht geeignet sind folgende Substanzen, deren Wirksamkeit nicht eindeutig belegt ist, die jedoch Zahnpasten und Spüllösungen zugesetzt werden:
- Hexitidin
- Phenole
- quaternäre Ammoniumverbindungen
- und andere
Plaquerevelatoren
Unter Plaquerevelatoren versteht man Substanzen, die die Plaque einfärben und so besser sichtbar machen. Früher wurde meist Erythrosin verwendet, heute benutzt man Lebensmittelfarbstoffe in Tablettenform oder als Lösung.
Prothesenhygiene
Auch Zahnersatz ("Die Dritten") braucht intensive Pflege. Herausnehmbarer Zahnersatz wird mindestens einmal am Tag gründlich gereinigt. Die Oberfläche des Zahnersatzes ist, wie die eigenen Zähne von Plaqueablagerungen betroffen, ebenso die Zwischenräume zwischen Kiefer und Zahnprothese und zwischen eigenen Zähnen und Zahnprothese.
Nachlässige Prothesenhygiene kann Mundgeruch, Zahnfleischentzündungen und Karies an den verbleibenden eigenen Zähnen zur Folge haben, was zum Verlust weiterer Zähne führen kann.
Vorgehensweise:
- Damit sich an der Unterseite der Zahnprothese keine Speisereste und Bakterien festsetzen, erfolgt die Reinigung von herausnehmbaren Zahnersatz stets ausserhalb des Mundes.
- Die groben Ablagerungen werden mit einer weichen Zahnbürste mindestens einmal am Tag, besser nach jeder Mahlzeit, entfernt.
- Die Zahnpasta sollte nur wenig Schleifkörper enthalten, um Abrasionsschäden und damit eine rauhe Zahnersatzoberfläche, in der sich Bakterien ansiedeln können, zu vermeiden.
- Einmal täglich wird ein Reinigungsbad mit Gebissreinigungstabletten durchgeführt, das auch an Stellen, die die Zahnbürste nicht erreicht, für hygienische Sauberkeit sorgt.
Bild:Zungenschaber.jpg Zungenschaber
Bild:Zungenbuerste.jpg Zungenbürste
Zungenhygiene
Siehe Unterartikel: Zungenschaber
Die Beläge der Zunge werden mit einem Zungenschaberentfernt. Dabei ist zu beachten, dass der Schaber möglichst weit hinten ansetzt und mit sehr sanftem Druck über die Zunge nach vorne geführt wird. Die entfernte Substanz wird ausgespuckt, der Mund danach ausgespült.
Kontroll-Untersuchungen durch den Zahnarzt
Zur Erhebung einer Allgemeinanamnesefüllt der Patient, meist, wenn er das erste Mal in einer Praxis behandelt wird, einen Fragebogen aus. Allgemeinerkrankungen können Auswirkungen auf die Zahngesundheit haben und spezielle Behandlungsrisiken beinhalten. Ergänzend zur schriftlichen Selbstauskunft des Patienten führen Patient und Arzt ein Gespräch.
Eventuell bittet der Arzt den Patienten einen Ernährungsfragebogen auszufüllen, um das individuelle Kariesrisiko besser einschätzen zu können.
Es folgt der intraorale Befund, zu dessen Erhebung der Arzt die Zähne, das Zahnfleischund die übrige Mundschleimhautdes Patienten untersucht. In Einzelfällen wird die Speichelfließratebestimmt.
Es folgt die Dokumentation des Zahnstatus.
Als Zahnstatus wird die Erfassung des Gebisszustandesbezeichnet. Hierbei werden fehlende Zähne, ersetzte Zähne, Kariesbefall, Füllungen, Inlays, Onlays, Implantate sowie Fehlstellungen oder sonstige Zahnerkrankungen in schriftlicher Form oder als Bild festgehalten.
Als weißer Punkt (white Spot) sichtbare demineralisierte Stellen an den Zähnen bezeichnet man auch als kariöse Initialläsion. Wird regelmäßig und ausreichend Fluorid angewandt, kann die weitere Zerstörung des Zahnschmelzes und damit des Zahns aufgehalten werden.
Ist die Karies weiter fortgeschritten und als dunkle Stelle oder als Loch sichtbar, entfernt der Zahnarzt die erkrankten Teile mit dem Bohrer, reinigt die Kavitätund versieht den Zahn mit einer Füllung.
So ist es möglich die fortschreitende Zerstörung des erkrankten Zahnes zu verhindern. Werden kariöse Zähne nicht behandelt, steigt die Zahl der verursachenden Bakterien in der Mundhöhle und es sind auch bisher gesunde Zähne von der Karies bedroht.
Kariesprophylaxe
Unter Kariesprophylaxe versteht man vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Karies("Zahnfäule").
Kariesprophylaxe mit Fluoriden
Bild:Fluor plaq.png a) Die Kristallite fluoridgeschützter Zahnhartsubstanz werden bei kariösen Angriffen nicht aufgelöst b) Herrscht ein Fluoriddefizit, wird bei kariösen Angriffen die Oberfläche der Kristallite teilweise oder vollständig aufgelöst
Siehe Unterartikel: Fluoride
Hierbei ist die Wirkung der Fluoride wissenschaftlich am besten untersucht und gesichert. Fluoride kommen in natürlichen Mineralien auf der ganzen Welt vor und werden seit Menschengedenken mit der Nahrung und dem Trinkwasser aufgenommen. Allergienoder Unverträglichkeitsreaktionen auf Fluoride sind nicht bekannt. Zuviel aufgenommenes Fluorid wird vom Körper auf natürliche Weise wieder ausgeschieden oder zum Aufbau von Knochenund Zähnen verwendet. Die in der Kariesprophylaxe eingesetzten Fluoride sind zugleich natürliche Spurenelemente. Sie sind an der körpereigenen Immunabwehrbeteiligt und damit für die Gesundheit unverzichtbar. Mit dem (giftigen) Element Fluorhaben Fluoride so wenig gemein wie etwa das (giftige) Chlormit dem ebenfalls lebensnotwendigen Chloridin Form des Kochsalzes(NaCl).
Fluoride entfalten ihre karieshemmende Wirkung über drei Mechanismen:
- die Remineralisationentkalkter Schmelzbereiche wird begünstigt,
- die Vergärung von Zucker in der Mundhöhle wird gehemmt und
- der fluoridreiche Zahnschmelz wird weniger säurelöslich.
Das natürliche Fluoridangebot reicht für den menschlichen Organismus im Allgemeinen aus, für eine ausreichende Kariesprophylaxe sind diese Mengen allerdings zu gering. Deshalb werden Fluoride zusätzlich zugeführt, beispielsweise lokal über Zahnpasta und Mundspüllösungen oder gesamtkörperlich in Form von Tablettenoder spezifisch angereichertem Kochsalz.
Fluoridapplikation
Fluorideerhöhen die Widerstandskraft der Zähne gegen die Angriffe durch die sauren Stoffwechselprodukte der Bakterien im Zahnbelag (Plaque) oder Säuren aus der Nahrung (Fruchtsäfte, Softdrinks).
In jeder Zahnpasta sollten Fluoride zur regelmäßigen Anwendung enthalten sein.
Auch möglich ist das Benutzen einer hoch konzentrierten Zahnpasta (Duraphat-Zahnpasta) 1-2x pro Woche. Diese ist verschreibungspflichtigund relativ teuer, dazu sollten Sie Ihrem Zahnarzt ansprechen, ob die Anwendung bei Ihnen sinnvoll ist. Es stehen auch verschiedene Gels zur Verfügung, die apothekenpflichtigsind.
Bei Patienten mit hohem Kariesrisiko kann zusätzlich eine Fluoridapplikation durch den Zahnarzt notwendig werden.
Empfehlungen der DGZMK zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden
Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (vgl. Weblinks) gibt auf der Grundlage der Erkenntnisse, dass Fluoride hauptsächlich durch direkten Kontakt mit der Zahnhartsubstanz karieshemmend wirken, Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden insbesondere bei Kindern und Jugendlichen:
- Vor dem sechsten Lebensmonat sind aus zahnärztlicher Sicht keine Fluoridierungsmaßnahmen erforderlich.
- Bereits die ersten Milchzähne sollen mit Kinderzahnpasta (maximal 500 ppm Fluorid) 1-2 mal am Tag gereinigt werden.
- Mit Beginn des dritten Lebensjahres (also wenn das Kind zwei Jahre alt geworden ist) sollen die Milchzähne zweimal täglich geputzt werden, besonders wichtig in eine abendliche gründliche Reinigung.
- Ergänzend wird die Verwendung von fluoridhaltigem Speisesalz empfohlen, spezielle Fluoridtabletten sind im Allgemeinen nicht notwendig und nur nach Rücksprache mit einem Kinderarztzu verabreichen.
Ernährungsberatung und -lenkung
Neben einer allgemeinen Ernährungsberatungsteht aus zahnärztlicher Sicht eine zahngesunde Ernährung im Vordergrund. Insbesondere Zuckerfördert die Entstehung von Karies. Bei Zucker handelt es sich um niedermolekulareKohlehydrate, die auch in Form von Honig, Traubenzucker und Fruchtzucker kariesfördernd wirken.
Zuckergehalt (Sacharose, Glukose und Fruktose)
in einigen Lebensmitteln:</b> |
Zuckergehalt (Sacharose, Glukose und Fruktose) in einigen Lebensmitteln:
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| Lebensmittel
| Zuckergehalt in g / 100 g
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Süßwaren: Bonbons Schokolade Eiscreme Butterkeks
| 90 60 20 20
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Brotaufstriche: Honig Marmelade Nuss-Nougat-Creme
| 75 60 50-60
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| Obstkonserven
| 16-44
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Fruchtsaft: gesüßt
| 10-20
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Frischobst: Bananen
| 18
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| Trockenfrüchte
| 40-64
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| Cola-Getränke
| 8-11
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| Tomatenketchup
| 28-30
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Zwischenmahlzeiten
Nach einer Mahlzeit sinkt der pH-Wertim Mund, dies ist aus der Werbung bekannt. Je nach gegessenem Lebensmittel dauert es unterschiedlich lange, bis die Bakterien im Mund die Reste zu Säure verarbeitet haben. Der pH-Wert wird vom Speichelautomatisch nach einiger Zeit wieder neutralisiert. Der Prozess kann mit ?Kaubaren Zahnbürsten?, Zahnputztablettenoder Zahnpflegekaugummisbeschleungigt werden.
Das Zähneputzen kann so jedoch nicht ersetzt werden, da die Keime, die das Zahnfleisch schädigen nicht beeinflußt werden und die Plaque nicht beseitigt wird.
Es gibt auch die Möglichkeit, den Mundraum mit Wasser und etwas Kaiser-Natron-Salzauszuspülen. Einen Esslöffel Salz auf einen halben Liter Wasser dosieren, überschüssiges Salz setzt sich am Boden ab. Da das Kaiser-Natron-Salz ein normales Nahrungsmittel ist, hat es keine schädlichen Wirkungen. Das Kaiser-Natron-Salz neutralisiert die Säurewirkung. Das Salz ist im freien Handel erhältlich.
Versiegelung tiefer Fissuren
Siehe Unterartikel: Fissur (Zahn)
Nach dem Zahndurchbruch können die Fissuren durch Mikroorganismen besiedelt werden. Da Fissuren sehr tief (bis zu 1 mm) und sehr schmal (50?m) sein können, ist eine effektive Reinigung häufig unmöglich.
Der Zahnarzt kann bei kariesgefährdeten Personen kurz nach dem Zahndurchbruch die noch kariesfreien Fissuren mit einem dünnflüssigen Kunstharz- oder Kompositmaterial versiegeln, um die Besiedlung durch die Mundflora zu verhindern (Fissurenversiegelung). Ist die Fissur bereits besiedelt, muss diese erst durch Beschleifen oder Sandstrahlen gereinigt und evtl. etwas erweitert werden (erweiterte oder invasive Fissurenversiegelung).
Literatur
- Klaus M. Lehmann und Elmar Hellwig: Zahnärztliche Propädeutik, 9. Auflage, Urban & Fischer Verlag, München Jena 2002 ISBN 3-437-05390-6
- Elmar Hellwig, Joachim Klimek und Thomas Attin: Einführung in die Zahnerhaltung, Urban & Schwarzenberg Verlag, München Wien Baltimore 1995 ISBN 3-541-18601-1
Weblinks
- Patienteninformationen der DGZMK
- DGZMK Kariesvorbeugung bei Milchzähnen
- Zahnpflegetipps aus Sicht eines Zahnarztes
- Kaubare Zahnbürsten
- www.wissenschaft.de: Kauen statt Putzen- Ein Protein im Kaugummitötet Mundbakterien
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